Weinheim (kurpfälzisch: Woinem) ist eine Mittelstadt im Nordwesten Baden-Württembergs. Sie liegt etwa 18 km nördlich von Heidelberg und etwa 15 km nordöstlich von Mannheim an der Badischen Bergstraße in der europäischen Metropolregion Rhein-Neckar. Weinheim ist die größte Stadt des Rhein-Neckar-Kreises und seit dem 1. April 1956 eine Große Kreisstadt. Wegen ihrer beiden Wahrzeichen, der Ruine Windeck und der Wachenburg, trägt sie den Beinamen „Zwei-Burgen-Stadt“. Bis 1803 war Weinheim Bestandteil der dann aufgelösten Kurpfalz; sprachlich gehört die Weinheimer Ortsmundart Woinemerisch zu den kurpfälzischen Dialekten.Heinz Schmitt: Weinheimer Wortschatz. Ein Wörterbuch zur Mundart der Zweiburgenstadt. 4., verbesserte und veränderte Auflage, Edition Diesbach, Weinheim 2001, ISBN 978-3-9806464-4-4.

mini|Luftbild von Westen aus Geographie mini|Marktplatz mini|Burg Windeck mini|Römerbrücke bei Weinheim

Lage und Naturraum Weinheim liegt an der Badischen Bergstraße, in einer Einbuchtung am Westrand des an die Oberrheinische Tiefebene stoßenden Odenwaldes. Der alte Ortskern entstand am Austritt der Weschnitz und die Neustadt am Tal des Grundelbaches. Neuere Stadtteile entwickelten sich über den Schlossberg hinweg entlang der Bergstraße und hinaus in die Rheinebene.

Zwischen dem Weschnitz- und dem Grundelbachtal erhebt sich der 399,5 Meter hohe Wachenberg, nördlich davon der 345,7 Meter hohe Hirschkopf und der 348,2 Meter hohe Saukopf sowie südlich davon der 340 Meter hohe Geiersberg und der 323,8 Meter hohe Goldkopf. Noch etwas weiter südlich ist der 305,5 Meter hohe Bachberg. Die höchste Erhebung ist mit 524,9 Metern der Eichelberg im Stadtteil Oberflockenbach. Etwas westlich von diesem ist Weinheims zweithöchster Berg, der Steinberg mit 428,5 Meter.Wanderkarte Bergstraße-Weschnitztal 1:20000, Hessisches Landesvermessungsamt 2001, ISBN 3-89446-303-1 Die tiefste Stelle (97 Meter) Weinheims befindet sich in der Waidsiedlung im Nordwesten der Gemarkung.

Wegen der Lage an der Bergstraße herrscht in Weinheim ein mildes Klima. Im Vergleich zu anderen Gegenden Deutschlands blühen der Mandelbaum und andere Obstbäume viel früher im Jahresverlauf.

Die Gemarkung erstreckt sich über 5811 Hektar. Davon sind 24,2 % Siedlungs- und Verkehrsfläche, 42,9 % werden landwirtschaftlich genutzt und 30,0 % sind bewaldet.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Weinheim. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt:

Birkenau und Gorxheimertal (beide Landkreis Bergstraße in Hessen), Heiligkreuzsteinach, Wilhelmsfeld (über die Exklave Centwald), Schriesheim, Hirschberg an der Bergstraße und Heddesheim (alle Rhein-Neckar-Kreis), Viernheim (Landkreis Bergstraße) sowie Hemsbach (Rhein-Neckar-Kreis).

Stadtgliederung Die Stadt Weinheim besteht aus der Kernstadt und den zehn Stadtteilen Hohensachsen, Lützelsachsen, Oberflockenbach, Steinklingen, Wünschmichelbach, Rippenweier, Rittenweier, Heiligkreuz, Ritschweier und Sulzbach. Die Stadtteile bilden sechs Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzendem, wobei die Stadtteile Oberflockenbach, Steinklingen und Wünschmichelbach zur Ortschaft Oberflockenbach und die Stadtteile Rippenweier, Rittenweier und Heiligkreuz zur Ortschaft Rippenweier zusammengefasst werden. Das gesamte Stadtgebiet wird zudem in sechs Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung gegliedert, wobei die Ortschaften Hohensachsen und Ritschweier zusammen einen Wohnbezirk bilden. Die restlichen Ortschaften sowie die Kernstadt bilden je einen Wohnbezirk. (PDF; 40 kB)

Zur Ortschaft Hohensachsen (2.691 Einwohner am 31. Dezember 2024Weinheim – Daten, Zahlen, Fakten) gehört die Siedlung im Ritschweier Tal. Zur Ortschaft Lützelsachsen (5.734 Einwohner) gehört das Haus Kinder- u. Jugendheim Pilgerhaus. Zur Ortschaft Oberflockenbach (2.239 Einwohner) gehören der Weiler Steinklingen, das Dorf Wünschmichelbach und das Haus Daummühle. Zur Ortschaft Rippenweier (1.139 Einwohner) gehören der Weiler Rittenweier, die Orte Heiligkreuz und Hohert (Ferienheim) und das Haus Deisenklinge. Zur Ortschaft Ritschweier (292 Einwohner) gehört der Weiler Oberkunzenbach. Zur Ortschaft Sulzbach (2.763 Einwohner) gehört das Gehöft Sulzbacherhof. Zur Kernstadt Weinheim (30.716 Einwohner) gehören die Weiler Bertleinsbrücke und Weid und die Orte Weiler Nächstenbach, Nächstenbacher Berg, Ofling und Waid. Im Gebiet der Ortschaft Lützelsachsen liegt die Wüstung Hege.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2. S. 425–430

Raumplanung Weinheim ist ein Mittelzentrum im Bereich der Oberzentren Mannheim und Heidelberg. Zum Mittelbereich Weinheim gehören neben Weinheim die Städte und Gemeinden Hemsbach, Hirschberg an der Bergstraße und Laudenbach.

Geschichte Von den Ursprüngen bis ins 20. Jahrhundert mini|Stich von 1645 mini|Stich von Johann Jakob Rieger, 1787 mini|Heute als Altstadt bezeichnete mittelalterliche Neustadt mini|Schloss, Laurentiuskirche und ehemaliges Karmeliterkloster

755 n. Chr. war die erste urkundliche Erwähnung Winenheims im Lorscher Codex, dem Urkundenbuch des Klosters Lorsch. Der Name Weinheim kommt demnach nicht vom Wein, der in der Gegend angebaut wird, sondern von Winos Heim.

1000 n. Chr. verlieh Kaiser Otto III. Weinheim das Marktrecht, dem 1065 das Münzrecht folgte. Oberhalb des Ortes erbaute das Kloster Lorsch zur Sicherung seiner Besitzungen die Burg Windeck. Als Lorscher Vogt erhob Pfalzgraf Konrad Ansprüche auf Weinheim und die Burg. Nachdem 1232 das Lorscher Kloster dem Mainzer Bischof unterstellt worden war, kam es zu längeren Streitigkeiten zwischen Mainz und der Pfalz. Dies führte zu einem zweigeteilten Weinheim: Die Altstadt stand unter der Herrschaft der Erzbischöfe von Mainz. Um 1250 bauten aber die Pfalzgrafen aus dem seit 1214 regierenden Haus Wittelsbach – Initiator war entweder Otto II. der Erlauchte oder sein ab seinem Tod 1253 regierender Sohn Ludwig II. der Strenge – als Konkurrenz die Neustadt auf einer bisher unbesiedelten Terrasse über der Weschnitz auf. Die Neustadt bildet ihrerseits den Kern der heutigen, historischen Altstadt Weinheims.

Die Trennung in Alt- und Neustadt wurde im Hemsbacher Schiedsspruch von 1264 festgeschrieben: Die Neustadt, die hier erstmals als „Stadt“ bezeichnet wurde, und die Burg Windeck wurden dem Pfalzgrafen zugesprochen, die Altstadt blieb unter der Herrschaft von Mainz. 1308 ging in einem Gebietstausch auch die Altstadt auf die Pfalz über. Ab 1368 gehörte Weinheim zum unabtrennbaren Kerngebiet der Kurpfalz und unterstand seit Ende des 14. Jahrhunderts dem Oberamt Heidelberg. 1454 wurden die bis dahin verwaltungstechnisch immer noch getrennten Gebiete der Altstadt und der Neustadt zu einer Stadt vereinigt.

Im 17. Jahrhundert wurde Weinheim im Dreißigjährigen Krieg, im Holländischen Krieg und im Pfälzischen Erbfolgekrieg mehrfach von fremden Truppen erobert und die Burg Windeck zerstört.

1698 verlegte Kurfürst Johann Wilhelm für zwei Jahre seinen Hof, die Heidelberger Universität und die kurfürstliche Münzstätte und Druckerei nach Weinheim. Die Pläne, die einen großzügigen Ausbau des Weinheimer Schlosses vorsahen, wurden allerdings nicht verwirklicht.

1803 wurde die Kurpfalz aufgelöst, und Weinheim gelangte zu Baden, wo es Sitz eines Bezirksamtes wurde. Während der Badischen Revolution 1848 unterbrachen Weinheimer Revolutionäre die Bahnstrecke Frankfurt am Main–Heidelberg der Main-Neckar-Eisenbahn-Gesellschaft in Höhe der heutigen OEG-Haltestelle Rosenbrunnen, um zu verhindern, dass mit der Bahn Truppen gegen den Struve-Putsch in Stellung gebracht wurden. Ein Zug entgleiste. 33 Weinheimer wurden daraufhin angeklagt.

1900 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Politisch waren seit der Reichsgründung 1871 die Nationalliberalen die stärkste Strömung, ehe sie Anfang des 20. Jahrhunderts von den Sozialdemokraten abgelöst wurden. Bei der Reichstagswahl 1912 erzielte der sozialdemokratische Kandidat 49,7 % in der Stadt.

In der Weimarer Republik blieb die SPD zunächst stärkste Partei, büßte jedoch bald Stimmen ein: Im Januar 1919 entschieden sich 59,2 % der Wähler für die Sozialdemokraten; im Juni 1920 waren es 33,2 %.Ingeborg Wiemann-Stöhr: Die Stadt Weinheim 1925–1933. Untersuchungen zu ihrem wirtschaftlichen, sozialen und politischen Profil. (= Weinheimer Geschichtsblatt Nr. 37), Weinheim 1991, ISBN 3-923652-10-0, S. 10. Der KPD gelang es im Juli 1932, mit 19,5 % mehr Stimmen als die SPD (19,3 %) zu erzielen. Die KPD konnte im Gegensatz zu anderen Orten in Weinheim eine kontinuierlich arbeitende Führung aufbauen.Wiemann-Stöhr, Stadt, S. 67, 95. Das Ortskartell des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes war 1927 eines der wenigen in Baden, das von Kommunisten dominiert wurde. Eine Ortsgruppe der Nationalsozialisten bestand bereits vor Oktober 1923. Nach dem vorübergehenden Verbot der NSDAP wurde die Ortsgruppe im Juni 1925 neu gegründet und entwickelte sich unter Führung des späteren badischen Ministerpräsidenten Walter Köhler zur drittgrößten Ortsgruppe in Baden.Wiemann-Stöhr, Stadt, S. 79–92 1928 gehörten 250 von gut 2400 badischen Nationalsozialisten der Weinheimer Ortsgruppe an. Bei Wahlen erzielte die NSDAP stets überdurchschnittliche Ergebnisse und wurde bei den Landtagswahlen 1929 mit 26,7 % (Land Baden 7 %) erstmals stärkste Partei.Petra Bräutigam: Mittelständische Unternehmer im Nationalsozialismus, Wirtschaftliche Entwicklungen und soziale Verhaltensweisen in der Schuh- und Lederindustrie Badens und Württembergs, Oldenbourg, 1997, Seite 47 Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ erhielt die NSDAP im März 1933 46,2 % und die KPD 19,1 % der Stimmen.

Am 2. Mai 1933, unmittelbar nach dem „Tag der nationalen Arbeit“, wurden auch in Weinheim die Gewerkschaften zerschlagen: Die Gewerkschaftshäuser wurden besetzt, das Gewerkschaftsvermögen wurde beschlagnahmt und hohe Gewerkschaftsfunktionäre inhaftiert. Die Gewerkschaften sollten in die nationalsozialistische Deutsche Arbeitsfront überführt werden. Auch das Büro des Deutschen Lederarbeiterverbandes im Volkshaus in der Lindenstraße, heute Gaststätte Eulenspiegel, wurde vom Kreisleiter der NS-Betriebszellenorganisation Kurt Niceus und der SS besetzt. Während der Besetzung erhängte sich der damalige Geschäftsführer des Lederarbeiterverbandes, Michael Jeck (1882–1933) aus Nieder-Liebersbach (Birkenau/Odenwald). Die NS-Führung und mit ihr das Weinheimer Tageblatt versuchte unter anderem in einem Bericht vom 8. Mai 1933 den Suizid als die Folge der Aufdeckung von Betrügereien des Opfers darzustellen.Heinz Keller: Weinheim 1933−1945 – Zeitskizzen. In Otto Bräunche u. a.: Die Stadt Weinheim zwischen 1933 und 1945. Hrsg. Stadt Weinheim. Weinheim 2000, ISBN 3-923652-12-7, S. 21 (Weinheimer Geschichtsblatt. 38). Jeck war das erste Todesopfer des Nationalsozialismus in Weinheim. Im Jahr 1938 wurden hier die Badischen Turnmeisterschaften ausgetragen.

1936 wurde das Bezirksamt Weinheim aufgelöst und mit dem Bezirksamt Mannheim vereinigt, woraus 1938 der Landkreis Mannheim entstand. Dieser wurde zum 1. Januar 1973 im Rahmen der Kreisreform aufgelöst und Bestandteil des Rhein-Neckar-Kreises wurde.

Die Einwohnerzahl der Stadt Weinheim überschritt 1943 die 20.000-Grenze. Daher wurde Weinheim bereits mit Inkrafttreten der baden-württembergischen Gemeindeordnung am 1. April 1956 kraft Gesetzes zur Großen Kreisstadt erklärt.

1945 bis in die Gegenwart