Die serbische Fußballnationalmannschaft der Männer () ist die Auswahl Serbiens. Aufgrund des Doppeladlers des serbischen Wappens wird sie Orlovi („Die Adler“) genannt.FSS: ORLOVI ODRADILI POSLEDNJI TRENING U STAROJ PAZOVI | STEFAN GUDELJ PRIKLJUČEN A TIMU, SLEDI PUT U MINHEN, 30. September 2026. In ihrer heutigen Form besteht sie seit 2006. FIFA und UEFA führen Serbien als Nachfolger der jugoslawischen (1920–2003) und serbisch-montenegrinischen Nationalmannschaft (2003–2006).FIFA: Serbien will mit Qualität und attraktiver Spielweise zu historischem Erfolg, 10. Oktober 2022.UEFA: UEFA – 60 years at the heart of football, 2014, S. 171.UEFA: Serbien findet seinen Weg, 3. September 2018.

1911 trat erstmals eine serbische Auswahl zu inoffiziellen Freundschaftsspielen an, die das Königreich Serbien (1882–1918) repräsentierte.FSS: AEFCA SYMPOSIUM – From Montevideo to Moscow – Serbian Path, Oktober 2017, S. 8. Demnach fand am 19. Mai 1911 das erste, jedoch inoffizielle Spiel einer serbischen Auswahl statt, das vom FSS als erstes Auftreten einer serbischen Nationalmannschaft gewertet wird.Dejan Zec: The Origin of Soccer in Serbia, 2010, S. 142.Neven Andjelić: The Rise and Fall of Yugoslavia: Politics and Football in the Service of the Nation(s), 2014, S. 104. Mit der Gründung Jugoslawiens 1918 wurde das Königreich Teil des neuen Staates und Fußballer aus Serbien spielten fortan für Jugoslawien. Bei der ersten WM 1930 stellten sie einmalig den gesamten Kader, der das Halbfinale erreichte.FSS: Istorijat – 1930 – Slavna generacija iz Urugvaja. Dieser nimmt dadurch einen besonderen Stellenwert in der serbischen Fußballgeschichte ein. Der Erfolg wurde später in Montevideo, Taste of a Dream verfilmt und international gezeigt.Film Center Serbia: MONTEVIDEO, TASTE OF A DREAM! – MONTEVIDEO, Bog TE VIDEO!, 20. Oktober 2010.Deutsches Historisches Museum: Kinematografie heute: Serbien – Montevideo, bog te video! Montevideo, Taste of a Dream!, S. 31–32. Während des Zerfalls Jugoslawiens 1991/1992 qualifizierte sich Jugoslawien noch für die EM 1992, wurde jedoch aufgrund kriegsbedingter Sanktionen von der EM und weiteren Turnieren ausgeschlossen.

Die verbliebenen Republiken Serbien und Montenegro bildeten danach die Bundesrepublik Jugoslawien (1992–2003). Die Kader bestanden erstmals seit 1930 überwiegend aus Fußballern aus Serbien, deren Anteil über die Jahre bis auf 22 von 23 Spielern anwuchs.UEFA: uefadirect – Football Association of Montenegro – UEFA’s 53rd member association, März 2007, S. 7. Demnach gehörten dem jugoslawischen WM-Kader 1998 sieben Spieler aus Montenegro und 15 Spieler aus Serbien an.Vijesti: From Rotterdam to Germany: Falcons or Eagles – who will fly to the EURO first, 16. Oktober 2023. Demnach gehörten dem jugoslawischen EM-Kader 2000 drei Spieler aus Montenegro und 19 Spieler aus Serbien an.Vijesti: Where are the members of the last SCG team and what are they doing: Managers, selectors, active players..., 6. Oktober 2018. Demnach gehörten dem WM-Kader 2006 ein Spieler aus Montenegro und 22 Spieler aus Serbien an. 1996 kehrte das neue Jugoslawien in den internationalen Wettbewerb zurück und erreichte bei der EM 2000 mit dem Viertelfinale ihr bestes Ergebnis.UEFA: Serbia: All their EURO records and stats, 25. Juni 2024. Nach der Umbenennung 2003 trat sie bis 2006 als Serbien und Montenegro auf. Nach dessen Auflösung entstand die heutige Nationalmannschaft.

Ihr erstes offizielles Länderspiel als wieder unabhängiges Serbien gewann sie 2006 auswärts gegen Tschechien. Seit 2010 nahm Serbien dreimal an einer WM teil.UEFA: European Qualifiers – Team Profile – Serbia, 13. Dezember 2024, S. 143. In der Nations League stieg sie von Liga C 2018/19 über Liga B 2022/23 bis in Liga A auf.UEFA: Nations League leading the evolution of the men's national team game - Nations League success stories, 23. Juni 2023. Bei der EM 2024 nahm Serbien erstmals an einer EM teil. Derzeit entsteht das erste eigene Nationalstadion als weitere Spielstätte.FSS: VELIKI DAN ZA SRBIJU I SRPSKI FUDBAL | POČELA IZGRADNJA NACIONALNOG STADIONA, PREDSEDNIK ALEKSANDAR VUČIĆ ISPUNIO OBEĆANJE: SANJALI SMO VELIKE SNOVE, ALI BEZ VELIKIH SNOVA NEMA NI USPEHA (VIDEO), 1. Mai 2024.

Geschichte 1896–1911: Vorgeschichte und die ersten Schritte Der Fußballsport gelangte im späten 19. Jahrhundert nach Serbien. Er wurde im damaligen Königreich durch Schüler und Studenten populär, die erstmals im Ausland mit dieser Ballsportart in Berührung gekommen waren. 1896 begann es seinen Lauf zu nehmen, als Hugo Buli den ersten Lederfußball aus Deutschland nach Belgrad mitbrachte.Dejan Zec: The Origin of Soccer in Serbia – Introduction. Institute for Recent History of Serbia, Academia.edu, S. 138. Die Zahl der Fußballspieler wuchs seitdem ständig und im Laufe der Jahre entstanden zahlreiche Vereine.

Anfang 1911 kam es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen Spielern des 1905 gegründeten Clubs Srpski mač und dem Vereinspräsidenten Radivoje Novaković, der mit der Austragung eines Freundschaftsspiels gegen den HAŠK nicht einverstanden war.Offizielle Homepage des Serbischen Fußball-Bundes: ИСТОРИЈА ФУДБАЛСКОГ САВЕЗА СРБИЈЕ (serbisch).Dejan Zec: The Origin of Soccer in Serbia – BSK and Velika Srbija. Institute for Recent History of Serbia, Academia.edu, S. 142. Dem 1906 gegründeten Verein aus Zagreb, der damals dem Ungarischen Fußballverband unterstand und bereits an nationalen Wettbewerben teilnahm, war es vom Verband untersagt worden, internationale Spiele auszutragen. Grund war ein Gesetz von 1907, nach dem an allen Bahnhöfen im damaligen Königreich Kroatien und Slawonien, das zu Österreich-Ungarn gehörte, ausschließlich Ungarisch gesprochen werden sollte, dem sich die kroatische und die serbische Bevölkerung widersetzte.

Der Tscheche Miloš Ekert, der zuvor vom HAŠK zum Srpski mač gewechselt war, blieb in Kontakt mit seinen ehemaligen Mannschaftskameraden und sah darin die Gelegenheit, ein Freundschaftsspiel zwischen den beiden Mannschaften auszutragen. Die Spieler des Srpski mač waren damit einverstanden; im Gegensatz zum Vereinspräsidenten, der diesem Vorschlag eine Absage erteilte. Er sah darin keinen Sinn, denn er glaubte, dass sein Verein viel schwächer sei als der HAŠK, der in der Tat bereits ein etablierter Verein war. So beschloss die Vereinsführung, dass alle Spieler, die trotzdem nach Zagreb fuhren, aufgrund undisziplinierten Verhaltens aus dem Verein ausgeschlossen werden sollten. Sich dessen bewusst, fuhren zahlreiche Spieler, begleitet von einigen Spielern eines weiteren serbischen Vereins namens SK Soko, die sich dazu gemeinsam als Nationalmannschaft des Königreichs Serbien ausgaben, zum Spiel.

Dort angekommen, absolvierte man die Begegnung am 19. Mai 1911, die man schließlich mit 0:8 verlor. Am nächsten Tag spielte man erneut, verlor aber auch die zweite Begegnung, diesmal mit 0:6. Die damaligen Zagreber Zeitungen priesen die serbische Mannschaft für ihre Bemühungen und ihren Mut, den besseren und deutlich erfahreneren HAŠK herauszufordern, während man daheim aufgrund des verantwortungslosen Alleingangs großer Kritik ausgesetzt war, hauptsächlich weil man nicht unter dem Namen Srpski mač auflief, sondern sich selbst als Nationalmannschaft des Königreichs bezeichnete.

Trotzdem wurde auch die Spielweise kritisiert, dabei wurde jedoch nicht berücksichtigt, dass es in Serbien auf Vereinsebene noch keinen landesweit übergreifenden Wettbewerb gab, sowie die Tatsache, dass bei einem Teil der Öffentlichkeit und der Presse eine Wahrnehmung über die besten Vereine und Spieler der Region jener Periode fehlte, vor allem mit Berücksichtigung der Anzahl der Begegnungen und deren Ergebnisse. Letztendlich wurden die Dissidenten aus den Vereinen ausgeschlossen, was schließlich zur Entstehung des BSK führte. Auch wenn die Begegnung nur ein inoffizielles Freundschaftsspiel war, betrachtet es der Serbische Fußball-Bund als erstes Auftreten einer serbischen Nationalmannschaft, auch wenn es keine aus den besten serbischen Spielern zusammengesetzte Auswahlmannschaft war.

1911–1930: Uruguay, Montevideo, Estadio Centenario mini|Die jugoslawische Nationalmannschaft bei der WM 1930 Mit der Bildung des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen 1918 bzw. des Königreichs Jugoslawien 1929 wurde Serbien Teil des neuen Staates, so spielten serbische Spieler fortan mit den anderen Bevölkerungsgruppen der Monarchie in der jugoslawischen Nationalmannschaft, mit der sie an Welt- und Europameisterschaften (WM bzw. EM) sowie an Olympischen Spielen teilnahmen, die bis 1992 bestehen sollte. Bereits bei der ersten WM 1930 im uruguayischen Montevideo gelang mit dem Halbfinaleinzug einer der größten Erfolge der jugoslawischen Nationalmannschaft. Die Besonderheit dabei war jedoch, dass es im jugoslawischen Verband kurz vor Turnierbeginn zu Streitigkeiten zwischen serbischen und kroatischen Funktionären gekommen war, da der Verbandssitz von Zagreb in die Hauptstadt Belgrad verlegt wurde.Der Focus: Uruguay 1930 – Olympiasieger holt WM-Titel. Aus diesem Grund weigerte sich zunächst der Zagreber Regionalverband, der ohnehin gegen eine WM-Teilnahme war, die Meisterschaft wegen der WM zu unterbrechen bzw. zu verschieben. Dieser Weigerung schlossen sich kurz darauf weitere Verbände an, die schließlich die WM-Teilnahme boykottierten. So musste man vor allem auf begehrte kroatische Spieler verzichten, da ihnen von den Verbänden verboten wurde, für die Nationalmannschaft aufzulaufen.

mini|links|Spielszene mit Jakšić (links), Mihajlović (Mitte) und Teóphilo während der Begegnung gegen Brasilien

Dies führte dazu, dass 14 Spieler aus Serbien nominiert wurden. Zusätzlich wurden drei Legionäre nominiert, die in Frankreich aktiv waren. So erhielt das jugoslawische Aufgebot mit Ausnahme von Ivan Bek nur serbischstämmige Spieler, darunter die bekanntesten serbischen Spieler dieser Periode, Mittelfeldspieler Aleksandar Tirnanić und Angreifer Blagoje Marjanović.Die Frankfurter Rundschau: Franzose erzielt erstes WM-Tor. Dasselbe traf auch auf den Trainer- und Betreuerstab zu, der von Boško Simonović angeführt wurde. Beim ersten Spiel Jugoslawiens gegen das favorisierte Brasilien gelang mit dem 2:1-Sieg auf Anhieb eine Überraschung. Dabei erzielte Tirnanić das erste Tor der jugoslawischen WM-Geschichte. Nach einem Sieg über Bolivien kam man schließlich ins Halbfinale, wo man als letzter europäischer Vertreter gegen den zweifachen Olympiasieger und Gastgeber Uruguay im Estadio Centenario den Kürzeren zog.

Obwohl es sich hierbei um die jugoslawische Nationalmannschaft handelt, genießt dieser Auftritt in der serbischen Öffentlichkeit und beim serbischen Fußballverband aufgrund der hauptsächlich aus serbischen Spielern zusammengestellten Mannschaft eine Sonderstellung, da er als historischer Teil des serbischen Fußballs bzw. der serbischen Nationalmannschaft betrachtet wird. So wurde 2010 der serbische Film Montevideo, Taste of a Dream veröffentlicht, der auf dem Erfolg der Nationalmannschaft während der WM 1930 basiert, und die Anfänge des serbischen Fußballs sowie eine lyrische Geschichte über die Liebe zu diesem Sport jener Zeit darstellt, in dem vor allem Tirnanić und Marjanović vorkommen. Da der Film mehrere nationale und internationale Preise erhielt, wurde aufgrund des Erfolgs schließlich daraus eine Fernsehserie, die 2012 ihren Einstand hatte.

1930–1968: Teil des goldenen Zeitalters