mini|Albungen und Burg Fürstenstein zu Beginn des 17. Jahrhunderts
Albungen ist ein Stadtteil von Eschwege im nordhessischen Werra-Meißner-Kreis.
Geographie Albungen liegt rund 6,4 km (Luftlinie) nordwestlich der Stadtverwaltung in Eschwege. Es befindet sich im Tal der Werra, die östlich am Dorf vorbeifließt und in die südlich des Orts die Berka mündet. Jenseits der Werra erheben sich die äußersten Südwestausläufer des Höhenzugs Gobert. Im Westen führen die Bahnstrecke Bebra–Göttingen und die Bundesstraße 27 an Albungen vorbei. Das Gebiet des Stadtteils besteht aus der Gemarkung Albungen im Norden des Gemeindegebiets mit einer Fläche von 493 Hektar, davon sind 216 Hektar Wald. In der Gemarkung liegen die folgenden aktuellen bzw. historischen Siedlungsplätze: Wüstung Altestadt Haus Auf der Sommerliede Bahnhof Albungen Wüstung Berka Burg Bilstein Burg Fürstenstein Guts- und Forstbezirk Fürstenstein (Domäne) Gehöftgruppe Heiligenstein Wüstung Hildeburg Burg Hohe Schanze Wüstung Kupferbergwerk Wüstung Kupferbergwerksstollen Schanze (Albungen) Schnepfenburg Gewerbesiedlung Spinnerei und Elektrizitätswerk Haus Weigang Gewerbesiedkung Ziegelei
Die Ortslage befindet sich auf 151 bis und der höchste Punkt der Gemarkung liegt bei etwa 245 Meter im Nordwesten der Gemarkung.
Nachbarorte sind Motzenrode im Nordosten, Jestädt im Südosten, Niederhone im Südsüdosten, Weidenhausen im Südsüdwesten, Wellingerode im Südwesten, Hitzerode im Nordwesten und Kleinvach im Norden. Südsüdöstlich oberhalb von Albungen thront jenseits der Werra die Burg Fürstenstein, nur etwa 1,2 km westlich die Burgruine Schnepfenburg und etwa weitere 500 m westlich der Burgstall der Burg Bilstein.
Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Albungen erfolgte unter dem Namen Albungun im Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld und datiert auf das Jahr 1075. Weitere Erwähnungen des Ortes erfolgen als Alfungen und Albungin bevor er ab 1708 endgültig als Albungen genannt wird.
Bis zum Jahr 1301 gehört das Dorf zu Einflussbereich der Bilsteiner. 1308 besitzen die Herren von Treffurt als Rechtsnachfolger der Bilsteiner vier Hufen in Albungen als fuldisches Lehen. Vermutlich gelangen dann genau diese in die Hände der Herren von Diede, die 1322 ebenfalls vier Hufen als fuldisches Lehen innehaben. Bei Güterveräußerungen holen sie – so etwa 1369 – die Genehmigung des Lehnsherrn ein. Auch von den hessischen Landgrafen werden die Diede 1428 mit einem Hof, gelegen in dem Dorf Albungen, 2 Ackern Land und anderem belehnt. Darüber hinaus verfügen sie über Eigenbesitz. Die Landgrafen geben auch an andere Burgmann Lehen in Albungen aus, so um 1376 an Konemund Eselskopf.
Im Jahr 1585 stehen 20 Hausgesessene den Dieden, 7 denen von Eschwege zu. In der frühen Neuzeit reklamieren die Landgrafen die peinliche Gerichtsbarkeit (hohe Obrigkeit) für sich, die niedere überlassen sie den Dieden. Bis zu ihrem Aussterben 1807 verfügen die Diede über einen stattlichen Gutshof am südwestlichen Ortsausgang und haben entscheidenden Einfluss auf das Dorfgeschehen. 1750 sind alle Hintersassen dem Adel dienst- und zinspflichtig.
Bezüglich der Grundherrschaft und Grundbesitz sind die folgenden Ereignisse belegt: Im Mittelalter bis zum Aussterben 1807 übten die Diede zum Fürstenstein die Grundherrschaft aus. 1236 verleih Graf Widekind von Bilstein dem Kloster Lippoldsberg Zollfreiheit bei dem Dorf Albungen. 1284 besitzt Ditmar von Vierbach bilsteinische Lehen in Albungen, die er dem Kloster Germerode überträgt. Das Kloster kann seinen Besitz in der Folge vermehren und erwirbt 1357 von denen von Nazza, ehemals bilsteinische Vasallen, deren gesamten dortigen Besitz. 1374 und 1451 besitzt das Kloster Germerode in Albungen ein Vorwerk mit vier Hufen und einem Hof, die 20 Malter jährliche Erbpacht erbringen.
Vor dem Zweiten Weltkrieg wurde im Dorf Tabak angebaut. Im Jahre 1939 hatte der Ort 331 Einwohner. Schon damals gehörte Albungen zum Amtsgericht und Finanzamt Eschwege.
Zum 1. April 1972 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Kreisstadt Eschwege eingemeindet. Für Albungen wurde, wie für die anderen eingemeindeten ehemals eigenständigen Gemeinden von Eschwege, ein Ortsbezirk eingerichtet.
Gerichte Die Gerichtsbarkeit über Albungen wurde im Mittelalter durch das Gericht Bilstein auf der Burg Bilstein bei Eschwege und dem Klostergericht Germrode ausgeübt. Der Klosterbezirk gehörten ursprünglich zur Herrschaft Bilstein. Sie kamen 1301 durch Kauf zur Landgrafschaft Hessen und wurden nach der Säkularisation der Klöster im Jahre 1527 als landesherrliches Gericht weiter geführt (Amt Eschwege, Gericht Bilstein.) Von 1627 bis 1632 gehörte es zur landgräflichen Nebenlinie von Hessen-Rotenburg.
Die weitere Zuständigkeit entwickelte sich wie folgt: 1801–1813: Friedensgericht Bischhausen im Königreich WestphalenWeitere Gerichte siehe Justizwesen im Königreich Westphalen 1813–1834: Amt Eschwege Gericht Bilstein erste Instanz, zweite Instanz Justizkanzlei Rotenburg 1834: Justizamt Eschwege II (Abtrennung der Justiz) erste Instanz, zweite Instanz Obergericht für die Provinz Niederhessen erste Instanz, zweite Instanz Obergericht für die Provinz Niederhessen 1837: Justizamt Eschwege erste Instanz, zweite Instanz Obergericht für die Provinz Niederhessen 1867: Amtsgericht Eschwege (nach der Annexion durch Preußen), zweite Instanz Kreisgericht Kassel 1879: Amtsgericht Eschwege erste Instanz (durch das Reichsjustizgesetze), zweite Instanz Landgericht Kassel
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Albungen angehört(e): vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Niederfürstentum, Amt Eschwege, Dorf derer von Boyneburg-Hohenstein
1075: Gau Germarmark 1301: Heiliges Römisches Reich, Herrschaft Bilstein ab 1585: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Eschwege, Dorf der Dieden vom Fürstenstein 1627–1834: Landgrafschaft Hessen-Rotenburg (sogenannte Rotenburger Quart), teilsouveränes Fürstentum unter reichsrechtlicher Oberhoheit der Landgrafschaft Hessen-Kassel bzw. des Kurfürstentums Hessen, Amt Eschwege, Dorf der Dieden vom Fürstenstein („adelige Quart“) ab 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Bischhausen 1803–1806: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Hessen, Amt Bischhausen 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Aue 1814–1821: Kurfürstentum Hessen, Amt Bischhausen ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis EschwegeVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73.Trennung von Justiz (Justizamt Eschwege) und Verwaltung ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Eschwege ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege, Stadt Eschwege ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis, Stadt Eschwege
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Albungen 330 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 54 Einwohner unter 18 Jahren, 123 waren zwischen 18 und 49, 75 zwischen 50 und 64 und 78 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 144 Haushalten. Davon waren 36 Singlehaushalte, 45 Paare ohne Kinder und 45 Paare mit Kindern, sowie 15 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 36 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 86 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1585: 20 Haushaltungen • 1750: 42 Häuser mit 237 Einwohnern, darunter 49 Hintersassen. An Gewerbetreibenden: 2 Zimmerleute und Schreiner, 22 Leineweber, 11 Tagelöhner, 6 Tagelöhnerinnen, 6 Ackerbauern und einen Gastwirt
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1865: 338 evangelische (= 97,41 %), 9 katholische (= 2,59 %) Einwohner • 1961: 415 evangelische (= 92,43 %), 20 katholische (= 4,45 %) Einwohner
Religion Für Albungen besteht die evangelische Kirchengemeinde Albungen-Hitzerode, mit der Evangelischen Kirche Albungen. Sie besteht aus einem massiven Saalbau mit barockem Haubendachreiter und wurde im 17. Jahrhundert errichtet sowie 1890 und 1912 erneuert und 1958/59 renoviert.
Bekenntniswechsel Der erste dokumentierte evangelische Pfarrer was Bonifatius (Pankratius) Dormann in der Zeit 1526(?)–1541.
Pfarrzugehörigkeit Das Dorf ist zunächst nach Wettingendorf, später nach Kleinvach eingepfarrt. Im Jahr 1593 erhält Albungen eine eigene Pfarrei mit einer Filiale in Hitzelrode. Dies wird auch 1872 und 1994 noch so dokumentiert. Im Jahr 1593 wurde in einem Vergleich festgehalten, dass die Dieden zum Fürstenstein abwechselnd mit den Landgrafen von Hessen den Pfarrer in Albungen präsentieren sollen und damit das Patronat innehaben.
Politik Für Albungen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Albungen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 68,24 %. Alle Kandidaten gehörten der Liste „Albunger für Albungen“ an. Der Ortsbeirat wählte Sebastian Friedrich zum Ortsvorsteher.
Kulturdenkmäler Siehe: Liste der Kulturdenkmäler in Albungen
Sportvereine Der Radfahrerverein Edelweiß Albungen 1929 e. V. und der TTC 1962 Albungen e. V. sind die beiden einzigen im Ligaspielbetrieb aktiven Vereine in Albungen. Der Radfahrerverein ist ein regionales Aushängeschild im Kunstradfahren und Radball. Im Jahr 2019 richtete der Verein einen Weltcup-Spieltag im Radball aus. Vereinsvorsitzender ist David Stübner seit 2016. Bis dahin hatte Gerd Gries, heute Ehrenvorsitzender, den Verein über 40 Jahre lang geführt.