Kadir Sözen (* 1964 in Gaziantep, Türkei) ist ein freier Rundfunkjournalist und Filmemacher (Produzent, Drehbuchautor, Regisseur)., kino.de, abgerufen am 12. März 2020

Leben und Karriere Sözen emigrierte als Kind einer Arbeiterfamilie 1969 in die Bundesrepublik. Seine Kindheit und Jugend verbrachte er in Mönchengladbach. Bereits als Schüler begann er journalistisch aktiv zu werden und arbeitete als freier Autor für den WDR – zunächst für den Hörfunk. 1986 erhielt er aufgrund seines gewerkschaftlichen und politischen Engagements ein Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung und begann ein Studium der Wirtschaftswissenschaften in Köln, das er 1990 mit Diplom abschloss.Filmer-Biografie Kadir Sözen, filmportal.de, abgerufen am 12. März 2020

Seine Arbeit als freier Journalist und Autor für zahlreiche Rundfunkanstalten, u. a. dem WDR, führte er fort und begann neben zahlreichen Reportagen und Radio-Features auch Hörspiele zu schreiben. 1990 verfilmte der Westdeutsche Rundfunk unter der Regie von Hanno Brühl Kadir Sözens erstes Drehbuch Sehnsucht, ein Film über zwei in Deutschland aufgewachsene türkische Jugendliche, die sich – von ihren Eltern in die Türkei verbannt – illegal auf den Weg zurück nach Deutschland machen.

Neben der Realisierung von Fernsehreportagen und Dokumentationen, die sich mit gesellschaftspolitischen Phänomenen beschäftigten, zog es Sözen immer wieder zur fiktionalen Umsetzung seiner Themen per Spielfilm. 1996 gründete er die Produktionsgesellschaft Filmfabrik GmbH. Hier entstehen nicht nur zahlreiche Fernsehfilme, Dokumentarfilme und Kinospielfilme aus Sözens Feder, sondern auch die anderer Filmemacher und Dokumentarfilmer.Filmfabrik GmbH, filmland-nrw.de im WebArchive vom 7. Januar 2017, abgerufen am 12. März 2020

Kalte Nächte hieß Sözens erster Kinospielfilm, für den er selbst das Drehbuch geschrieben und Regie geführt hat. Bei den Filmfestspielen in Adana (Oktober 1995) erhielt diese deutsche Produktion fünf von acht zu vergebenen Preisen: in den Kategorien Kamera, Regie, bester Film und den Sonderpreis der Jury für die Leistung der Kinder. Es folgten Kinoproduktionen wie Winterblume (1997), Gott ist tot (2003) mit Götz George in der Hauptrolle und Von glücklichen Schafen (2014). In Gott ist tot, der Filmtitel entspricht dem Zitat des Film(anti)helden, geht es um den sozialen Abstieg eines Arbeitslosen in Köln-Ehrenfeld.

Zeit der Wünsche (2005), ein Fernsehzweiteiler, der zum ersten Mal das Thema der Migration zur Primetime im deutschen Fernsehen behandelte, wurde mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. Takiye – Spur des Terrors (2009), als Fernsehfilm für die ARD realisiert, lief in der Türkei auch in einer Kinofilm-Version und sorgte dort bereits vor seiner Premiere für heftige Diskussionen. Kadir Sözen, der auch die Drehbuchvorlage für den Film lieferte, erhielt sogar zahlreiche Morddrohungen. Im Film geht es um islamistische Anlagefonds, die von fundamentalistischen Gruppen für ihre politischen Zwecke veruntreut werden. Gelbe Tage (2003), eine deutsch-türkische Kinokoproduktion, wurde als erster Film in der Türkei auf Kurdisch gedreht. Gleich nach seiner Premiere auf den Filmfestspielen in Antalya wurde der Film vom Kulturministerium aufgrund seiner politischen pro-kurdischen Interpretation verboten. Herbst (2011), eine deutsch-türkische Koproduktion, wurde für den Europäischen Filmpreis nominiert und auf den Filmfestspielen in Locarno mit dem „CICAE Prix Art & Essai“ ausgezeichnet.

Filmographie 1989: Sehnsucht, Fernsehfilm, 96 Min., ARD, Drehbuch 1990: Türkei – Land und Leute, Fernsehserie, 26 × 30 Min. ARD, Drehbuch 1993: Gediks Zeche, Dokumentarfilm, 45 Min., Regisseur, Drehbuch 1994: Im Namen Allahs – Das geheime Netzwerk türkischer Fundamentalisten in Deutschland, Reportage, 30 Min., ARD, Regisseur, Drehbuch, Produzent 1995: Einmal Bombay und zurück – Auf Organsuche in Indien, Dokumentarfilm 30 Min., ARD, Regisseur, Drehbuch, Produzent 1995: Einmal Halli-Galli und zurück, Reportage, 30 Min., ARD, Produzent 1995: Kalte Nächte, Kinospielfilm, 97 Min., Produzent, Drehbuch, Regisseur 1996: Als Kurde in Deutschland, Dokumentarfilm, 45 Min., ZDF, Produzent, Drehbuch, Regisseur 1996: Autos – Knete – Krumme Typen, Reportage, 30 Min., ARD, Produzent, Drehbuch, Regisseur 1996: Winterblume, Kinospielfilm, 107 Min., Produzent, Drehbuch, Regisseur 1997: Die Mafia wartet schon, Reportage, 30 Min., ARD, Produzent 1997: Saralija – Die Seele von Sarajevo, Dokumentarfilm, 90 Min., WDR, Produzent 1998: Der inszenierte Crash, Reportage, 30 Min., ARD, Produzent, Drehbuch, Regisseur 1998: Die Kinder des Koran, Dokumentarfilm, 45 Min., ZDF, Produzent, Drehbuch, Regisseur 1998: Männer unter Strom, Reportage, 30 Min., ARD, Produzent 1998: Wahnsinn Autobahn, Reportage, 30 Min., ARD, Produzent 1999: Gurken, Gauner und Gewinne, Reportage, 30 Min., WDR, Produzent, Drehbuch, Regisseur 1999: Panzer, Pampas, Pioniere, Reportage, 30 Min., WDR, Produzent 1999: Tussi, Zicke, Blöde Kuh, Reportage, 30 Min., WDR, Produzent 1999: Warten, Hoffen, Trauern, Reportage, 30 Min., WDR, Produzent 2000: Klaus der Geiger – L’histoire de Klaus le Violoneux, Dokumentarfilm, 60 Min., WDR, ARD, ARTE, Produzent, Drehbuch, Regisseur 2000: Liebe, Laune, Lindenstraße, Reportage, 30 Min., ARD, Produzent 2001: Die Steinbeißer, Reportage, 30 Min., ARD, Produzent 2001: Hafen, Heuer, Abenteuer, Reportage, 30 Min., ARD, Produzent 2002: Gelbe Tage, Kinospielfilm, 90 min., Produzent 2003: Gott ist tot, Kinospielfilm, 96 Min.: Produzent, Drehbuch, Regisseur 2005: Zeit der Wünsche, Fernsehfilm in zwei Teilen (2 × 90 Min.), Produzent, Idee, Vorlage 2008: Sonabahr (Herbst), Kinospielfilm, ProduzentPatrick Seyboth: Kritik zu Herbst – Sonabahr, Rezension auf epd-film.de vom 1. Mai 2010, abgerufen am 12. März 2020 2009: Ey Aşk Nerdesin? (Liebe, Wo Bist Du?), TV-Serie, 6 × 60 Min, Produzent 2009: Kurban (Opfer), Fernsehfilm, 90 Min., Produzent 2010: Takiye, Kinospielfilm, 100 Min., Produzent, Drehbuch 2011: Aşk ve Devrim (Liebe und Revolution), Kinospielfilm, 100 Min., Produzent 2014: Amerikanisches (Un)recht, Dokumentation, Produzent 2015: Mein Name sei Altmann, Dokumentation, Produzent 2015: Von glücklichen Schafen, Kinospielfilm: Produzent, Drehbuch, RegieTürkische Filme / Genre Drama, tuerkische-filme.com auf WebArchive vom 24. August 2016, abgerufen am 12. März 2020Silvia Hallensleben: Von glücklichen Schafen, Rezension auf epd-film.de vom 6. Februar 2015, abgerufen am 12. März 2020

Hörspiele 1988: Zwischen Bottrop und Bosporus – Heimweh auf Türkisch, Hörspiel, WDR 1989: Zugvögel, Hörspiel, WDR 1993: Die Verhandlung, Hörspiel, WDR

Auszeichnungen 1987: Metall-Reportagenpreis (für Zwischen Bottrop und Bosporus-Heimweh auf türkisch) 1995: Filmfestspiele Adana / Türkei, „Bester Film“, „Beste Regie“ 1996: Internationales Filmfestival Istanbul / Türkei, „Spezialpreis der internationalen Filmkritiker“* 1996: Filmfestspiele Ankara / Türkei, „Beste Regie“, „Bestes Drehbuch“ 1999: Orhon-Murat-Arıburnu-Wettbewerb, Türkei, „Bester Film“ 1997: Film Festival Troia, Costa Azui / Portugal, „Silberner Delphin“, Spezialpreis der Jury, Besondere Erwähnung des OCIC für Winterblume 1997: 2nd Festival International de Cine Independente de ourense / Spanien, „Spezialpreis der Jury“, „Zweitbester Film des Festivals“ 2005: Adolf-Grimme-Preis für den Fernsehzweiteiler Zeit der Wünsche

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