mini|hochkant=1.3|Ehemaliges Badhotel (1872), heute Museumseingang

Das Museum Kurhaus Kleve ist ein Kunstmuseum in Kleve am Niederrhein in Nordrhein-Westfalen. Es trägt seinen Namen wegen der ursprünglichen Funktion des Gebäudes, als Kleve zwischen 1742 und 1914 als „Bad Cleve“ ein besonders bei wohlhabenden Preußen und Niederländern beliebter Kurort war. Vorgänger des Kurhauses war eine 1754 erbaute Trinkhalle. Der klassizistische Bau befindet sich in unmittelbarer Nähe des Tiergartenwaldes und der Parkanlagen des Prinzen Moritz von Nassau-Siegen aus dem 17. Jahrhundert.

Seit 1997, als das Museum Kurhaus Kleve das städtische Museum wurde, wird es neben dem B.C. Koekkoek-Haus finanziell getragen von einer Initiative des Freundeskreises Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve, der NRW-Stiftung und der Stadt Kleve.

mini|Amphitheater der historischen Parkanlage

Geschichte Bad Cleve Der Klever Kurbetrieb begann mit der Entdeckung einer mineralreichen Quelle durch den Klever Brunnenarzt Johann Heinrich Schütte im Jahre 1742 in der Nähe des kleinen Amphitheaters in den Parkanlagen und er verfasste eine Werbeschrift unter dem Titel „Amusemens des Eaux de Clève“ („Die Ergötzlichkeiten an den Wassern zu Cleve“). Die damaligen Pläne, ein Kurhaus im Stile Schloss Sanssoucis zu errichten, scheiterten im Jahre 1749 am Veto König Friedrichs II. Der französische Philosoph Voltaire trank 1750 von diesem Wasser und pries die Gärten und Alleen in höchstem Maße. Von einer in diesem Jahr entworfenen Wandel- und Trinkhalle wurde nur ein westlich gelegener Eckpavillon als Trinkhalle errichtet.Guido de Werd: Bad Cleve. In: Guido de Werd (Hrsg.): Mein Rasierspiegel. Von Holthuys bis Beuys, Museum Kurhaus Kleve, Kleve 2012, S. 358 f.

Im Oktober 1794 wurden das Amphitheater und der Eiserne Mann (eine Säulenfigur, beide in der Hauptachse des Parks), die Galerie und der kleine Bade-Pavillon sowie die Statue der Pallas Athene (Minerva) von französischen Revolutionstruppen und dem „Klever Pöbel“ weitgehend zerstört, womit der Badebetrieb für ein halbes Jahrhundert zum Erliegen kam.

Neuaufnahme des Kurbetriebs Ab Frühjahr 1845 entstand ein neues Bäderhaus nach Plänen des Klever Architekten Anton Weinhagen, der die meisten der klassizistischen Villen an der Tiergartenstraße sowie 1846 das Stadtpalais des niederländischen Malers Barend Cornelis Koekkoek entwarf. Im August desselben Jahres besuchte Friedrich Wilhelm IV. Kleve, der im Februar 1846 der Bitte des damaligen Klever Bürgermeisters entsprach, „das neue Bäderhaus nach Seiner Majestät benennen zu dürfen.“Guido de Werd: Das Museum Kurhaus Kleve. Der Ort, das Gebäude, Joseph Beuys, Ewald Mataré, die Sammlung. In: De Werd 2012, S. 17. Ab 1872 wurde durch den Bonner Architekten Karl Friedrich Schubert das Friedrich-Wilhelm-Bad stadteinwärts um eine Wandelhalle und ein dreigeschossiges Badhotel mit fast 50 Zimmern erweitert, das um 1900 als Kurhaus eine Einheit bildete.

mini|Historische Ansicht Tiergartenstraße von Nordwest (um 1870–90)

Ende des Kurbetriebs Der Erste Weltkrieg beendete den Kurbetrieb, die Parkanlagen verwilderten, viele der luxuriösen Klever Hotels wurden Opfer der Bomben des Zweiten Weltkriegs oder den Wiederaufbau- und Restrukturierungsplänen der Klever Stadtväter. Das Kurhaus entging diesen, verfiel jedoch zunehmend und diente von 1922 an der Schuhfabrikantenfamilie Terbuyken als Produktionsstätte, wobei sie bis Mitte des Zweiten Weltkriegs das Obergeschoss des Friedrich-Wilhelm-Bads als Wohnung nutzte. Nach Kriegsende wurden in der Wandelhalle deutsche Kriegsgefangene untergebracht, die tagsüber den nahegelegenen Klever Reichswald von Landminen befreien mussten. 1946 konnte die Familie Terbuyken die Räumlichkeiten wieder beziehen und nutzte die Wandelhalle nunmehr vollständig als Fabrikhalle.Valentina Vlasic: Wirkungsstätte und Sehnsuchtsort: Über Joseph Beuys, Kleve und sein Atelier im Kurhaus. In: Freundeskreis Museum Kurhaus und Koekkoek-Haus Kleve e. V. (Hrsg.): Joseph Beuys. Werklinien, Kleve 2016, ISBN 978-3-934935-80-8, S. 15. 1956 ging die Firma in Konkurs.

Die frei gewordene Immobilie wurde von einem Makler aus Kempen erworben, der sie der Stadt Kleve anbot, die ablehnte. Da der Makler keinen Käufer fand, vermietete er das ehemalige Friedrich-Wilhelm Bad im Erdgeschoss des Gebäudes Ende 1957 an Joseph Beuys, der dort im Jahre 1958 sein Atelier einrichtete, das er bis 1964 nutzte. Anfang der 1960er Jahre erwarb der Klever Möbelhändler Anton Zylstra das Badhotel und die Wandelhalle, und Kleves Stadtarchivar und Museumsdirektor Friedrich Gorissen 1964 das Friedrich-Wilhelm-Bad. Sie begannen mit einer Restaurierung des Komplexes. Zylstra setzte als Geschäftsmann das Badhotel, in dem sich Mietwohnungen befanden, provisorisch in Stand, Gorissen ließ die Kursäle im Obergeschoss des Westflügels restaurieren und zog dort 1965 mit seiner Familie ein, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1993 lebte. Das Erdgeschoss vermietete Gorissen 1972 an die Stadt Kleve, die dort das bis 2006 bestehende Stadtarchiv unterbrachte, dessen Leiter er war.Guido de Werd, S. 15.

mini|Prinz-Moritz-Kanal im Neuen Tiergarten mini|hochkant=0.6|Bartholomeus Eggers, Porträtbüste Johann Moritz von Nassau-Siegen (1664, Kopie von 1994)

Die Gartenanlagen Der spätere Senior-Kurator Guido de Werd, der 1972 im Alter von vierundzwanzig Jahren als wissenschaftlicher Mitarbeiter von Friedrich Gorissen nach Kleve geholt worden war,Andreas Rossmann: So weit der Erdkreis reicht. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18. September 2012, S. 27. und 1976 dessen Nachfolge antrat,Cornelia Ganitta: Interview mit Dr. Guido de Werd, Leiter des Museums Kurhaus Kleve. Malerische Härte, artnet.de, 4. Mai 2007, abgerufen am 18. September 2012. begann unter anderem 1976 mit der Planung einer denkmalpflegerischen Wiederherstellung der Gartenanlagen. Hierzu wurden für die Planung die Landschaftsarchitekten Gustav und Rose Wörner beauftragt. Zum 400. Geburtstag des Feldmarschalls Johann Moritz von Nassau Siegen im Jahr 2004 schuf der Bildhauer Stephan Balkenhol, der 1998 als zweiter Künstler das Museum im Kurhaus bespielt hatte, eine zeitgemäße Neufassung des 1794 zerstörten Denkmals des Eisernen Mannes. Er griff auf die historische Form des Denkmals zurück, wobei er diese leicht vereinfachte und auf die zehn Meter hohe Säule „eine farbig gefasste Bronzestatue eines Mannes unserer Zeit mit schwarzer Hose und weißem Hemd“De Werd 2012, S. 16. stellte. Zwei Jahre später wurde im benachbarten Forstgarten der 16 Meter hohe Baum aus Bronze, L’ombra del Bronzo („Der Schatten der Bronze“), von Giuseppe Penone aus dem Jahr 2002 aufgestellt.

mini|hochkant=0.6|Gründungsdirektor Guido de Werd (2017)

Heutiges Museum und Sammlungen Am 7. September 2012, mit der Einweihung des neuen Friedrich-Wilhelm-Bads und dessen Umbenennung in „Joseph-Beuys-Westflügel“,Matthias Grass: Beuys-Westflügel eröffnet, www.rp-online.de, abgerufen am 13. September 2012. wurde das Museum Kurhaus Kleve als Museum vollendet, nachdem bereits 1997 der Umbau des ehemaligen Badhotels und der Wandelhalle abgeschlossen war. Für die Gesamtplanung des Ensembles zeichnete der Architekt Walter Nikkels verantwortlich, wobei der neue, nach Katharina von Kleve, der ersten Kunstmäzenin Kleves, benannte „Katharina-von-Kleve-Saal“ im Erdgeschoss des ehemaligen Badgebäudes in Gemeinschaft mit den Architekten Dieter Willinek und Ingrid van Hüllen geplant wurde. Im Erdgeschoss wurden außerdem die ehemaligen Atelierräume von Joseph Beuys und im Obergeschoss die früheren Kursäle wiederhergestellt, zudem entstanden dort zwei neue Sammlungsräume. Im Untergeschoss wurde ein graphisches Kabinett geschaffen, benannt nach dem aus Rheinberg stammenden Sammler Robert Angerhausen.De Werd 2012, S. 16 f.

mini|Ewald Mataré, Toter Krieger des WKI-Gefallenen-Ehrenmals in Kleve (1934, 1938 zerstört, rekonstruiert 1981)

Ewald-Mataré-Sammlung Das Museum Kurhaus Kleve, dessen Museumsdirektor seit dem 1. April 2012, in der Nachfolge von Guido de Werd, der Kunsthistoriker Harald Kunde ist,Matthias Grass: Der neue Chef im Kurhaus, rp-online.de, 28. Oktober 2011, abgerufen am 18. September 2012. zeigt neben mittelalterlichen Skulpturen von Dries Holthuys und Barockmalereien vor allem namhafte moderne Künstler in wechselnden Ausstellungen, die kuratiert werden von der Kunsthistorikerin Valentina Vlasic, und beherbergt verschiedene Sammlungen, im Vordergrund steht jedoch der Nachlass des rheinischen Bildhauers und Malers Ewald Mataré. Beuys, der bei Mataré studierte, begegnete erstmals dessen Werk am 22. November 1934 bei der Einweihung des Ehrenmals für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in Kleve, das genau gegenüber dem Staatlichen Gymnasium Cleve – heute Freiherr-vom-Stein-Gymnasium – installiert war und an dessen Einweihung er als Schüler teilnahm. Die Skulptur, die einen Soldaten unter einer Fahne in Todesstarre zeigte, wurde 1938 über Nacht zerstört und entfernt. Nachdem 1977 die Fragmente der Skulptur im Hafengelände wiedergefunden wurden und mehrere Schüler Matarés, darunter auch Joseph Beuys, Vorschläge für die Wiederherstellung machten, übergab die Tochter des Künstlers, Sonja Mataré, den Nachlass ihres Vaters 1988 in die Obhut des neu zu gründenden Museums, das seit 1997 im Beititel seinen Namen trägt. Durch die Gründung der Sonja-Mataré-Stiftung, die sich insbesondere dem Werk von Beuys und Mataré verschrieben hat, wurde die Sammlung nicht nur durch Werke ihres Vaters, sondern auch mit Werken von Beuys erweitert.De Werd 2012, S. 24.

Seit 2019, und dann, mit dem Tod Sonja Matarés im Oktober 2020, verstärkt mit der Schenkung eines großen Konvoluts an Arbeiten und Dokumenten, wurden Anstrengungen unternommen, ein Werkverzeichnis der Skulpturen Matarés aufzustellen und zu veröffentlichen,Präsentation des Werkverzeichnisses der Skulpturen auf der Homepage des Museums. Für das Projekt brauchte es neben dem Freundeskreis des Museums und der Sonja-Mataré-Stiftung zusätzliche Unterstützung von der Ernst von Siemens Kunststiftung, des Landschaftsverbands Rheinland, der Stadt Kleve und dem Wienand Verlag. mehrere Werke des Künstlers zu erwerben und schließlich 2024 mit einer großen Doppelausstellung das online gestellte Werkverzeichnis zu feiern. Neben der Retrospektive Ewald Mataré – KosmosDokumentation der Ausstellung Ewald Mataré – KOSMOS, vom 27.10.2024 bis 09.03.2025, auf der Webseite des Museums. wurden mit House of Mataré die sechzehn Stipendiaten gemeinsam präsentiert, die seit 2021 einen Arbeitsaufenthalt im Ewald-Mataré-Haus zugesprochen bekamen.HOUSE of MATARÉ, Dokumentation auf der Museumshomepage. Siehe auch die Webseite des Mataré-Haus.

Joseph Beuys