Die Demokratische Partei (Thai: , RTGS: Phak Prachathipat, Aussprache: []) ist die älteste bestehende Partei Thailands. Ihre Ausrichtung ist royalistisch und liberal bis konservativ. Sie gehört der Liberalen Internationale an. Den Kern ihrer Wählerschaft bildet die städtische Mittelschicht. Ihre Hochburgen sind im Großraum Bangkok und in Südthailand.
Die Partei wurde 1946 von konservativen Royalisten gegründet. 1948 stellte sie nach ihrem Wahlsieg für einige Monate die Regierung. Nach der Machtübernahme des Militärs war sie zunächst in der Opposition. Von 1958 bis 1968 waren die Demokraten, wie alle anderen Parteien Thailands, verboten. Anschließend arbeitete die Partei wieder gegen die Militärherrschaft und nahm eine zunehmend liberale Ausrichtung an. Während einer kurzen demokratischen Phase verzeichnete sie 1975 und 1976 wieder Wahlerfolge und stellte kurzzeitig den Regierungschef. In den 1980er Jahren war sie als Juniorpartner an der Regierung beteiligt.
Von 1992 bis 1995 und von 1997 bis 2001 führte sie erneut selbst die Regierung, ebenso zwischen 2008 und 2011 unter Abhisit Vejjajiva, der von 2005 bis 2019 Parteivorsitzender war. Von 2011 bis zum Militärputsch 2014 waren die Demokraten größte Oppositionskraft im Parlament.
Wähler und Ausrichtung mini|Stärkste Partei bei der Parlamentswahl 2011 nach Provinz: Demokratische Partei in hellblau, Pheu-Thai-Partei in rot.
Die Demokratische Partei findet ihre Unterstützer hauptsächlich in Südthailand und bei der städtischen Mittelschicht im Großraum Bangkok.Andreas Ufen: Partei- und Parteiensystemtypen in Südostasien. In: Ethnizität, Islam, Reformasi. Die Evolution der Konfliktlinien im Parteiensystem Malaysias. VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2011, S. 71. Sie gilt traditionell als royalistisch. Duncan McCargo, der südostasiatische Politik erforscht und schwerpunktmäßig zu Thailand veröffentlicht, zählt die Demokratische Partei zu dem von ihm benannten „Netzwerk Monarchie“.Duncan McCargo: Thailand. In: Regional Outlook Southeast Asia 2010-2011. Institute of Southeast Asian Studies, Singapur 2010, S. 54. Dieser von McCargo beschriebene lockere und informelle politische Zusammenschluss setzt sich aus dem Palast nahestehenden Personen und Gruppen im Kronrat, Politik, Militär und Verwaltung zusammen.dazu McCargo: Network monarchy and legitimacy crises in Thailand. 2005.
Die Demokraten befürworten eine liberale Verfassung, Rechtsstaatlichkeit und unbestechliche Verwaltung.McCargo: Thailand’s political parties. 1997, S. 122–123. Die Partei präsentiert sich als Grundpfeiler der Demokratie in Thailand und lehnt eine Militärherrschaft prinzipiell ab, ihre Opposition gegen autoritäre Regierungen war aber eher vorsichtig.Kuhonta: The Institutional Imperative. 2011, S. 168–169. Der auf Thailand spezialisierte Politikwissenschaftler Michael K. Connors verortet die Demokratische Partei als Vertreterin eines „royalen Liberalismus“, die sich in ihrer Geschichte zuverlässig aus einer Eliteposition gegen autoritäre Herrschaft und für den Erhalt von Privateigentum gestellt hat.Connors: Democracy and National Identity in Thailand. 2007, S. 185. Aufgrund ihrer stillschweigenden Billigung des Militärputsches von 2006 verlor sie weitgehend ihr in vorangegangenen Jahrzehnten erworbenes Ansehen als Gegnerin des Autoritarismus.Dirk Tomsa: What type of party? Southeast Asian parties between clientelism and electoralism. In: Party Politics in Southeast Asia. 2013, S. 35.
Die Demokraten haben ein marktwirtschaftliches Profil. Sie stehen für einen technokratischen Politikstil und behutsame Wirtschaftsreformen.Stephan Haggard: The Political Economy of the Asian Financial Crisis. Institute for International Economics, S. 97. Die Partei ist gegen Umverteilung zugunsten der Armen, stattdessen verteidigt sie den gesellschaftlichen Status quo. Sie spricht sich für eine Wirtschaftspolitik der Selbstbeschränkung und wirtschaftlichen Unabhängigkeit aus, wie sie der frühere thailändische König Bhumibol Adulyadej bewarb. Populistische Ausgabenprogramme und Konsumförderung auf Kredit lehnt sie ab. Dabei ist die Partei eher auf eine langfristige Perspektive als auf kurzfristige und konkrete Erfolge orientiert.Bjarnegård: Who’s the perfect politician? 2013, S. 150.
Während und nach der Asienkrise 1997/98 wurde sie als pro-kapitalistische Partei wahrgenommen, die vollständig auf die Umsetzung der vom Internationalen Währungsfonds auferlegten Maßnahmen setzte. Als Reaktion auf den Erfolg von Thaksin Shinawatra setzte sie ab 2005 auf ein „populistisches“ Programm, das das Eintreten für freiheitliche Demokratie und Zivilgesellschaft betont. Einige von Thaksin eingeführte Sozialprogramme hat sie in ihr politisches Konzept übernommen.Michael K. Connors: (PDF-Datei; 234 kB) In: Journal of Contemporary Asia. Bd. 38, Nr. 1, Februar 2008, S. 143–165.
In der Außenpolitik stehen die Demokraten zum engen Bündnis mit den Vereinigten Staaten. Sie haben das autokratische System in Myanmar regelmäßig kritisiert. Insbesondere während der Regierungszeit ihres Parteivorsitzenden Chuan Leekpai in den 1990er Jahren verschlechterten sich die bilateralen Beziehungen merklich. Die von den Demokraten geführte Regierung unterstützte Demokratieaktivisten und aufständische ethnische Minderheiten im Nachbarland. Auch die Regierung von Abhisit Vejjajiva ging nach 2008 auf Distanz zu den Machthabern und mahnte demokratische Prinzipien an.Pavin Chachavalpongpun: Thailand-Myanmar Relations. Old Animosity in a New Bilateral Setting. In: International Relations in Southeast Asia. Between Bilateralism and Multilateralism. Institute of Southeast Asian Studies, Singapur 2010, S. 120, 126.
Organisation Seit den 1970er Jahren verfügt die Partei über Provinzverbände, seit den Achtzigern hat sie eine Jugendorganisation. Mitte der Neunziger meldete sie 300.000 Mitglieder. Die Demokraten haben eine Parteizentrale und zahlreiche Außenstellen mit Vollzeitmitarbeitern. Sie verfügen seit langem über eine aktive Mitgliedschaft und funktionierende innerparteiliche Demokratie. Damit unterschieden sie sich lange Zeit von den anderen Parteien in Thailand, die kaum über eine Organisationsstruktur verfügten, „persönliches Eigentum“ eines einzelnen Politikers oder einer bestimmten Gruppe waren.
Als einzige Partei setzte die Demokratische nicht auf die persönliche Popularität oder das Charisma eines Anführers. Daher konnte sie auch über mehrere Generationen fortbestehen. Während andere Parteien aus dem politischen Spektrum verschwanden, wenn ihr jeweiliger Spitzenmann aus der Politik ausschied, konnten bei den Demokraten immer wieder neue Politiker an die Spitze aufsteigen.Kuhonta: The Institutional Imperative. 2011, S. 167–168. Der Parteichef hat eine vergleichsweise beschränkte Rolle. Anders als die anderen Parteien in Thailand hat die Demokratische Partei formalisierte Regularien zur Wahl des Vorsitzenden und des Präsidiums.Siripan Nogsuan Sawasdee: Thailand. 2012, S. 158–159. Kandidaten der Demokratischen Partei werden häufiger als diejenigen anderer Parteien aufgrund ihrer Parteizugehörigkeit und weniger aufgrund ihrer persönlichen Bekanntheit und Popularität gewählt.Bjarnegård: Who’s the perfect politician? 2013, S. 152.
Die Demokratische Partei verlangt von ihren Mitgliedern beim Beitritt 20 THB und jährlich weitere 20 THB Mitgliedsbeitrag. Sie unterscheidet sich darin von den anderen thailändischen Parteien, die traditionell keine Beiträge erheben. Von ihren Vorstandsmitgliedern, Ministern und Parlamentariern erwartet sie, dass sie 5 % (Wahlkreisabgeordnete) bzw. 10 % (Listenabgeordnete, Minister und Vorstandsmitglieder) ihres Gehalts an die Partei spenden.Siripan Nogsuan Sawasdee: Thailand. 2012, S. 155. 2003 gab die Partei gegenüber der Wahlkommission an, 3,82 Millionen Mitglieder zu haben. Die Behörde stellte allerdings fest, dass davon 1,37 Millionen zugleich auch Mitglied einer anderen Partei waren. Solche Mehrfachmitgliedschaften sind bei allen Parteien in Thailand verbreitet.Duncan McCargo, Ukrist Pathmanand: The Thaksinization of Thailand. NIAS Press, Kopenhagen 2005, S. 87. Parteimitgliedschaften werden oftmals als schneller Weg zu Privilegien genutzt und sagen wenig über tatsächliche politische Loyalität aus.Bjarnegård: Who’s the perfect politician? 2013, S. 148. Ende 2008 verzeichnete die Partei 2,87 Millionen Mitglieder. („Geschichte der Demokratischen Partei“) Website der Partei (www.democrat.or.th). Abgerufen am 3. Januar 2013. Auch diese Zahl ist fragwürdig angesichts der Tendenz thailändischer Parteien zur Übertreibung. Gemessen an der Anzahl der Wähler der Partei ist sie jedoch im Vergleich mit anderen thailändischen Parteien noch niedrig. Die frühere Thai-Rak-Thai-Partei etwa teilte 2006 eine Mitgliederzahl mit, die fast so hoch war wie die ihrer Wähler.Siripan Nogsuan Sawasdee: Thailand. 2012, S. 156.
Die Demokratische Partei gehört der Liberalen Internationale an und ist seit 1993 ein Gründungsmitglied von deren Regionalorganisation Council of Asian Liberals and Democrats (CALD).Wolfgang Sachsenröder: Political Party Systems and Democratic Development in East and Southeast Asia. Band 1. Ashgate, Aldershot/Brookfield VT 1998, S. 13. Sie ist ein Partner der Friedrich-Naumann-Stiftung, von der sie Unterstützung durch Strategieplanung, Seminare und Kandidatentrainings erhält.Alexander Mohr: The German Political Foundations as Actors in Democracy Assistance. Dissertation, Centre d'Etudes Diplomatiques et Stratégiques, Paris 2010, S. 200.
Symbole mini|hochkant|Logo der Demokratischen Partei
Das Logo der Partei zeigt die buddhistische Erdgöttin Thorani, die Wasser aus ihrem Haar wringt. Die Partei verwendet es seit ihrer Gründung 1946. Das Bild ist inspiriert von der Thorani-Statue am Sanam Luang in Bangkok, die von Königin Saovabha in Auftrag gegeben wurde. Das Motto der Partei ist der Pali-Vers saccaṃ ve amatā vācā („Unsterblich, wahrlich, ist der Wahrheit Wort.“).Der Vers findet sich in der fünften Sutta der achten Gruppe der Samyutta-Nikaya in der Suttapitaka, dem in Pali verfassten Kanon von Lehrreden des Buddha. (Saṃyutta Nikāya 452- 5.1.189.) Logo und Motto stehen für die Wichtigkeit von Erde und Wasser für Thailand und die Bedeutung von Wahrhaftigkeit. Sie sollen die Werte der Partei symbolisieren.Elizabeth Guthrie: In Defence of the Nation. The cult of Nang Thoranee in northeast Thailand. In: Buddhism, Power and Political Order. Routledge, 2007, S. 172. Die Parteifarbe ist hellblau.Askew: Performing political identity. 2008, S. 83.
Geschichte Gründung und frühe Jahre (1946–1958) mini|hochkant|Seni Pramoj, erster Generalsekretär und von 1968 bis 1979 Vorsitzender der Partei
Eine Vorläuferin der Demokratischen Partei war die 1945 gegründete, kurzlebige Fortschrittspartei der adeligen Brüder Seni und Kukrit Pramoj. Die Demokratische Partei selbst wurde 1946 gegründet und hat damit die größte Kontinuität in der thailändischen Parteienlandschaft. Ihr Ziel war zunächst, ein Gegengewicht zum Linksliberalismus von Pridi Phanomyong zu bilden, der der einflussreichste Politiker während der kurzen parlamentarisch-demokratischen Phase nach der Entmachtung von Feldmarschall Phibunsongkhram war. In der Demokratischen Partei schlossen sich Abgeordnete zusammen, die den Ministerpräsidenten Khuang Aphaiwong unterstützten, nachdem die Pridi nahestehende Parlamentsmehrheit ihm das Misstrauen ausgesprochen hatte.Anusorn Limmanee: Thailand. 1998, S. 411. Ihr Programm war konservativ und pro-monarchisch. Erster Vorsitzender der Demokratischen Partei wurde Khuang, der 1932 noch Mitglied der Volkspartei und Förderer der „Siamesischen Revolution“ gewesen war, sich inzwischen aber von seinen einstigen Verbündeten entfremdet hatte.Kuhonta: The Institutional Imperative. 2011, S. 144.