mini|Alte Handelswege der Seidenstraße durch Eurasien Außenhandel () wird in der Volkswirtschaftslehre und Außenwirtschaftstheorie der grenzüberschreitende Handel durch Export, Import, Lohnveredelung oder Transithandel von materiellen und immateriellen Gütern, Dienstleistungen und Kapital sowie deren Abwicklung bezeichnet. Pendant ist der Binnenhandel.

Allgemeines Der internationale Handel unterscheidet sich wesentlich vom Binnenhandel. Bei grenzüberschreitenden Geschäften erschweren die räumliche Entfernung, Sprachunterschiede sowie unterschiedliche politische, rechtliche und wirtschaftliche Systeme die Beurteilung des Geschäftspartners.Wilhelm Christians, Finanzierungshandbuch, 1988, S. 373 Der wichtigste Unterschied ist, dass der Außenhandel in der Regel teurer als der Binnenhandel ist. Der Grund dafür liegt darin, dass der lange grenzüberschreitende Transportweg in der Regel zusätzliche Kosten verursacht wie Zölle oder Transportkosten oder sonstige Transaktionskosten.

Außenhandel wird erforderlich, wenn im Inland eine Angebotslücke oder ein Nachfrageüberhang nach bestimmten Gütern oder Dienstleistungen besteht und gleichzeitig im Ausland ein Angebotsüberhang oder eine Nachfragelücke bei diesen Gütern und Dienstleistungen vorhanden sind.Rolf Caspers, Zahlungsbilanz und Wechselkurse, 2002, S. 202 Dann können beispielsweise Agrarstaaten ihre überschüssigen Agrarprodukte an Industriestaaten verkaufen und letztere ihre überschüssigen Industrieprodukte in Agrarstaaten vermarkten.

Erst der Freihandel ermöglicht einen nicht reglementierten Außenhandel, während Handelshemmnisse bis hin zum Protektionismus ihn einschränken oder unmöglich machen. Einen absoluten Freihandel kann es allerdings nicht geben, weil diesem bereits die unterschiedlichen Staatsziele und Handelspolitiken entgegenstehen. Deshalb versucht die Außenhandelspolitik als Prozesspolitik die Gestaltung der internationalen Handelsbeziehungen, mit Hilfe staatlicher regulatorischer Maßnahmen durch Außenhandelsinstrumente einzugreifen.

Der Außenhandel trägt zur internationalen Arbeitsteilung bei, weil beispielsweise Agrarprodukte oder Bodenschätze aus Agrarstaaten in den Industriestaaten weiterverarbeitet werden. So leistet er auch einen Beitrag zu Unternehmensinternationalisierungen, wenn beim Export heimische Güter auf internationalen Märkten bis hin zum Weltmarkt angeboten werden („made in Germany“) oder bei Importen ausländische Waren auf nationale Märkte gelangen.Joachim Zentes/Dirk Morschett, Außenhandel: Marketingstrategien und Managementkonzepte, 2004, S. 8

Arten Transaktionen im Außenhandel sind der Export (Ausfuhr) als Verkauf von Gütern und Dienstleistungen in das Ausland, der Import (Einfuhr) als Einkauf von Gütern und Dienstleistungen aus dem Ausland, die Lohnveredelung und der Transithandel. Hieraus ergibt sich folgende Übersicht:Reinhard Fresow, Industriefachwirte: Die Zusammenfassung, 2023, S. 160

Art Definition Verbuchung in der Handelsbilanz Export Ausfuhr von Gütern und Dienstleistungen Aktivseite Import Einfuhr von Gütern und Dienstleistungen Passivseite Lohnveredelung Weiterverarbeitung von Gütern im Inland: aktive Lohnveredelung im Ausland: passive Lohnveredelung Passivseite Aktivseite Transithandel Import von Gütern und deren sofortigem Export ohne Weiterverarbeitung Passivseite und Aktivseite

Auch der im Zusammenhang mit der Lohnveredelung auftretende Reexport und Reimport gehören zum Außenhandel. Der Transithandel weist im Regelfall in der Handelsbilanz einen geringen Saldo aus, der auf dem Gewinn dieser Transaktion beruht. Es handelt sich um eine Bilanzverlängerung.

Exporteure und Importeure sind Außenhandelsbetriebe, deren Betriebszweck ausschließlich oder überwiegend im Export und/oder Import von Gütern oder Dienstleistungen besteht.

Der intraregionale Außenhandel betrifft die Außenhandelsbeziehungen zwischen den Mitgliedsstaaten eines wirtschaftlichen Integrationsraumes (etwa die Europäische Union), während der interregionale Außenhandel die Handelsbeziehungen zwischen wirtschaftlichen Integrationsräumen (wie zwischen einem EU-Mitgliedstaat und einem Drittstaat) erfasst.Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Internationale Wirtschaft, 2013, S. 41

Ein intersektoraler Außenhandel liegt vor, wenn Waren unterschiedlicher Kategorie gehandelt werden. So exportiert Deutschland beispielsweise Kraftfahrzeuge nach Kolumbien und bezieht von dort unter anderem Kaffee.Clemens Büter, Außenhandel: Grundlagen internationaler Handelsbeziehungen, 2017, S. 17 Um intrasektoralen Außenhandel geht es, wenn dieselbe Warenkategorie zwischen Staaten gehandelt wird: Deutschland exportiert Kraftfahrzeuge nach Japan und importiert japanische Fahrzeuge.

Rechtsfragen Rechtsgrundlage für den Außenhandel ist das Außenwirtschaftsrecht, das vor allem durch das Außenwirtschaftsgesetz (AWG) und die Außenwirtschaftsverordnung (AWV) repräsentiert wird. In Abs. 1 AWG wird der Freihandel propagiert, der nur den Beschränkungen unterliegt, die das AWG oder die AWV vorsehen (Ausfuhrgenehmigung, Ausfuhrlisten, Einfuhrgenehmigung, Einfuhrlisten).

Der Außenhandel kann nur auf der Grundlage bilateraler oder multilateraler Handelsabkommen stattfinden. Sie regeln, welche Güter und Dienstleistungen zwischen den Handelspartnern ausgetauscht werden dürfen und welche nicht. Die gemeinsame Handelspolitik der EU wird gemäß Abs. 1 AEUV nach einheitlichen Grundsätzen gestaltet. Demnach muss das Europäische Parlament allen Handelsabkommen zwischen EU-Mitgliedstaaten und Drittstaaten seine Zustimmung erteilen.

Zahlreiche Handelsbräuche haben sich speziell im Außenhandel herausgebildet. Der Außenhandel zwischen Exporteuren und Importeuren kann nur reibungslos funktionieren, wenn die Exporte und Importe in ihren Lieferungs- und Zahlungsbedingungen standardisierte und allgemein anerkannte Handelsklauseln vorsehen, die den Gefahrübergang, die Transportkosten und das Transportrisiko klären. Regelungen hierzu finden sich in den Incoterms, während die ERA 600 die international anerkannten Grundlagen für die Abwicklung von Dokumentenakkreditiven beinhalten.

Außenhandel in der Wissenschaft

Die Außenhandelstheorie als Teilgebiet der Außenwirtschaftstheorie versucht, die Auswirkungen auf die Handelsbeziehungen der Marktteilnehmer zu erklären. Im Zentrum stehen unter anderem die Theorien der absoluten und komparativen Kostenvorteile. Diese Kostenvorteile entstehen vor allem durch international unterschiedliche Lohnniveaus, durch welche die Einteilung in Niedriglohn- und Hochlohnländer wegen unterschiedlicher Produktionskosten und Arbeitskosten für dasselbe Gut erforderlich wird.

Zudem ist der Außenhandel das Erkenntnisobjekt der Außenhandelsbetriebslehre, die sich vor allem mit dem Außenhandelsbetrieb befasst.

Kennzahlen Wesentliche volkswirtschaftliche Kennzahlen im Außenhandel sind die Exportquote (mit Exporterlösen ), Importquote (mit Importausgaben ) und der Außenbeitrag, die jeweils dem Bruttoinlandsprodukt gegenübergestellt werden: , . Die Außenbeitragsquote ist der Anteil des Außenbeitrags am BIP:Statistisches Bundesamt, Außenwirtschaft, Außenbeitragsquote . Sie geben an, inwieweit ein Staat in den Welthandel integriert ist.

Gibt es bei einigen Produktgruppen in einem Staat eine Importquote von „Null“, so liegt Autarkie vor, die einem Selbstversorgungsgrad von 100 % entspricht. Dies gibt es in vielen Agrarstaaten, wo Agrarprodukte oft eine Überproduktion aufweisen oder in Staaten mit über den Inlandsbedarf hinausgehenden Rohstoffen. Das Gegenteil einer zu starken Abhängigkeit von Rohstoffen (wie etwa bei Erdgas und Erdöl) führt zu Monostrukturen, welche beispielsweise die Energiesicherheit gefährden oder ein Preisrisiko darstellen, kann zu Importquoten von bis zu 100 % führen.

Statistiken Die zehn größten Exportnationen weltweit:WTO (Hrsg.), Statistiken zu Handel und Zöllen, 2017 +Führende Exportnationen im Jahr 2017 (in Milliarden US-Dollar und Prozent) Rang(Wert) Land WertAnteil 1. 2.26312,8 2. 1.5468,7 3. 1.4488,2 4. 6983,9 5. 6523,7 6. 5743,2 7. b,c5503,1 8. 5353,0 9. 5062,9 10. 4452,5 b Schätzungen des WTO-Sekretariats c In diesen Zahlen sind erhebliche Transfers im Rahmen von Re-Exports (Ausfuhren von ausländischen Gütern) und Einfuhren für Re-Exports enthalten

Die zehn größten Importnationen weltweit: WTO (Hrsg.), Statistiken zu Handel und Zöllen, 2017 +Führende Importnationen im Jahr 2017 (in Milliarden US-Dollar und Prozent) Rang(Wert) Land Wert a Anteil 1. 2.40913,4 2. 1.84110,2 3. 1.1676,5 4. 6723,7 5. 6443,6 6. 6253,5 7. b5903,3 8. 5743,2 9. 4782,7 10. 4532,5 a FOB-Basis des Ausfuhrhafens Schätzungen des WTO-Sekretariats b In diesen Zahlen sind erhebliche Transfers im Rahmen von Re-Exports (Ausfuhren von ausländischen Gütern) und Einfuhren für Re-Exports enthalten

Wirtschaftliche Aspekte Bereits für Thomas Mun stand im Jahre 1664 fest, dass Wohlstand dadurch entstehe, wenn andere Nationen mehr von England kauften als England von diesen konsumiere, wenn mithin ein Handelsbilanzüberschuss entstehe.Thomas Mun, England's Treasure by Forraign Trade, 1664, S. 89 f. Adam Smith führte dagegen den Außenhandel in seinem im März 1776 erschienenen Buch Wohlstand der Nationen darauf zurück, dass jedes Land sich auf die Herstellung jener Güter konzentriere, bei denen es einen absoluten Kostenvorteil erziele.Adam Smith, An Inquiry Into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, Band 1, 1776, S. 233 ff.

Die unbestrittene Wirkung des Außenhandels auf den Wohlstand gilt jedoch nicht für alle Staaten, denn die Vorteile, die ein Staat aus dem Außenhandel zieht, können auch ganz oder teilweise zu Lasten anderer Länder gehen.Hubertus Adebahr/Wolfgang Maennig, Außenwirtschaft: Außenhandel und Weltwirtschaft, Band II, 1987, S. 69 Damit verursacht der Außenhandel eine Veränderung des Volkseinkommens und sorgt als Puffer für binnenwirtschaftliche Angebots- und Bedarfsverschiebungen.Wolfgang Filc/Claus Köhler (Hrsg.), Kooperation, Autonomie und Devisenmarkt, 1990, S. 39 Angebotsüberhänge können exportiert, Nachfrageüberhänge importiert werden. Globalisierung, multinationale Unternehmen und Outsourcing sind Resultate des Außenhandels.

Der deutsche Außenhandel wird in amtlichen Außenhandelsstatistiken nach Menge und Wert der Waren sowie nach Bezugs- und Abnehmerländern ausgewiesen.Ute Arentzen/Ulrike Lörcher, Gabler Lexikon Wirtschaft, 1995, S. 22 Die Volkswirtschaftslehre erfasst sämtliche außenwirtschaftlichen Aktivitäten in der Handels- und Dienstleistungsbilanz.Springer Fachmedien Wiesbaden (Hrsg.), Kompakt-Lexikon Internationale Wirtschaft, 2013, S. 42 Wichtige volkswirtschaftliche Kennzahlen für den Außenhandel sind der Außenbeitrag, die Außenhandelsquote, Exportquote, Importquote oder Offenheitsgrad. Der Außenbeitrag erfasst die Werte sämtlicher Exporte und Importe von materiellen und immateriellen Gütern und Dienstleistungen eines Staates innerhalb einer Rechnungsperiode. Er zeigt, ob ein Staat mehr exportiert als er importiert (Nettoexport) oder umgekehrt (Nettoimport). Die Außenhandelsquote setzt die Exporte und Importe ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt.

Typisch für den Außenhandel sind dessen erhöhte Transaktionskosten im Vergleich zum Binnenhandel.Joachim Zentes/Dirk Morschett, Außenhandel: Marketingstrategien und Managementkonzepte, 2004, S. 20 Grund ist beim Import oder Export die zu überbrückende größere Distanz zwischen Importeur und Exporteur, die höhere Transportkosten zur Folge hat. Gleichzeitig geht hiermit auch eine Erhöhung des Transportrisikos einher.

In der Betriebswirtschaftslehre spricht man vom institutionellen Außenhandel, wenn das Kerngeschäft eines Unternehmens außenhandelsorientiert ist (Außenhandelsbetrieb). Derartige Unternehmen generieren den größten Teil ihrer Umsatzerlöse durch Export oder Import. Es besteht mit dem Kaufmann im Groß- und Außenhandel ein eigenständiges Berufsbild.