mini|Sakamoto Ryōma
Sakamoto Ryōma (jap. ; * 3. Januar 1836 in Tosa-gun, Provinz Tosa (heute: Kōchi, Präfektur Kōchi); † 10. Dezember 1867 in Kyōto) war ein japanischer Samurai aus dem Daimyat Tosa in der Provinz Tosa. Er war ein Wegbereiter der 1868 erfolgten Meiji-Restauration.
Sein eigentlicher Name (imina) war Naokage () bzw. später Naonari (). Als Pseudonym verwendete er Saidani Umetarō ().
Die politische Situation Seit 1603 wurde Japan von den Tokugawa-Shōgunen beherrscht. Um ihre Macht über die circa 260 Daimyate zu erhalten, hatten die Tokugawa eine strikte Isolationspolitik verfolgt.
Die politische, ökonomische und gesellschaftliche Struktur der westlichen Welt unterlag jedoch grundlegenden Veränderungen. Die rasche Entwicklung auf den Gebieten der Wissenschaft, Industrie und Technologie sowie der einsetzende Kapitalismus bestimmten das Weltbild Europas und Amerikas, die sich beide um Expansion ihrer Herrschaftsgebiete bemühten. Weite Teile Asiens wurden von den Europäern eingenommen. Indien wurde englische Kolonie, China Halbkolonie. Auch Japan rückte in das Blickfeld der Eroberer. mini|Sakamoto Ryōma Mit der Ankunft Matthew Perrys im Jahre 1853, der eine Öffnung Japans erzwingen wollte, war die Inselnation einem massiven Druck von außen ausgesetzt. Als im Vergleich zu den Westmächten technisch rückständiges Land konnte Japan die Flotte Perrys nicht ignorieren oder gar vertreiben. Angesichts der militärischen Überlegenheit musste der Shōgun, der der politische Machthaber war, verschiedene Zugeständnisse machen, wie etwa die Öffnung einiger Häfen für ausländische Schiffe. Das Nachgeben des Shōguns gegenüber dem Ausland führte zu Unmut in der Bevölkerung und bei verschiedenen Samuraiclans und schwächte somit dessen Position.
Schon bald spalteten sich die Meinungen der Japaner über die politische Situation. So wurden Rufe gegen die Shōgunatsherrschaft und die ins Land gekommenen Europäer und Amerikaner laut, die ihren Ausdruck in der Sonnō jōi-Bewegung fanden. Andere wiederum unterstützten den Shōgun, was aber nicht bedeutete, dass sie auch die Ausländer guthießen.
Biografie Familiärer Hintergrund Sakamoto Ryōma wurde 1836 (nach dem damals noch gültigen Mondkalender am 15. November 1835) als Sohn Sakamoto Hachihei-Naotaris in Kōchi auf Shikoku in der Provinz Tosa geboren. Seine Familie war eine rangniedere Samuraifamilie (goshi), die durch den Handel von Kimono, selbst gebrautem Sake und als Pfandleiher reich geworden ist und sich den goshi-Rang (niedrigster nichtadeliger Samurai-Rang) gekauft hatte.
Er war das jüngste von fünf Kindern. Er hatte einen Bruder und drei Schwestern. Er galt als ängstlicher und langsam lernender Junge, der schnell weinte und das Bett nässte. Als er im Schreibunterricht gehänselt wird, zog er sein Schwert und wurde daraufhin von der Schule verwiesen. Daher gaben ihm seine Schwestern Nachhilfeunterricht in Literatur und der Schwertkunst. Von den meisten Familienmitgliedern als Schande verachtet, verstand nur seine Mutter seine sanfte Natur. In seiner Kindheit freundete er sich mit Okada Izō () und Takechi Zuizan (, Rufname: Takechi Hanpeita, ) an.
Jugend Als Ryōma zehn Jahre alt war, wurde er von einem adeligen Mädchen, das er kannte, eingeladen, an einer Prozession teilzunehmen, bei der auch der Daimyō anwesend war. Als Freunde Ryōma sahen, wollten sie zu ihm rennen, wobei sie mit ihrem sehr ärmlichen und etwas schmutzigen Äußeren den Ärger des Daimyōs auf sich zogen, da sie ihn störten. Die Kinder wurden von Samurai sofort getötet, wie es das Recht der Kriegerkaste war. Daraufhin stürzte sich Ryōma auf den Daimyō und wurde nur durch Fürbitte des adeligen Mädchens vor dem Tod bewahrt. Dafür wurde seine ganze Familie bestraft und der Junge eingesperrt. Als seine Mutter ihm verbotenerweise Essen brachte, sagte sie ihm auf seine Frage hin, dass er nichts falsch gemacht hätte. Daraufhin wurde seine Mutter ins Gefängnis geworfen, wo sie kurz darauf starb, da sie schon längere Zeit an Tuberkulose gelitten hatte. Ryōma wurde wieder freigelassen.
Dieses Erlebnis bedeutete eine Wende in Ryōmas Leben, der nun beschlossen hatte, stärker zu werden und die Standesunterschiede in Japan zu beseitigen. Er begann, die Schwertkunst ernsthaft zu erlernen, und trat 1848 in die Oguri-ryū ein, welche ein Dojo in der Nachbarschaft unterhielt. 1853 schloss er sein Training mit dem Menkyo-Kaiden-Zertifikat (vollständige Überlieferung der Schule) ab. Es wurde ihm vom Clan erlaubt, nach Edo (heutiges Tokio) zu reisen, um sich dort in der Schwertkunst weiter zu verbessern, indem er die Hokushin Ittō-ryū Hyōhō im berühmten Chiba-Dōjō unter dessen 1. Oberhaupt Chiba Sadakichi Masamichi erlernte. Während seines Aufenthalts in Edo wurde es ihm gestattet, als Daihyō des Tosa-Clans in dessen Residenz zu wohnen. Es ist nicht historisch belegt, ob Sakamoto die Hokushin Ittō-ryū vollständig meisterte; belegt ist jedoch, dass er als Shihan im Chiba-Dōjō zusammen mit Chiba Jutaro Kazutane unterrichtet, in welchem er einen guten Freund fand.Romulus Hillsborough, Samurai Revolution. Tuttle Publishing(25. März 2014), ISBN 4-8053-1235-1 Ein Jahr später ging Ryōma nach Tosa zurück. Nachdem er 1853 die Ankunft von Perrys Schwarzen Schiffen selbst erlebt hatte und sich sehr beeindruckt gezeigt hatte, lernte er von Kawada Shoryo viel über den Westen. Auch früher soll er von dem schiffbrüchigen Amerikaner John Eric viel über die westliche Welt erfahren haben.
1858 kehrte er nach Edo zurück und schloss seine Ausbildung als ausgezeichneter Schwertkämpfer ab. 1861 trat er der Tosa-Royalisten-Partei (, Tosa kinnōtō) bei, die von Takechi Zuizan geführt wurde und die sich sehr radikal für die Ausweisung aller Ausländer, die Rückgabe der Macht an den Kaiser (Tennō) und den Sturz des Shōguns aussprach. (→Sonnō jōi)
Katsu Kaishu mini|Katsu Kaishu (1823–1899) Unzufrieden mit den Verhältnissen, verließ Sakamoto Ryōma 1862 unerlaubterweise seine Provinz und damit auch seinen Familienclan. Im Oktober des nächsten Jahres traf er auf Katsu Kaishu, einen treuen Anhänger des Shōguns und Flottenbevollmächtigten. Er wurde dessen größter Bewunderer und nannte ihn den „größte[n] Mann Japans.“ Kaishu erwirkte für Ryōma eine Begnadigung durch Tosa, auch wenn Sakamoto der Aufforderung zurückzukommen nicht folgte und dadurch wieder zum Rōnin wurde.
Durch Kaishu wurde Sakamoto davon überzeugt, dass es das Wichtigste sei, den Fortschritt in Japan einzuführen und vor allem auch die Flotte zu modernisieren, um sich effektiv gegen die Ausländer behaupten zu können. Daraufhin arbeitete er 1863 zusammen mit Kaishu daran, in Kōbe die Marineakademie Kobe Naval Operations Training School zu gründen, wo er und andere unter ihrem Mentor Schifffahrt studierten. Im selben Jahr wurde Sakamoto zum Leiter der Schule.
Während seiner Zeit in Kyōto machte Sakamoto dank Kaishu Bekanntschaft sowohl mit Bakufu-Beamten und der Shinsengumi, die dem Shōgun loyal ergeben waren, als auch mit Ishin-Shishi wie Saigō Takamori, Katsura Kogoro oder Yokoi Shōnan, die diesen stürzen wollten. Er lernte auch Ausländer kennen.
Trotz seiner Verehrung für Katsu, der dem Shōgun loyal ergeben war, fasste er den Plan, das Shōgunat zu stürzen, und schrieb seiner Schwester, er werde „Japan ein für alle Mal aufräumen“. Sein Ziel war es außerdem, zu verhindern, dass die Westmächte aus Japan eine Kolonie bzw. Halbkolonie machten, so wie mit China (siehe Ungleiche Verträge) verfahren worden war. Er schrieb seiner Schwester sinngemäß: „ Auch wenn die Shōgunatsbeamten jetzt sehr viel Macht ausüben, werde ich ein paar Daimyō für meine Sache gewinnen, sodass wir anfangen können, an das Wohl Japans zu denken, und nicht nur an den kaiserlichen Hof. Dann werde ich mit meinen Freunden nach Edo gehen, um diese niederträchtigen Beamten niederzumachen.“
Sakamoto Ryōma hatte schon frühzeitig eine sehr genaue Vorstellung von seinem Leben. Er erklärte in einem Brief an seine Schwester: „Ich erwarte nicht, dass ich noch sehr lange da sein werde. Aber ich werde auch nicht wie eine durchschnittliche Person sterben. Ich werde erst bereit sein zu sterben, wenn große Veränderungen endlich kommen; wenn ich, auch wenn ich noch leben sollte, nicht mehr gebraucht werde. Aber da ich ziemlich verschlagen bin, werde ich nicht so einfach sterben. Aber im Ernst, auch wenn ich lediglich als ein Kartoffelsammler in Tosa geboren wurde, ein Niemand, bin ich dazu vorgesehen diesem Land große Neuerungen zu bringen.“
Die Allianz von Chōshū und Satsuma Sakamoto war der Ansicht, dass Japan der Kolonisation nur entgehen könnte, wenn man eine schnelle Modernisierung in die Wege leitete. Allerdings standen dem der Shōgun und die Landes- und Gesellschaftsstruktur mit ihren unzähligen Provinzen, Daimyaten und Gesellschaftsklassen im Wege. Sie standen für Rückständigkeit und Ungleichheit.
Die Mittel für eine Revolution oder dergleichen hatte Ryōma aber nicht. Als er seine Heimat, die Provinz Tosa, verließ, wurde er zum Rōnin, einem herrenlosen Samurai, und verlor jegliche Unterstützung seines Daimyōs. Also beschloss er, andere Daimyate für seine Pläne zu nutzen.
Es gab schließlich bereits verschiedene Bestrebungen, Vereine und Organisationen, allen voran die Ishin Shishi, die den Shōgun stürzen wollten. Allerdings hatten diese die Grenzen ihrer jeweiligen Provinz oder ihres Daimyats nicht überschritten und bekriegten sich häufig gegenseitig, so wie die mächtigen Daimyate Chōshū und Satsuma, beide seit der Sengoku-Zeit arg miteinander verfeindet, die somit ihre Kräfte für ihre jeweiligen Streitigkeiten nutzen mussten und nicht effektiv vorgehen konnten.
Sakamoto Ryōma erkannte, dass er den Shōgun nur stürzen könnte, wenn er eine entsprechend große Streitmacht hätte. Daher sollten die beiden Daimyate ihre Streitkräfte vereinigen. Zusammen mit seinem Freund Nakaoka Shintarō versuchte er, den Anführer der Chōshū Ishin Shishi, Katsura Kogoro, und den Anführer der Rebellen aus Satsuma, Saigō Takamori, zu einer Einigung zu bewegen. Nach einem Jahr intensiver Planung und Überredung kam das Bündnis im Januar 1866 wirklich zustande. Später in diesem Jahr stieß auch Tosa zu dieser Allianz. Diese militärische Allianz beschleunigte den Sturz des Shōgunats.
Das Terada-ya-Attentat mini|Das Teradaya Obwohl diese Allianz noch nicht bekannt war, geriet Sakamoto in das Blickfeld von Polizeibeamten, die dem Shōgun loyal dienten. In der Nacht nach dem Besiegeln des Abkommens wurden Sakamoto und ein Samurai aus Chōshū, der sein Leibwächter war, im Gasthaus Terada-ya in Kyōto von der Polizei angegriffen. Diese Aktion ist in Japan sehr berühmt.
Eine junge Angestellte namens O-Ryō soll gerade in der Badewanne gewesen sein, als sie die Polizisten hörte. Sie soll sofort, nackt wie sie war, zu Sakamotos Zimmer gerannt sein, um ihn zu warnen. In dem anschließenden Kampf verteidigte Sakamoto sich mit einem Smith-&-Wesson-Revolver, während sein Leibwächter mit einem Speer bewaffnet war. Anschließend sollen beide durch die Hintertür entkommen sein.
Heirat mini|Foto von 1867 Ebenso berühmt ist die Heirat Sakamoto Ryōmas und O-Ryōs, die wenig später stattfand. Damit gelten sie als „Vorreiter“ des Brauchs der Hochzeitsreise in Japan, da Sakamoto mit seiner frisch angetrauten Frau eine dreimonatige Reise durch Kyūshū unternahm, um sich in heißen Quellen der Kirishima-Berge von einer Kampfverletzung zu erholen. Ein Denkmal des Paares in Kagoshima erinnert daran.
Sakamoto hatte jedoch keine direkten Nachkommen. Allerdings hatte er einen Neffen, Takamatsu Tarō, der bei der Firma Kaientai arbeitete und offenbar die Linie der Sakamotos weiterführte.
Nach Ryōmas Tod verweilte O-Ryō zusammen mit seiner Schwester Otome in Kōchi. Aber da beide Frauen sehr willensstark waren, kamen sie nicht gut miteinander aus, so dass O-Ryō wegging, wieder heiratete und sich in Yokosuka niederließ. Sie starb 1906 im Alter von 66 Jahren.
Das „8-Punkte-Programm“