Der Landkreis Grafschaft Schaumburg mit Sitz in Rinteln war bis 1977 ein Landkreis in Niedersachsen. Er wurde am 1. Januar 1822 als Kreis Schaumburg im Kurfürstentum Hessen eingerichtet, kam 1866 als Kreis Rinteln zur preußischen Provinz Hessen-Nassau und erhielt 1905 den Namen Grafschaft Schaumburg. Seit 1932 gehörte er zur preußischen Provinz Hannover und seit 1946 zu Niedersachsen. Sein Gebiet ging aus dem kurhessischen Teil der alten Grafschaft Schaumburg (bis 1640/47) hervor und ist heute mit Ausnahme der Stadt Hessisch Oldendorf, die dem Landkreis Hameln-Pyrmont zugeordnet wurde, Teil des neu gebildeten Landkreises Schaumburg.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzte 1977 im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an die Landkreise Schaumburg-Lippe, Hannover und Hameln-Pyrmont in Niedersachsen sowie an die Kreise Lippe und Minden-Lübbecke in Nordrhein-Westfalen.

Geschichte mini|hochkant=1.5|Landkarte der kurhessischen Grafschaft Schaumburg (1840) Als am 15. November 1640 mit Graf Otto V. von Holstein-Schaumburg unter ungeklärten Umständen (nach einem Trinkgelage) der letzte männliche „Schaumburger“ dieser Linie starb, begann ein siebenjähriger Erbstreit.Vgl. zum Hildesheimer Bankett ausführlich: Matthias Blazek: Das Banersche Trinkgelage vom 28. Oktober 1640 und seine Folgen. In: Bruno Gerstenberg, Sven Abromeit (Hrsg.): Hildesheimer Kalender 2013 – Jahrbuch für Geschichte und Kultur. S. 149–151. Graf Philipp zu Lippe-Alverdissen erlangte durch Heirat mit einer hessen-kasselischen Prinzessin die Unterstützung Hessen-Kassels und bekam dadurch im Westfälischen Frieden zwar nicht die Belehnung mit der ganzen Grafschaft, aber eines Teils davon (1647). Er erhielt den nördlichen Teil, der südliche ging an Hessen-Kassel. Die Universität Rinteln, die Weserzölle und die Kohlebergwerke blieben gemeinsamer Besitz Hessen-Kassels und Schaumburg-Lippes, wie der nördliche Teil fortan genannt wurde. Das Lippische Erbe, das den Namen Schaumburg dabei übernahm, bestand ab 1807 unter dem Namen Fürstentum Schaumburg-Lippe, die hessische Hälfte entlang der Weser und über das Auetal hinaus im Norden bis hinter Bad Nenndorf wurde zur Hessischen Grafschaft Schaumburg.

Am 1. Januar 1822 kam dieser südliche Teil im Wesertal als Kreis Schaumburg zur Provinz Niederhessen. Im Rahmen der Trennung von Verwaltung und Rechtsprechung war der Kreis nur noch für die Verwaltung zuständig. Als Gerichte erster Instanz wurden die Justizämter Rinteln, Obernkirchen, Oldendorf und Rodenberg eingerichtet.

Mit dem „Gesetz, die Bildung neuer Verwaltungsbezirke und die Einführung von Bezirksräten betreffend“ vom 31. Oktober 1848 und der entsprechenden Verordnung vom 22. Dezember 1848SG S. 237 ff und 277 ff., die zum 1. Februar 1849 wirksam wurden, wurden die bisherigen vier Provinzen aufgelöst und neun Bezirke eingerichtet. Diese Änderung war eine Folge der Märzrevolution. Aus der bisherigen Provinz Niederhessen wurden verschiedene Bezirke, darunter der mit dem Kreis Schaumburg identische Bezirk gebildet. An der Spitze des Bezirks stand ein Bezirksdirektor. Dies war von 1848 bis 1851 Theodor von Heppe.

Die neue Verwaltungsstruktur wurde bereits nach kurzer Zeit aufgelöst, nachdem sich die Reaktion durchgesetzt hatte. Mit der Verordnung und dem „provisorischen“ „Gesetz, die Umbildung der inneren Landesverwaltung und die Vollziehungsgewalt der Verwaltungsbehörden sowie der Bezirksräte betreffend“, vom 7. Juli 1851 wurde die alte Ordnung wiederhergestellt.SG S. 27ff., 31 ff.

1866 wurde der Kreis unter der Bezeichnung Kreis Rinteln der preußischen Provinz Hessen-Nassau angeschlossen. 1904 erfolgte eine Namensänderung des Kreises in Kreis Grafschaft Schaumburg. 1932 wurde er im Zuge eines Gebietsaustausches der preußischen Provinz Hannover angegliedert. Kreisstadt des Landkreises war Rinteln.

Die Gemeinde Schöttlingen bildete eine Exklave des Landkreises Grafschaft Schaumburg und wurde 1955 in den sie umschließenden Landkreis Schaumburg-Lippe umgegliedert.Gesetz über die Eingliederung der Gemeinden Beeke und Rösehöfe, Landkreis Schaumburg-Lippe, in die Stadt Obernkirchen, Landkreis Grafschaft Schaumburg, und über die Umgliederung der Gemeinde Schöttlingen, Landkreis Grafschaft Schaumburg, in den Landkreis Schaumburg-Lippe, Niedersächsisches Gesetz- und Verordnungsblatt 1954. Im Gegenzug kamen die beiden schaumburg-lippischen Gemeinden Beeke und Rösehöfe zum Landkreis Grafschaft Schaumburg und wurden in die Stadt Obernkirchen eingemeindet.

Am 1. Januar 1973 wechselte die Gemeinde Hemeringen aus dem Landkreis Hameln-Pyrmont in den Landkreis Grafschaft Schaumburg und wurde am 29. Januar 1973 in die Stadt Hessisch Oldendorf eingemeindet. Weitere Grenzänderungen fanden am 1. März 1974 statt: Idensermoor-Niengraben schied aus dem Landkreis aus und wurde nach Wunstorf im Landkreis Hannover eingemeindet. Liekwegen schied aus dem Landkreis aus und wurde nach Nienstädt im Landkreis Schaumburg-Lippe eingemeindet. Ottensen schied aus dem Landkreis aus und wurde nach Lindhorst im Landkreis Schaumburg-Lippe eingemeindet. Reinsen schied aus dem Landkreis aus und wurde nach Stadthagen im Landkreis Schaumburg-Lippe eingemeindet. Schermbeck schied aus dem Landkreis aus und wurde nach Luhden im Landkreis Schaumburg-Lippe eingemeindet. Gelldorf und Vehlen, aus dem Landkreis Schaumburg-Lippe wurden nach Obernkirchen eingemeindet. Nienbrügge aus dem Landkreis Schaumburg-Lippe wurde nach Sachsenhagen eingemeindet. Steinbergen aus dem Landkreis Schaumburg-Lippe wurde nach Rinteln eingemeindet. Die Gemeinde Beckedorf wechselte aus dem Landkreis in den Landkreis Schaumburg-Lippe. Die vier Gemeinden Hülsede, Lauenau, Messenkamp und Pohle wechselten aus dem aufgelösten Landkreis Springe in den Landkreis Grafschaft Schaumburg.

Durch weitere Zusammenschlüsse verringerte sich insgesamt die Zahl der Gemeinden von 88 im Jahre 1972 auf nunmehr 17, darunter die fünf Städte Hessisch Oldendorf, Obernkirchen, Rinteln, Rodenberg und Sachsenhagen. Im Zuge der Gebietsreformen in Niedersachsen wurde am 1. August 1977 der größte Teil des Landkreises mit dem Landkreis Schaumburg-Lippe zum Landkreis Schaumburg mit der Kreisstadt Stadthagen zusammengeführt. Die Stadt Hessisch Oldendorf wechselte in den Landkreis Hameln-Pyrmont.Ausführlich: Matthias Blazek: Von der Landdrostey zur Bezirksregierung – Die Geschichte der Bezirksregierung Hannover im Spiegel der Verwaltungsreformen. Stuttgart 2004, ISBN 3-89821-357-9.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner Quelle 1833 33.929 Kurhessisches Staats- und Adreß-Handbuch 1833. 1866 36.467 Kurfürstlich Hessisches Hof- und Staats-Handbuch auf das Jahr 1866. 1890 41.580 1900 44.825 1910 48.650 1925 48.148 1939 50.730 1950 90.201 1960 74.600 1970 80.700 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1972. 1977 87.900 Statistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1978.

Landräte 1868–1895 Karl Kröger 1895–1917 Hans von Ditfurth 1917–1934 Erich Moewes 1934–1944 Oskar Funk 1945–1946 Werner Pollack 1946–1956 Heinrich Friedrich Busche 1956–1975 Karl Ebeling 1975–1977 Ernst-August Kranz

Gemeinden Die folgende Tabelle listet alle Gemeinden, die dem Landkreis Grafschaft Schaumburg angehörten, mit ihrer Einwohnerzahl (Stand 1961) sowie allen Eingemeindungen:territorial.de: Landkreis Grafschaft Schaumburg.Niedersächsisches Landesverwaltungsamt (Hrsg.): Gemeindestatistik Niedersachsen 1960/61. Teil 1: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Hannover 1964, S. 38–44.