Longjumeau () ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Essonne in der Region Île-de-France; sie gehört zum Arrondissement Palaiseau und ist Verwaltungssitz des Kantons Longjumeau. Die Einwohner werden Longjumellois genannt. Durch die Stadt fließt die Yvette.

Geschichte Longjumeau ist einer der ältesten Orte im Tal der Yvette an der Straße von Paris nach Orléans. Sarkophage aus dem 4. Jahrhundert wurden an der Stelle gefunden, wo heute das Krankenhaus steht. Der Pfarrbezirk ist seit dem 13. Jahrhundert bezeugt. Longjumeau und Chilly-Mazarin hatten die gleichen Herren, beginnend mit den Grafen von Dreux. König Ludwig IX. gab beide Orte den Herzögen der Bretagne. Später waren sie im Besitz des Hauses Anjou. Am 23. März 1568 wurde der Frieden von Longjumeau zwischen Katholiken und Protestanten zur Beendigung des Zweiten Hugenottenkrieges unterzeichnet. 1596 kam Martin Ruzé, Schatzmeister des Königs Heinrich IV. in den Besitz des Ortes. Sein Urenkel Armand-Charles de La Porte heiratete 1661 Hortense Mancini, eine Nichte Mazarins. Deren Enkelin heiratete 1777 den Fürsten von Monaco aus dem Haus Grimaldi, der dann der letzte Herr von Longjumeau war. Longjumeau war die erste Poststation zwischen Paris und Orléans; 30 bis 40 Unterkünfte konnten Reisende aufnehmen.

Die „Leninsche Parteischule“ Vom Juni bis zum August 1911 hielten Lenin und andere Bolschewiki, darunter Lew Borissowitsch Kamenew und Grigori Jewsejewitsch Sinowjew, in einer verlassenen Schlosserwerkstatt in Longjumeau Vorträge zur Theorie und Praxis des Sozialismus.Helen Rappaport: Conspirator. Lenin in exile. Hutchinson, London 2009, ISBN 978-0-091-93093-6, S. 196–202. Zu diesen Schulungen wurden 18 Kader der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands entsandt, unter anderem Grigori Konstantinowitsch Ordschonikidse.Michael David-Fox: Revolution of the mind. Higher learning among the Bolsheviks, 1918–1929. Cornell University Press, Ithaca 1997, ISBN 0-8014-3128-X, S. 27–35. Der dreimonatige Kurs wurde später, in der Sowjetunion, als „Leninsche Parteischule“ und als „Leninsche Sommerschule“ bezeichnet.

Sehenswürdigkeiten Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Longjumeau Die gotische Kirche Saint-Martin (ab 1250) ist seit 1910 Monument historique. Die Brücke der Tempelritter (13. Jahrhundert) ist eine der ältesten erhaltenen Brücken der Île-de-France und seit 1930 ebenfalls Monument historique.

Trivia Die im 19. Jahrhundert entstandene Opéra comique unter dem Titel Der Postillon von Lonjumeau von Adolphe Adam (Paris 1836) machte den Namen der Stadt auch außerhalb Frankreichs bekannt.

Städtepartnerschaften Bretten, Deutschland, seit 1981 Condeixa-a-Nova, Portugal, seit 1985 Bamba, Mali, seit 1988 Pontypool, Großbritannien

Persönlichkeiten Söhne und Töchter der Stadt

Nicolas Charles Seringe (1776–1858), Botaniker Marc Lavoine (* 1962), Musiker Manuel Apicella (* 1970), Schachgroßmeister Aurore Lalucq (* 1979), Ökonomin und Politikerin Loïc Loval-Landré (* 1981), Fußballspieler David Reinhardt (* 1986), Jazzmusiker Romain Lemarchand (* 1987), Straßenradrennfahrer Jérémy Ménez (* 1987), Fußballspieler Kenny Elissonde (* 1991), Radrennfahrer Flavien Tait (* 1993), Fußballspieler Benjamin Mendy (* 1994), Fußballspieler Bingourou Kamara (* 1996), senegalesisch-französischer Fußballspieler Tanguy Ndombele (* 1996), Fußballspieler Olivier Ntcham (* 1996), Fußballspieler Estelle Raffai (* 1998), Sprinterin Anaëlle Guillonnet (* 2000), Langstreckenläuferin Sadou Ntanzi (* 2000), Handballspieler Mahamadou Diawara (* 2005), französisch-malischer Fußballspieler Mathis Jangéal (* 2008), Fußballspieler

Mit Longjumeau verbunden Lenin (1870–1924), russischer Politiker, lebte hier im Mai 1911 in einem Zimmer in der 1. Etage eines Hauses der damaligen Grande-Rue (heute Rue du Président Mitterrand). Nathalie Kosciusko-Morizet (* 1973), Politikerin, war von 2008 bis 2013 Bürgermeisterin von Longjumeau.

Literatur Le Patrimoine des Communes de l’Essonne. Flohic Éditions, Band 2, Paris 2001, ISBN 2-84234-126-0, S. 560–569.

Weblinks

Longjumeau auf der Website des Insee

Einzelnachweise

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