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Die University of Oxford (rechtlich The Chancellor, Masters and Scholars of the University of Oxford), deutsch Universität Oxford, in Oxford im Vereinigten Königreich ist eine der ältesten und renommiertesten Universitäten der Welt. Die Universität ist gesetzlich als Körperschaft verfasst.
Sie ist die älteste Universität der englischsprachigen Welt und existiert nachweislich seit dem 12. Jahrhundert. Sie unterteilt sich in 39 Colleges und vier Permanent Private Halls. Alle Colleges sind selbstverwaltete Einrichtungen innerhalb der Universität, welche jeweils ihre eigene Mitgliedschaft, interne Strukturen und Aktivitäten kontrollieren.
Die Universität Oxford wird von den meisten internationalen und britischen Ranglisten zu den besten Hochschulen gezählt. Gemeinsam mit der Universität Cambridge und den Londoner Universitäten, Imperial College London, King’s College London, London School of Economics and Political Science und dem University College London, bildet die Universität Oxford das sogenannte Golden Triangle, eine Gruppe prestigeträchtiger britischer Traditionsuniversitäten.What is the Golden Triangle in the UK?, auf bidwells.co.uk Sie ist Mitglied der britischen Russell-Gruppe forschender Universitäten.
Oxford hat eine stattliche Anzahl von bemerkenswerten Alumni hervorgebracht, darunter 30 Premierminister des Vereinigten Königreichs und zahlreiche internationale Staats- und Regierungschefs. Bis November 2019 haben 55 Nobelpreisträger, drei Fields-Medaillengewinner und sechs Turing-Preisträger an der Universität studiert oder gearbeitet. Alumni der Universität haben 160 olympische Medaillen gewonnen. Oxford ist die Heimat zahlreicher Stipendien, darunter das Rhodes-Stipendium, eines der ältesten internationalen Stipendienprogramme für Hochschulabsolventen.
Geschichte Gründung mini|alt=|Balliol College – eines der ältesten konstituierenden Colleges der Universität Die Universität von Oxford (lateinisch Universitas Oxoniensis) hat kein bekanntes Gründungsdatum. Die ältesten Anzeichen eines Lehrbetriebs in Oxford sind Briefe eines Schulmeisters, der um das Jahr 1096 dort zu lehren begann. Die Universität expandierte um 1167, da König Heinrich II. es Engländern verboten hatte, die Universität von Paris zu besuchen. Mit der Universität von Paris und der Universität Bologna gehört Oxford zu den ältesten Universitäten Europas. Der Historiker Giraldus Cambrensis hielt bereits 1188 Vorlesungen an der Universität und der erste ausländische Gelehrte, Emo von Wittewierum, traf 1190 in Oxford ein. Der Leiter der Universität trägt den Titel Chancellor (deutsch: Kanzler) seit mindestens 1201. Die Universität Oxford erhielt Royal Charter 1248 während der Regierungszeit von König Heinrich III. mini|Mob Quad des Merton College – das älteste Geviert der Universität|alternativtext=|links
Eines der ältesten Dokumente über die Universität moderierte ihre Wiederbelebung nach einem Zerwürfnis mit der Stadt und wurde von einem Legaten des Papstes im Jahr 1214 verfasst. Anlass dieses Zerwürfnisses war eine Hinrichtung im Jahr 1208 oder 1209, weshalb einige Gelehrte nach Cambridge flohen und später die University of Cambridge gründeten. Seit der Entstehung der Universität Cambridge prägen diese beiden Universitäten, zusammenfassend auch Oxbridge genannt, das geistige Leben Großbritanniens.
Nachdem die Universität in den ersten knapp 100 Jahren ihres Bestehens stark gewachsen war und ihre Studenten, die damals bereits rund die Hälfte der Einwohner Oxfords ausmachten, Schwierigkeiten hatten, Unterkünfte zu finden sowie entsprechend abhängig von der Stadt waren, wurden im 13. Jahrhundert erste studentische Unterkünfte (Halls) errichtet, aus denen sich später die Colleges entwickelten, die auch eigene Lehrveranstaltungen anboten. 1413 wurde die Unterbringung in einer Hall oder einem College für Studenten verpflichtend; nicht zuletzt, um eine bessere Kontrolle über sie zu erhalten.
Studenten schlossen sich aufgrund ihrer geografischen Herkunft zu zwei Nationes zusammen, die den Norden (northerners oder Boreales, zu denen Engländer nördlich des River Trent und Schotten gehörten) und den Süden (southerners oder Australes, zu denen Engländer südlich des Flusses Trent, Iren und Waliser gehörten) repräsentierten. In späteren Jahrhunderten beeinflussten die geografische Herkunft weiterhin die Zugehörigkeit vieler Studenten, als die Mitgliedschaft in einem College oder einer Hall in Oxford üblich wurde. Darüber hinaus ließen sich Mitglieder vieler Orden Mitte des 13. Jahrhunderts in Oxford nieder, darunter Dominikaner, Franziskaner, Karmeliter und Augustiner, und unterhielten Unterkünfte oder Halls für Studenten.Christopher Brooke, Roger Highfield. Oxford and Cambridge. Etwa zur gleichen Zeit gründeten private Wohltäter Colleges als eigenständige Lehreinrichtungen. Zu den frühesten derartigen Wohltätern gehörten William of Durham, welcher 1249 das University College stiftete, und John Balliol, der Vater des zukünftigen schottischen Königs und Namenspatron des Balliol College. Walter of Merton, der spätere Bischof von Rochester, entwickelte eine Reihe von Vorschriften für das Leben am Merton College.Edward France Percival. The Foundation Statutes of Merton College, Oxford. Damit wurde es zum Vorbild für solche Einrichtungen in Oxford sowie an der University of Cambridge. Danach lebten immer mehr Studenten in Colleges und nicht in Halls und religiösen Häusern. 1355 ereignete sich der bis heute verheerendste Konflikt zwischen Studenten und Bürgern der Stadt.
In den Jahren 1333/1334 wurde ein Versuch einiger unzufriedener Gelehrten, eine neue Universität in Lincolnshire Stamford zu gründen, von den Universitäten Oxford und Cambridge blockiert. Danach durften bis in die 1820er Jahre keine neuen Universitäten in England gegründet werden. Dadurch hatten Oxford und Cambridge ein Duopol, welches für große westeuropäische Länder ungewöhnlich war.
Renaissance mini|1605 war Oxford noch eine ummauerte Stadt (Der Norden befindet sich unten auf dieser Karte) mini|Divinity School – Das älteste, noch erhaltene, zweckgebaute Gebäude der Universität Die Werte der Renaissance haben Oxford ab dem späten 15. Jahrhundert stark beeinflusst. Zu den Gelehrten dieser Zeit gehörten William Grocyn, der zur Wiederbelebung der griechischen Sprachwissenschaft beitrug, und John Colet, ein einflussreicher Bibelwissenschaftler.
Im Laufe der englischen Reformation und dessen Bruch mit der römisch-katholischen Kirche flohen einige Gelehrte aus Oxford nach Kontinentaleuropa und ließen dort sich vor allem an der Universität von Douai nieder. Der Unterricht in Oxford wurde von der mittelalterlichen, scholastischen Methode auf die Bildungsmethoden der Renaissance umgestellt, obwohl die Universität signifikante Land- und Einkommensverluste erlitten hat. Als Zentrum der Lehre nahm Oxfords Ruf im Zeitalter der Aufklärung ab. Die Einschreibungen gingen zurück und der Unterricht wurde vernachlässigt. Die Universität Oxford sowie die Universität von Cambridge erfuhren umfassende Freiheiten und wurden 1571 durch den Oxford and Cambridge Act von Elisabeth I. zu Körperschaften erhoben.
1636 kodifizierte William Laud, der Kanzler der Universität und Erzbischof von Canterbury, die Statuten der Universität. Diese wurden bis Mitte des 19. Jahrhunderts weitgehend erhalten. Laud war für die Sicherung der Privilegien für die University Press verantwortlich und leistete bedeutende Beiträge zur Bodleian Library, der Hauptbibliothek der Universität. Seit der Gründung der Church of England bis 1866 war die Mitgliedschaft in der Kirche eine Voraussetzung, um einen Bachelor-Abschluss der Universität zu erhalten. Andersgläubige durften den Master of Arts erst 1871 erhalten.
Die Universität war während des englischen Bürgerkriegs (1642–1649) ein Zentrum der Royalisten, während die Stadt die gegnerischen Parlamentarier unterstützte. Karl I. suchte in Christ Church Zuflucht und nutzte das College als seine Residenz während des Bürgerkriegs. In der Speisehalle von Christ Church tagte das loyalistische Rumpfparlament. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts beteiligte sich die Universität jedoch kaum noch an politischen Konflikten.
Das 1610 gegründete Wadham College war das College des Astronomen und Architekten Christopher Wren. Wren war in den 1650er Jahren Teil einer Gruppe experimenteller Wissenschaftler in Oxford, dem Oxford Philosophical Club, zu dem auch Robert Boyle und Robert Hooke gehörten. Diese Gruppe hielt regelmäßige Treffen in Wadham unter der Leitung von John Wilkins ab und bildete die Keimzelle, welche später die Royal Society gründete.
Frauen und Oxford
Bis 1878 war es Frauen verboten, an den Colleges von Oxford zu studieren. 1878 wurden mit der Lady Margaret Hall und 1879 mit dem Somerville College die ersten reinen Frauencolleges gegründet, zehn Jahre nachdem die ersten Colleges für Frauen in Cambridge gegründet wurden. Lady Margaret Hall und Somerville öffneten 1879 erstmals ihre Türen für ihre ersten 21 Studentinnen (12 aus Somerville, 9 aus Lady Margaret Hall), welche Vorlesungen in Räumen über einer Oxforder Bäckerei besuchen mussten. 25 weitere Studentinnen, welche zu Hause oder mit Freunden lebten, gründeten die Society of Oxford Home-Students, welche sich 1952 zu dem St Anne’s College entwickelte.
Ende des 19. Jahrhunderts folgten die Gründungen des St Hugh’s College und des St Hilda’s College. Alle diese Colleges wurden später koedukativ, beginnend mit Lady Margaret Hall und St. Anne’s 1979. Das letzte reine College für Frauen war St Hilda’s, welches seit 2008 nun auch männliche Bewerber akzeptiert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Oxford und Cambridge weitgehend als Bastionen männlicher Privilegien angesehen. Die Integration von Frauen in Oxford wurde während des Ersten Weltkriegs vorangetrieben und Frauen 1916 als gleichberechtigte Medizinstudentinnen aufgenommen. 1917 übernahm die Universität die finanzielle Verantwortung für von Frauen getätigte Prüfungen.
Erst am 7. Oktober 1920 durften Frauen auch dieselben akademischen Grade wie ihre männlichen Kommilitonen erwerben.Handbook to the University of Oxford. University of Oxford. 1965. p. 43. 1927 schufen die Dons der Universität eine Quote, welche die Anzahl Studentinnen auf ein Viertel der männlichen Studenten beschränkte. Diese Regelung wurde erst 1957 aufgehoben. Da zu dieser Zeit alle Oxford Colleges nur Studenten eines Geschlechts aufnahmen, wurde die Anzahl Studentinnen dennoch durch die Aufnahmekapazitäten der Frauencolleges begrenzt. Erst 1959 erhielten die Frauencolleges den Status als vollwertige Colleges der Universität. Mehrere Colleges wurden von Frauen begründet oder mitgestaltet, wie das Balliol College und Wadham College.
1974 waren Brasenose, Hertford, Jesus, St Catherine’s und Wadham die ersten Männer-Colleges, welche auch Frauen zuließen. Die Mehrheit der Männercolleges nahmen 1979 ihre ersten Studentinnen auf. 1980 folgte Christ Church und Oriel war 1985 das letzte Männercollege, welches Frauen aufnahm. Die meisten Postgraduierten-Colleges in Oxford wurden im 20. Jahrhundert als koedukative Einrichtungen gegründet, mit Ausnahme von St. Antony’s, welches 1950 als Männer-College gegründet wurde und erst 1962 begann, Frauen aufzunehmen. Der Anteil der Studentinnen in Oxford lag 2018 bei 51,2 %. Der Frauenanteil unter den Professoren betrug 2019 19 %.