mini|Illustration von George Cruikshank, 1876 Der goldene Vogel ist ein Märchen (ATU 550). Es steht in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm an Stelle 57 (KHM 57). Bis zur 2. Auflage lautete der Titel Vom goldnen Vogel. Das Märchen stammt wahrscheinlich aus Wilhelm Christoph Günthers Sammlung Kindermährchen von 1787 (Nr. 26 Der treue Fuchs).Lothar Bluhm: Die Erzählung von den beiden Wanderern (KHM 107). Möglichkeiten und Grenzen der Grimm-Philologie. In: Helga Bleckwenn (Hrsg.): Märchenfiguren in der Literatur des Nord- und Ostseeraumes. Baltmannsweiler 2011, ISBN 978-3-8340-0898-5, S. 20. Zudem ist es in ähnlicher Form auch in ÖsterreichPaul Zaunert (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Deutsche Märchen aus dem Donauland. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1958, S. 60–74, 370.Leander Petzoldt (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Österreich. Eugen Diederichs Verlag, München 1991, S. 112–119, 349. sowie im tschechischen,Oldřich Sirovátka (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Tschechische Volksmärchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1969, S. 58–70, 296; übertragen von Gertrud Oberdorffer. polnischen,Dorota Simonides, Jerzy Simonides (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus der Tatra. Eugen Diederichs Verlag, München 1994, S. 127–132, 315. slowenischen,Ursula Enderle (Hrsg.): Märchen der Völker Jugoslawiens. Insel-Verlag, Leipzig 1990, S. 328–338, 513. serbischen,Wolfgang Eschker (Übers. und Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Serbische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, München 1992, S. 164–167, 341. bulgarischen,Kyrill Haralampieff (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Bulgarische Volksmärchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1971, S. 37–49, 285; aus dem Bulgarischen übersetzt von Kyrill Haralampieff und Johanna Wolf.Elena Ognjanowa (Hrsg.): Bulgarische Märchen. Insel-Verlag, Leipzig 1987, S. 197–209, 493–494. rumänischen,Pauline Schullerus: Der Vogel des Paradieses. In: Rumänische Volksmärchen aus dem mittleren Harbachtal. Bukarest: Kriterion 1977, S. 244–250; . finnischen,August von Löwis of Menar (Hrsg.): Der Goldvogel. In: Die Märchen der Weltliteratur – Finnische und estnische Volksmärchen. Eugen Diederichs, Jena 1922, S. 12–16; . estnischen,Richard Viidalepp (Hrsg.): Estnische Volksmärchen. Akademie-Verlag, Berlin, 1980, S. 190–195, 443; Übersetzung von Eugenie Meyer. litauischenJochen Dieter Range (Übers. und Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Litauische Volksmärchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1981, S. 145–150, 274. und ukrainischenP. V. Lintur (Hrsg.): Ukrainische Volksmärchen. Akademie-Verlag, Berlin 1981, S. 256–263, 668–669; Übersetzung von Hans Joachim Grimm. Sprachraum bekannt.
Inhalt Brüder Grimm mini|Illustration von Otto Ubbelohde, 1909 Im Garten des Königs steht ein Baum, der goldene Äpfel trägt. Als der König feststellt, dass ein Apfel fehlt, müssen seine drei Söhne der Reihe nach wachen. Erst der Jüngste schläft dabei nicht ein. Er sieht einen goldenen Vogel einen Apfel nehmen und schießt ihm eine Feder ab. Die Feder ist so wertvoll, dass der König den Vogel haben will und seine Söhne der Reihe nach losschickt, ihn zu fangen. Jeder begegnet unterwegs einem Fuchs, der darum bittet, nicht erschossen zu werden. Nur der Jüngste ist gnädig. Dafür gibt ihm der Fuchs den Rat, im Dorf nicht in das gute, sondern in das schlechte Wirtshaus zu gehen. Der Jüngling folgt dem Rat, ohne nach seinen Brüdern zu schauen, die sich vergnügen. Der Fuchs weist ihm den Weg an den schlafenden Soldaten vorbei ins Schloss, in dessen letzter Kammer der goldene Vogel sitzt. Als er aber entgegen dem Rat des Fuchses den Vogel aus dem hölzernen Käfig nimmt und stattdessen in den goldenen setzt, stößt der Vogel einen Schrei aus. Der Jüngling wird von den Soldaten ergriffen und soll sterben, es sei denn, er holt dem König des Schlosses das goldene Pferd, das sich bei einem anderen Schloss befindet. Der Fuchs weist ihm den Weg. Aber auch dieses Mal folgt der Jüngling dem Rat des Fuchses nicht. Er tauscht den hölzernen und ledernen Sattel gegen einen goldenen. Da verrät ihn das Wiehern des Pferdes. Nun muss er die Königstochter vom goldenen Schloss herbeischaffen, um dem Tod zu entgehen. Auf den Rat des Fuchses hin fängt er sie auf dem Weg zum Badehaus ab. Er kann ihr aber den Abschied von ihren Eltern nicht abschlagen. So wachen alle auf und er wird wiederum festgesetzt. Dieses Mal muss er den Berg abtragen, der dem König vor dem Schloss die Sicht verstellt. Auch diese Aufgabe erledigt der Fuchs für ihn und lässt ihn nach der Königstochter auch seine anderen Schätze zurückholen. Der Fuchs bittet den Jüngling, ihn als Gegenleistung für seine Hilfe tot zu schießen und ihm die Pfoten abzuhauen. Das tut er nicht. Dennoch gibt ihm der Fuchs noch einen letzten Rat: Er solle kein Galgenfleisch kaufen und sich nicht an einen Brunnenrand setzen. Trotzdem löst der Jüngling in einem Dorf seine straffällig gewordenen Brüder vom Galgen aus. Diese jedoch stürzen ihren jüngeren Bruder in einen Brunnen. Nachdem der Fuchs ihn herausgezogen hat, geht er als Bettler verkleidet in seines Vaters Schloss, wo ihn die glückliche Königstochter erkennt. Sie werden verheiratet, die Brüder hingerichtet. Als später der Fuchs seinen Wunsch doch noch erfüllt bekommt, verwandelt er sich in den Bruder der Königstochter, denn er war verzaubert gewesen. Nun leben alle glücklich zusammen.
Johann Wilhelm Wolf
In Wolfs Der Vogel Phönix aus dem Werk Deutsche Hausmärchen (Göttingen / Leipzig, 1851) schickt ein kranker König seine drei Söhne aus, um ihm den Vogel Phönix zu bringen, dessen Gesang heilende Kräfte hat. Nur der jüngste Sohn ist freundlich zu einem Bären, woraufhin ihm dieser zu dem Vogel, der Schönsten unter der Sonne und dem schnellsten Pferd verhilft. Nachdem der Verrat seiner Brüder aufgedeckt ist, heiratet der Jüngste die Schönste unter der Sonne, wird König und die beiden bekommen einen Sohn. Da verlangt es dem Bären danach diesen zu fressen, was er sich trotz allem Jammerns nicht abschlagen lässt, doch als der Tod dem Kinde schon fast gewiss ist, verwandelt sie der Bär plötzlich in einen Prinzen, der nunmehr erlöst ist.Der Vogel Phönix. In: Johann Wilhelm Wolf: Deutsche Hausmärchen. 1851;
Josef Haltrich
In Haltrichs Der goldne Vogel aus dem Werk Deutsche Volksmärchen aus dem Sachsenlande in Siebenbürgen (Berlin 1856, Nr. 7) baut ein König eine Kirche, der nur noch eins, der goldne Vogel, fehle. Der Jüngste Sohn befreit daraufhin drei Jungfrauen, indem der drei Drachen tötet und kann so den goldnen Vogel ergattern, mit dem zusammen er auf einem sechsfüßigen Pferd heimreitet. Als er auf seine Brüder trifft, versuchen sie ihn zu töten, doch mit Hilfe dreier magischer Früchte, die er von den Jungfrauen erhalten hatte, wird er wieder gesund. Bei seinem Vater angekommen, gelingt es ihm dann, als Beweis für seine Taten, nicht nur das sechsfüßige Pferd zu reiten, sondern auch den goldnen Vogel zum Singen zu bringen. Seine beiden Brüder vermählt er mit zweien der Jungfrauen, er selbst aber nimmt sich die Schönste von ihnen zur Frau.Der goldne Vogel. In: Josef Haltrich: Deutsche Volksmärchen aus dem Sachsenlande in Siebenbürgen. 1882;
Weitere
In einer Version, die den Titel Der Vogel Wehmus trägt, aus Reußen bei Hermannstadt stammt und mündlich von Adolf Schullerus mitgeteilt wurde, ist es der jüngste Pfarrerssohn, der den Wundervogel heimbringt, um seinen kranken Vater zu heilen. Nach der Überführung seiner Brüder, bringt er den Wundervogel zurück zu seinem früheren Besitzer, einem König, und zusammen mit dem Fuchs, der sich als ein verzauberter Prinz entpuppt und der dem Pfarrerssohn die Hälfte seines Königreichs überlässt, gelingt es ihm die beiden Töchter des Königs für eine Doppelhochzeit zu gewinnen.Paul Zaunert (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Deutsche Märchen aus dem Donauland. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1958, S. 343–351, 375. Romuald Pramberger veröffentlichte unter dem Titel Die Vögel Phönus und Floribunda eine Version aus Rinegg bei Murau, Steiermark. Eine weitere österreichische Version aus Sankt Blasen in Murau, die den Grimmschen Titel trägt und von einem Müller handelt, wurde 1936/1937 von Anton Dolleschall nach dem Erzähler Josef Gerold aufgezeichnet. 1940 veröffentlichte Elli Zenker-Starzacher eine Version in bairischer Mundart unter dem Titel Vom Goldvogel Phönix in der Wiener Zeitschrift für Volkskunde 45 auf Seite 1.Elfriede Moser-Rath (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Deutsche Volksmärchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1966, S. 277–281, 327–328.
Nichtdeutsche Versionen Bulgarische Version
In einer bulgarischen Version von Nikolai Rainow begeben sich die drei Brüder zusammen auf die Reise, während derer die zwei Älteren den jüngsten Bruder verprügeln und verstoßen. Dieser trifft auf einen Alten Mann, der ihm zu dem goldenen Vogel und der Königstochter des ersten Königs verhilft, indem er ihm auch dabei behilflich ist, das geflügelte Pferd des zweiten Königs zu ergattern. Zudem wird der jüngste Bruder nach seiner Rückkehr von seinen zwei Brüdern an einen Baum gebunden, an dem er verhungern soll, doch der wird befreit und begibt sich verkleidet an den Hof des Vaters. Dort gelingt es ihm durch drei königliche Gewänder, die so hauchzart sind, dass sie in eine Haselnussschale passen und die nur im Lande des ersten Königs gefertigt werden, seine beiden Brüder, die nie im Lande des ersten Königs waren, ihrer Untaten zu überführen, woraufhin diese aus dem Land gejagt werden.Nikolai Rainow: Bulgarische Märchen. Swjat Verlag, Sofia, 1987, Der goldene Vogel, S. 164–180, Übersetzung: Lotte Markowa. Eine sehr ähnliche weitere bulgarische Version, die im Deutschen den Titel Das goldene Vögelchen erhielt, findet sich auf Seite 131 des 14. Bandes der Sammlung für Volksschöpfungen, Wissenschaft und Schrifttum. Diese stammt aus Strelča bei Panagjurište und wurde von G. Rusenski aufgezeichnet. Zu ihr wird angemerkt, dass das gleiche Zaubermärchen auch bei Václav Frolec (Nr. 22, S. 37–49) enthalten ist und vermutlich orientalischen Ursprungs sei.
Estnische Version
In einer estnischen Version ist es ein Wolf, der den dummen Bruder auf dem Rücken trägt und ihm den goldenen Vogel, das Pferd mit der goldenen Mähne und dem goldenen Schweif sowie die Königstochter mit dem goldenen Haar verschafft. Dabei verwandelt sich der Wolf bei der Auslieferung der Königstochter und des Pferds in diese selbst, wandelt sich nach erfolgtem Tausch wieder zurück und entflieht. Bei seiner Rückkehr wird der Dumme von seinen beiden Brüdern erschlagen und in Stücke gehackt, doch mit der Hilfe des Wolfs und einigen Raben, die das tote und das lebendige Wasser bringen, wird der Dumme wieder zum Leben erweckt. Von seinem Vater bekommt er das Recht mit seinen Brüdern zu verfahren, wie er wolle. Er aber lässt sie ohne Strafe in die Welt hinausziehen. Diese Version wurde 1938 von Veera Vanaküla erzählt und von E. Kirss aufgezeichnet sowie im Estnisches Archiv der Volksdichtung hinterlegt. Sie erhielt im Deutschen den Titel Der goldene Vogel und ist eine von mindestens 33 estnischen Varianten.
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