mini|250px|Außenansicht der Stiftskirche St. Johann in Regensburg von Südwesten mini|250px|Innenraum mini|250px|Kapitelsgruft unter dem Langhaus mini|250px|Gedenktafel an die Funktion als Taufkirche des Regensburger Domes Die Stiftskirche St. Johann in Regensburg ist der geistliche Mittelpunkt des 1127 gegründeten Kollegiatstifts St. Johann. Sie ist den Heiligen Johannes dem Täufer (Gedenktag: 24. Juni) und Johannes dem Evangelisten (Gedenktag: 27. Dezember) geweiht. Das Gotteshaus befindet sich in unmittelbarer Nähe des Domes St. Peter am Krauterermarkt 5. Es liegt zwischen dem Domplatz im Süden und dem Bischofshof im Norden. Die Stiftskirche hatte im Laufe der Jahrhunderte eine wechselvolle Geschichte. Der ursprünglich ottonische Bau musste zugunsten einer Westerweiterung des Regensburger Domes abgetragen werden. So entstand, bereits an der Stelle der heutigen Kirche, ein gotischer Bau, der in den 1760er Jahren eine durchgreifende barocke Umgestaltung erfuhr. Nach einem Brand im Jahr 1887 wurde das Gotteshaus in neobarocken Formen wiederaufgebaut.
Geschichte
Vorgängerbauten Die Stiftskirche St. Johann geht in ihren Wurzeln auf einen nicht mehr genau zu lokalisierenden Bau zurück, der als Taufkirche des alten Regensburger Domes diente. Deshalb wird die in den Fuldaer Annalen bezeugte Taufe von vierzehn böhmischen Fürsten am Oktavtag des Epiphaniefestes im Jahr 845 hier verortet. Daran erinnert seit 1995 eine Gedenktafel an der nördlichen Außenmauer der Kirche.
Durch Ausgrabungen in den Jahren 1859 und 1924/25 wurde der Bau aufgefunden, der zu Beginn des 11. Jahrhunderts gleichzeitig mit dem an den karolingischen Dom angefügten Westquerhaus entstand und mit diesem durch eine Atrium verbunden war. Die erste bekannte Johanneskirche erstreckte sich quer zum Dom und war nach Süden ausgerichtet. Ihre Länge entsprach etwa der Breite des Domes. Bereits um die Mitte des 11. Jahrhunderts war St. Johann bereits nicht mehr Taufkirche, wie aus einer Stadtbeschreibung hervorgeht, sondern möglicherweise Dompfarrkirche, was allerdings nicht eindeutig nachgewiesen ist. Die großen Stadtbrände Regensburgs in den Jahren 1152 und 1176 dürften nicht nur den Dom, sondern auch die Stiftskirche in Mitleidenschaft gezogen haben.
Um 1220 wurde das Atrium zwischen Johanneskirche und Dom erneuert. In der 1984/85 angelegten Bischofsgruft unter dem Dom sind von diesem Bau noch ein gut erhaltener Freipfeiler und mehrere Wandpfeiler zu sehen. Im 13. und 14. Jahrhundert baute man an die Johanneskirche mehrere Seitenkapellen an. Beispielsweise ist an der Südseite der Stiftskirche eine Nikolauskapelle bezeugt, die als frühgotische Rechteckkapelle ausgeführt war. Da deren Fundamente im Jahr 1859 unter dem Südturm des heutigen Domes gefunden wurden, weiß man, dass sie die gleiche Breite wie Stiftskirche besaß und mit dieser über eine Türe verbunden war.
Abriss und Neubau der Stiftskirche im 14. Jahrhundert Dem bereits um die Mitte des 13. Jahrhunderts begonnenen Neubau des Domes, bei dem die Bischofskirche stark nach Westen erweitert wurde, mussten die Stiftsgebäude und auch die Stiftskirche weichen. Obwohl die Nikolauskapelle 1325 noch vom Abriss ausgenommen wurde, trug man sie bald darauf dennoch ab, da dem Stift 1341 eine Ausgleichszahlung dafür zuerkannt wurde. Dem heiligen Nikolaus wurde als „Ersatz“ ein Altar in der Stiftskirche geweiht. Um diese Zeit stand jedoch auch die Stiftskirche bereits dem weiteren Baufortschrittes zum Ausbau der Westfassade des Domes im Wege. Über mehrere Jahrzehnte widersetzte sich das Stift dem Abriss seiner Stiftskirche – auch da es zur damaligen Zeit großen Einfluss besaß. Bischof Konrad VI. von Regensburg schrieb beispielsweise im Jahr 1369, dass St. Johann „im Ansehen unseres Bistums die zweite Kirche“ sei. Am 2. Juli 1380 wurde dennoch der Abriss der alten Stiftskirche gegen Errichtung eines Neubaus mit fünf Altären innerhalb von zwölf Jahren vereinbart wurde.
Der gotische Neubau der Stiftskirche war vermutlich bereits 1381 im Wesentlichen fertiggestellt. Dieser befand sich bereits an der Stelle der heutigen Kirche und war wie diese nach Osten ausgerichtet. Es handelte sich um eine zweischiffige Hallenkirche mit Flachdecke, deren südliches Seitenschiff im oberen Geschoss das Stiftsarchiv und den Kapitelsaal enthielt. Der Chor dieses Seitenschiffs diente wohl als Marienkapelle. An das nördliche Hauptschiff schloss sich das einschiffige Presbyterium an, über dem später der heutige Sakristeitrakt errichtet wurde. Die damalige Sakristei war nördlich in Richtung des Bischofshofes angebaut. Westlich davon erhebt sich der mächtige, quadratische Turm, der in der Barockzeit mit einer für Regensburg typischen Laterne bekrönt wurde. Wie am Turm sind auch an der Nordfassade noch Bruchsteinmauern aus dieser Bauphase erhalten.
Umgestaltung im Zeitalter der Renaissance und des Barock Im Jahr 1511 erhielt die Stiftskirche neue Figuren in einem Maß, das weit über die Vereinbarung von 1380 hinausging. 1538 baute Friedrich Pfannmüller aus Hirschau bei Amberg die bereits vorhandene Orgel um. 1628 erhielt der Turm eine Uhr mit einem Vierwochengangwerk, das sich bis heute in Betrieb befindet. Im gleichen Jahr goss Ulrich Deugner aus Regensburg zwei neue Glocken für die Stiftskirche, da im Jahr 1616 zwei Glocken wegen Dissonanz abgegeben worden waren. Laut einer Inschrift wurde um 1630 ein neues Altarretabel geschaffen, in das das spätgotische Tafelbild der „Schönen Maria“ von Albrecht Altdorfer aus der Zeit um 1520 eingesetzt wurde. Dieses befindet sich heute als Leihgabe im Diözesanmuseum in der nahe gelegenen Ulrichskirche. Außerdem wurde um 1630 unter dem damaligen Chor eine Gruft angelegt, die allerdings nie vom Kollegiatstift St. Johann genutzt wurde, sondern bis heute unter der Verwaltung des Bischofshofes steht. Zu dieser Zeit war die Stiftskirche von niedrigen Ladenbauten umgeben und durch eine Mauer, die bis ins 20. Jahrhundert bestand, mit dem Nordturm des Domes verbunden. Rund 100 Jahre später, also um 1730, erhielt die Stiftskirche eine neue Orgel, deren barocker Prospekt bis heute erhalten ist. Sie stammt wohl von Johann Konrad Brandenstein aus Stadtamhof. Deren Für das Jahr 1737 sind Ausbesserungsarbeiten am Dach und an den Altären überliefert. 1758 schuf der Regensburger Bildhauer Simon Sorg ein Heiliges Grab für die Stiftskirche, das nicht erhalten ist.
mini|200px|Heutiger Hochaltar mit dem Gemälde der Taufe Christi von Johann Nepomuk Schöpf (1769) Von 1766 bis 1769 wurde die Stiftskirche durchgreifend umgebaut. Der gotische Bau wurde bis auf die Grundmauern niedergelegt. Die beiden Schiffe vereinigte man zu einem großen, einheitlichen Saal mit Flachdecke. Die Westfassade wurde dabei symmetrisch gestaltet, allerdings noch ohne den Ziergiebel. Der gotische Chor wurde durch eine Mauer abgetrennt und durch einen Zwischenboden zweigeschossig umgestaltet. Im unteren Stockwerk befindet sich seither die Sakristei; oben wurde der neue Kapitelsaal eingerichtet. Die 1698 wiederentdeckte Gruft auf der Westseite der Kirche wurde nun wieder für Bestattungen der Kanoniker geöffnet. Während auf eine Stuckierung verzichtet wurde, schuf der kurfürstlich-bayerische Hofmaler Johann Nepomuk Schöpf im Jahr 1768 zusammen mit seinen Gesellen drei prachtvolle Deckenfresken: die Enthauptung Johannes des Täufers, die Gründung und Erbauung der Stiftskirche St. Johann sowie Jakobs Traum. Außerdem schuf Schöpfs Werkstatt einige Wandgemälde, die zum Beispiel die Personifikation von Tugenden darstellten. Die Gemälde sind nicht erhalten.
Im Zuge des Totalumbaus wurde auch die Ausstattung teilweise erneuert. Das Altarblatt der Taufe Jesu für den neuen Hochaltar, das noch erhalten ist, stammt ebenfalls von Schöpf und entstand im Jahr 1769. Außerdem wurden am 22. Oktober 1769 durch den Regensburger Weihbischof drei Seitenaltäre zu Ehren der „Schönen Maria“, der Anna selbdritt und des heiligen Sebastian konsekriert. Auch das kunstvoll verzierte Chorgestühl, das wie verschiedene andere Bildhauerarbeiten von Johann Valentin Dirr aus Stadtamhof und Johann Ignaz Andres aus Obermünster ausgeführt wurde, stammt aus dieser Zeit. Außerdem verbrachte 1769 Michael Herberger aus Stadtamhof die Orgel seines Schwiegervaters Johann Konrad Brandenstein auf die neu erbaute Westempore der Stiftskirche.
Restaurierung, Brand und Wiederaufbau im 19. Jahrhundert Im Jahr 1835 wurden die drei Seitenaltarblätter restauriert. Von 1874 bis 1878 erfolgte eine mehrjährige Außen- und Innenrenovierung, bei der unter anderem die Wand- und Deckengemälde Schöpfs durch den Münchner Historienmaler Leopold Weinmayer wieder in ihren Originalzustand versetzt wurden. Außerdem schuf der Regensburger Schreiner Johann Kohlhaupt nach einem Entwurf des Landshuter Bildhauers Paul Weiß einen neuen Hochaltar und einen Kreuzaltar im Stile der Neorenaissance. Die Fassung der neuen Altäre besorgten die Gebrüder Goß, Maler und Vergolder aus Stadtamhof. Im Jahr 1882 erhielt die Kirche schließlich ein neues Orgelwerk von Johann Anton Breil.
Am 24. Juni 1887 brach im nördlich gelegenen Bischofshof ein Brand aus, der rasch auf die Stiftskirche übergriff und die Anstrengungen der kürzlich abgeschlossenen Renovierung weitgehend zunichtemachte. Der Turm brannte aus, Dachstuhl und Flachdecke wurden zerstört und die Orgel in Mitleidenschaft gezogen. In der Folge wurde im Zusammenhang mit anderen Abbruchmaßnahmen auf dem südlichen Domplatz sogar der Abriss der Stiftskirche zugunsten einer freieren Sicht auf die Westfassade des Doms mit ihren kürzlich fertiggestellten Türmen erwogen. Stattdessen beauftragte man 1888 den Architekten Bruno Specht mit dem Wiederaufbau. Während der Turm im alten Zustand wiederaufgebaut wurde, erfuhr der Kirchenraum einige Veränderungen und zeigt seither einen deutlichen neobarocken Einfluss. Beispielsweise wurde die Flachdecke im Innenraum durch eine Flachtonne mit Stichkappen ersetzt. Der Westfassade wurde ein Schaugiebel aufgesetzt, der eine Statue Johannes’ des Täufers des Stadtamhofer Bildhauers Friedrich Preckel enthält. Am 23. Juni 1890 wurde die Stiftskirche neu geweiht.
20. und 21. Jahrhundert Die nächste Renovierungsmaßnahme wurde von 1926 bis 1931 durchgeführt. Dabei wurden Außenbau und Innenraum instand gesetzt, eine Heizung eingebaut und alle sechs Altäre restauriert. Auch eine Ausmalung des Gewölbes war angedacht, wurde jedoch nicht umgesetzt. In den Jahren 1957 bis 1959 erfolgte eine weitere Innenrenovierung. Dabei wurden Teile der Ausstattung, insbesondere Hochaltar und Kreuzaltar, purifiziert. Außerdem verschenkte man die unbrauchbar gewordenen Glocken aus dem 14. Jahrhundert zum Umguss an die Kirche St. Anna im Regensburger Stadtteil Großprüfening.
Im Jahr 1975 erfolgte eine Außenrenovierung, bevor 1976/77 konservatorische Arbeiten im Kircheninneren durch die Firma Hugo Preis aus Parsberg unter Aufsicht des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege durchgeführt wurden. Dabei konnten die in Vergessenheit geratenen Wandfresken Schöpfs zum Teil freigelegt werden. Außerdem wurde im Obergeschoss der Sakristei eine Hauskapelle für die Kanoniker eingerichtet, die mit ehemaligen Seitenaltären der Stiftskirche ausgestattet wurde. Die Arbeiten waren pünktlich zum 850-jährigen Stiftsjubiläum im Jahr 1977 abgeschlossen. Im Jahr 1992 wurde in der Laterne des Turmes ein Glockenspiel mit 84 Melodien eingebaut, das seither viermal täglich ertönt. 1996 erfolgte die vorerst letzte Renovierungsmaßnahme. Dabei erhielt der Innenraum durch eine neue Farbgestaltung ein etwas freundlicheres Aussehen.
Im Jahr 2015 stiftete die Deutsche Hospitalité Notre Dame de Lourdes eine Blutreliquie des heiliggesprochenen Papstes Johannes Paul II.
Architektur mini|200px|Westfassade, im Hintergrund der Nordturm des Domes mini|200px|Südportal mit Wappen des Kollegiatstifts St. Johann
Städtebauliche Einbettung