Die österreichische Kultur ist seit Jahrhunderten mit der europäischen Kultur verbunden und hat international bekannte Leistungen hervorgebracht. So entstanden etwa in allen Stilepochen bedeutende Bauwerke, von denen viele heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählen.
Im 18. und 19. Jahrhundert war Österreich mit der Wiener Klassik eines der Zentren des europäischen Musiklebens, was sich nicht nur in einer Vielzahl mit dem Land verbundenen Musiker- und Komponistennamen äußert, sondern auch in einer heute noch bestehenden großen Anzahl von Opernhäusern, Theatern und Orchestern sowie vielfältigen musikalischen Traditionen wie dem Neujahrskonzert, zahlreichen Festspielen und einer vitalen Kabarettszene.
Auch auf kulinarischem Gebiet verfügt Österreich über eine umfangreiche Tradition, die etwa in der Wiener Kaffeehauskultur, dem Weinbau in Österreich und dem Heurigen sowie zahlreichen landestypischen Gerichten der Österreichischen Küche zum Ausdruck kommt.
Die österreichische Kultur ist Teil des überstaatlichen deutschen Sprach- und Kulturraums und pflegt seit jeher einen engen kulturellen Austausch mit Deutschland und den anderen deutschsprachigen Ländern.
Kulturgeschichtlicher Kontext Siehe auch Welterbe in Österreich
Kulturerbe der Früh- und Vorgeschichte mini|hochkant|Venus von Willendorf, eine der ältesten Skulpturen der Welt Aus dem Jungpaläolithikum – dem Zeitalter des gemeinsamen Auftretens des frühen Homo sapiens zusammen mit den spätesten Neandertalern – bietet Österreich drei herausragende Leitfunde: die Knochenpfeife aus der Gudenushöhle (Magdalénien, ca. 16.000 v. Chr.) die Venus von Willendorf (Gravettien um 25.000 v. Chr.) die Venus vom Galgenberg (frühes Gravettien/Aurignacien, über 30.000 Jahre alt) Älteste archäologische Funde Österreichs, das Kulturschaffen des Menschen betreffend, sind um die 100.000 Jahre alt.
Frühere bronzezeitliche Phasen sind der Urnenfelderkultur, nördlich der Donau auch der Aunjetitzer Kultur, kupfersteinzeitliche hauptsächlich der Glockenbecherkultur zuzurechnen. Am Übergang aus der jüngeren Steinzeit finden sich die Mondseekultur und die Badener Kultur, die frühere Schnurkeramik (Streitaxtleute) nur außerhalb der Alpen im Osten. Dass aber auch der Alpenraum im 3. Jahrtausend Siedlungsraum war, belegt der – als Fund wie auch kulturell Südtirol zuzurechnende – Mann vom Tisenjoch. Im Jahrtausend davor finden wir die Lengyelkultur. Die neolithische Revolution hatte Österreich in Form der Linearbandkeramikkultur etwa um 5600 v. Chr. erreicht.Peter Stadler: Ein Beitrag zur Absolutchronologie des Neolithikums in Österreich auf Grund der 14C-Daten. In Lenneis, E., C. Neugebauer-Maresch, E. Ruttkay, Jungsteinzeit im Osten Österreichs. In: Forschungsberichte zur Ur- u. Frühgeschichte 17. Niederösterreichisches Pressehaus u. Verlagsgesellschaft, St. Pölten/Wien 1995 S. 210–224 wohl donauaufwärts. Pfahlbauten (Feuchtbodensiedlungen) am Mondsee, Attersee (Mondseekultur, 3600–3300 v. Chr.) Wallburg am Schanzboden bei Falkenstein, Venus vom Schanzboden, Venus von Langenzerdorf, Idol mit Vogelgesicht (Lengyel, ca. 4000 Jahre alt) Venus von Draßburg (Linearbandkeramik, ca. 6./5. Jtd. v. Chr.)
Die Kelten hatten, aus dem Nordwesten kommend, um 400 v. Chr. ein von namentlich unbekannten StämmenTraditionell und volkstümlich wird von den „Illyrern“ gesprochen. Ein kultureller Zusammenhang mit den römerzeitlichen Illyrern an der Adria wurde allerdings nie bewiesen, diese Bezeichnung wurde von den Prähistorikern daher schon Mitte des 20. Jahrhunderts aufgegeben. im Osten und Rätern im Westen besiedeltes Land übernommen. Sowohl diese Völker unklarer Herkunft, wie auch die frühen keltischen Phasen zählt man zum eisenzeitlichen Kreis der Latènekultur ab dem 5. Jh. und der davorliegenden Hallstattkultur ab dem 8. Jh. Halleiner Dürrnberg (Latène) Hallstätter Salzberg (Hallstattzeit, Entdeckung 1846) Fundschätze sind Bronzewaffen, -werkzeuge und -schmuck, etwa die typischen Situlen und Schnabelkannen Verloren ist der Mann im Salz (wohl um 500 v. Chr. verunglückter Bergmann, gefunden 1734 und bald bestattet)
Auch die Römer selbst drangen nicht in die Wildnis vor, sondern in von Kelten besiedeltes Land. Das Regnum Noricum ist die beiden ersten vorchristlichen Jahrhunderte geschätzter Bündnispartner Roms gewesen, erst 15 v. Chr. fand die Okkupation durch Rom statt. Die Kelten werden verhältnismäßig friedlich assimiliert, noch in römischer Zeit finden sich Abbildungen ihrer typischen Tracht, und auch im Orts-, Flur- und Gewässernamensschatz finden sich keltische Wurzeln. Magdalensberg, mit umfangreichen spätkeltisch-frührömischen Relikten, vermutlich aber nicht das alte Zentrum Noreia des Reiches
mini|Austria Romana mini|Das römische Heidentor in Carnuntum Die romanisierte Vorbewohner waren zwar, nach dem Rückruf der römischen Bürger 487 durch Odoaker, wohl keine gebürtigen Römer, aber doch Träger der römischen Kultur, wie auch frühen Christentums. Funde aus der Zeit der Spätantike belegen, dass das Austria Romana – also die Provinzen Noricum, Pannonia und Raetia – keineswegs eine reine Militärgrenze, sondern auch kultiviertes Land und Handelsvorposten darstellte. So lief etwa die Bernsteinstraße über das Burgenland. Man darf sich diese römischen Städte nicht wie die großen Metropolen des Mittelmeerraumes vorstellen, sondern vom Typus Militärlager und daraus entstehender Provinzstädtchen, in Carnuntum aber doch mit Amphitheater als Sinnbild römischen Kulturschaffens. Etliche römische Landsitze auf österreichischem Boden zeigen uns auch die dazwischenliegenden Landstriche nicht ungenutzt. Carnuntum, die prächtigste römische Ausgrabungsstätte Österreichs
Obwohl man von einem – wie auch immer gearteten – „Österreich“ als eigenständiges Herzogtum ab 1156, und selbst als rein territoriale Einheit frühestens mit der Entwicklung der zu Baiern gehörenden Mark Ostarrîchi im späten 10. Jahrhundert sprechen kann, so entstand dieses Gebilde doch nicht in einem kulturfreien Raum, sondern einer Region mit langer und ungebrochener Tradition, deren Überlieferung und Überreste als Kulturerbe Österreichs zu seiner kulturellen Identität gehört.
Zwar entstand dieses Ostarrîchi selbst in einem Niemandsland des fränkischen Reiches gegenüber dem besiegten Reich der Awaren, die kaum Spuren hinterlassen haben. Die fränkische Besiedlung in Österreich traf auf eine romanisierte Bevölkerung, die Ortsnamenkunde belegt dasSiehe etwa Welsche, zur Namenkunde, auch der heilige Rupert, der 696 in Salzburg mit der Missionierung der Südgrenze Austriens beginnt, fand keineswegs von der Völkerwanderung verheertes Land vor, sondern romanisierte Christen. Der Südosten Österreichs aber gründet sich darüber hinaus in der Tradition eines slawischen Reiches Karantanien und geht noch viele Jahrhunderte einen eigenen Weg, der bis heute zu spüren ist. Auch hier lassen sich Kontakte zu romanisierten Vorbewohnern vermuten.
Aus dieser bairisch-karantanischen Zeit sind an herausragenden Kulturschätzen zu nennen: der Tassilokelch (um 780) das Rupertuskreuz von Bischofshofen (Ende 7./Anfang 8. Jh., hergestellt in Northumbrien) der Codex Millenarius (um 800).
Österreichische Kultur zwischen 600 Jahren Habsburg und der Moderne mini|links|hochkant|Unter der Herrschaft von Kaiser Franz Joseph I. erlebte Österreich-Ungarn eine beispiellose Blütezeit der Kultur Historisch gesehen war die rund 600-jährige Herrschaft der Habsburger über Österreich und die weiteren Kronländer – insbesondere im Kaisertum Österreich (1804–1866) und in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie (1867–1918) – mit ihren vielfältigen Kulturen und Lebensweisen prägend für die daraus entstandene österreichische Kultur, da damals etwa Wien, Prag und Budapest noch im regen kulturellen Austausch standen.
Wie Friedrich Torberg in seiner Tante Jolesch schreibt, ist diese kulturelle Hegemonie nicht sofort nach 1918 verschwunden, sondern hat auch während der I. Republik weiterexistiert, bis ihr 1934 durch den Österreichischen Bürgerkrieg und den daraus entstandenen Austrofaschismus teilweise und 1938 durch den Anschluss an Deutschland dann endgültig ein schreckliches Ende gesetzt wurde. Ein beachtenswerter Anteil jüdischer Intellektueller an der österreichischen Kultur wurde dabei durch Vertreibung und Vernichtung nahezu ausgelöscht, wovon sich zumindest die Wissenschaft in Österreich bis heute nicht ganz erholt hat. Umso stolzer werden aber Nobelpreisträger wie etwa Walter Kohn, der gebürtiger Wiener ist und 1938 nach Amerika emigrieren musste, präsentiert.
Nach 1945 hat die II. Republik Österreich – mit großem Eifer und zum Teil echter Wehmut – versucht, wieder an diese Tradition der Österreichisch-Ungarischen Monarchie anzuknüpfen. Daher hatte die österreichische Kultur insbesondere in der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem konservierenden Charakter – mit durchaus ansehnlichen Erfolgen, insbesondere auch für den österreichischen Tourismus, aber gleichzeitig wurden dadurch neue Entwicklungen lange blockiert. Die damalige Geisteshaltung spiegelt sich insbesondere im 1946 entstandenen Text der neuen österreichischen Bundeshymne Land der Berge, Land am Strome wider. Das mag auch erklären, warum in Österreich mittlerweile viele weitere Liedwerke jeweils als „geheime“ Bundeshymne bezeichnet werden.
Heute ist die österreichische Kultur daher tagtäglich dem Spannungsfeld ausgesetzt, ihre international durchaus bekannten historischen Verdienste – etwa in der klassischen Musik – angemessen wiederzugeben (allein schon auf Grund der offensichtlichen touristischen Rentabilität) und doch gleichzeitig offen für die Moderne zu sein und sich nicht einzig auf das „Konservieren“ zu beschränken. International bekannte Künstler wie der Regisseur Michael Haneke, die Musiker Falco, Joe Zawinul oder die Ars Electronica haben gezeigt, dass Österreich auch mit „Neuem“ international erfolgreich sein kann. Dieses Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne ist besonders in Wien, Graz oder Salzburg spürbar, wobei jede dieser Kulturstädte dabei unterschiedliche Wege verfolgt. Im Jahr 2003 war Graz Kulturhauptstadt Europas und Wien gilt im Allgemeinen als Kulturmetropole – Städte ohne einschlägiges geschichtsbezogenes Profil wie Linz oder St. Pölten setzen vorrangig auf die Moderne.
Kunst Musik Klassische Musik mini|hochkant|Wolfgang Amadeus Mozart Die klassische Musik ist einer der Aspekte, die Österreichs Bild weltweit bestimmen, und hat auch heute noch einen hohen Stellenwert in Österreich. Das Land kann auf eine große Zahl (auch international) berühmter Musiker zurückblicken.
In der Frühen Neuzeit wurde die Musik vor allem von den Niederlanden aus beeinflusst und im 17. und 18. Jahrhundert war die italienische Musik hegemonial. Erst am Abschluss dieser Epoche wurde ein eigenständiger Stil entwickelt.
Das späte 18. und frühe 19. Jahrhundert war in musikalischer Hinsicht eine sehr prägende Zeit, als sich unter den hier wirkenden Komponisten Gluck, Haydn und Mozart die Stilrichtung der Wiener Klassik entwickelte, die von Beethoven fortgeführt wurde. Wien galt damals als eine Hauptstadt der Musik, was nicht zuletzt durch kaiserliches und adeliges Mäzenatentum ermöglicht wurde. Schubert gilt als erster Vertreter der Epoche der Romantik im 19. Jahrhundert, während der sich die Musik zum Bürgertum öffnete. Hier haben vor allem die großen Sinfoniker Bruckner und Brahms Bedeutung.