Die Frankfurter Poetik-Vorlesungen (auch: Frankfurter Poetikvorlesungen) sind eine Poetik-Vorlesungsreihe an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Geschichte Die Vorlesungen finden im Rahmen der Stiftungs­gastdozentur Poetik statt, die seit dem Wintersemester 1959/60 besteht. Gründer und erster Stifter war der S. Fischer Verlag. Diese Tradition wurde 1968 unterbrochen. Ab 1979 übernahm der Suhrkamp Verlag die Finanzierung der Dozentur gemeinsam mit der Vereinigung von Freunden und Förderern der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 2011 bis 2021 erweiterte sich der Unterstützerkreis um die Verlage S. Fischer und Schöffling & Co. Seit 2016 fördert auch Dania Hückmann die Poetikdozentur. Seit 2022 besteht das Konsortium der Förderer aus der Vereinigung von Freunden und Förderern der Goethe-Universität, der Dr. Marschner Stiftung und Dania Hückmann.

Die erste Dozentin war Ingeborg Bachmann. In den Frankfurter Poetik-Vorlesungen beschäftigt sich jedes Semester ein Autor in einer Vorlesungsreihe unter einem frei gewählten Titel mit Fragen zur poetischen Produktion und ihren Bedingungen. Viele dieser Vorlesungen sind auch als Buch erschienen.

Dozenten Die bisherigen Dozenten waren:Archiv Frankfurter Poetikvorlesungen: Bisherige Vortragende der Frankfurter Poetikvorlesungen. 1959/60: Ingeborg Bachmann: Probleme zeitgenössischer Dichtung 1960: Marie Luise Kaschnitz: Gestalten der europäischen Dichtung von Shakespeare bis Beckett 1960/61: Karl Krolow: Fragen zeitgenössischer Dichtung 1961: Pierre Bertaux, Yves Bonnefoy, Cecil Day-Lewis, Mattias Braun: Einzelvorträge 1963: Helmut Heißenbüttel: Grundbegriffe einer Poetik im 20. Jahrhundert 1964: Heinrich Böll: Zur Ästhetik des Humanen in der Literatur 1964/65: Hans Magnus Enzensberger: Spielen Schriftsteller eine Rolle? 1966/67: Reinhard Baumgart: Aussichten des Romans 1967: Wolfgang Hildesheimer: Prosa des Absurden 1967/68: Hans Erich Nossack: Ist Poesie lehrbar? 1979: Uwe Johnson: Begleitumstände 1979/80: Adolf Muschg: Literatur als Therapie? Ein Exkurs über das Heilsame und das Unheilbare 1980: Peter Rühmkorf: agar agar: zaurzaurim. Zur Naturgeschichte des Reims und der menschlichen Anklangsnerven 1980/81: Martin Walser: Selbstbewusstsein und Ironie 1981: Günter Kunert: Vor der Sintflut: das Gedicht als Arche Noah 1981/82: Peter Bichsel: Der Leser. Das Erzählen 1982: Christa Wolf: Voraussetzungen einer Erzählung: Kassandra 1982/83: Wolfgang Koeppen: Ist der Schriftsteller ein unnützer Mensch? 1983/84: Peter Härtling: Der spanische Soldat oder Finden und Erfinden 1984: Friedrich Dürrenmatt: Vortrag: Kunst und Wissenschaft 1984: Paul Nizon: Am Schreiben gehen 1984/85: Ernst Jandl: Das Öffnen und Schließen des Mundes 1985: Kolloquium mit Peter Härtling, Wolfgang Hildesheimer, Adolf Muschg 1985/86: Hermann Burger: Vom allmählichen Verfertigen der Idee beim Schreiben 1986: Hermann Lenz: Leben und Schreiben 1986/87: Hans Mayer: Gelebte Literatur. Lebenserfahrung seit dem Expressionismus 1987: Ludwig Harig: Der berechnete Funke. Zum Sprachspiel 1987/88: Hilde Domin: Das Gedicht als Augenblick von Freiheit 1988: Peter Sloterdijk: Zur Welt kommen: zur Sprache kommen 1988/89: Christoph Meckel: Von den Luftgeschäften der Poesie 1989: Jurek Becker: Warnung vor dem Schriftsteller 1989/90: Günter Grass: Schreiben nach Auschwitz 1990: Hans Christoph Buch: Die Nähe und die Ferne 1990/91: Karl Dedecius: Poetik der Polen 1992: Walter Jens: Arbeit mit Mythen 1992/93: Dieter Kühn: Mein Lebensroman. Skizzen zum Modell einer Autobiographie 1993: Klaus Hensel, Franz Hodjak, Richard Wagner, Werner Söllner: Das Fremde im Eigenen, das Eigene im Fremden: Erfahrungen mit der Muttersprache im doppelten Exil 1993/94: Oskar Pastior: Das Unding an sich 1994/95: Bodo Kirchhoff: Legenden um den eigenen Körper 1995: Wolfgang Hilbig: Abriß der Kritik 1995/96: Dieter Wellershoff: Das Schimmern der Schlangenhaut. Existentielle und formale Aspekte des literarischen Textes 1996: Rolf Hochhuth: Die Geburt der Tragödie aus dem Krieg 1996/97: Sarah Kirsch: Von Haupt- und Nebendrachen, Dichtern und Prosaschreibern 1997/98: Marlene Streeruwitz: Können. Mögen. Dürfen. Sollen. Wollen. Müssen. Lassen 1998: Rainald Goetz: Praxis 1998/99: Eva Demski: ZETTELCHENS TRAUM oder „Warum sollte der Mensch nicht sein Geheimnis haben? Oder ein Tagebuch?“ 1999: Einar Schleef: Deutscher Monolog 1999/2000: Hans-Ulrich Treichel: Der Entwurf des Autors 2001: Robert Gernhardt: Was das Gedicht alles kann: Alles 2001/2002: Patrick Roth: Ins Tal der Schatten 2003: Elisabeth Borchers: Lichtwelten. Abgedunkelte Räume 2003/2004: Tankred Dorst: Sich im Irdischen zu üben 2004: Angela Krauß: Die Gesamtliebe und die Einzelliebe 2004/2005: Monika Maron: Wie ich ein Buch nicht schreiben kann und es trotzdem versuche 2005: Robert Menasse: Die Zerstörung der Welt als Wille und Vorstellung 2005/2006: Wilhelm Genazino: Die Belebung der toten Winkel 2006: Andreas Maier: Ich 2006/2007: Urs Widmer: Vom Leben, vom Tod und vom Übrigen auch dies und das 2007: Josef Winkler: Sprache. Ich kann dich nicht besiegen. Meine Waffe bist du. 2008: Zur Erinnerung an Walter Kempowski, der seine Vorlesungen 2007/2008 nicht mehr halten konnte: Wilhelm Genazino, Andreas Maier, Josef Winkler, Eva Demski und Urs Widmer unter dem Motto Kempowski lesen 2009: Uwe Timm: Von Anfang und Ende 2009/2010: Durs Grünbein: Vom Stellenwert der Worte 2010: Navid Kermani: Über den Zufall 2010/2011: Ulrich Peltzer: angefangen wird mittendrin 2011: Sibylle Lewitscharoff: Vom Guten, Wahren und Schönen 2012: Thomas Meinecke: Ich als Text 2012: Alexander Kluge: Theorie der Erzählung 2013: Michael Lentz: Atmen Ordnung Abgrund 2013: Juli Zeh: Treideln 2013/2014: Terézia Mora: Nicht Sterben 2014: Daniel Kehlmann: Kommt, Geister 2014/2015: Poetiken zwischen den Künsten: Dialoge mit der Literatur 2015: Clemens Meyer: Der Untergang der Äkschn GmbH 2015/2016: Marcel Beyer: Das blinde (blindgeweinte) Jahrhundert 2016: Katja Lange-Müller: Das Problem als Katalysator 2016/2017: Ulrike Draesner: Grammatik der Gespenster 2017: Michael Kleeberg: Besserem Verständniss. Ein Making-of 2017/2018: Silke Scheuermann: Gerade noch dunkel genug 2018: Christian Kracht: Emigration 2019: geplant: Guntram Vesper (aufgrund von Krankheit abgesagt) 2020: Christoph Ransmayr: Unterwegs nach Babylon 2020/2021: als digitale Vorlesung: Monika Rinck: Vorhersagen. Poesie und Prognose. 2021/2022: Judith Hermann: Wir hätten uns alles gesagt: vom Schweigen und Verschweigen im Schreiben 2023: Clemens J. Setz: Mysterien 2024: Aris Fioretos: Solarplexus. Über einen Schriftsteller und seinen Körper 2025: Judith Schalansky: Marmor, Quecksilber, Nebel. Woraus die Welt gemacht ist 2026: Joshua Groß: Neben sich selbst hergehen. Denken in Avataren

Weblinks Stiftungsgastdozentur für Poetik, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt am Main

Einzelnachweise

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