mini|Wappen 6941st Gd Bn. Wahlspruch: On Guard! Das 6941st Guard Battalion in Berlin war eine von den US-Streitkräften während der Besatzung Berlins durch die alliierten Streitkräfte nach dem Zweiten Weltkrieg und während des Kalten Krieges aufgestellte paramilitärische Einheit, die in den Jahren von 1950 bis 1993 in der Hauptsache alle US-amerikanischen Einrichtungen im geteilten Berlin bewachte. Die Angehörigen dieser Einheit rekrutierten sich vorwiegend aus deutschen Staatsangehörigen und Angehörigen der NATO-Staaten.

Das 6941st Gd Bn war mit einigen verwaltungstechnischen Ausnahmen im Personal-, Ausbildungs- und Logistikbereich Bestandteil der CS-Organisation (Civilian Support Organisation) mit Hauptquartier in Heidelberg. Verglichen mit den CS-Einheiten West-Deutschlands war der Führungsstil der „Zivilangestellten“ des 6941st Gd Bn streng militärischen Richtlinien unterworfen. Da die meisten Männer der westdeutschen CS-Einheiten jedoch, im Gegensatz zu ihren Westberliner Kollegen, in der Bundeswehr gedient hatten, wurde diese Unterscheidung im Führungsstil nicht thematisiert.

Geschichte mini|Wappen CSG Gegründet wurde das 6941st Guard Battalion im September 1950 unter der Bezeichnung 6901st Labor Service Area. 1952, nach einer Reorganisation der Einheit, wurde daraus das 6941st Labor Service Center. 1969 erhielt das 6941st Gd Bn noch mit dem Zusatz „(LS)“ für Labor Service, der Anfang der 80er Jahre entfiel, seinen endgültigen Namen, entsprechend der militärischen Struktur und Mission.

Hervorgegangen war das 6941st Gd Bn aus von den US-Streitkräften in Berlin dienstverpflichteten deutschen Staatsangehörigen, die schon vor und während der „Berliner Luftbrücke“ Wirtschaftsgüter wie Baumaterial und Kohlen bewachten, zunächst als „Civillian Guards“ und später als „Industrial Police“.

Nach dem Fall der Berliner Mauer 1989 und dem darauf folgenden Rückzug der alliierten Streitkräfte aus Berlin entfiel die Aufgabengrundlage für das 6941st Gd Bn und wurde folgerichtig am 30. September 1993, fast drei Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands, aufgelöst.

Als ein Pendant des 6941st Guard Battalion galt die 248 German Security Unit im Britischen Sektor von Berlin.

Einheit und Stärke

mini|Unit Crest 6941st Gd Bn Das 6941st Gd Bn erreichte zu seinen besten Zeiten eine Stärke von ca. 850 „Zivilbeschäftigten“ und war in fünf Kompanien gegliedert die je aus vier Zügen bestanden. Die vier Wachkompanien (Guard Companies), 4012th Gd Co, 4014th Gd Co, 4077th Gd Co und die 4078th Gd Co versahen ihre Arbeit im Wach- und Sicherheitsdienst, die fünfte Kompanie, die HHC (Headquarters and Headquarters Company – Stab/Stabskompanie) war für die Verwaltung und Versorgung zuständig. Das 6941st Gd Bn rekrutierte und verwaltete seine „Zivilbeschäftigten“ über eine eigene Personalabteilung. Das Personalwesen wurde von der CPD (Civilian Personal Division) der US-Streitkräfte in Berlin und der Labor Services Agency (Führung und Verwaltung der Civilian Support Organisation) in Heidelberg überwacht und betreut. Aufgrund der strukturellen Ausrichtung verfügte das 6941st Gd Bn über eigene Transportmöglichkeiten mit angegliederten Werkstätten, eigener Versorgung zur 24-Stunden Verpflegung der Beschäftigten, einer eigenen Logistikabteilung zur Versorgung mit Ausrüstungs- und Verbrauchsmaterialien und einer eigenen Kommunikationsabteilung.

Der Dienst der „Zivilbeschäftigten“ wurde in Uniform, ähnlich älterer Uniformen der US-Streitkräfte, und mit aufgabengerechter Bewaffnung versehen. An der Uniform wurden der Berliner Bär, Einheitsabzeichen sowie Rangabzeichen, entsprechend den Diensträngen der US-Army, in geänderter Form, getragen. Die uniformierten „Zivilbeschäftigten“ des 6941st Gd Bn gehörten während der Besatzungszeit zum Berliner Stadtbild, wie die US-Soldaten selbst und wurden von der zivilen Bevölkerung gerne mit diesen gleichgesetzt, resp. verwechselt. Es war üblich, dass sich die „Zivilbeschäftigten“ mit ihren Diensträngen anredeten und Offiziersränge militärisch gegrüßt wurden. Offizieren gegenüber bestand Grußpflicht ebenso gegenüber der Fahne bei Fahnenappellen. Wegen dieser stark militärischen Ausrichtung nahm das 6941st Gd Bn innerhalb der CS-Organisation eine besondere Stellung ein.

Dies war möglich, da die Einschränkungen des NATO-Stationierungsabkommens (NATO-SOFA) für die Beschäftigung von nationalen Zivilpersonen in Berlin nicht galten. Die US-Truppen in Berlin waren nicht Bestandteil der NATO, sondern Besatzungstruppen als Folge des Zweiten Weltkrieges. Westdeutsche Einheiten waren den Restriktionen unterworfen, die zunächst so großzügig im Sinne einer militärischen Ausrichtung interpretiert wurden, dass auch diese Einheiten einen „strammen“ militärischen Eindruck machten. Bei einigen war dies auch beinahe unumgänglich und sinnvoll, da sie rein militärische Aufträge (Nebelwerfer, militärischer Brückenbau, Pionierwesen, Fernmeldewesen etc.) Hand in Hand mit US-Einheiten verrichteten. Im Verlauf der späten 70er und den 80er Jahren wurden die Einschränkungen jedoch weitgehend durchgesetzt, da die Aktivitäten aller Streitkräfte durch die erstarkende Friedensbewegung und eine kritische Presse (z. B. der Spiegel) kritisch beobachtet wurden.

Durch ständiges Training, Einsatzübungen, qualifizierte Ausbildung und ständige Überwachung der Vorschriften und Standards galt das 6941st Gd Bn als besonders gut ausgebildet und qualifiziert für seinen Dienst. Besonders stolz waren die Führungen des 6941st Gd Bn auf die Tatsache, dass es in der 43-jährigen Geschichte der Einheit nicht ein einziges Mal zu einem Schusswaffeneinsatz gegen potentielle Angreifer auf US-Einrichtungen gekommen ist und somit die Professionalität in der Erfüllung des Dienstes dieser Einheit zum Ausdruck gebracht werden konnte.

Abzeichen

Zusätzlich zum auf der linken Schulter getragenen CS-Patch (Civilian Support Abzeichen), dem sog. Cognac Patch, wegen der drei Sterne, wurde auf der rechten Schulter das Unit-Patch (Einheitsabzeichen) der jeweiligen Civilian Support Group (Sub-Unit) geführt, im Fall des 6941st Gd Bn, das Wappen mit dem Berliner Bären.

Von dem CS-Patch gab es im Laufe der Jahre einige Variationen. Es kamen Formen mit geschweifter Oberkante vor, und anstatt der Sterne gab es Varianten mit dem Schriftzug „German“ sowie für das 6941st Gd Bn Varianten mit dem Schriftzug „Berlin“ und in Camouflage (Tarnausführung – grün/schwarz). Verwendet wurden die jeweils aktuellen Einheitsabzeichen entsprechend der getragenen Uniform, Class A (Büropersonal, Innendienst etc.) in den frühen Jahren khaki und Variationen von blau-grau, später verschiedene Varianten von blau/grau, Class C (Wachpersonal, Arbeitspersonal, Außendienst etc.) in den ganz frühen Jahren schwarzes Drillich, daher auch der sprachgebräuchliche Name „Schwarze Garde“ oder „Black Guards“, später verschiedene Varianten von Drillich, auch Drillich „hot weather“ (US-Vietnam-Uniform). Während die anderen Civilian Support Groups ihre eigenen Einheitsabzeichen in unterschiedlichen Variationen auch auf der Class C Uniform trugen, wurde in Berlin nur das CS-Patch getragen.

Persönliche Auszeichnungen und Abzeichen

Individuelle Auszeichnungen erhielten die Angehörigen des 6941st Gd Bn für gute dienstliche Leistungen und Führung mit dem „Commemorative Badge“ (sichtbar zur Uniform geführt) als Dienstauszeichnung, nach 3, 5, 10, 15, 20, 25, 30, 35 und 40 Jahren. Die CS-Kommandeure waren berechtigt, diese Auszeichnung als Ehrenauszeichnung auch an US-Army Angehörige zu verleihen. Verliehen wurde die Grundauszeichnung, manchmal mit einem Eichenlaub.

Neben dieser sichtbaren Auszeichnung konnten die Angehörigen auch für besonders gute Leistungen über einen Zeitraum von mindestens 12 Monaten mit dem „Sustained Superior Performance“ Award ausgezeichnet werden. Sie bestand aus einer Urkunde und einer Geldprämie.

Darüber hinaus gab es die Auszeichnung zum „Guard of the Month“ (sichtbar zur Uniform geführt während des Monats der Auswahl).

Vereinzelt wurden an CS-Angehörige auch zivile amerikanische Orden vergeben, die dann als Ordensband an der Class A Uniform getragen werden konnten.

Deutsche Orden und Ehrenzeichen konnten nach vorheriger Genehmigung durch die Civilian Support Agency getragen werden. Andere Abzeichen, wie das Deutsche Sportabzeichen oder Auszeichnungen der DLRG konnten nach Nachweis der Berechtigung getragen werden.

Ebenso gab es die auch in der US-Army üblichen Abzeichen für Kraftfahrer, „Drivers Badge“, und die Abzeichen für Schießfertigkeiten mit dem Gewehr und der Pistole, „Marksman Badge“, „Sharpshooter Badge“ und „Expert Badge“ (sichtbar zur Uniform geführt).

Einheitsauszeichnungen Zu den Auszeichnungen, die das 6941st Gd Bn als Einheitauszeichnungen erhielt, gehörten unter anderem das „USAREUR Sword of Freedom Award for Maintenance Excellence“ und das „USAREUR Sword of Freedom Award for Supply Excellence“.

Dienstgrade

Offiziere Lieutenant ColonelLTC MajorMAJ CaptainCPT First Lieutenant1LT Second Lieutenant2LTSGO-5/ZB-10SGO-4/ZB-9SGO-3/ZB-8SGO-2/ZB-7SGO-1/ZB-7 75px 75px 75px 75px 75px

Stabsunteroffiziere Sergeant MajorSGM Master SergeantMSG Sergeant First ClassSFCSG-8/ZB-6SG-7/ZB-6 und ZA-7/*SG-6/ZB-5 und ZA-6/*75px75px75px

Unteroffiziere SergeantSGT CorporalCPLSG-5/ZB-4 und ZA-5/*SG-4/ZB-3 und ZA-4/*75px75px

Mannschaften Private First ClassPFC PrivatePVTSG-3/ZB-2 und ZA-3/*SG-2/ZA-2/*75px Kein Abzeichen

Legende SG – Security Guard (Dienstgrad – 2 = Private (1 = Recruit n/a Berlin) bis 8 = Sergeant Major) SGO – Security Guard Officer (Dienstgrad – 1 = Second Lieutenant bis 5 = Lieutenant Colonel (11 = Colonel n/a Berlin)) ZA – Zivilbeschäftigter, Arbeiter (Bezahlungsgruppe – 2 bis 7, plus Lohnstufe (*) 2 bis L) ZB – Zivilbeschäftigter, Angestellter (Bezahlungsgruppe – 1 bis 6)

Die hier genannten Dienstgrade und Bezahlungsgruppen mit ihren Stufen betreffen ausschließlich das 6941st Guard Battalion in Berlin, da es wegen des Viermächteabkommens und der daraus resultierenden unterschiedlichen deutschen Zahlstellen (Landesamt für Besatzungslasten in Berlin und Landesämter für Verteidigungslasten in den alten Bundesländern) abweichende Regelungen zu anderen CSG Einheiten in der Bundesrepublik Deutschland gab.

Die Dienstgrade und die Dienstgradabzeichen der US-Civilian Support Groups in Deutschland waren stark an die der US-Army angelehnt.

Die Dienstgrade dienten zum einen der Identifikation gegenüber Militärangehörigen. In der CS-Organisation, also unter Zivilisten, war es aber auch üblich die Anrede Herr, resp. Frau zu verwenden. Beim 6941st Gd Bn, unter den besonderen rechtlichen Bedingungen in West-Berlin (NATO-SOFA nicht gültig), wurde jedoch auf eine militärisch korrekte Anrede geachtet, was die Grußpflicht gegenüber den Offizieren einschloss. Wegen des besonderen Status der 4-Mächte-Stadt Berlin und der Präsenz, resp. des Kontaktes zu den Soldaten der drei West-Mächte, war diese äußere Formwahrung durchaus angemessen.

Zu einer Beförderung erhielten die Kandidaten ab Ende der 70er Jahre das originale „Certificate of Promotion“ (Beförderungsurkunde) des Department of the Army, United States of America (DA).

Mission mini|Civilian Support Guard Badge mini|US-Soldat (Mitte) mit Security Guards des 6941st Gd Bn am Berliner Einkaufszentrum der US-Militärangehörigen „Truman Plaza“.