Die Eberswalde-Finowfurter Eisenbahn (EFE) verkehrte ab 1907 auf einer 9,6 Kilometer langen Strecke zwischen der Stadt Eberswalde und der Gemeinde Schöpfurth (heute Finowfurt) sowie dem 1,3 Kilometer langen Abzweig Heegermühle (heute Finow)-Messingwerk (1914–1970) und dem 2,2 Kilometer langen Streckenabschnitt zwischen Eberswalde und Spechthausen (1931–1945).

1924 wurde die Kleinbahn Eberswalde-Schöpfurth in eine Privatbahn mit Namen Eberswalde-Schöpfurther Eisenbahn (ESE) umgewandelt. Eigentümer blieb die Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft (DEG) mit Sitz in Frankfurt am Main. 1929 übernahm die AG für Verkehrswesen (AGV) in Frankfurt am Main die ESE. Nach dem Zusammenschluss von Schöpfurth und Steinfurt zu Finowfurt wurde die ESE 1930 in Eberswalde-Finowfurter Eisenbahn (EFE) umbenannt.

1947 ging die Eisenbahn an die Landesbahnen Brandenburg; 1949 an die Deutsche Reichsbahn. 1994 übernahm die Deutsche Bahn AG die Strecke. Der Personenverkehr auf der Bahn wurde 1961 eingestellt, der Güterverkehr 1996.

Geschichte Vorgeschichte mini|Landkreis Oberbarnim, 1905

Die rasante wirtschaftliche Entwicklung des Gebietes (verbunden mit der weiteren Ausprägung der Industrialisierung im Finowtal) in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlangte nach neuen Lösungen zur Verkehrsanbindung. Mit dem Bau der Bahnstrecke Berlin–Stettin, die am 30. Juli 1842 bis Neustadt Eberswalde im Landkreis Oberbarnim vollendet war, wurde der Grundstein für die spätere Entwicklung Eberswaldes zum Eisenbahnknotenpunkt gelegt.

Am 16. August 1843 wurde die Strecke nach Stettin fertiggestellt, am 15. Mai 1877 die Bahnstrecke Eberswalde–Frankfurt (Oder) und am 16. August 1899 die Bahnstrecke Britz–Fürstenberg/Havel.Lokomotive.de: Am 7. Januar 1878 wurde die königliche Hauptwerkstatt für die Ausbesserung von Lokomotiven und Wagen eröffnet. Später wandelte sie sich zum Reichsbahnausbesserungswerk. Die Deutsche Bahn AG betreibt es heute als Fahrzeuginstandhaltungswerk (DB Werk Eberswalde). Außerdem entstand die Bahnhofsbrücke Eberswalde in der Nähe des Bahnhofes, die am 27. Juni 1910 polizeilich abgenommen wurde.

Die Unternehmen im Finowtal waren bisher nicht an die Eisenbahnstrecke Berlin–Stettin angeschlossen. Unternehmen wie die Hüttenwerk AG, die Messingwerke AG, die Papierfabrik Wolfswinkel und die Schering-Kahlbaum AG drängten immer stärker auf einen Anschluss an das Staatsbahnnetz. 1898 gab es erste Pläne für eine schmalspurige Anschlussbahn von Eberswalde nach Schöpfurth. Das Projekt wurde aufgrund finanzieller Schwierigkeiten und des Desinteresses der Stadt Eberswalde nicht verwirklicht.

1904 erklärte sich die AG für Bahn-Bau und -Betrieb (BBB) in Frankfurt am Main bereit, den größten Teil der Kosten für den Bau einer normalspurigen Eisenbahnlinie zu übernehmen. Auch der Landkreis Oberbarnim beteiligte sich finanziell. Die Konzession zum Bau und Betrieb der Eisenbahnstrecke erteilte am 17. Januar 1906 der Königliche Regierungspräsident. Die Bauarbeiten an der Strecke begannen im Februar 1906 und machten bis Heegermühle rasche Fortschritte. Auf dem folgenden Streckenabschnitt bereiteten sumpfiges Gelände und einige Hügel Schwierigkeiten.

Eröffnung mini|Bahnhof und Bahnhofsrestaurant Heegermühle (heute Finow), vor 1910

Am 1. März 1907 erfolgte daher erst die landespolizeiliche Abnahme der Teilstrecke zwischen Eberswalde und Heegermühle. Drei Tage später, am 4. März 1907, verkehrten die ersten Personenzüge (Borsig-Dampflokomotiven Dn2vt und zweiachsige Personenwagen). Hinzu kamen Güterwagen für den Waren- und Materialtransport. Trotz der Geländeschwierigkeiten konnte die Gesamtstrecke innerhalb der nächsten sieben Monate fertig gestellt werden.

Allerdings waren die Baukosten mit 1,1 Millionen Reichsmark höher als erwartet. Zudem war die Einführung der Kleinbahnzüge in den Staatsbahnhof (heute Eberswalde Hauptbahnhof) nicht möglich, weil sich der Regierungsbaumeister außer Dienst Hoffmann weigerte die Linie über sein Privatgrundstück bauen zu lassen. So musste ein gesonderter Bahnhof rund 500 Meter weiter westlich an der Strecke nach Schöpfurth errichtet werden. Vom Kleinbahnhof führten Anschlussgleise zum Staatsbahnhof Eberswalde. Damit konnte die Stadt Eberswalde die Pläne nicht verwirklichen, die Strecke über die Bahnhofsbrücke zu legen.

Die polizeiliche Abnahme des Streckenabschnittes zwischen Heegermühle und Schöpfurth für den lokalen Güter- und Personenverkehr erfolgte am 16. Oktober 1907. Am selben Tag wurde der Betrieb aufgenommen. Eigentümer und Betriebsführer der Kleinbahn Eberswalde-Schöpfurth waren die Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft (DEG) und die AG für Bahn-Bau und -Betrieb (BBB), beide mit Sitz in Frankfurt am Main. Die „Eberswalder Zeitung“ schrieb am 17. Oktober 1907:

„Die landespolizeiliche Abnahme der Kleinbahn Eberswalde-Schöpfurth erfolgte heute vormittag 12 Uhr. Seitens der Besitzerin der Bahn, der Deutschen Eisenbahngesellschaft in Frankfurt a. M., waren die Herren Generaldirektor Koehler und Direktor Reufeld aus Frankfurt a. M. anwesend, seitens der Königl. Regierung in Potsdam waren der Dezernent des Eisenbahnwesens Regierungsrat Freiherr von Grunwald, ferner die Herren Geheimen Bauräte Seeliger und Blumenthal, sowie Regierungs- und Baurat Krause erschienen. Die Herren befuhren mit einem Extrazuge die Strecke bis Schöpfurth und kehrten dann nach Heegermühle zurück.“

Die Bezeichnung „Kleinbahnhof“ für den Ausgangspunkt der Bahnlinie in Richtung Schöpfurth im Eberswalder Stadtteil Westend (damals noch weitestgehend unbebaut) entstand. Der Bahnhof in Westend erhielt ein Ladegleis, ein Nebengleis, in das eine Gleiswaage eingebaut wurde, und ein Aufstellungsgleis, das auch zum Verladen des aus dem städtischen Wald angefahrenen Holzes dienen sollte. Des Weiteren wurde ein zweistöckiges Empfangsgebäude mit angebautem Güterschuppen und ein Nebengebäude errichtet.

Blütezeit des Personenverkehrs mini|Zum Kraftwerk Heegermühle wurde ab 1909 Kohle über ein Anschlussgleis transportiert. mini|Die Straßenbahn diente ab 1910 als Zubringer zur Kleinbahn.

1909 bauten die Märkischen Elektrizitätswerke nach Plänen des Architekten Georg Klingenberg das Kohlekraftwerk Heegermühle und transportierten die Kohle über ein Anschlussgleis.Das Märkische Elektrizitätswerk. Präsentation, Stadtwerke Eberswalde, 2006 1914 erfolgte die Eröffnung der 1,3 Kilometer langen Zweigstrecke von Heegermühle zum Messingwerk am Finowkanal für den Güterverkehr und im Oktober 1917 auch für den Personenverkehr.

Neben dem Güter- (weitere Unternehmen wurden angeschlossen) entwickelte sich der Personenverkehr in schnellem Tempo. In den verbleibenden Monaten des Jahres 1907 beförderte die Kleinbahn rund 21.000 Personen. Im Jahre 1915 waren es schon 338.000 beförderte Fahrgäste. Schließlich fuhren im Jahre 1920 fast eine Million (987.895 Passagiere) mit der Eisenbahn.

Am 1. April 1924 wurde die Kleinbahn in eine Privatbahn mit Namen Eberswalde-Schöpfurther Eisenbahn AG (ESE) umgewandelt. Eigentümer blieb die Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft (DEG) und Betriebsführer die AG für Bahn-Bau und -Betrieb (BBB). Am 1. Januar 1929 wurde die DEG von der AG für Verkehrswesen (AGV) übernommen. Dafür wurde die BBB wiederum in Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft (DEG) umbenannt. Eigentümer war also jetzt die AGV in Berlin und Betriebsführer die DEG in Frankfurt am Main. Nach dem Zusammenschluss der Gemeinden Schöpfurth und Steinfurt zur Gemeinde Finowfurt wurde die ESE 1930 in Eberswalde-Finowfurter Eisenbahn AG (EFE) umbenannt.

Der Bahnhof Eberswalde West (im Volksmund „Kleinbahnhof“) blieb nicht der östlichste Endpunkt (im Fall der Personenbeförderung, beim Güterverkehr hatte er nie einen Endpunkt dargestellt) der Bahnlinie in Richtung Finowfurt. Am 17. April 1931 erfolgte die Eröffnung der 2,2 Kilometer langen Strecke von Eberswalde in Richtung Spechthausen. Zusätzlich zum bereits bestehenden Haltepunkt „Wasserfall“ an der Eisenbahnstrecke Eberswalde–Berlin wurde nun ein weiterer Bahnsteig für aus Finowfurt kommende Sonntagszüge der Kleinbahn eingerichtet. Extrazüge dienten den Reisenden zum Besuch der großen Sängerfeste oder der beliebten Wasserfallkonzerte. Auch wenn man in Finow (aus Heegermühle entstand 1928 durch Zusammenlegung von früher selbständigen Gemeinden und ehemaligen Gutsbezirken ein neuer Ort, nämlich Finow) oder Finowfurt Schützenfeste oder Wettkämpfe im Heegermühler Sportpark veranstaltete, wurden Sonderzüge der Kleinbahn eingesetzt.

Als Zubringer diente die ab 1910 fahrende Straßenbahn Eberswalde. Am Kleinbahnhof kreuzte diese die Gleise der Eberswalde-Finowfurter Eisenbahn. 1940 wurde die Straßenbahn durch den bis heute verkehrenden Oberleitungsbus ersetzt. Neben Wasserfall und Eberswalde West gab es auf der Strecke folgende Bahnhöfe und Haltepunkte: Eisenspalterei, Finow (Mark), Sportpark, Messingwerk, Spechthausener Weg (ab 1950 Finowfurt Ost), Finowfurt Bahnhof und Finowfurt Ort.

Zunahme des Güterverkehrs mini|Der Wismarer Schienenbus befuhr ab 1933 die Strecke mini|Luftaufnahme des Messingwerkes um 1930 mit Anschluss an die Kleinbahn

Die Eröffnung von Kraftpostlinien der Reichspost ab dem 10. November 1924 nach und durch das von der Bahn befahrene Gebiet brachte einen Rückgang bei der Personenbeförderung, der aber vorerst durch die steigenden Gütermengen, die transportiert wurden, ausgeglichen wurde. So verdreifachte sich das Aufkommen an Gütern von 229.000 Tonnen (1930) bis auf 683.000 Tonnen (1942).

Besonders während der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 waren zahlreiche Eberswalder Unternehmen in vielfältigster Art und Weise an der Rüstungsindustrie beteiligt. Die Eberswalde-Finowfurter Eisenbahn profitierte überwiegend deshalb davon, weil sie viele Anschlüsse zu diesen Betrieben besaß und für den Transport der Güterwagen zuständig war. 1936 waren 15 Unternehmen an die EFE angeschlossen, darunter auch die Papierfabrik Spechthausen. Der Anschluss an die Bahn war das Zelluoselager direkt gegenüber der Papierfabrik, später umgebaut zur Tischlerei.

Die Papierfabrik stellte von 1874 bis 1945 das Papier für die Reichskassenscheine und fast alle Banknoten sowie Wert- und Kreditbriefe, Aktien, Schecks und andere Wertpapiere für das Deutsche Reich her. Auch das Papier für die falschen Pfundnoten, die während der Aktion Bernhard im Zweiten Weltkrieg vom Sicherheitsdienst (SD) zur Destabilisierung der britischen Währung über London abgeworfen wurden, stammte aus Spechthausen. Drucktechnisch wurde dieser Staatsauftrag im KZ Sachsenhausen realisiert.Landeshauptarchiv Brandenburg: Brandenburgische Archive (PDF; 1,2 MB)British Association of Paper Historians:

Bekannt sind die Namen folgender Unternehmen mit eigenem Gleisanschluss:

Papierfabrik Spechthausen Eberswalder Terraingesellschaft Märkische Elektrizitätswerke, Materialsammellager Ardelt-Werke Eisenhüttenwerk Hoffmann & Motz, Eisenspalterei Chemische Fabrik Schering-Kahlbaum Märkische Elektrizitätswerke, Kraftwerk Finow Metallwerke Gallkowski & Kielblock Dachpappenfabrik Ihmsen & Lingner Hirsch Kupfer- und Messingwerke Imprägnier- und Sägewerk Ernst Mametschke Hermannsmühle (Sägewerk) Hubertusmühle (Imprägnierwerk) Fa. Karl Hallier, Schöpfurther Mühle

Konkurrenz durch Autobusse +Beförderte Personen und GütermengenStatistik der Eisenbahnen im Deutschen Reiche. Reihe A. Geschäftsjahre 1934 (Bd. 55) bis 1942 (Bd. 63). Reihe B. Geschäftsjahre 1933 (Bd. 54) bis 1941 (Bd. 62), Berlin Reichsdruckerei/Mittler & Sohn (Vertrieb) 1934–1944 Jahr Personen Güter (t) 1907 21.278 16.447 1915 338.406 147.362 1920 987.895 267.777 1925 405.562 285.707 1930 342.386 228.921 1935 221.337 312.510 1939 690.341 442.742 1942 1.278.910 682.600