Beizeichen (Bruch, franz. Brisure) sind Zeichen in den Wappen, welche zur Unterscheidung abgeteilter Linien oder zur Kennzeichnung jüngerer Geburt oder unehelicher Abkunft (Letzteres nur bei westlichen Nationen) dienen können.

Grundlagen In Westeuropa wurden Beizeichen häufiger verwendet als in Mitteleuropa.Vgl.: Konrad Fuchs, Heribert Raab: dtv-Wörterbuch zur Geschichte. Band 1: A–K (= dtv 3283). 6. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1987, ISBN 3-423-03283-9, S. 83.

In England und Frankreich unterscheiden sich die Wappen in den Familien durch die Brisuren. Es sind der Turnierkragen, Schrägfäden oder Borde. Sie zeigen die Zugehörigkeit in Art und Stellung zum Familienzweig. In England ist die Belegung des Turnierkragens mit gemeinen Figuren zur weiteren Unterscheidung/Wappenbesserung verbreitet. Für die Differenzierung der einzelnen Familienlinien werden kleine gleichartige Figuren (Herzen, Rauten, kleine Schragen) im Schild platziert. Sie werden in diesem Fall als Beizeichen gewertet.

Das Charakteristische des Beizeichens ist, dass der Wegfall desselben das Wappen nicht ändert, sondern vielmehr die ursprüngliche Gestalt wiederherstellt. Tritt die betreffende Figur selbständig auf (wie z. B. nicht selten der Turnierkragen), so ist sie kein Beizeichen, sondern Hauptbild. Man hat auch sphragistische Beizeichen, welche den Zweck haben, zwei dem Bild und der Größe nach ähnliche Siegeltypen durch ein in die Augen fallendes Merkmal unterscheiden zu können.

Nationales Deutschland In Deutschland wurden die Beizeichen in sehr vielfältiger Art geschaffen, z. B. durch Verminderung des Helmkleinodes oder der Tinktur, durch Vermehrung, Verminderung oder Stümmelung der Figuren. Die wichtigsten figürlichen Beizeichen, die als solche auch in Deutschland vorkommen, sind z. B.: zentriert|44x44px Turnierkragen Erster Sohn Der Turnierkragen wird auch als Bank, Steg, Rechen oder Brücke bezeichnet. Generell wird er verwendet, wenn der älteste Sohn sein Wappen von dem seines Vaters differenzieren will (Wappenbrecher). 40px|zentriert liegender Mond Zweiter Sohn 40px|zentriert Stern Dritter Sohn Der fünfzackige Stern war ursprünglich ein Spornrädchen und wird in Frankreich oft mit sechs Zacken dargestellt. 40px|zentriert Merlette Vierter Sohn Die Merlette ist ein heraldisch gestutzter kleiner, entenartiger Vogel ohne Schnabel und Füße. 40px|zentriert Ring-Annulet Fünfter Sohn 40px|zentriert Lilie (Fleur-de-lis) Sechster Sohn 40px|zentriert Rose Siebter Sohn 40px|zentriert Kreuz Achter Sohn

Für weibliche Nachkommen gibt es in der deutschen Heraldik keine Beizeichen.Walter Leonhard: Das große Buch der Wappenkunst. Entwicklung, Elemente, Bildmotive, Gestaltung. Georg D. W. Callway, München 1976, ISBN 3-7667-0335-8.

Commonwealth of Nations Kanada mini|Beizeichen des kanadischen Systems siehe Abbildung rechts

Britische Königsfamilie 75px|zentriert zentriert|87x87px zentriert|87x87px 75px|zentriert 75px|zentriert 75px|zentriert Wappen desKönigs Wappen des Prince of Wales Wappen von Catherine, Princess of Wales Wappen von Harry, Duke of Sussex Wappen von Andrew Mountbatten-Windsor Wappen von Beatrice of York 75px|zentriert 75px|zentriert 75px|zentriert 75px|zentriert 75px|zentriert 75px|zentriert Wappen von Eugenie of York Wappen von Edward, Duke of Edinburgh Wappen von Anne, Princess Royal Wappen von Richard, 2. Duke of Gloucester Wappen von Edward, 2. Duke of Kent Wappen von Michael of Kent

Schottland mini|700px|links|Beispiel für das Schottische System

Frankreich Französische Königsfamilie Die Fleur-de-Lys geviert mit Kragen gebordet mit Bruch 65px|zentriert 65px|zentriert 65px|zentriert 65px|zentriert 65px|zentriert 65px|zentriert 65px|zentriert 65px|zentriert Wappen desMonarchen Wappen desDauphin von Frankreich Wappen desHerzogs von Orléans Wappen desHerzogs von Anjou Wappen desHerzogs von Berry Wappen desFürst von Condé Wappen desFürst von Conti Wappen desHerzogs von VendômeOttfried Neubecker, Roger Harmignies: Le Grand livre de l’héraldique. L’histoire, l’art et la science du blason. Bordas, Paris 1981, ISBN 2-04-012582-5.

Bulgarien mini|Großes Wappen Alexanders von Bulgarien Fürst Alexander von Bulgarien führte als Sohn des Prinzen Alexander von Hessen-Darmstadt aus nicht ebenbürtiger Ehe (Haus Battenberg) den hessischen Löwen mit dem Turnierkragen in den battenbergischen Farben als Beizeichen.

Italien Haus Savoyen

65px|zentriert 65px|zentriert 65px|zentriert 65px|zentriert 65px|zentriert Wappen desMonarchen Wappen des Fürsten von Piemont (Kronprinz) Wappen desHerzogs von Genua Wappen desHerzogs von Aosta Wappen desFürsten von Carignan Accessed 18. April 2009.Jiří Louda, Michael Maclagan: Les Dynasties d’Europe. Héraldique et Généalogie des Familles Impériales et Royales. Nouvelle édition. Bordas, Paris 1993, ISBN 2-04-027013-2, S. 242–243.

Portugal Portugiesische Königsfamilie 50px|zentriert50px|zentriert 50px|zentriert 50px|zentriert 50px|zentriert 50px|zentriert Wappen desMonarchenWappen des Kronprinzen Wappen des Fürsten von Beira(Ältester Sohn des Kronprinzen) Wappen des Ersten Infanten Wappen des Zweiten Infanten Wappen des Dritten Infanten Spanien Die genealogischen Beizeichen:José de Avilés, Marqués de Avilés: Ciencia heroyca, reducida a las leyes heráldicas del blasón. Band 2. J. Ibarra, Madrid 1780, S. 234–242 (Edición facsimilar: Bitácora, San Fernando de Henares 1992, ISBN 84-465-0006-X). – Turnierkragen Mond Stern Merlette Ring Lilie 40px|zentriert 40px|zentriert 40px|zentriert 40px|zentriert 40px|zentriert 40px|zentriert 40px|zentriert Erster Sohn Zweiter Sohn Dritter Sohn Vierter Sohn Fünfter Sohn Sechster Sohn Siebter Sohn

Spanische Königsfamilie 100px|zentriert 100px|zentriert Wappen des Monarchen Wappen des Fürsten von Asturien

Siehe auch Bastardfaden Bastardwappen

Literatur Meyers Konversationslexikon. 4. Auflage. Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig / Wien, 1885–1892

Weblinks Einführung in die Heraldik: Motive und Schildbild Einführung in die Heraldik: Der Turnierkragen

Einzelnachweise

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