mini|Lynette-Triebwagen, Cheminova-Fabrik im Hintergrund mini|MX 26 und Mx 41 mini|Ym 15
Lemvigbanen (deutsch: Die Lemvigbahn, offiziell Vemb-Lemvig-Thyborøn Jernbane, VLTJ) ist eine normalspurige Privatbahn im Nordwesten Jütlands in Dänemark. Die Strecke ist eingleisig und nicht elektrifiziert.
Lemvigbanen fusionierte im Mai 2008 mit Odderbanen (Hads-Ning-Herreders Jernbane, HHJ). Die beiden Strecken, die über 100 Kilometer voneinander entfernt liegen, gehören seitdem zur Midtjyske Jernbaner A/S. Aktionäre von Midtjyske Jernbaner sind Midttrafik, Lemvig Kommune, Holstebro Kommune und einige kleinere Anteilseigner.
Streckenbeschreibung Mit 59,5 Kilometern ist sie die längste dänische Privatbahnstrecke. Sie führt von Vemb an der Strecke Holstebro–Ringkøbing über Lemvig zum Hafenort Thyborøn. Zwischen Lemvig und Harboøre führt die Strecke unweit der Küste am Rand der Dünen entlang. Zwischen Harboøre und Thyborøn verläuft das Gleis auf einem Fahrdamm durch den Limfjord.
Unternehmen Lemvigbanen wurde vom dänischen Hydrogen Innovation & Research Centre als Pilotstrecke für die weltweit ersten Personenzüge mit Wasserstoffantrieb ausgewählt. Ab 2010 sollten auf der Strecke der VLTJ entweder die vorhandenen Triebwagen mit umgerüstetem Antrieb oder komplett neu entwickelte Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Die Strecke wurde ausgewählt, weil das Fahrgastaufkommen und der Fahrplantakt so gering sind, dass eventuelle Betriebsstörungen keine großen Auswirkungen auf den Fahrplan hätten. Technisch gesehen war die Lage der Bahn ideal, da das Chemiewerk Cheminova den Wasserstoff erzeugen und die vielen Windkraftwerke in der Umgebung den benötigten Strom liefern konnten. Das Projekt wurde aufgegeben.
Seit dem Sommer 2008 fanden umfangreiche Bauarbeiten zur Beseitigung von 30 als gefährlich eingestuften Bahnübergängen statt. Dabei handelte es sich größtenteils um ungesicherte Übergänge an Feldwegen. Zwischen Lemvig und Vrist wurden gleichzeitig mehrere gesicherte Bahnübergänge stillgelegt, so etwa an den Stationen Balleby und Nejrup. Dafür wurden Umgehungsstraßen zum nächstgelegenen Bahnübergang gebaut. Alle verbliebenen gesicherten Bahnübergänge wurden 2008 mit Schrankenanlagen ausgerüstet.
Geschichte Die Bahn war zur Zeit ihrer Eröffnung Dänemarks erste Kleinbahn und wurde in sehr leichter Bauweise angelegt. Der Streckenabschnitt Vemb–Lemvig wurde am 20. Juli 1879, die Teilabschnitte Lemvig–Harboøre am 22. Juli 1899 und Harboøre–Thyborøn am 1. November 1899 eröffnet. Die Verlängerung nach Thyborøn wurde von ansässigen Fischern gefordert, die in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg viel Fisch ins Ausland, besonders nach Deutschland, exportierten. Der Staat förderte den Bau der Strecke, um die Anlage von Küstensicherungsbauwerken auf der Landzunge vor Harboør zu erleichtern. Der Hafen von Thyborøn wurde erst 1915–1918 angelegt. Die beiden Betriebe VLJ und LTJ fusionierten 1921 zur VLTJ. mini|Ursprüngliche Trasse der Lemvigbahn auf Harboøre Tange, wird heute als Radweg genutzt
Die Teilstrecke Harboør–Thyborøn verlief ursprünglich in den Dünen sehr nahe am Meer und wurde ab dem 23. August 1955 eineinhalb Kilometer ostwärts verschoben. Sie liegt auf dem neuen Schutzdeich, der gebaut wurde, um die Landzunge Harboøre Tange vor dem Durchbruch des Meeres zu schützen. Auf diesem Stück verläuft die Grüne Küstenstraße (181) parallel zur Bahn. Bei der Verschiebung der Bahnstrecke wurde der Bahnhof Knopper stillgelegt und der neue Bahnhof Rønland errichtet.
Mit der Gründung der Chemiefabrik Cheminova auf der Harboøre Tange 1953 bekam die Bahn ihren mit Abstand wichtigsten Einzelkunden. Der Güterverkehr spielt heute bei der VLTJ, wie bei allen dänischen Bahnen, nur eine untergeordnete Rolle. Dennoch ist der Bahnkörper in den späteren Jahrzehnten ausgetauscht und verstärkt worden. Am Ende der 1990er Jahre wurden Bahnsteige, Kreuzungsbahnhöfe und andere feste Anlagen überholt.
Die VLTJ galt immer als ein sehr kostenbewusstes Unternehmen. Bis zum Ende der 1990er Jahre fuhren noch die sogenannten „Dattelschachteln“ (Baureihe YBM, ursprünglich SJ Y6). Dies waren schwedische Triebwagen aus den 1950er Jahren, die nach einigen Jahrzehnten Dienst von den Schwedischen Eisenbahnen an dänische Privatbahnen verkauft wurden. Obwohl einmal ausgemustert, galten diese Schienenbusse als sehr betriebssicher. Die relativ modernen Lynette-Triebwagenzüge (dän. lyn = dt. „Blitz“) wurden bei der VLTJ erst später als auf anderen Privatbahnen eingesetzt. Während alle andere dänischen Privatbahnen inzwischen auf neues Material wechselten, kaufte die VLTJ einige der übrigen Lynette-Zügen auf, um so ihren Wagenpark zu ergänzen. So fand der Generationswechsel der Fahrzeuge bei der VLTJ immer eine Stufe später als bei anderen dänischen Privatbahnen statt, mit deutlichen Kosteneinsparungen als Folge. mini|Haltepunkt Victoria Street Station Im Rahmen des Investitionsplanes 2020–2030 sollen die Altfahrzeuge in den nächsten Jahren ersetzt werden.
Streckennetz Bahnhöfe und Haltepunkte Neben den aus dem Streckenbild ersichtlichen Bahnhöfen und Haltepunkten gibt es folgende Besonderheiten: Armose (ehemals Lomborg): Der Haltepunkt ist drei Kilometer vom Dorf Lomborg entfernt und wurde deswegen 1995 in Armose, den Namen der betreffenden kleinen Siedlung von Häusern, umbenannt. Gelegentlich stiegen Ortsunkundige hier aus, die von hier aus nicht zum Dorf fanden. Victoria street station (ehemals Vejlby): Der recht einsam gelegene Haltepunkt wurde 1991 von Anwohnern umbenannt. – Die Internet-Fragestelle Biblioteksvagten erklärt hierzu: Es ist völlig richtig, dass es bei Vejlby Klit [Düne] einen Haltepunkt gibt, der Victoria Street Station heißt. Ursprünglich hieß der Haltepunkt Vejlby. Das Schild kam jedoch abhanden, und da die Bahnverwaltung mit der Ersatzbeschaffung allzu lange zögerte, ergriffen Anwohner die Initiative, ein neues Schild ans Wartehäuschen zu hängen. Dabei benannten sie den Haltepunkt – in Anspielung auf den bekannten Londoner Bahnhof – in Victoria Street Station um, vermutlich weil der Viktoriavej [vej = Straße, Weg] in der Nähe liegt. Die Bahnverwaltung ging auf die Namensänderung ein, und seit Mai 1991 lautet der amtliche Name Victoria Street Station. () Als Kuriosum wird gern hervorgehoben, dass es in derselben Gegend die Ortsnamen Rom und Paris gibt. () Vejlby Nord – stillgelegt am 1. Juni 2009
Inoffizielle Haltestelle Thyborøn Færge, beim Fähranleger Thyborøn-Agger
Die inoffiziellen Haltestellen der VLTJ, die nicht im Fahrplan vorhanden sind, sind einmalig für das dänische Eisenbahnwesen. Jedoch gibt es vereinzelte Sonderhaltepunkte der Dänischen Staatsbahnen, die nur im Dienstfahrplan angegeben sind. Bei der VLTJ wird manchmal bei Bedarf auf offener Strecke angehalten. Das besondere Verfahren wird auf einer privaten Website so geschildert: Wenn ein Fahrgast es wünscht, hält er [der Lokführer] jedoch gerne mitten auf dem Bahnübergang, damit man direkt auf die Fahrbahn hinab aussteigen und gegebenenfalls in ein haltendes Auto steigen kann.Mit der VLTJ nach Thyborøn und zurück (auf Dänisch), viele Bilder der Strecke
Zweigstrecken Hafenbahn Lemvig („Bjergbanen“) Vom Bahnhof Lemvig (33 Meter ü. d. M.) führt die 1891 für den Güterverkehr erbaute, einzige Steilstrecke Dänemarks hinunter zum Hafen der Stadt. Dabei handelt es sich um eine sehr steile Adhäsionsbahn, wobei der Höhenunterschied mit einer Spitzkehre bewältigt wird. Auf dem unteren Abschnitt fährt die Bahn zum Teil auf Rillenschienen in der Straßendecke, was in Dänemark sonst nur auf der Helsingør-Hornbæk-Gilleleje Bane erfolgt. Seit 1991 werden Ausflugsfahrten angeboten, seit 2014 vom Verein BjergBanen Lemvig. Die Hafenbahn wird hauptsächlich in den dänischen Sommerferien bedient, etwa sechsmal täglich. Alle Güteranschließer sind heute abgebaut, das Gleis endet im Hafenbahnhof stumpf ohne Weichen. Der Verein kaufte 2015 die Station Fåre – 10 Kilometer südlich von Lemvig – und möchte neben einem Museum im Bahnhof dort sein Wagenmaterial unterbringen.
Cheminova Das große Chemiewerk der Cheminova auf der Halbinsel Rønland zwischen Thyborøn und Harboør hat eine eigene Zweigstrecke von der VLTJ-Hauptstrecke, die in 12–15 Abstell- und Verladegleise auf dem Fabrikgelände mündet.
Kreuzungsbahnhöfe Auf dem nördlichen Streckenabschnitt waren normale Zugbegegnungen ursprünglich nur an den Endbahnhöfen Lemvig und Thyborøn möglich. Zur Taktverdichtung auf dem Abschnitt Lemvig–Thyborøn wurden inzwischen die Haltepunkte Harboøre (2004), Strande (2006) und Rønland (Fertigstellung Mitte 2009) als Begegnungshaltepunkte mit Mittelbahnsteig komplett neu errichtet, wobei im Fahrplan 2009 planmäßig nur einmal täglich in Harboøre gekreuzt wurde (15.50 Uhr).
In den 1990er Jahren gab es einzelne planmäßige Zugkreuzungen in Klinkby. Dafür wurde ein altes Stumpfgleis in Bahnsteignähe notdürftig für den Betrieb aufbereitet. Da das Gleis nur über eine Weichenverbindung verfügte, musste der aus Lemvig kommende Zug nach dem Bahnsteighalt in das Stumpfgleis fahren und sich dort „einschließen“. Die Weiche hinter dem Zug wurde manuell umgestellt und verriegelt. Jetzt konnte der entgegenkommende (zweite) Zug an den Bahnsteig fahren. Nachdem dieser Zug Richtung Lemvig abgefahren war, musste der erste Zug rückwärts aus dem Abstellgleis rausrangieren – zurück an den Bahnsteig am Hauptgleis. Nachdem der Lokführer wieder die Weiche manuell umgestellt hatte, konnte die Fahrt nach Thyborøn weitergehen. Diese komplizierten und sehr zeitraubenden Zugkreuzungen sind im planmäßigen dänischen Bahnverkehr einmalig gewesen. Zeitweise gab es solche Zugkreuzungen im Bahnhof von Harboøre, bevor dort 2004 ein echtes Überholgleis mit Mittelbahnsteig errichtet wurde.
Südlich von Lemvig haben vier Bahnhöfe ihr Begegnungsgleis erhalten: Bonnet, Ramme, Fåre und Bækmarksbro. Dabei sind die Ausweichgleise nicht alle in gutem Zustand, können jedoch befahren werden. Jedoch müssen zwei sich begegnende Personenzüge ein Verfahren mit Hin- und Herrangieren durchmachen, da auf jedem Bahnhof nur eines der beiden Gleise mit einem Bahnsteig versehen ist und die Bahnsteige teilweise nicht am Ausweichgleis liegen. Der Fahrplan 2008 verzichtete so weit wie möglich auf Zugbegegnungen zwischen Lemvig und Vemb.
Fahrzeuge Personenverkehr Im planmäßigen Personenverkehr kamen bis 2025 bei der VLTJ vier zweiteilige DUEWAG-Triebwagen vom Typ Ym (Lynette) zum Einsatz. Im Vergleich zu anderen dänischen Privatbahnen bekam die VLTJ ihre Lynette-Triebwagen sehr spät. Die ersten drei Züge wurden im Jahr 1984 an die VLTJ ausgeliefert. Im Sommer 2006 kaufte die VLTJ einen weiteren zweiteiligen Triebwagen aus den Beständen von Nærumbanen. Diese Einheit ist seitdem als Ym 16/Ys 16 Heden auf dem Netz der VLTJ unterwegs.
Eine Besonderheit bei der VLTJ stellte der Ym 15 Fjorden dar. Dabei handelt es sich um einen einteiligen Ym-Triebwagen, den die VLTJ im Jahr 1999 von der Nærumbane (Ym 17) aufkaufte. Dieses Fahrzeug verfügt nur über eine Hilfskupplung und ist deswegen mit den anderen Triebwagen der VLTJ nicht kuppelbar. Ym 15 diente der VLTJ ursprünglich als Reservefahrzeug, während die drei zweiteiligen Triebwagen modernisiert wurden. Der Ym 15 war im Sommer als „Bergbahn“ zwischen Lemvig Bahnhof und Lemvig Hafen im Einsatz. Ansonsten diente er als Betriebsreserve.
Laut Werkstattpersonal war der Ym als Versuchsträger für einen neuartigen Wasserstoff-Antrieb vorgesehen (siehe unten).
Die VLTJ besaß noch zwei einteilige YBM-Triebwagen (YBM 17 und YBM D16), die bis in die 1990er Jahre im regulären Personenverkehr eingesetzt wurden. Die Triebwagen wurden 2007 verkauft und stehen abgestellt beim Struer Jernbaneklub in Struer. mini|links|MJB 20B (563 002) an der Oberleitungsinselanlage in Lemvig (Dez. 2025)