mini|hochkant|Gillot Saint-Evre, Joseph Ramée, 1832, Musée national de la coopération franco-américaine, Blérancourt mini|hochkant|Gillot Saint-Evre, Caroline Ramée, geb. Dreyer (1787–1873), 1835 Joseph Jacques Ramée (* 26. April 1764, Festung Charlemont bei Givet, Frankreich; † 18. Mai 1842, Schloss von Beaurains bei Noyon) war ein französischer, international tätiger Architekt, Landschaftsgestalter und Innenausstatter zur Zeit des Klassizismus.

Allgemeines Die Tätigkeit auf verschiedenen verwandten Arbeitsgebieten war bei Architekten seiner Zeit nicht ungewöhnlich. Bei Ramée war dieser Zug besonders ausgeprägt, weil er durch zahlreiche Ortswechsel gezwungen war, sich immer wieder sehr unterschiedlichen Auftraggebern anzupassen und jede geeignete Art von Arbeit anzunehmen.

Der vorherrschende Stil in der Architektur seiner Zeit war der Klassizismus – die Rückbesinnung auf die Kunst der griechischen und römischen Antike und die der Renaissance. In Bezug auf die unmittelbar vorangegangenen Epochen – Barock und Rokoko – führte das zu einer Vereinfachung der Baukörper und der Fassaden. Ein besonderer Aspekt war die noch weiter gehende Suche nach den grundlegenden Elementen der Architektur, den Formen der reinen Geometrie – Kubus, Pyramide und Kugel –, wie sie die radikalen Vertreter der so genannten Revolutionsarchitektur betrieben. Ramée zeigte sich zwar in der Mehrzahl seiner Arbeiten dem eigentlichen Klassizismus verpflichtet, hatte sich aber schon als Student auch die Ideen der Revolutionsarchitektur zu eigen gemacht. Sein Lehrer Bélanger meinte, Ramée habe die reine Lehre des Klassizismus respektiert, aber eine „noch weiter gehende Reinigung“ angestrebt.Paul Venable Turner: Joseph Ramée. International Architect of the Revolutionary Era. Cambridge/New York/Melbourne 1996. Kapitel 2, Anmerkung 4 Als Nebenströmung des Klassizismus erwachte seinerzeit das Interesse an nichtklassischen Formen, solchen der Gotik, aus Ägypten oder China, das sich meist in Kleinbauten wie Gartenpavillons und dergleichen ausdrückte. Auch für diese Sonderformen hat Ramée Beispiele geliefert.

Im 18. Jahrhundert vollzog sich zudem ein Wandel der Park- und Landschaftsgestaltung. Der geometrisch angelegte Barockpark verschwand, es entstanden unregelmäßige oder malerisch-pittoreske Anlagen. Dieser Übergangsprozess war noch nicht abgeschlossen, als Ramée damit begann, große Teile seiner Arbeitszeit auf die Gestaltung von Parks und Gärten zu verwenden. Er hatte in Frankreich den gartenkünstlerischen Stil des Jardin anglo-chinois kennengelernt. In Deutschland beschäftigte er sich mit Entwürfen, die die Natur nachbilden, wie sie zeitgenössisch in England beliebt waren. Er selbst entwickelte nun durch Kombination seiner Eindrücke einen eigenen Stil, den er in der Folge im Hamburger Raum, in Dänemark und in den Vereinigten Staaten anwendete.

Die Quellenlage zu Leben und Werk Ramées ist unbefriedigend. Für viele Daten und Fakten gibt es deutliche Hinweise, aber keine eindeutigen Belege. Von seinen realisierten Arbeiten sind relativ wenige erhalten, dazu eine Reihe von Zeichnungen, die er selbst in den 1820er und 1830er Jahren publizierte. Die privaten Unterlagen aus seinem Nachlass sind verloren gegangen, offizielle Dokumente kaum vorhanden. Bis 1996 war keine umfassende Veröffentlichung über ihn erschienen.

Leben und Werk In Frankreich Ramée wurde 1764 in Charlemont in den französischen Ardennen, nahe der belgischen Grenze geboren. 1776 war er Zeichner in der Bauabteilung der französischen Armee in seinem Geburtsort. Um 1780 begann er in Paris eine Ausbildung im Atelier von François-Joseph Bélanger, dem Hausarchitekten des Comte d’Artois, eines Bruders des Königs Ludwig XVI. Bélanger war ein namhafter Vertreter des französischen Frühklassizismus und des Directoire-Stils. In seinem Büro erlernte Ramée durch die Mitarbeit an verschiedenen Projekten die aktuellen Formen der Architektur, der Innenraumgestaltung und der Gartenbaukunst. Sehr wahrscheinlich hatte er auch persönlichen Kontakt zu den herausragenden Vertretern der Revolutionsarchitektur, Étienne-Louis Boullée und Claude-Nicolas Ledoux. Bélanger erwähnte ihn mehrfach als vorbildlichen Schüler und Mitarbeiter.Bärbel Hedinger, S. 18 Seit 1786 arbeitete er für den Architekten Jacques Cellerier, der 1790 die Ausgestaltung des aufwändigen offiziellen Föderationsfestes („Fête de la Fedération“) zu Ehren der Französischen Revolution auf dem Marsfeld leitete. Ramée entwarf dafür vermutlich den 25 m hohen Triumphbogen, in Leinwand auf einem Holzgestell ausgeführt, und den Altar des Vaterlands.

In Belgien und Thüringen 1792 floh Ramée wegen der Radikalisierung der Revolution nach Belgien und diente dort vorübergehend als Hilfsoffizier in der Armee des politisch gemäßigten Generals Dumouriez, der im Auftrag der Revolutionsregierung die Truppen der feindlichen Koalition in Belgien und den Niederlanden bekämpfte, bis er sich mit den Jakobinern in Paris überwarf und die Seiten wechselte. Von 1794 bis 1796 hielt sich Ramée in Thüringen auf, wo er Aufträge an den Höfen verschiedener Kleinstaaten erhielt. In Weimar gestaltete er Teile des „englischen“ Parks an der Ilm, in Meiningen und in Gotha Partien der dortigen Parkanlagen. In Gotha entwickelte er das Hauptwerk seines Aufenthalts in Thüringen, ein umfangreiches Projekt für ein klassizistisches Landhaus mit Park, das jedoch nicht zur Ausführung kam.

In Hamburg mini|Joseph Ramée, Baurs Park, 1810, rechts oben der Monopteros mini|Die Börsen-Halle mit alten Nachbargebäuden, um 1804 Ramées Aufenthalt in Hamburg von 1796 bis 1810 war die längste zusammenhängende Zeit seines Lebens an einem Ort und zugleich der produktivste Abschnitt seiner Karriere. Er arbeitete für wohlhabende, alteingesessene Hamburger Bürger und wurde zum bedeutendsten Gartengestalter der Region, vor allem durch die Anlagen für Georg Friedrich Baur in Blankenese (Baurs Park), dessen Bruder Johann Heinrich Baur in Nienstedten (heute Elbschlösschen) und Georg Heinrich Sieveking in Neumühlen (heute Donners Park). „Baurs Park“ gehört zu Ramées bedeutendsten Arbeiten. Der reiche Großkaufmann Baur war ein Freund unterschiedlichster Parkarchitekturen und Ramée kam ihm darin entgegen, zum Beispiel durch den Bau eines Monopteros und einer mit Moosbänken ausgestatteten Spiegelgrotte. Um die steilen Elbhänge bepflanzen zu können, mussten Frachtkähne fruchtbaren Boden aus den südöstlich der Stadt gelegenen Vierlanden heranschaffen. Eine vorgezogene Aussichtsplattform gestattete einen Panoramablick, vorüberfahrende Segelschiffe konnten von dort mit Salutschüssen begrüßt werden. Außer diesen Anlagen in den Elbvororten legte Ramée große englische Parks in Eppendorf und Schleswig-Holstein an. Im Vorwort einer Sammlung von Lithografien, die unter anderen acht Entwürfe aus dem Umfeld von Hamburg zeigen, erläuterte er 1839: „Der Autor hofft zuversichtlich, Gartenliebhabern nützen zu können, indem er eine Serie unterschiedlichster Motive anbietet, die sich für alle Gegenden eignen […] hier kann man für jedes Gelände, das man umgestalten möchte, ein geeignetes Motiv finden.“Bärbel Hedinger, S. 38.

1805 hatte Ramée Caroline Dreyer aus Hamburg geheiratet. Am 16. Mai 1806 wurde ihr Sohn Daniel geboren,Geburts-Anzeige in den Hamburger Nachrichten vom 21. Mai 1806, Seite 5. der sich später als Architekturhistoriker und Herausgeber der Werke von Claude-Nicolas Ledoux einen Namen machte.

Masson et Ramée Zu André Masson ist wenig bekannt.Anderer Vorname: „Auguste“, zu finden in der englischsprachigen Literatur der Memoiren des General de La Fayette. Er war vermutlich 1796 nach Hamburg gekommen.In den Jahren 1797,1798 und 1799 hatte „Andrew Masson et Comp.“ angezeigt. Von hier aus betrieb der ehemalige Adjutant und Hauptmann zunächst die Freilassung seines ehemaligen Vorgesetzten des Marquis de La Fayette. Er nutzte dazu seine Kontakte zu Madame de Staël, die in Charles Talleyrand ihren Verbündeten hatte.Paul S. Spalding: Hamburg als weltweites Kommunikationszentrum während Lafayettes Gefangenschaft und Exil (1792-1799), in: Johann Anselm Steiger, Sandra Richter (Hrsg.): Hamburg. Eine Metropolregion zwischen Früher Neuzeit und Aufklärung (= Metropolis. Texte und Studien zu Zentren der Kultur in der europäischen Neuzeit), Akademie Verlag, Berlin 2012, XII + 924 S., ISBN 978-3-05-005784-2, S. 355.

Im Jahre 1800Im Hamburger Adressbuch von 1800 gab es bereits einen Eintrag von „Masson et Ramée“. wurde die Firma „Masson et Ramée“ gegründet, um das Interesse an eleganten Wohnungseinrichtungen nach französischer Art zu bedienen. Am 20. Mai 1800 erwarben sie „Die Bost“ an der Elbchaussee als Firmensitz.Während Frau Hedinger schreibt, das Masson & Ramée das Haus erworben hätten (Bärbel Hedinger, S. 175), erwähnt Paul Th. Hoffmann lediglich Ramée als Käufer. (Die Elbchaussee: ihre Landsitze, Menschen und Schicksale, Broschek, Hamburg 1937, S. 229) Dies erscheint wahrscheinlich, da Masson in der Stadt ein Haus erworben hatte. Ramée hatte die künstlerische Verantwortung, Masson die kaufmännische. Das Unternehmen lieferte Möbel, Tapeten, Porzellan und Stuck sowie Decken- und Wandgemälde nach den Entwürfen Ramées für Gebäude in Hamburg und Schleswig-Holstein, aber auch in Kopenhagen und Umgebung. Im Oktober 1800 wurde eine Auktion von Sevres-Porzellan angekündigt.Da das Handelshaus zu Hamburg: Masson et Ramée … In: Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. 15. Oktober 1800, S. , (Digitalisat) Das „Mobilien- und Decorations-Magazin“ war im Herrengraben 168. In der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1802 zerstörte ein Feuer das Haus, in dem der komplette Warenbestand untergebracht war. Masson konnte sich retten, Ramée war abwesend.Wir haben hier in der Nacht vom … In: Hamburgische Adreß-Comtoir-Nachrichten. 13. Dezember 1802, S. 771–772, (Digitalisat, sehr ausführliche Schilderung) Unter den Opfern war auch der Maler Louis Le Sueur,Hamburg, den 10. December. In: Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. 10. Dezember 1802, S. , (Digitalisat) der u. a. bei der Dekoration für die hiesigen Feierlichkeiten anlässlich des Geburtstages des englischen Königs im Juni 1802 für Masson & Ramée tätig gewesen war.

Nach dem Verlust des Hauses war das Comtoir zunächst in der Großen Michaelis Straße 115, ab Januar 1803 im Großen Burstah 52 und ab Mai 1803 in dem Haus Neustädter Fuhlentwiete 15 untergebracht,Anzeige. In: Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten. 21. Mai 1803, S. , (Digitalisat) das Masson erworben hatte. Friedrich Johann Lorenz Meyer schrieb in seinen Skizzen zu einem Gemälde von Hamburg: „Gute Wahl der Muster und feiner Geschmack“ zeichne dieses Lager aus, vor allem im Vergleich mit anderen, „wo Überladung mit bunten, fremdartigen Verzierungen und Schnirkeleien eine […] geschmacksverderbende Sitte ist“.Bärbel Hedinger, S. 175, Original: Friedrich Johann Lorenz Meyer: Skizzen zu einem Gemälde von Hamburg; Band 1, Heft 3., Frederik Hermann Nestler, Hamburg 1801, S. 311. Das Unternehmen war bis zum Oktober 1806 tätig.Das Geschäft wurde aufgegeben. Anzeige in der Staats- und gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheyischen Correspondenten vom 26. August 1806 (Nr. 136): „Anzeige einer außerordentlichen Auction von modernen Meublen und Luxuswaaren, welche den 13ten October d. J. und folgende Tage in der Neustädter Fuhlentwiete Nr. 15 durch den Makler [Heinrich Henneus] … verkauft werden sollen.“, (enth. Aufzählung der zu veräußernden Waren), Masson verließ Hamburg vermutlich im selben Jahr. Eine Anzeige der Insolvenz von „Masson et Ramée“ erfolgte erst Anfang Februar 1810.