Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Reutlingen Gliederung: 34 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 33.700 (2005) ca. 29.400 (2019) Gemeindegliederzahl zum Zeitpunkt der Fusion mit dem Kirchenbezirk Calw siehe Adresse desDekanatamtes: Hohe Str. 7/172202 Nagold Dekan: Ralf Albrecht (bis 2020) Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Nagold innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg
Der ehemalige Evangelische Kirchenbezirk Nagold war bis zum 1. Januar 2019 einer von damals 48 Kirchenbezirken bzw. Kirchenkreisen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet war deckungsgleich mit dem Dekanat Nagold. Zum genannten Stichtag wurde er mit dem seinerzeitigen Kirchenbezirk Calw zum neuen Kirchenbezirk Calw-Nagold fusioniert.Website des Evangelischen Kirchenbezirks Calw-Nagold Für das vereinigte Gebiet mit 39 Kirchengemeinden gab es in einer Übergangszeit zwei Dekane.
Geografie Der Kirchenbezirk Nagold lag im Westen der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasste zum Großteil den nördlichen Schwarzwald sowie das Heckengäu. Der Fluss Nagold durchfloss den östlichen Kirchenbezirk von Süden nach Norden. Der Kirchenbezirk umfasste den Süden des Landkreises Calw, also die Städte und Gemeinden Altensteig (ohne Stadtteil Hornberg), Ebhausen, Egenhausen, Haiterbach, Nagold, Rohrdorf, Simmersfeld (ohne Ortsteil Aichhalden) und Wildberg sowie die Gemeinden Eutingen im Gäu (nur Ortsteil Göttelfingen), Grömbach, Horb am Neckar (nur Stadtteil Talheim), Pfalzgrafenweiler (nur Ortsteil Bösingen) und Wörnersberg des Landkreises Freudenstadt.
Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Nagold grenzte an folgende Kirchenbezirke der württembergischen Landeskirche (im Uhrzeigersinn beginnend im Norden): Calw, Herrenberg, Sulz am Neckar und Freudenstadt. Im Westen hatte er eine kurze Grenze zum Kirchenbezirk „Baden-Baden und Rastatt“ der Evangelischen Landeskirche in Baden.
Geschichte Das Dekanat Nagold geht zurück auf das Dekanat Wildberg (damalige Bezeichnung Spezialsuperintendentur), das schon kurz nach der Reformation in Württemberg errichtet wurde. Das Dekanat Wildberg wurde mehrfach verändert. 1604 wurde das seit 1566 bestehende Dekanat Altensteig, das seinen Sitz in Walddorf hatte, eingegliedert. Das Dekanat Wildberg gehörte zunächst zum Generalat Bebenhausen, ab 1810 zum Generalat Tübingen und ab 1821 zum Generalat Reutlingen, aus dem die heutige Prälatur Reutlingen hervorging. 1821 wurde der Dekanatssitz von Wildberg nach Nagold verlegt. Der Kirchenbezirk umfasst heute in etwa das Gebiet des alten württembergischen Oberamtes Nagold. Die meisten Kirchengemeinden des Kirchenbezirks sind vom Pietismus geprägt.
Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks obliegt der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan.
Dekane des Kirchenbezirks Nagold 1796–1804 Karl Friedrich Ziller, Dekan in Wildberg 1804–1813 Christlieb Martin Plieninger, Dekan in Wildberg 1813–1831 Christian Andreas Harpprecht, bis 1821 Dekan in Wildberg 1832–1839 August Jakob Viktor Hauff 1840–1844 Gottlieb Benjamin Friedrich Haas 1844–1851 Karl Christoph Friedrich Stockmayer 1851–1877 Johann Georg Freihofer (1806–1877) 1878–1887 Gottlob Kemmler (1823–1907) 1887–1895 Otto Emil Schott (1831–1901) 1895–1909 Christian Friedrich von Römer (1854–1920) 1909–1919 Adolf Pfleiderer 1919–1934 Wilhelm Otto (1879–1939) 1935–1940 Wilhelm Gümbel (1889–1978) 1940–1959 Rudolf Brezger (1904–1999) 1959–1965 Eberhard Weismann (* 1908) 1965–1975 Helmut Betsch (* 1912) 1975–1984 Eberhard Lempp (1920–1984) 1985–1994 Adolf Götz (* 1931) 1995–2006 Albrecht Becker (1941–2010) 2007–2020 Ralf Albrecht (* 1964)
Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Nagold gab es insgesamt 34 Kirchengemeinden, von denen sich mehrere zu insgesamt fünf Gesamtkirchengemeinden zusammengeschlossen hatten. Die Kirchengemeinden umfassen überwiegend Gebiete, die zu politischen Gemeinden des Landkreises Calw gehören. Abweichungen werden in der folgenden Übersicht besonders erwähnt.
Kirchengemeinde Altensteig mini|Stadtkirche Altensteig Die Kirchengemeinde AltensteigWebsite der Kirchengemeinde Altensteig umfasst die Kernstadt der Stadt Altensteig. Altensteig gehörte bis 1570 zur Pfarrei Altensteigdorf, hatte aber an den mittelalterlich-romanischen Kapellen St. Anna (abgängig), St. Leonhard (Reste vorhanden) und St. Nikolaus bis zur Reformation unselbstständige Kaplaneien, deren Kaplane und Priester ein gemeinsames geistliches Leben in der Altensteiger Marienbruderschaft führten. Die Stadt Altensteig wurde unter der Markgrafschaft Baden-Durlach im Jahre 1556, 500 Jahre nach ihrer ersten urkundlichen Erwähnung, endgültig evangelisch. Die Kaplanei wurde zum Diakonat. 1570 wurde die spätgotisch veränderte Nikolauskapelle zur Pfarrkirche für die Stadt erhoben. Mit dem Anwachsen der Einwohnerschaft (1570: 200, 1768: 1050) wurde die Nikolauskirche zu klein und zudem baufällig. Wegen Platzmangels innerhalb der Stadtmauer wurde außerhalb die neue Stadtkirche von 1773 bis 1775 nach Plänen des Kirchenrats-Baumeisters Wilhelm Friedrich Goez (Ausführung: der Nagolder Bau- und Werkmeister Georg Christoph Reich) mit Doppelemporen für mehr als 800 Personen errichtet und die alte Nikolauskirche bis 1869 abgebrochen. Einige Gegenstände daraus fanden Verwendung. Die Mittelstellung der Kanzel betont die zentrale Bedeutung der Verkündigung des Wortes Gottes, die Orgel als Gegenüber der Wortverkündigung betont den geistlichen Charakter der Musik. 2 × 12 Emporensäulen symbolisieren die Ergänzung des Alten Bundes (12 Stämme Israels) durch den Neuen. Über allem steht auf dem Kanzel-Schalldeckel der auferstandene Jesus Christus. Der damalige Neubau vor den Mauern der Stadt symbolisiert das erwartete himmlische Jerusalem, ein Motiv, das Professor Rudolf Yelin d. J. im Rahmen seiner künstlerischen Gesamtkonzeption bei der Kirchenrenovierung 1961 auf seinem Altarwandbild an die Spitze der alt- und neutestamentlichen Bildthemen gesetzt hat.
Kirchengemeinden Altensteigdorf & Berneck Kirchengemeinde Altensteigdorf Die Kirchengemeinde AltensteigdorfWebsite der Kirchengemeinde Altensteigdorf umfasst die Stadtteile Altensteigdorf, Lengenloch und Überberg (mit Heselbronn und Zumweiler) der Stadt Altensteig. Die Remigiuskirche ist eine der ältesten in der Gegend. Der spätromanische Turm mit Turmchor stammt vermutlich aus der Zeit um 1200. Dort an der Nordwand sind noch sehenswerte Fresken erhalten: oben die Ankündigung, Geburt und Anbetung Jesu, unten seine Geißelung, Kreuztragung und Entkleidung vor der Kreuzigung. Die Kirche wird 1275 erstmals in schriftlichen Unterlagen erwähnt. 1757 wurde die Turmspitze ersetzt, und dabei der Turm von 33 Meter auf 26 Meter Höhe gekürzt. 1903 wurde das Langhaus nach Süden erweitert und mit größeren Fenstern versehen. Die asymmetrische Schiff-Verbreiterung erforderte ein neues Dachwerk und die neugotische breitere Westfront. Die Nordempore von 1714, der barocke Taufstein von 1697 und das Kruzifix unter dem Triumphbogen blieben erhalten. 1966 und 1992 folgten weitere Renovierungen. Der Glaskünstler Wolf-Dieter Kohler schuf 1966 die Ostersonne als Auferstehungssymbol im Ostfenster des Chores zum Ersatz für ein Ornamentfenster von 1903. In diesem Zusammenhang wurden wohl auch die spätgotischen Fresken (Evangelistensymbole) an der Chor-Ostwand unter Putz verborgen und damit gesichert.
In Lengenloch gibt es eine Filialkirche älteren Ursprungs, die im Jahr 1751 fast ganz erneuert wurde. In Überberg wurde im Jahre 2001 ein Gemeindehaus eingeweiht. Bis 1924 war Überberg eine selbständige Kirchengemeinde, die durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 17. Mai 1924 mit der Kirchengemeinde Altensteigdorf vereinigt wurde.
Kirchengemeinde Berneck Die Kirchengemeinde BerneckWebsite der Kirchengemeinde Berneck umfasst den gleichnamigen Stadtteil der Stadt Altensteig. Die Laurentiuskirche wurde zwischen 1466 und 1471 zur Pfarrkirche erhoben, 1490 um den gotischen Chor erweitert, 1508 erstmals als Marienkirche urkundlich genannt. Die Wandmalereien im Chorraum, das Grabmal des landespolitisch bedeutsamen Landhofmeisters Balthasar von Gültlingen († 1563) und seiner Frau Agnes von Gemmingen (Herr von Gültlingen war Ortsherr in Berneck und führte dort 1536 die Reformation ein), eine Pietà aus Lindenholz (um 1420) sowie der spätgotische Taufstein und das Sakramentshäuschen sind kulturgeschichtliche Besonderheiten, die dieses Kirchengebäude auszeichnen. Die einschiffige Saalkirche mit einer Kassettendecke und einem Dachreiter wurde 1661 nach einem Brand wieder aufgebaut. Der Chor mit irregulärem 3/8-Schluss enthält Fresken, die Sakristei ein spätgotisches Kreuzgewölbe. Das Kruzifix hinter dem Altar wurde um 1700 gefertigt. Es gibt zahlreiche Grabplatten und Epitaphien. 1753 wurde die Kirche umgebaut und erweitert (Dachreiter, querkirchenartige Anbauten). - 1965 Renovierung mit Freilegung der Fresken und Abbau des Kanzelaltars.
Kirchengemeinden Beihingen & Bösingen Kirchengemeinde Beihingen Die Kirchengemeinde BeihingenWebsite der Kirchengemeinde Beihingen umfasst den gleichnamigen Stadtteil der Stadt Haiterbach. Sie besitzt eine Kirche aus dem 13. Jahrhundert, wovon der Kirchturm zeugt. Bis nach dem Zweiten Weltkrieg enthielt er unten den gewölbten Turmchor mit Chorbogen-Öffnung nach Westen. Das dortige Langhaus wurde wohl zugunsten einer Straßenplanung abgebrochen und 1953/1954 durch den Anbau eines neuen, nach Osten ausgerichteten Kirchenschiffs (axial etwas nach Süden versetzt) mit anschließendem Chor und Sakristei ersetzt Das große Wandgemälde hinter dem Altar mit dem Motiv der Majestas Domini und den begleitenden Posaunenengeln der Offenbarung stammt vom Stuttgarter Künstler Wolf-Dieter Kohler. Im frühgotischen Kirchturm finden sich die ältesten Zeugen der Ortsgeschichte: Seine Glocken sind bis zu 700 Jahre alt. Die beiden ältesten wurden wahrscheinlich im 14. Jahrhundert in Rottweil gegossen. Pfarramtlich betreut wird die Kirchengemeinde von der Nachbarkirchengemeinde Bösingen (Gemeinde Pfalzgrafenweiler, Landkreis Freudenstadt).
Kirchengemeinde Bösingen Die Kirchengemeinde BösingenWebsite der Kirchengemeinde Bösingen umfasst den gleichnamigen Ortsteil von Pfalzgrafenweiler (Landkreis Freudenstadt). Eine Vorgängerkirche war „Unserer Lieben Frau“ geweiht. Die jetzige, im Jahre 1888 vom Stuttgarter Architekt Theophil Frey errichtete neugotische Kirche brannte in der Christnacht 1945 völlig aus. Das Kirchenschiff wurde bis 1950 nach Plänen des Stuttgarter Oberbaurates Johannes Fulda erneuert und die zerstörte dreiteilige Glasmalerei (Guter Hirte) im Chor mit gleicher Thematik durch die Künstlerin E. Fulda-Müller ersetzt, bis 1957 gefolgt von der Turmhelm-Erneuerung. Das Pfarramt Bösingen betreut auch die Nachbarkirchengemeinde Beihingen (Stadt Haiterbach).
Kirchengemeinde Ebhausen