mini|250px|Das Lepramuseum Münster
Das Lepramuseum im Stadtteil Kinderhaus der westfälischen Stadt Münster ist das deutschlandweit einzige Museum, das sich mit der Geschichte, der Verbreitung und der Bekämpfung der Krankheit Lepra auseinandersetzt. Darüber hinaus bietet es Sonder- und Wanderausstellungen, Kolloquien, Vorträge, Publikationen sowie Unterrichtsmaterialien zu diesem Themengebiet an. Getragen wird das Museum von der Gesellschaft für Leprakunde e. V.
Geografische Lage Das Museum befindet sich etwa fünf Kilometer nördlich des Zentrums von Münster im Stadtteil Kinderhaus westlich der Kirche St. Josef auf der gegenüberliegenden Straßenseite der Straße Kinderhaus. Es ist in einem historischen Gebäude auf dem Gelände des ehemaligen Leprosenhospitals Kinderhaus untergebracht.
Geschichte Die Gründung des Lepramuseums geht zurück auf das Jahr 1984 mit der Gründung der Gesellschaft für Leprakunde e. V. Initiator dieser Gesellschaft waren der damalige Leiter der Aktionszentrale Nordwest des Deutschen Aussätzigen Hilfswerks e. V., Wolfgang Nitsch, und der in Kinderhaus ansässige Arzt Diederich Winterhoff. Die Stadt Münster stellte der neu gegründeten Gesellschaft Räume zur Errichtung eines Museums im Pfründnerhaus auf dem Gelände des ehemaligen LeprosoriumVgl. Barbara Krug-Richter: Leben in Armut? Lebensstandard und Nahrungsgewohnheiten im münsterischen Magdalenenhospital und im Leprosorium Kinderhaus (1539–1635) (= Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland). Philosophische Dissertation Münster 1990. der Stadt – das heißt an dem Ort, an dem die Leprakranken ausgesetzt wurden – in Aussicht.Die armen Kinder Gottes in Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 29. Januar 2011, S. 58, 61. Das Haus wurde noch als Wohnheim für ältere Menschen genutzt, entsprach aber nicht mehr den qualitativen Mindestanforderungen solcher Einrichtungen. Man sah also von Neubelegungen ab. Bis die entsprechenden Räume frei wurden, behalf man sich mit Wanderausstellungen.
Unterstützung erhielt das Museum durch das Stadtmuseum Münster, das Exponate seiner Ausstellung „Pest und Lepra in Münster“ zur Verfügung stellte. Am 29. Januar 1986, dem Welt-Lepra-Tag, wurde das Museum eröffnet. Es ist das einzige Museum dieser Art in Deutschland. Aufgrund der wachsenden Ausstellung wurden in den Jahren 1988 und 1993 die Räumlichkeiten erweitert.Eckart Roloff und Karin Henke-Wendt: Der Aussatz brachte Ausgrenzung und sozialen Tod. (Das Lepramuseum in Münster-Kinderhaus) In: Besuchen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Eine Tour durch Deutschlands Museen für Medizin und Pharmazie. S. Hirzel Verlag, Stuttgart 2015, S. 144–146, ISBN 978-3-7776-2510-2. Musste sich aber nach der Renovierung des Hauses 2003 wieder verkleinern, als die Räume im Obergeschoss wieder als Wohnungen genutzt wurden.
Es befindet sich im sogenannten Provisorenhaus. Dieses wurde 1405 als Amtshaus für die vom Stadtrat bestellten Provisoren (Verwalter) erstellt, die es bei ihren Visitationen nutzten. Es wurde 1584 erweitert und zweigeschossig ausgebaut und das 1661 erbaute Werkhaus daran angebaut. In dieser Zeit, als es keine Leprakranken mehr gab, wurde der Komplex zunächst als Arbeitshaus für Waisenkinder, später als Altenheim genutzt.
Ausstellungen Die Dauerausstellung dokumentiert das Leben leprakranker Menschen in Europa während des Mittelalters und der Frühen Neuzeit und die Geschichte des Leprosoriums Kinderhaus. Darüber hinaus werden medizinische und biologische Gesichtspunkte der Lepra erläutert und künstlerische Darstellungen im Zusammenhang mit der Krankheit gezeigt. In zwei Räumen des benachbarten Heimatmuseums Kinderhaus informieren die Lepra-Hilfsorganisationen DAHW und Nepra über ihre Arbeit.
In den Räumen des Lepramuseums finden immer wieder auch Wechselausstellungen statt, darunter: 2001: Ralf Klötzer (Hrsg.): Kinderhaus 1534–1618: Das Leprosenhaus der Stadt Münster von der Täuferherrschaft bis zum Dreißigjährigen Krieg. (auch Literatur) 2007: Mirko Krabus: Kinderhaus 1333–1533: Das Kinderhaus der Stadt Münster von seinen Anfängen bis zur Täuferherrschaft. (auch Literatur) 2010: Leonie Kegel (Hrsg.): Kinderhaus 1660–1760: Der frühere Leprosenhof der Stadt Münster als Erziehungshaus und als Armenhaus. (auch Literatur) 2016: Christopher Görlich: Kinderhaus 1760–1920. Das Armenhaus Kinderhaus im langen 19. Jahrhundert. (auch Literatur)
Wissenswert Auch in Bergen in Norwegen gibt es ein Lepramuseum, das dort in einem historischen Leprosorium des 18. Jahrhunderts untergebracht ist.
Weblinks
Internetauftritt des Lepramuseums
Einzelnachweise
Kategorie:Museum in Münster Kategorie:Medizinhistorisches Museum in Deutschland Kategorie:Museumsgründung 1984 Kategorie:Lepra