Vénissieux ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) in der Métropole de Lyon in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Sie ist die drittgrößte Gemeinde der Métropole de Lyon und an die Lyoner Metro, Linie D, sowie die Lyoner Straßenbahn, Linie 4, angebunden.
Geschichte 20. Jahrhundert mini|Rue Norbert Kugler, Vénissieux Vénissieux war im 20. Jahrhundert stets von der Einwanderung geprägt. Bereits 1921 hatte Vénissieux einen Ausländeranteil von 23,4 %. 1921 beschäftigte beispielsweise der Industriebetrieb Berliet zu 70 % Arbeiter mit französischer Staatsbürgerschaft, ab dem Jahr 1931 stellten ausländische Arbeiter die Mehrheit seiner Belegschaft. An der Stadtbevölkerung betrug der Anteil ausländischer Bewohner 1931 fast 44 %.
Das Vichy-Regime errichtete im Ort ein Sammel- und Gefangenenlager, das Camp de Vénissieux, auf dem Terrain des Güter- und Verschiebebahnhofs (Dépôt SNCF), Gelände l’Arsenal. Von dort aus wurden jüdische Menschen nicht-französischer Herkunft aus dem gesamten Südosten und Osten Frankreichs in das Sammellager Drancy und weiter nach Auschwitz deportiert. Verbündete Résistance- und christliche Gruppen retteten im August 1942, in der Nacht vor einer Weiter-Deportation nach Drancy, mittels Sabotage sämtliche 108 Kinder; auch etliche Erwachsene konnten flüchten. Mittels Sabotage wurde das örtliche Elektrizitätsnetz komplett abgeschaltet, wodurch der um das Lager gezogene Stacheldrahtzaun stromlos wurde und zerschnitten werden konnte. An der Aktion waren die jüdische Sozialarbeiterin Elisabeth Hirsch und die Christin Madeleine Barot beteiligt.Valérie Perthuis: Le sauvetage des enfants juifs du camp de Vénissieux. Août 1942. Éditions Lyonnaises d’art et d’histoire, Lyon 2002; Neuaufl. ebd. als Lyon contre Vichy. ..., 2012, ISBN 2-84147-300-7. Am 24. August erschossen Deutsche in Vénissieux fünf politische Geiseln, bevor sie am 2. September 1944 aus dem Raum Lyon abzogen. In Vénissieux wurde eine Straße nach dem deutschen Résistance-Kämpfer Norbert Kugler benannt.
In den 1960er Jahren wurde die Großwohnsiedlung Minguettes mit über 9000 Wohneinheiten errichtet, ein Wohnquartier für Gastarbeiter der Industrie und weitere Einwanderer, die zunächst aus Italien, Spanien und Portugal kamen, später vor allem aus dem Maghreb. In den 1980er Jahren entstand eine Bürgerrechtsbewegung der maghrebinischen Einwanderer und ihrer Nachkommen (beurs), die sich gegen Rassismus und Diskriminierung zur Wehr setzte und den marche des beurs organisierte, einen Sternmarsch auf Paris, an dem über 60.000 Menschen teilnahmen.
Heute sind mehr als die Hälfte der Bewohner der Stadt Einwanderer und sie hat einen sehr hohen muslimischen Bevölkerungsanteil. Sie gilt als eine der Hochburgen des fundamentalistischen Islam in Frankreich.Cécilia Gabizon: À Vénissieux, terre d’expansion de la burqa. In: Le Figaro, 1. Juli 2009. Vénissieux war Hauptort der beiden bis 2015 bestehenden Kantone Vénissieux-Nord und Vénissieux-Sud.
mini|Siedlung Minguettes, 1974
Bevölkerungsentwicklung Jahr 1793 1856 1926 1954 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2011 Einwohner 2.118 3.681 11.506 20.374 29.040 47.613 74.347 64.804 60.444 56.061 60.159 Quellen: Cassini und INSEE
Politik Bürgermeisterin (maire) von Vénissieux und erste Frau in diesem Amt ist seit 2009 Michèle Picard von der Französischen Kommunistischen Partei (PCF). Die PCF stellt in dem traditionellen Arbeitervorort seit 1944 ununterbrochen den Bürgermeister.
Die Sitze im Gemeinderat (conseil municipal) für die Amtszeit von 2015 bis 2020 wurden bei der Gemeindewahl im März 2014 wie folgt verteilt:Résultats des élections municipales…2014 (französisch), abgerufen am 3. Januar 2018. Liste Parteien Stimmen % Sitze Avec Michèle Picard (Mehrheit) PCF/PG/EELV/MRC/Parteilos 37,64 34 Avec Christophe Girard (Opposition) DVD/MoDem/Parteilos 30,40 8 Ensemble pour Vénissieux (Opposition) PS 21,68 5 Vénissieux Bleu Marine (Opposition) FN 10,26 2
Nach Annullierung durch den französischen Staatsrat war eine Neuwahl im März 2015 erforderlich, die zu folgendem Ergebnis führte: Liste Parteien Stimmen % Sitze Avec Michèle Picard (Mehrheit) PCF/PG/EELV/MRC/Parteilos 42,85 35 Avec Christophe Girard (Opposition) DVD/MoDem/Parteilos 32,24 8 Ensemble pour Vénissieux (Opposition) PS 12,28 3 Vénissieux Bleu Marine (Opposition) FN 12,63 3
Sport Der ansässige Verein Vénissieux Handball, der Anfang der 1990ern einer der besten Frankreichs war und nach Insolvenz heute ein Amateurverein ist.
Partnerstädte Oschatz, Deutschland Manises, Spanien
Persönlichkeiten In der Stadt geboren Étienne Bally (1923–2018), Leichtathlet Élodie Brochier (* 1972), Schauspielerin, Performance-Künstlerin, Musikerin und Puppenspielerin Grégoire Drouot (* 1976), römisch-katholischer Geistlicher, Bischof von Nevers Joseph-Désiré Job (* 1977), Fußballspieler Louisy Joseph (* 1978), Popsängerin Samuel Dumoulin (* 1980), Radrennfahrer Aloïs Dansou (* 1982), beninischer Schwimmer Maxime Gonalons (* 1989), Fußballspieler Maxence Caqueret (* 2000), Fußballspieler Yaya Soumaré (* 2000), Fußballspieler Pablo Giner Dalmasso (* 2001), Skibergsteiger Kamal Bafounta (* 2002), französisch-spanischer Fußballspieler
Weblinks
Offizielle Website der Stadt Vénissieux INSEE: statistische Daten
Einzelnachweise
Kategorie:Ort in Auvergne-Rhône-Alpes