mini|Basilika und Kloster vom Tal aus gesehenmini|Basilika San Francesco – Stirnseite mini|Die Basilika San Francesco mit den Eingängen zur Unter- und Oberkirche mini|Die Oberkirche San Francesco
Die Basilika San Francesco ist eine Basilika in Assisi, Italien.Der Titel Basilika ist bei San Francesco eine kirchliche Rangbezeichnung und nicht zu verwechseln mit dem architektonischen Bautyp Basilika. San Francesco ist bautypologisch eine kreuzförmige Saalkirche mit Unter- und Oberkirche. Sie ist die Grablegungskirche des heiligen Franziskus von Assisi.
Die Basilika ist in Ober- und Unterkirche mit bedeutenden Malereien des Spätmittelalters, unter anderem des Giotto di Bondone, geschmückt. Sie wurde am 26. September 1997 bei einem Erdbeben schwerst beschädigt und mit enormem Aufwand wiederhergestellt.
Papst Benedikt XIV. erhob 1754 die Kirche zur Basilica maior.
Historischer Überblick Geschichte der Grablege Die Basilika San Francesco liegt am westlichen Ende der Ortschaft Assisi, direkt am Hang des Gebirgszuges Monte Subasio. Dieser etwas abseits gelegene Bereich war einstmals der Ort, wo Hinrichtungen stattgefunden hatten, im Volksmund auch Colle d’inferno (‚Höllenhügel‘) genannt. Hier wollte Franziskus begraben werden, in Erinnerung an Jesus, der ebenfalls an einer Hinrichtungsstätte (Golgota) außerhalb der Stadtmauer von Jerusalem den Tod fand.
Der hl. Franziskus, der schon am 3. Oktober 1226 in Portiunkula verstorben war, wurde zunächst in der Kirche San Giorgio (an der Stelle der heutigen Grabeskirche Santa Chiara für die heilige Klara) beigesetzt. Im Jahre 1230 war die Unterkirche soweit fertiggestellt, dass der Leichnam des Franziskus aus San Giorgio nach hier überführt werden konnte. Aus Angst vor Grabschändung und Reliquienhandel wurde jedoch die Beisetzung geheim gehalten und eine verborgene Felsengruft unter der Vierung angelegt. Erst bei Ausgrabungen im Jahre 1818 wurde sie genau unter dem Altar der Unterkirche wiederentdeckt, freigelegt und zugänglich gemacht. Heute ist diese Stelle ein viel besuchter Wallfahrtsort.
Baugeschichte mini|hochkant=0.8|Grab des hl. Franziskus in der Krypta
Mit dem Bau der Basilika wurde im Juli 1228 begonnen, im Jahr der Heiligsprechung von Franziskus durch Papst Gregor IX., der den Bau der Grabeskirche des Heiligen angeregt hatte und am 17. Juli 1228 selbst den Grundstein legte. Der Kirchen-Komplex der Basilica San Francesco ist als Doppelkirche ausgeführt, mit der Oberkirche Basilica Superiore und einer Etage tiefer der Unterkirche Basilica Inferiore. Ob die Kirche mit Ober- und Unterkirche bereits von Anfang an so geplant war, oder ob sie einer Planänderung während des Baues oder gar in zeitlich unterschiedlichen Bauphasen errichtet wurde, wird in der Literatur noch diskutiert. Untrennbar mit diesen Kirchen verbunden ist das benachbarte Kloster, genannt Sacro Convento, das Mutterhaus aller Franziskanerklöster.
Die Idee zu diesem Komplex mit Unter- und Oberkirche wird auf Bruder Elias von Assisi zurückgeführt, der zunächst Generalvikar und ab 1232 Generalminister des Franziskanerordens war. Ihm oblag bis 1239 die Bauleitung.
In der Basilika San Francesco dokumentiert sich exemplarisch der Wechsel im Baustil von romanisch zu gotisch, der sich regional sehr unterschiedlich von der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts bis etwa Mitte des 13. Jahrhunderts hinzog. Die Unterkirche ist noch im romanischen Stil errichtet, während die Oberkirche bereits im gotischen Stil erbaut ist. Sie gilt als Gründungsbau der Bettelordensarchitektur (oder Bettelordensgotik) und ist die erste speziell für diesen Orden gebaute Kirche.Achim Todenhöfer: Apostolisches Ideal im sozialen Kontext. Zur Genese der Bettelordensarchitektur im 13. Jahrhundert. In: Marburger Jahrbuch für Kunstwissenschaft, 34 (2007), S. 43–75, hier S. 47. Als Wallfahrtskirche mit ordensinternem Sonderstatus (caput mater) wurde der Bautyp von San Francesco (doppelgeschossige Saalkirche mit Querschiff) nur sehr selten in der Bettelordensarchitektur aufgegriffen. Wichtigstes und bekanntestes Beispiel ist Santa Chiara in Assisi; bereits hier ohne Unterkirche, nur mit kleiner Grablege für die heilige Klara.Mit Grablege ist nicht die Krypta des 19. Jahrhunderts gemeint, sondern ein schlichter mittelalterlicher Vorgänger. Allerdings verbreitete sich der Bautyp der schlichten Saalkirche in Folge fast flächendeckend in Europa als mittelalterlicher Gründungsbau zahlreicher Franziskanerkonvente.Achim Todenhöfer: Kirchen der Bettelorden. Die Baukunst der Dominikaner und Franziskaner in Sachsen-Anhalt. Berlin 2010, S. 229–235. Wie der Petersdom in Rom liegt sie am „falschen“ Stadtrand und musste gewestet werden, damit die Fassade der Stadt zugewandt ist.
An der Unterkirche wurde wahrscheinlich ab 1227 gebaut. Vermutlich erforderte der Bau aufgrund der Hanglage umfangreiche Erdarbeiten, die vor der Grundsteinlegung erfolgen mussten. Papst Gregor IX. legte dann am 17. Juli 1228 den Grundstein für die Kirche, einen Tag nach der Heiligsprechung des Franziskus. Die Nachricht von einer weitgehenden Fertigstellung im Jahr 1239 bezog sich wohl nur auf die Unterkirche. Angaben, dass möglicherweise bereits Unter- und Oberkirche in diesem Jahr fertiggestellt waren, sind zweifelhaft, weil die Baustile von Unter- und Oberkirche doch sehr unterschiedlich sind und eher auf eine Bauunterbrechung hindeuten, oder zumindest auf eine Planänderung. Die jetzige Form der Kirche entspricht wohl kaum einer einheitlichen Planung, obwohl in der Vergangenheit auch schon diese Meinung vertreten wurde.Beda Kleinschmidt: Die Basilika San Francesco in Assisi. Berlin 1915. Zit. nach FUSA, Nr. 14/15: Die offenbar durchgehend einheitliche Planung scheint dafür zu sprechen. Der Baubeginn der Oberkirche lag – nach Ansicht anderer Autoren – vielleicht nach 1239 oder nach 1244. Möglicherweise war die Ste-Chapelle in Paris vorbildlich für eine so malerisch ausgestaltete Kirche und auch für die Anlage einer Doppelkirche.
Nach einer neueren Vorstellung war zunächst nicht eine Doppelkirche geplant worden, sondern lediglich eine einfache Kirche (die Unterkirche) mit einem Spitzdach und einem offenen Dachstuhl. Das hieße, man hätte anfangs nicht an eine darauf aufsitzende Oberkirche gedacht, was aufgrund der Hanglage nicht verwunderlich wäre. Wäre sie nur als Krypta gedacht gewesen, hätte sie nicht die gleiche Größe wie die Oberkirche haben müssen. Die Einwölbung soll erst später erfolgt seinEngelbert Grau: Der heilige Franz von Assisi und die Gründung seines Ordens. In: Atanassiu, S. 94: in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts wurden die Strebebögen gebaut. Die Kirche selbst war zunächst als einfacher Saal mit offenem Dachstuhl gedacht. und um 1300 soll die Oberkirche hinzugekommen sein, die als Papstkapelle gedacht war. Bauherr war Papst Gregor IX. Der Vorstellung, dass zunächst nur eine einfache Kirche geplant war, widerspricht allerdings die Hanglange, denn die Kirche hätte den Vorplatz der Kirche gerade mal mit dem Dach überragt. Eine repräsentative Westfassade wäre kaum möglich gewesen, es sei denn, die (Unter-)Kirche hätte eine ungewöhnliche Höhe gehabt.
Vielleicht wurde die Oberkirche auch erst ab 1244 geplant oder stilistisch umgeplant, als in Paris die Sainte-Chapelle begonnen wurde, auch eine Doppelkirche, die möglicherweise das Vorbild für die Anlage in Assisi war. Die Kirchweihe der Basilica San Francesco fand 1253 für beide Teilkirchen zusammen statt.Klaus Zimmermanns: Umbrien. Köln 1987, S. 137 ‚Weihe’ heißt aber nicht, dass die Bauwerke auch tatsächlich fertig waren. ‚Weihe’ heißt lediglich, dass der Hauptaltar von einem hohen kirchlichen Würdenträger, wenn möglich dem Papst selbst, „geweiht“ wurde. Auf keinen Fall war damals das Freskenprogramm fertig.
Die ganze Anlage wurde im 15. Jahrhundert (1472–1474) von Papst Sixtus IV., der aus dem Franziskanerorden hervorgegangen war, umgestaltet und erweitert, was sich aber vor allem auf die Klostergebäude bezog. Das Grundkonzept für die Kirche blieb erhalten. (Die Renaissance-Vorhalle stammt von Francesco da Pietrasanta, 1487.) Und dieses Grundkonzept bestand – zumindest nach einer anderen Theorie – von Anfang an nicht nur aus den beiden Kirchenteilen, sondern auch aus einem umfassenden Bildprogramm, das von vorneherein feststand. Das ist vor allem daran zu erkennen, dass die Treppenanlagen von der Unter- zur Oberkirche hinauf kein einziges Fresko beeinträchtigen oder zerstört haben, was sie sicher getan hätten, wenn es keine vorherige Gesamtplanung inklusive der Malerei gegeben hätte.Harald Kümmerling: Praecedentia – Consequentia – Consequentia. Literatur, Malerei, Architektur, Musik aus franziskanischem Geist. In: FUSA, 14/15. 1984, S. 71:
mini|Seiteneingang zur Unterkirche mini|Das Maßwerk der Portalrosette als Rad mit gewundenen Säulchen und Einlegearbeiten mini|hochkant=0.8|Grabmal von Johann von Brienne, König von Jerusalem und Kaiser von Konstantinopel
Unterkirche Die Unterkirche betritt man durch den Seiteneingang in gotischem Stil (2. Hälfte des 13. Jahrhunderts) durch zwei Holztüren (umbrische Handwerkskunst des 16. Jahrhunderts). Gegenüberliegend sieht man ins Vestibül der Kapelle von Kardinal Egidio Albornoz, einem päpstlichen Legaten (von 1350 bis 1367). Die Kapelle ist der heiligen Katharina von Alexandrien geweiht. Die Fresken mit acht Episoden aus dem Leben der Heiligen wurden 1368–1369 von Andreas pictor de Bononia (Andrea genannt – wahrscheinlich Andrea de’ Bartoli (1349–1369), der Hofkünstler von Albornoz – und nicht, wie gewöhnlich fälschlicherweise angenommen, Andrea da Bologna) geschaffen. Die Heiligen in dieser Kapelle wurden von Pace di Bartolo d’Assisi (1344–1368) gemalt.
Auf der linken Seite befindet sich eine kleine Kapelle, die dem heiligen Sebastian geweiht ist, mit Gemälden, die Szenen aus dem Leben des Heiligen darstellen von G. Martelli. Auf der rechten Seite sind die Grabstätten von Giovanni de’ Cerchi sowie von Johann von Brienne, der König von Jerusalem und Kaiser von Konstantinopel war, zu sehen.
Die Unterkirche besteht aus einem Hauptschiff mit einigen Seitenkapellen. Das Hauptschiff ist mit den ältesten Fresken eines unbekannten Künstlers bemalt, den man „Meister des Heiligen Franziskus“ (Maestro di San Francesco) nannte. Sie stellen rechts Szenen aus der Passionsgeschichte Christi und links fünf Szenen aus dem Leben des hl. Franziskus dar. Die niedrige Decke ist blau mit Sternen ausgemalt.
Die Bilder an den unteren Wänden sind zerstört, nur Reste von Cimabues Jungfrau mit Kind und Engeln sind erkennbar.
Die erste Seitenkapelle links ist dem heiligen Martin von Tours geweiht. Sie wurde für Kardinal da Montefiore gebaut und wurde zwischen 1317 und 1319 mit zehn Fresken von Simone Martini ausgemalt, die Szenen aus dem Leben des Heiligen darstellen. Diese zählen zu den wichtigsten Arbeiten von Martini und bieten beste Beispiele für die Malerei des 14. Jahrhunderts.
Die zweite Seitenkapelle links ist dem hl. Petrus von Alcantara geweiht.
Die Seitenkapellen rechts sind folgenden Heiligen geweiht: dem hl. Ludwig von Toulouse und dem hl. Stephan I. mit Fresken von Dono Doni (1575) und gefärbten Glas von Simone Martini dem hl. Antonius von Padua mit Fresken von Cesare Sermei (1610) der hl. Maria Magdalena
Die Magdalenenkapelle, von Teobaldo Pontano (Bischof von Assisi von 1296 bis 1329) in Auftrag gegeben, ist mit Fresken aus der Werkstatt Giottos (um 1320) geschmückt (von Giorgio Vasari fälschlicherweise Puccio Capanna zugeschrieben). An den Seitenwänden sind Szenen aus dem Leben der Heiligen dargestellt (über dem Porträt von Teobaldo Pontano), außerdem stehen vorne Büsten von Christus, der Jungfrau Maria, Maria Magdalena und Lazarus.