Das 7,5-cm-leichtes Infanteriegeschütz 18 oder kurz leIG 18 war ein leichtes Infanteriegeschütz der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges.
Entwicklung und Produktion In den 1920er Jahren reifte der Plan, den bislang in den 13. Kompanien der Infanterieregimenter der Reichswehr vorhandenen leichten Minenwerfer durch ein Infanteriegeschütz zu ersetzen. Infolgedessen entwickelte die Firma Rheinmetall in Düsseldorf, die schon den leichten Minenwerfer entworfen hatte, ab 1927 ein geeignetes Nachfolgemodell. Beginnend ab 1932, wurde das Geschütz als 7,5-cm-leichtes Infanteriegeschütz 18 bei der Reichswehr in Dienst gestellt. Es war mit seinen rund 400 kg Gewicht nötigenfalls auch im Mannschaftszug beweglich und hatte mit etwa 3,5 km eine genügende Schussweite, um plötzlich in Sichtweite auftauchende Ziele sofort bekämpfen zu können. Nach dem Versailler Friedensdiktat war die Entwicklung neuer Waffen in Deutschland untersagt. So wählte man die Bezeichnung 18 und täuschte damit vor, dass das Geschütz noch im letzten Kriegsjahr entwickelt worden sei und damit nicht unter das Verbot falleGleiches gilt für die anderen mit 18 bezeichneten Geschütze: 10,5-cm-leichte Feldhaubitze 18, 15-cm-schwere Feldhaubitze 18, Schwere 10-cm-Kanone 18 und andere.. Im Übrigen wurde die Einführung der Waffe auch ansonsten nach Kräften geheim gehalten: So lesen wir im „Deutschen Wehrkalender“ für das Jahr 1935, die Reichswehr habe keine InfanteriegeschützeDeutscher Wehrkalender 1935, bearbeitet von Offizieren des Reichsheeres, Stalling, Oldenburg i.O. Ende 1934, S. 56. Hersteller war zunächst die Firma Rheinmetall, später waren es die Česká zbrojovka in Strakonice und die Hallesche Bäckereimaschinenfabrik (Habämfa) in Halle und Ammendorf. Bei Kriegsbeginn im September 1939 hatte die Wehrmacht 2933 Stück in ihrem Bestand, es folgten 290 Stück im restlichen Jahr 1939, 850 Stück im Jahr 1940, 1115 Stück 1941, 1188 Stück 1942, 1965 Stück 1943, 2309 Stück 1944 und mindestens 589 Stück 1945Hahn S. 117, die Gesamtfertigung betrug daher über 11.000 Stück. Der Herstellungspreis des Geschützes betrug 6700 RM. Hahn S. 116
Beschreibung Das leIG 18 hatte einen niedrigen Aufbau mit einfacher Kastenlafette und ein relativ kurzes gezogenes Rohr (24 Züge). Das hydropneumatische Rohrrücklauf- und Vorholsystem lag in der Wiege unter dem Rohr. Das Geschütz besaß einen Kippverschluss und wurde ähnlich wie ein Schrotgewehr geladenHogg: Deutsche Artilleriewaffen WW II 1978 S. 28. Dabei wurde das Rohrende über einen Hebel angehoben. Um die Stabilität beim Abschuss des Geschützes zu gewährleisten, wurde der Holm mit einem Erdsporn versehen. Dieser grub sich beim Abschuss in die Erde. Zum Schutz der Besatzung war es mit einem Splitterschutzschild versehen. Dieser Schild bot indes lediglich Schutz gegen Beschuss aus Handwaffen und gegen Splitterwirkung.
Als Richtmittel diente das Rundblickfernrohr Z.E.34. Aufgrund der einstellbaren (Schiess-)Winkelgruppen ist das 7,5 cm leIG 18 in den Bereich der Haubitzen einzuordnen, da sowohl aus der oberen (Steilfeuer) als auch aus der unteren Winkelgruppe (Flachfeuer) geschossen werden konnte. Das Einstellen des seitlichen Richtbereiches, von ca. 11 Winkelgrad zu jeder Seite, erfolgte nicht wie bei anderen Geschützen durch Verdrehen der senkrechten Wiegeachse zur Radachse, sondern durch seitliches Verschieben der Geschützwiege parallel zur Radachse des Geschützes. Dieses geschah mittels Handrad über eine ins Achsgehäuse integrierte Zahnstange.
Eine bauliche Unterscheidung der Geschütze entstand durch die Art der Transportmöglichkeiten. Das Geschütz für den bespannten Pferdezug hatte eisenbeschlagene Holzspeichenräder; das Geschütz für den Kfz-Zug hatte gummibereifte Metallscheibenräder.
Auch im Gebirge oder bei Schnee konnte das leichte Infanteriegeschütz 18 transportiert werden. Dazu wurde dieses auf den Heeresschlitten (Hs. 3), welcher ab 1942 zur Verfügung stand, verlastet. Alternativ wurden sogenannte Skikufen bereitgestellt. Diese bestanden aus zwei Radkufen und einer Spornkufe und dienten zum Fortbewegen des leichten Infanteriegeschützes im tiefen Schnee. Zeitgleich zum Transport konnten die Kufen auch als Schießunterlage für das Geschütz genutzt werden. Oftmals wurden diese Kufen, durch zur Verfügung gestellte Zeichnungen, selbst angefertigt. Gezogen wurde das Geschütz dann durch die Soldaten selber.
Munition mini|75-mm-Munition für le.IG.18F, leIG 18F,1 = Sprenggeschoss,2 = Hohlladungsgeschoss,3 = Treibladungshülse/Kartusche Bei der Munition handelte es sich um sogenannte "getrennte Munition". Hierbei sind Geschoss und Treibladung im Transportzustand voneinander getrennt und werden erst kurz von dem Laden des Geschützes zusammengeführt(-gesteckt). Das Geschossgewicht betrug 6 kg. Die Treibladung bestand aus fünf ringförmigen Teilladungen, welche in einer kurzen Kartusche (Treibladungshülse) untergebracht waren. Wie bei der großkalibrigen Artillerie üblich, konnten die Kanoniere, je nach gewünschter Schussweite oder Winkelgruppe, entweder alle fünf ("5.Ladung" = höchste Schussweite) oder nur eine, zwei, drei usw. (1. bis 4. Ladung") verwenden. Die Anzahl der verwendeten Teilladungen hatte direkten Einfluss auf die Geschossgeschwindigkeit. Diese betrug an der Rohrmündung bei "erster Ladung" 95 m/s und bei "5. Ladung" 221 m/s. Ebenso wie die Anzahl der verwendeten Teilladungen hatte natürlich auch die eingestellte Rohrerhöhung Einfluss auf die Reichweite. Diese betrug zwischen 500 und 3500 Meter. Die nicht verwendeten Teilladungen wurden dabei vor dem Aufstecken der Kartusche auf den Geschossboden einfach von Hand aus der Kartusche herausgenommen. Aus diesem Grunde erhielten die Geschützbedienungen eine artilleristische Grundausbildung. Eine gut gedrillte Geschützmannschaft erreichte eine Feuergeschwindigkeit von 8 – 10 Schuss/Minute. Quelle: Jakob Onkelbach, Bericht eines ehemaligen Kanoniers einer Geschützbedienung
Die wirksame Splitterverteilung der durch Drall stabilisierten Sprenggranate lag bei 20 Meter zu beiden Seiten, die wirksame Splitterreichweite ca. 60 Meter vom Aufschlagpunkt. Bei direkten Treffern konnten Feldbefestigungen und Deckungen mit bis zu einem Meter Erdabdeckung durchschlagen werden. Es existierten zwei unterschiedliche Varianten der Sprenggranate, einmal die Ing 18 und die Ing 38 (Ing = Infanteriegranate). Diese unterschieden sich in der Wirkladung. Sie enthielten entweder TNT/Aluminium (90/10) oder Amatol (40/60).
Einsatz Die leichten Infanteriegeschütze ersetzten seit ihrer Einführung (s. o.) die bis dahin in Gebrauch befindlichen leichten Minenwerfer in den 13. Kompanien eines jeden Infanterie-Regimentes, die fortan den Namen „Infanteriegeschütz-Kompanie“ (kurz: „IG-Kp.“) führte. Jede IG-Kp. hatte 6 leichte (2 je Infanterie-Bataillon) und 2 schwere Infanteriegeschütze je Regiment. Eine kriegsstarke IG-Kompanie bestand aus
Kompaniechef, meist ein Hauptmann, beritten Kompanietrupp mit 1 Nachrichten-Unteroffizier, 3 Fernsprechern, 3 Meldern, 2 Vermessern, 2 Rechnern, 1 Entfernungsmeßmann, 1 Pferdehalter (beritten) und 1 vierspännigen Beobachtungswagen mit 2 Fahrern vom Sattel drei leichte IG-Züge mit je Zugführer (Leutnant oder Feldwebel), Stellungs-Unteroffizier, zwei Richtkreis-Unteroffiziere, 1 Entfernungsmeßmann, 1 Melder, 1 Pferdehalter, alle beritten, ferner 3 nicht berittene Fernsprecher und 1 Melder zwei leichte Infanteriegeschütze, jeweils vierspännig mit Protze und 2 Fahrern vom Sattel, einem berittenen Geschützführer (Unteroffizier) und 5 Mann Bedienung (Richtschütze, Ladeschütze und 3 Munitionsschützen), dazu eine Munitionsstaffel mit 2 vierspännigen Munitionsanhängern hinter Protzen mit je 2 Fahrern vom Sattel und 2 Munitionshelfern, die unberittenen Fernsprecher und Melder sowie die Geschützbedienungen saßen während des Marsches auf den Protzen, ein schwerer IG-Zug mit Zugführer und Zugtrupp (wie oben) zwei schweren Infanteriegeschützen, jeweils sechsspännig mit Protzen und drei Fahrern vom Sattel, je Geschütz 1 berittener Geschützführer und 6 Mann auf den Protzen aufgesessene Bedienung (Richtschütze, 2 Ladeschützen, 3 Munitionsschützen) Munitionsstaffel mit Staffelführer (Unteroffizier, beritten), 4 vierspännigen Munitionswagen (Protze und Munitionsanhänger), diese jeweils mit 2 berittenen Fahrern und 2 aufgesessenen Munitionsschützen Gefechtstroß mit Hauptfeldwebel (beritten), Sanitäts-, Waffen- und Feuerwerks-Unteroffizier (alle auf Fahrrad), einer großen Feldküche (zweispännig) mit Fahrer vom Bock und 2 Köchen, Fahnenschmied (beritten) mit Feldschmiedewagen (zweispännig) mit Fahrer vom Bock und 3 Beschlagschmieden, Verpflegungstroß mit Verpflegungs-Unteroffizier (beritten), Rechnungsführer und zwei Lebensmittel-/Futterwagen (zweispännig), jeweils mit Fahrer vom Bock und WagenbegleiterBuchner, Alex: Das Handbuch der deutschen Infanterie, Wölfersheim o. J., S. 36
Die ganze Infanteriegeschütz-Kompanie sollte damit 3–5 Offiziere, 25–30 Unteroffiziere und etwa 160 Mannschaften, 88 Zug- und 45 Reitpferde, 8 Geschütze, 15 sonstige bespannte Fahrzeuge und 6 Fahrräder umfassen, allerdings wurde diese Sollstärke häufig nicht erreicht.
Im Einsatz wurde die Kompanie häufig aufgeteilt und die 3 leichten IG-Züge direkt den 3 Bataillonen des Regiments unterstellt, der schwere IG-Zug blieb für besondere Aufgaben in der Reserve des Regiments. Wegen seiner geringen Mündungsgeschwindigkeit und seines geringen Schwenkbereiches (Kastenlafette!) war das leichte Infanterie-Geschütz zur Panzerabwehr nur eingeschränkt geeignet, bis zu 300 m Entfernung konnten leicht gepanzerte Ziele mit Sprenggranaten erfolgreich bekämpft werden. Für den Einsatz zur Panzerabwehr wurden in der zweiten Kriegshälfte Hohlladungsgranaten ausgegeben, mit denen bis zu 85 mm Panzerstahl durchschlagen werden konnten. Dies war zumindest ausreichend, um auch gegen mittlere Panzer akzeptable Erfolgschancen zu erhalten.
Während des Feldzuges gegen Polen hatten allerdings nur die bereits im Frieden vorhandenen Infanteriedivisionen der 1. WelleEs gab während des 2. Weltkrieges insgesamt 35 Aufstellungswellen von Infanterie-Divisionen, Divisionen jeweils einer Welle wiesen eine gleiche Grundgliederung auf schwere Infanteriegeschütze, die neu bei Kriegsbeginn aufgestellten Divisionen der 2. bis 4. Welle hatten statt des schweren einen weiteren leichten IG-Zug. Dazu gab es in der schweren Kompanie der Aufklärungsabteilungen einen (motorisierten) Zug mit 2 leichten IGMüller-Hillebrand Bd.I S. 151ff. Die Divisionen der ersten Welle hatten also insgesamt 20 leichte und 6 schwere IG, die der 2.–4. Welle 26 leichte IG. Dies hatte sich auch bis zum Frankreichfeldzug im Mai 1940 nicht geändert, die mittlerweile aufgestellten Infanterie-Divisionen der 5. und 6. Welle hatten überhaupt keine Infanteriegeschütze, die der 7. und 8. Welle nur 4 leichte Infanteriegeschütze pro Infanterie-RegimentMüller-Hillebrand Bd.II S. 129ff.
Erst bis zum Beginn des Russlandfeldzuges gelang es, die Infanterie-Divisionen auch der 2. bis 5. und der 7. bis 12. Welle mit IG-Kompanien in der Stärke der ersten Welle auszustatten, bei den neu aufgestellten Infanterie-Divisionen ab der 13. Welle fehlten weiterhin Infanteriegeschütze, allerdings waren diese Divisionen auch nur für Besatzungsaufgaben in Frankreich und Norwegen vorgesehenMüller-Hillebrand Bd.II S. 161ff.