mini|Die Christianskirche, Blick durch den Kirchengarten am Chor vorbei Die Christianskirche im Hamburger Stadtteil Ottensen ist ein Barockbau aus dem Jahr 1738; die Gemeinde gehört zum Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Auf dem Kirchhof befindet sich seit 1803 das Grab des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock, weshalb der südlich daran vorbeiführende Straßenzug Palmaille-Elbchaussee auf einer Länge von etwa 270 m im Jahr 1846 den Namen Klopstockstraße erhieltRenata Klée Gobert; Heinz Ramm: Altona, Elbvororte. Reihe: Bau- und Kunstdenkmale der Freien und Hansestadt Hamburg, II. Hamburg 1970, S. 142; books.google und für die Kirche inzwischen auch die Bezeichnung Klopstockkirche üblich geworden ist.Feststellbar erstmals 1925 in den Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft, S. 391. books.google.
Geschichte Der Bau von 1738 ersetzte einen älteren aus dem Jahr 1548, in dem als erster protestantischer Pastor in Ottensen Rumond Walther amtierte.Von Rumond Walther ist sonst nur noch bekannt, dass er am 13. Juli 1556 zum Pastor an St. Maria-Magdalenen, der Kirche des inzwischen aufgehobenen Franziskanerklosters in Hamburg, gewählt wurde und in diesem Amt am 22. August 1565 an der Pest starb. Hans Nicolai Andreas Jensen: Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte: nach hinterlassenen Handschriften. E. Homann, 1877, S. 71; books.google Johann Adrian Bolten: Historische Kirchen-Nachrichten von der Stadt Altona und deren verschiedenen Religions-Partheyen, von der Herrschaft Pinneberg und von der Grafschaft Ranzau. Hammerich, 1790, S. 153; books.google Als 1640 der Landesherr Graf Otto von Schauenburg ohne Erben verstarb, kam die Grafschaft Holstein-Pinneberg 1647 als Lehen des Heiligen Römischen Reiches zum Herzogtum Holstein und damit unter die Herrschaft der dänischen Krone. Diese verlieh dem zwischen Ottensen und Hamburg liegenden Altona 1664 Stadtrechte und sorgte nach der Einäscherung der Stadt durch schwedische Truppen im Jahr 1713 für Wiederaufbau und Ausbau durch den königlichen Oberpräsidenten Christian Detlev von Reventlow (1671–1738).
mini|links|Blick zum Chor mit Kanzel, Hochaltar und Taufengel
Noch bevor in Altona 1742 mit dem Bau der Hauptkirche Sankt Trinitatis begonnen wurde, errichtete man in Ottensen von 1735 bis 1738 nach Plänen von Otto Johann Müller die Christianskirche, benannt nach dem seit 1730 regierenden König Christian VI. (Dänemark und Norwegen).
Die alte Ottenser Dorfkirche wurde abgebrochen bis auf den Kirchturm, den man in den Neubau integrierte. Das neue Gotteshaus aus Backstein mit Mansarddach wurde als Saalkirche konzipiert. Der Innenraum erhielt große Rundbogenfenster, einen mächtigen Kanzelaltar, eine Orgel von Johann Dietrich Busch und eine Empore. Die Kuppe der bis heute erhaltenen Taufe aus gotländischem Kalkstein stammt wahrscheinlich aus dem 13., ihr Sandsteinschaft aus dem späten 16. Jahrhundert und der darüber schwebende Taufengel aus dem Jahr 1739. Die hölzerne Wendeltreppe in der Vorhalle des Turms stammt aus der Erbauungszeit, das dortige Kruzifix vom Ende des 15. Jahrhunderts.
mini|Die Christianskirche, Ende des 19. Jahrhunderts vor den Umbauarbeiten
Von 1897 bis 1898 wurden an der Kirche einige Veränderungen vorgenommen. Der bis dahin mit kleinen Fenstern versehene Turm erinnerte an die Speicherbauten des Hafenviertels und wurde im Volksmund auch als „Korinthenspeicher“ bezeichnet. 10.000 Mark, die der 1872 verstorbene Günther Ludwig Stuhlmann der Gemeinde vermacht hatte, wurden dazu verwandt, die oberen Fenster zu je einer großen Schallluke zu erweitern und die Turmspitze mit einem Dachreiter und den Eingang mit einem neobarocken Portal zu versehen. 1938 erhielt der Turm ein Carillon mit 42 in Apolda gegossenen Glocken.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt. Die Restaurierungsarbeiten dauerten von 1946 bis 1952. Die Ausstattung, die man rechtzeitig ausgelagert hatte, war größtenteils erhalten geblieben und konnte wieder installiert werden. Der Altar wurde aus geretteten Teilen rekonstruiert und die zierliche Kanzel gesondert im Chorraum aufgestellt. An ihrer Stelle wurde in den Altar 1968 das Gemälde Loblied des Erlösten von Hans Gottfried von Stockhausen eingefügt, von dem auch die Kirchenfenster im Turm Auferstehung und Engel stammen.
Orgel Die Orgel der Christianskirche wurde 1744/1745 von dem Arp-Schnitger-Schüler Johann Dietrich Busch erbaut, der dabei Pfeifenmaterial aus der Vorgängerorgel des Gottfried Fritzsche von 1630 verwendete. Das Instrument ist im Laufe der Jahre mehrfach umgebaut und ergänzt worden, u. a. 1883 durch Marcussen & Søn und 1925–1929 durch Emanuel Kemper aus Lübeck unter künstlerischer Beratung durch Hans Henny Jahnn. mini|Das von Hans Henny Jahnn 1919/20 für seine Mutter und den Friedhof Stellingen (Molkenbuhrstraße) entworfene Grabmal Familie Jahn wurde 1994 zu seinem Gedenken im Park östlich des aufgelassenen Friedhofs der Christianskirche „wiedererrichtet“. Jahnn selbst, der seinem Familiennamen das zweite »n« hinzugefügt hatte, ist auf dem Nienstedtener Friedhof bestattet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es durch Rudolf von Beckerath Orgelbau wieder aufgebaut und zuletzt 2003 durch Paschen Kiel Orgelbau restauriert. Nachfolgend die Disposition der 36 Register über drei Manuale und Pedal: mini|Lithographie von Peter Suhr um 1840 Hauptwerk C– 1. Gedackt 16′ 2. Prinzipal 8′ 3. Rohrflöte 8′ 4. Octave 4′ 5. Blockflöte 4′ 6. Quinte ′ 7. Octave 2′ 8. Flachflöte 2′ 9. Mixtur V 10. Trompete 8′ Oberwerk C– 11. Salicional 8′ 12. Schwebung 8′ 13. Gedackt 8′ 14. Prinzipal 4′ 15. Rohrflöte 4′ 16. Oktave 2′ 17. Sesquialtera II ′ 18. Oboe 8′ 19. Vox humana 8′ Tremulant Brustwerk C– 20. Quintadena 8′ 21. Gemshorn 4′ 22. Blockflöte 2′ 23. Sifflöte 1′ 24. Terzian II 25. Zimbel III 26. Dulzian 8′ Tremulant Pedal C– 27. Subbaß 16′ 28. Oktave 8′ 29. Violon 8′ 30. Gedackt 8′ 31. Octave 4′ 32. Nachthorn 2′ 33. Mixtur VI 34. Posaune 16′ 35. Trompete 8′ 36. Trompete 4′
Kirchenfriedhof Kirchgarten und früherer Friedhof Die Kirche verfügt über einen Friedhof, der wohl bereits ab 1537 für Bestattungen genutzt wurde. Bis heute finden sich hier Grabmäler aus den vergangenen Jahrhunderten. Ab 1860 wurden nur noch die Familiengräber genutzt, die letzte Beisetzung fand 1929 statt.Grabsteinliste bei genealogy.net. Die Lebensdaten Friedrich Gottlieb Klopstocks sind dort leider falsch angegeben.
mini|Klopstock’s Grabmal. Lithographie von Asmus Kaufmann um 1840 mini|Die Klopstock-Gräber am Südportal der Christianskirche mini|Johanna Elisabeth von Winthem 1775. Sie heiratete Klopstock 1791
Adolph (1798–1866) und Therese Halle (1807–1880) fanden hier ihre letzte Ruhe.Heydorn: Zur Geschichte des Ottensener Friedhofes. In: Hamburger Fremdenblatt. 11. September 1926, Abend-Ausgabe, Sechste Beilage, S. 25, (Digitalisat) Adolph Halle war Präsident des Handelsgerichtes in Hamburg gewesen. Er war in Dresden verstorben, wohin sie 1860 verzogen waren. Therse war eine Tochter von Salomon Heine. Sie bewohnte mit ihrem Mann in den Sommermonaten ein Landhaus innerhalb des nahegelegenen „Heine’s Garten“. Ein Teil dieses ehemaligen Gartens ist heute als Heine-Park der Öffentlichkeit zugänglich.
Der kleine Friedhof ist die letzte Ruhestätte des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock. Seine Frauen Margareta (Meta) und Johanna Elisabeth (geborene Dimpfel, verwitwete von Winthem) ruhen neben ihm.
Alle drei Grabmale zeigen als Relief zwei über Kreuz liegende Weizengarben und darunter:
Vers 845 des 11. Gesangs des von 1756 bis 1768 entstandenen Messias.Der Messias. In: Friedrich Gottlieb Klopstock: Gedichte. Dritter Theil, Elfter Gesang.
Klopstocks Grabmal – mit einer Inschrift von Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg – ist außerdem mit einem Relief von Philipp Jakob Scheffauer (1804) geschmückt, einer allegorischen Darstellung der trauernden Religion, die an einer Urne lehnt. Die Inschriften lauten: MARGARETA KLOPSTOCK Erwartet da, wo der Tod nicht ist, Ihren Freund, ihren Geliebten, ihren Mann, Den sie so sehr liebt, Und von dem sie so sehr geliebt wird. Aber hier aus diesem Grabe Wollen wir mit einander auferstehen, Du, mein Klopstock und ich und unser Sohn Den ich Dir nicht gebähren konnte. Betet den an Der auch gestorben, begraben und auferstanden ist. Sie ward gebohren den 16. März 1728, Verheirathet den 10. Junius 1754 Und starb den 28. November 1758. Ihr Sohn schlummert in ihrem Arme.W.G. Prätorius: Beschreibung der Königl. Dänischen freyen Grenz- und Handlungs-Stadt Altona, und des benachbarten Dänischen Gebietes. Hamburg 1792, S. 203 () Klopstock’s zweite Gattin JOHANNA ELISABETH Geb. d. 26. July 1747 Gest. d. 19. Jannuar 1821 Seine geliebte Gefährtin Und Trösterin auf dem Letzten Lebenswege Metas Liebling, an Herz Und Geist ihr ähnlich. Da wo der Tod nicht ist freuet sie sich des Wiedersehens derer, die Sie nun himlisch lieben.Vossische Nachrichten, Nr. 4, Dezember 1997 (PDF; 562 kB) S. 26 (Foto)Bey seiner Meta und bey seinem Kinde ruhet FRIEDRICH GOTTLIEB KLOPSTOCK Er ward geboren d: 2. July 1724. Er starb d: 14. März 1803. Deutsche, nahet mit Ehrfurcht und mit Liebe Der Hülle Eures grösten Dichters Nahet, Ihr Christen, mit Wehmuth und mit Wonne Der Ruhestätte des heiligen Sängers, Dessen Gesang, Leben und Tod Jesum Christum prieß Er sang den Menschen menschlich den Ewigen, Den Mittler Gottes. Unten am Throne liegt Sein großer Lohn ihm, eine goldne Heilige Schale voll Christenthränen. Seine zweite liebende und geliebte Gattin Johanna Elisabeth, setzte diesen Stein, Anbetend den, der für uns lebte, starb, Begraben ward und auferstand.Friedrich Johann Lorenz Meyer: Klopstocks Gedächtniss-Feier. Hamburg 1803, S. 36 ()
[Die Inschrift greift eine Strophe aus Klopstocks 1748 entstandener Ode Der Abschied auf:]Der Abschied. In: Friedrich Gottlieb Klopstock: Gedichte, Oden. 1. Band. Ich sang den Menschen menschlich den Ewigen, Den Mittler Gottes. Unten am Throne liegt Mein großer Lohn mir, eine goldne, Heilige Schale voll Christenthränen. Meta war mit dem Kind zunächst am 4. Dezember 1758 im Familiengrab ihrer Eltern auf dem Kirchhof von St. Nikolai beigesetzt worden. In der auf den 10. April 1759 datierten Einleitung zu ihren Hinterlaßnen Schriften schrieb Klopstock dazu unter Mitteilung der beabsichtigten und so auch tatsächlich ausgeführten Grabinschriften:
Die Grabstelle in Ottensen wurde am 20. Mai 1759 von einem Beauftragten Klopstocks erworben, der Sarg am 14. Juni dorthin überführt und am folgenden Tage beigesetzt. Klopstock war zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich noch nicht von Halberstadt eingetroffen, von wo er am 10. Juni abgereist war. Er besuchte das Grab aber am 19. Juni, einen Tag vor seiner Weiterreise nach Kopenhagen, wie aus seinem nur in Abschrift überlieferten Eintrag in das Stammbuch einer Freundin hervorgeht:
Metas Schwestern Elisabeth Schmidt (1722–1788) und Catharina Margaretha Dimpfel geb. Moller (5. April 1724 bis 18. Dezember 1773) pflanzten am 6. Dezember 1759 zwei Linden, von denen eine sich noch heute über dem Grab erhebt.Klopstock Briefe, Band 2: Apparat/Kommentar (Hamburger Klopstock-Ausgabe, Historisch-kritische Ausgabe, Briefe IV 2), De Gruyter 2004, ISBN 3-11-018173-8, S. 248, 315, 327, 342 f. ()
Klopstocks Beisetzung an diesem Ort im März 1803 war ein nationales Ereignis, das Friedrich Johann Lorenz Meyer wie folgt beschrieb:Friedrich Johann Lorenz Meyer: Klopstocks Gedächtniss-Feier. Hamburg 1803, S. 28–32 ()Siehe auch Laura Bolognesi (Hrsg.): Hamburger Klopstockausgabe Band III/2, Apparat zu Geistliche Lieder, Hamburg 2013, S. 242 (books.google)
mini|Klopstocks Beisetzung am 22. März 1803 rechts|230px|Kupferstich 1805 mini|Gedenktafel für Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig (1735–1806) mini|Gedenkstein für 1138 in Ottensen bestattete Vertriebene aus Hamburg
Heinrich Heine schrieb 1833: