mini|Allegorie des Künstlervereins Malkasten auf dem „Malkasten-Vorhang“ von Wilhelm Simmler
Der Künstlerverein Malkasten, Abkürzung KVM, ist ein am 6. August 1848 in Düsseldorf gegründeter Künstlerverein. Seit 1867 hat die künstlerische Vereinigung ihren Sitz im Malkasten-Haus in der Jacobistraße 6a im Stadtteil Pempelfort. Seit Mai 2024 amtiert der Fotograf Christoph Westermeier als 1. Vorsitzender des Vorstands.Website des Künstlervereins, aufgerufen am 22. Mai 2024
Geschichte mini|Szene einer Veranstaltung des Künstlervereins „Malkasten“, Abbildung in der Gartenlaube, 1869 mini|Szene an der Kegelbahn im „Malkasten“, Abbildung in der Gartenlaube, 1885, nach einer Zeichnung von Themistokles von Eckenbrecher mini|Festbowle im Malkasten, Holzstich von Heinrich Otto, um 1890 mini|links|Die Commission des Künstler-Vereins Malkasten für eine Lotterie 1861 mini|Malkasten-Haus, 1904 mini|Heitere Runde im Malkasten, Gemälde von Wilhelm Schreuer mini|Mittag im Malkasten, Gemälde von Eduard Daelen, 1898
Während der als Märzrevolution bezeichneten Unruhen im Jahr 1848, die zur deutschen Nationalversammlung und damit zur Feststellung der Verfassung führten, beteiligten sich auch Düsseldorfer Künstler an den politischen Diskussionen. So fand am 6. August 1848 das vom Düsseldorfer „Verein für demokratische Monarchie“ aufgerufene „Fest der deutschen Einheit“ statt, zu denen Maler und Bildhauer mit ihrer künstlerischen Gestaltung beitrugen. Daraufhin gründeten sie noch am selben Abend im Rahmen der Feierlichkeiten eine Künstlervereinigung, der sie wenige Tage später – auf Vorschlag des Malers Carl Wilhelm HübnerBernhard Endrulat: Ein Kaiserfest im „Malkasten“ zu Düsseldorf mit dem Festspiel von Carl Hoff und 11 in Holzschnitt ausgeführten Originalzeichnungen. Düsseldorf 1878, S. 13, Digitalisat der ULB Düsseldorf. – den Namen „Malkasten“ gaben. Der Name sollte das gleichberechtigte Nebeneinander jeder politischen und künstlerischen Couleur zum Ausdruck bringen. Der später in New York gegründete Künstlerverein Palette Club lehnte sich an diese Namensgebung an.Lilian Landes: „… ein neues Fach des Genres“. Das sozialkritische Genrebild der Düsseldorfer Malerschule im internationalen Vergleich. In: Bettina_Baumgärtel (Hrsg.): Die Düsseldorfer Malerschule und ihre internationale Ausstrahlung 1819–1918. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2011, ISBN 978-3-86568-702-9, Band 1, S. 207, Inhaltsverzeichnis.
mini|Julius Tausch, Karikatur von Ernst Bosch, um 1877 Zu den insgesamt 112 ausschließlich männlichen Gründungsmitgliedern des Vereins zählten nicht nur Akademieprofessoren, wie die Historienmaler Theodor Hildebrandt, Heinrich Mücke und Karl Ferdinand Sohn, sondern auch der Maler und Redakteur der politisch-satirischen „Düsseldorfer Monathefte“ Lorenz Clasen sowie der Maler der Düsseldorfer Malerschule Johann Peter Hasenclever, Joseph Fay, Johann Wilhelm Preyer, Peter Schwingen und der amerikanische Maler Emanuel Leutze, der maßgeblich an der Entwicklung einer von Akademie und Kunstverein unabhängigen „freien“ Künstlerschaft beteiligt war. Einziges Gründungsmitglied, welches nicht zur Bildenden Kunst zählte, war der städtische Musikdirektor Düsseldorfs, Julius Tausch, der das musikalische Leben des Vereins bereicherte und 1852 den Malkasten-Paukenmarsch (op. 7) komponierte. Frauen wurden erst ab 1977 als ordentliche und außerordentliche Mitglieder aufgenommen, wobei diese schon im 19. Jahrhundert aktiv im Künstlerverein tätig waren.
Für die Gründung einer gemeinsamen Organisation fanden sich neben Akademiemitgliedern, Professoren und Schülern, auch außerhalb der Akademie stehende Künstler, wie Carl Friedrich Lessing, zusammen.
Gründung 1848 Am 11. August 1848 wurden die Statuten des Malkasten festgelegt und der erste Vorstand gewählt. In den Statuten wurde festgelegt, dass der „KVM“ als „Verein für geselliges Künstlerleben“ eine sich heterogen zusammensetzende Mitgliederschaft vertreten soll und „keinen anderen Zweck hat, als Interessen der Kunst und Künstler zu besprechen und zu fördern und sich gesellig zu unterhalten“. Schon im Jahr 1849 konnte der Vorstand offiziell bekanntgeben, dass sich dem Verein fast die gesamte männliche Düsseldorfer Künstlerschaft angeschlossen hatte.
Als „Cristallisationspunkt aller geistigen Bestrebungen der gesamten hiesigen Künstlerschaft“ und mit dem Entschluss, dass auch Nichtkünstler beitreten dürfen, gewann der „Malkasten“ schnell eine zentrale Bedeutung im Düsseldorfer Gesellschaftsleben. In verschiedenen Restaurationsbetrieben mietete er hierzu Räume an. Zu seinen Veranstaltungen gehörten verschiedene gesellige Zusammenkünfte, etwa die Karnevalsredoute, auch Malkasten Redoute genannt, und das jährliche Stiftungsfest im Spätsommer. Die Vielseitigkeit des Vereins zeigte sich dabei gerade auch durch das Zusammenwirken von Musikern, Dichtern und Schriftstellern. Robert Schumann wurde Anfang November 1850 zunächst als außerordentliches, dann als ordentliches Mitglied aufgenommen.
Im Jahre 1851 veranstaltete „die hiesige Künstlerschaft“ ein Schadow-Fest aus Anlass des 25-jährigen Dienstjubiläums von Friedrich Wilhelm von Schadow. Siebzig ehemalige Schadow-Schüler, von Andreas Achenbach bis Christian Julius Zielke, beteiligten sich mit jeweils einer Zeichnung oder Skizze, welche dann zu einem Album vereint wurden. Das Album wurde 2009 von Katharina Bott erneut zusammengestellt und als Bildband aufgelegt.
1856 ging vom Malkasten der Aufruf zu einer „ersten Versammlung deutscher bildenden Künstler“ in Bingen am Rhein aus. Die Initiatoren des Aufrufs waren ein Kreis um Hermann Becker und Emanuel Leutze. Das am 28. bis 30. September 1856 abgehaltene Künstlertreffen, zu dem rund 160 Teilnehmer aus 21 Orten Deutschlands anreisten, führte zur Gründung der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft, dem ersten überregionalen Berufsverband für bildende Künstler in Deutschland.Die erste Versammlung deutscher bildender Künstler. In: Friedrich Wilhelm Hackländer: Erlebtes. Zweiter Band, Kapitel 5, 1856, im Portal Projekt Gutenberg-DE.Eleonore Sent: . (PDF; 73 S.) In: Stadtarchiv Düsseldorf, 16. März 2001.
Für die vielen Aktivitäten des Malkastens wurden die verschiedenen angemieteten Räumlichkeiten sehr schnell zu klein. Zuletzt, von 1852 bis 1865, stellte der Gastronom Eugen Bouverot dem Verein einen großen Raum mit Bühne im ersten Stock seines Hauses Ratinger Straße 3 zur Verfügung.Heinrich Ferber: Historische Wanderung durch die alte Stadt Düsseldorf. Lieferung I., hrsg. vom Düsseldorfer Geschichtsverein. Krauss, Düsseldorf 1889, S. 27 (Digitalisat)Wilhelm Camphausen: Zum letzten Feste des „Malkasten“ im alten Vereinslokale, Ratingerstraße Nr. 3. 1865, Digitalisat der ULB Düsseldorf. Und so bemühte man sich ab 1857 um den Jacobi’schen Garten in Düsseldorf, auf den dann ein eigenes Haus gebaut werden sollte. Als das an Schloss Jägerhof angrenzende Grundstück in den 1850ern verkauft werden sollte und da der Wohnsitz des Philosophen Friedrich Heinrich Jacobi nicht in die Hände von Spekulanten fallen sollte, genehmigte die Stadt 1861 den Verkauf an den KVM. Am 17. April 1861 hatte der Künstlerverein das Corporationsrecht erhalten und somit den Rechtsweg zum Erwerb des Grundbesitzes.
Im Malkasten-Haus ab 1867 Zur Finanzierung des Gutes organisierte die Kommission des Künstlervereins Malkasten, mit dem Vorsitzenden Otto Euler, eine große Lotterie. Die Künstlerschaft stellten Ölgemälde (alle in Goldrahmen), Aquarelle, Handzeichnungen, Lithografien, Holzschnitte, Drucke und Radierungen, so wie Fotografien und auch eine Marmorstatue und Gips-Sachen im Gesamtwert von 46.000 Talern für die Verlosung zur Verfügung.Gewinnliste zur Verloosung für die Erwerbung des Jakobi’schen Gartens. 1861, Digitalisat der ULB Düsseldorf. So konnte das neue Vereinshaus ab 1864 gebaut und im Frühjahr 1867 eingeweiht werden. Die hier durchgeführten Veranstaltungen ließen den Malkasten zum Mittelpunkt kunstinteressierter Angehöriger der Düsseldorfer Gesellschaft werden. Eine besondere Attraktion waren die „dramatisch-malerisch-musikalischen Aufführungen“ der Malkastenbühne, deren dekorativ-szenische Ausstattung oft in den Händen von Malern wie Andreas und Oswald Achenbach, Alexander Michelis, Fritz von Wille und Emanuel Leutze lag. und an die Tradition der tableaux vivants anknüpften. Am 6. September 1877 besuchte Kaiser Wilhelm I. das ihm zu Ehren ausgerichtete Kaiserfest des Malkastens, in dem mehrere Tableaux vivants, unter anderem das Bild Blüchers Rheinüberschreitung bei Kaub, festlich inszeniert wurden. Karl Hoff schrieb das Festspiel. Die Musik für den Abend komponierte Julius Tausch. Das anschließende Festbankett fand in der Tonhalle statt. Dieses Ereignis erschien den Düsseldorfern als so bedeutend, dass sie davon ein Wandgemälde im Sitzungssaal ihres 1884 errichteten Neuen Rathauses anfertigen ließen.
Der Garten, die historischen und neuen Gebäude, der Düsselbach und der Venusteich boten Raum und Hintergrund für phantasievolle Künstlerfeste, die über die Grenzen Düsseldorfs hinaus bekannt waren. Der Venusteich hatte seinen Namen von einer inmitten des Teichs aufgestellten Venusfigur, die der Venus von Milo nachgebildet war. Da sie aus dem weichen Metall gesammelter und eingeschmolzener Farbtuben hergestellt war, bekam ihr „Popo“ – wie der Schriftsteller Hanns Heinz Ewers schrieb – schon bald durch den Beschuss mit Armbrüsten, Schleudern und Blasrohren manch schöne „Blötsch“.Hans_Heinz_Ewers: Der Popo der Venus. In: Beatrix Müller, Marianne Tilch (Hrsg.): Düsseldorf. Texte und Bilder aus vier Jahrhunderten. J.B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1991, ISBN 3-476-00784-7, S. 264 f.
Am 24. Juni 1869 fand die „Semisaecular-Feier der Düsseldorfer Kunstakademie“ (der dritte Tag der Veranstaltung) mit Festspiel und Festzug im Malkastengarten statt. Wilhelm Camphausen spielte den Vater Rhein, Albert Bogislav Lüdecke und Otto Erdmann die Maler, Karl Hoff einen Gnom, Schauspielerin Ehrenbaum aus Dessau die Romantik und Albert Baur den Kurfürsten Johann Wilhelm. Andreas Achenbach malte die Dekorationen. Der festliche Zug war ein Tableau vivant von Gemälden der romantischen Periode der Düsseldorfer Malerschule. Die Erträge waren für das Cornelius-Denkmal bestimmt. Damit sollte Peter von Cornelius geehrt werden, der bei der Wiederbegründung der Akademie im Jahre 1819 zu deren Direktor berufen worden war.Wilhelm Camphausen (Programmheft): Festspiel im Malkasten-Garten bei Gelegenheit der Semisaecular-Feier der Düsseldorfer Kunst-Academie am 24. Juni 1869. Digitalisat der ULB Düsseldorf.
In den frühen 1880er Jahren lernten sich im Malkasten der preußische Rittmeister Armand von Ardenne, seine Gemahlin Elisabeth und der Amtsrichter Emil Hartwich kennen. Die publik gewordene Liebesbeziehung zwischen der Offiziersgattin und dem Amtsrichter veranlasste den Offizier, den Amtsrichter zu einem Pistolenduell am 27. November 1886 herauszufordern und dabei tödlich zu verletzen. Diese Begebenheit nutzte der Schriftsteller Theodor Fontane als Stoff für seinen berühmten Gesellschaftsroman Effi Briest.
Von Mitte der 1880er Jahre bis 1900 veranstalteten Künstler des Malkastens im Luftkurort Herchen an der Sieg am 2. September so genannte „Sedan-Spiele“ mit schwimmenden Bühnenbildern. Noch heute erinnern die „Düsseldorfer Hütte“ und der „Künstlerweg“ in Herchen an die Vergangenheit des Dorfes als „Sommerfrische“ der Künstler.
Der durch den 1844 gegründeten Verein der Düsseldorfer Künstler zur gegenseitigen Unterstützung und Hilfe im Jahre 1898 ins Leben gerufene Verein zur Veranstaltung von Kunstausstellungen e. V. residierte im Malkasten-Haus. Nicht wenige Mitglieder des Malkasten waren auch in diesen Vereinen vertreten.
Aufführungen
1900–1933