Aserbaidschan (, amtlich Republik Aserbaidschan, aserbaidschanisch Azərbaycan Respublikası) ist ein Staat in Vorderasien mit über 10 Millionen Einwohnern. Je nach Definition liegt ein kleiner Teil des Gebiets in Europa.

Zwischen Kaspischem Meer und Kaukasus gelegen, grenzt er im Norden an Russland, im Nordwesten an Georgien, im Westen an Armenien, im Südwesten (über die Exklave Nachitschewan, die vom aserbaidschanischen Kernland durch einen armenischen Gebietsstreifen getrennt ist) an die Türkei und im Süden an Iran; außerdem verlaufen über dem Kaspischen Meer die Grenzen zu Turkmenistan im Osten und Kasachstan im Nordosten.

Hauptstadt und mit rund 2,2 Millionen Einwohnern größte Stadt Aserbaidschans ist Baku (), eine bedeutende Hafenstadt am Kaspischen Meer. Weitere wichtige Städte sind Sumqayıt, Gəncə und Lankaran. Mehr als 89 Prozent der Bevölkerung sind schiitische Muslime.

„Aserbaidschan“ bezeichnete ursprünglich die weiter südlich gelegene iranische Region Aserbaidschan, während das heutige Staatsgebiet Arrān und Albania hieß. Als das Russische Kaiserreich zerfiel, wurde am 28. Mai 1918 die unabhängige Demokratische Republik Aserbaidschan ausgerufen. Nach nur zwei Jahren fiel das Land mit Gründung der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik wieder unter die Herrschaft Sowjetrusslands und wurde 1922 Teil der Sowjetunion. 1991 wurde Aserbaidschan wieder unabhängig. Mit dem Nachbarland Armenien bestand bis 2024 ein bewaffneter Konflikt um die Region Bergkarabach.

Bis heute wird das Land autoritär regiert: Es kommt regelmäßig zu schwerwiegenden Verletzungen der Menschenrechte, Frauen und Minderheiten werden in Aserbaidschan unterdrückt, die Meinungsfreiheit ist stark eingeschränkt und Regierungskritiker werden verfolgt und inhaftiert.

Aserbaidschan verfügt über bedeutende Ölreserven – ein rasanter Wirtschaftsaufschwung hat es seit 2000 zu einem Land mittleren Einkommens gemacht. Außerdem ist Aserbaidschan einer von sechs unabhängigen Turkstaaten und aktives Mitglied der Organisation der Turkstaaten sowie der TÜRKSOY-Gemeinschaft.

Geographie mini|hochkant=2|alt=Topografische Karte Aserbaidschans|Topografie Aserbaidschans und des Nachbarlands Armenien Aserbaidschan liegt größtenteils im Kaukasus und grenzt an Russland (Dagestan), Georgien (Niederkartlien und Kachetien), Armenien und Iran. Die Gesamtfläche des Landes beträgt 86.600 km². In der Autonomen Republik Nachitschewan, die eine Exklave darstellt, hat Aserbaidschan eine 17 Kilometer lange Grenze mit der Türkei. Das Staatsgebiet mit einer Fläche von 86.600 km² erstreckt sich von 44 bis 52 Grad östlicher Länge und von 38 bis 42 Grad nördlicher Breite. Davon nimmt die Autonome Republik Nachitschewan 5500 Quadratkilometer ein.

Landschaft mini|Großer Kaukasus Aserbaidschan hat Anteil am Kaspischen Kaukasus. Im Süden des Landes befindet sich der Kleine Kaukasus. An der Grenze zu Iran erhebt sich das Talysch-Gebirge. Der höchste Berg ist der zum Großen Kaukasus gehörende Bazardüzü mit 4466 Metern unmittelbar an der Grenze zu Russland. Größter See ist der Sarısu mit 67 km². Die Kura (aserbaidschanisch Kür), die im Mingetschaur-Stausee zum größten künstlichen Binnensee des Landes aufgestaut wird, mündet nach 1364 Kilometern Länge in das Kaspische Meer. Der Aras bildet die Grenze zu Iran. Zum Staatsgebiet gehören auch die Inseln Pirallahı und Cilov im Kaspischen Meer. Auf der Halbinsel Abşeron gibt es mehrere Ölfelder.

Das Land ist zu 50 % von Ackerland, zu 12 % von Wald und zu 2 % von Wasser bedeckt.

Tierwelt Etwa 18.000 Tierarten – darunter 102 Säugetierarten – leben in Aserbaidschan, so zum Beispiel Braunbären, Wölfe, Wildschweine, Hirsche, Gazellen, Goldschakale, Eurasische Luchse, Leoparden und Streifenhyänen, aber auch Reptilien und Nagetiere. Die Spinnenfauna Aserbaidschans ist gut untersucht – bisher sind hier 717 Arten nachgewiesen worden (Stand 2019).Endemic Species of the Caucasus.

Klima

Am Rande der gemäßigten und subtropischen Klimazonen gelegen weist das Klima Aserbaidschans reliefbedingt erhebliche Unterschiede auf. In der Kura-Aras-Niederung und Abşeron-Halbinsel herrscht semiarides Halbwüsten- und Steppenklima mit 200–300 mm Niederschlag jährlich vor. In den südlichen Küstengebieten dagegen findet sich feucht-subtropisches Ostseitenklima mit im äußersten Süden erheblichen Niederschlagsmengen (1800 mm, überwiegend im Winterhalbjahr). Im Gebirge herrscht Gebirgsklima mit ebenfalls hohen Niederschlägen (1500 mm). Die durchschnittliche Jahrestemperatur beträgt 13,1 °C.

Städte Im Jahr 2023 lebten 58 Prozent der Einwohner Aserbaidschans in Städten. Die größten Städte des Landes sind:

Baku: 2.303.100 Einwohner Sumqayıt: 346.800 Einwohner Gəncə: 335.800 Einwohner Mingəçevir: 106.600 Einwohner Xırdalan: 101.500 Einwohner Naxçıvan: 95.600 Einwohner Şirvan: 88.200 Einwohner

Bevölkerung Demografie

Aserbaidschan hatte 2025 10,56 Millionen Einwohner. Die Einwohnerzahl blieb nahezu konstant. Trotz eines Geburtenüberschusses (Geburtenziffer 2022: 12,1 pro 1000 Einwohner vs. Sterbeziffer: 6,0 pro 1000 Einwohner) blieb die Bevölkerung durch Auswanderung gleich. Die Anzahl der Geburten pro Frau lag 2022 statistisch bei 1,7, die der Region Europa und Zentralasien betrug 1,7. Die Lebenserwartung der Einwohner Aserbaidschans ab der Geburt lag 2025 bei Frauen 79 und bei Männern 74 Jahre. Der Median des Alters der Bevölkerung lag im Jahr 2025 bei 34,3 Jahren. Im Jahr 2025 waren 22,3 Prozent der Bevölkerung unter 15 Jahre, während der Anteil der über 64-Jährigen 9 Prozent der Bevölkerung betrug.

Bevölkerungsstruktur und Migration mini|Volksgruppen in Aserbaidschan (1994–2020, nach dem Ersten Bergkarabachkrieg und vor dem Zweiten Bergkarabachkrieg). 91,6 % oder 8.172.809 Personen der Bevölkerung betrachteten sich bei der Volkszählung 2009 als Aserbaidschaner. Den restlichen Anteil bildeten die 180.300 Lesgier (2,02 %), 120.306 Armenier (1,35 %), 119.307 Russen (1,34 %), 111.996 Talyschen (1,26 %), 49.838 Awaren (0,56 %), 37.975 Türken (0,43 %), 25.911 Tataren (0,29 %), 25.218 Taten (0,28 %), 21.509 Ukrainer (0,24 %), 12.289 Zachuren (0,14 %), 9912 Georgier (0,11 %), 9084 Juden (0,1 %), 6065 Kurden (0,07 %) und 3821 Udinen (0,04 %). Andere Minderheiten sind die Mescheten (ca. 106.000), Grizen (ostkaukasische Sprache; ca. 4400) und Chinalugen (ostkaukasische Sprache; ca. 2200). Die seit dem 19. Jahrhundert in der Region lebenden Kaukasiendeutschen wurden während des Zweiten Weltkrieges zumeist deportiert. Die hauptsächlich aus dem Königreich Württemberg stammenden landlosen Bauern (Schwaben) waren auf Initiative des russischen Zaren Alexander I. im westlichen Teil Aserbaidschans angesiedelt worden und gründeten dort mehrere Kolonien, darunter Helenendorf, Annenfeld, Georgsfeld, Traubenfeld und Eigenfeld. Bis zu ihrer Deportation lebten Schätzungen zufolge bis zu 20.000 Deutsche in Aserbaidschan.

Zwischen 12 und 15 Millionen Aserbaidschaner leben in Iran, bis zu 16 % der Bevölkerung Irans. Damit gibt es mehr Aserbaidschaner in Iran als in Aserbaidschan selbst, die meisten davon im Nordwesten des Landes. Aserbaidschaner betrachten sich ethnisch, sprachlich und kulturell mit den Türken verwandt.

Infolge des Bergkarabachkonflikts und der seit 1993 andauernden armenischen Besetzung dieser Gebiete leben 600.000 bis 700.000 Aserbaidschaner (Stand 2003) als Flüchtlinge in Aserbaidschan unter schlechten Lebensbedingungen.

Die intern Vertriebenen aus der Bergkarabach-Region bedeuten einen finanziellen Aufwand für Aserbaidschan. 2005 hat das World Food Programme der Vereinten Nationen die Ernährungssicherheit von über 90 % der Binnenvertriebenen in Aserbaidschan als „food insecure“ bezeichnet. Laut Regierungsaussagen belaufen sich die Ausgaben für die intern Vertriebenen auf jährlich 3 % des Gesamtbudgets des Landes.

Sprachen

Staats- und Amtssprache ist seit Ende der Sowjetunion ausschließlich die aserbaidschanische Sprache (Eigenbezeichnung Azərbaycan dili/türkçesi), die – nach unterschiedlichen Schätzungen, einschließlich der Sprecher in Iran – etwa 20 bis 32 Millionen Muttersprachler hat. Die Sprache wurde bis zum Jahr 1937 als Türkisch (Eigenbezeichnung: Türk dili) bezeichnet; nach dem Jahr 1937 wurde die Sprache als ein Teil der Stalinpolitik in Aserbaidschanisch umbenannt. Aserbaidschanisch gehört zu den Turksprachen und weist große Ähnlichkeiten mit der türkischen Sprache auf. Seit Dezember 1992 wird Aserbaidschanisch – in Anlehnung an das Türkische – in lateinischer Schrift geschrieben, zuvor wurde das kyrillische Alphabet benutzt.

Bis 1991 war Russisch ebenfalls Amtssprache. Seit der Unabhängigkeit nahm dessen Bedeutung jedoch ab; es spielt aber noch immer eine große Rolle im täglichen Leben und wird von vielen Schülern ab der ersten Klasse gelernt.news.az: Russisch dient außerdem als Sprache zur interethnischen Kommunikation. Trotzdem lernen daneben mehr und mehr junge Aserbaidschaner auch Englisch. Viele Schüler bekunden zudem Interesse an weiteren Fremdsprachen, unter anderem Deutsch, Französisch und insbesondere (Türkei-)Türkisch.

Außerdem werden in Aserbaidschan noch 14 Minderheitensprachen aus vier verschiedenen Sprachfamilien gesprochen, darunter etwa Georgisch oder Awarisch.Languages of Azerbaijan Armenisch, das vor dem Krieg um Bergkarabach von 70 % der dortigen Bevölkerung und von Minderheiten in vielen anderen Regionen Aserbaidschans, insbesondere in Städten, gesprochen wurde, ist praktisch nur noch im Gebiet Bergkarabach anzutreffen, dort aber nunmehr zu nahezu 100 %.

Religionen Islam mini|Bibi-Heybat-Moschee Vorherrschende Religion ist der schiitische Islam, der im 8. Jahrhundert von arabischen Eroberern verbreitet wurde. Aserbaidschan ist neben Iran, dem Irak und Bahrain eines der wenigen Länder mit schiitischer Bevölkerungsmehrheit: Etwa 85 % der muslimischen Aserbaidschaner sind nach einer Schätzung von 1992 Schiiten, 15 % Sunniten,Administrative Department of the President of the Republic of Azerbaijan – Presidential Library – Religion. Baku, 20. August 1992. nach einer Schätzung von 2011 sind es 65 % Schiiten und 35 % Sunniten.2021 Report on International Religious Freedom: Azerbaijan. US Department of State, 2. Juni 2022

Viele Aserbaidschaner wurden während der Sowjetherrschaft säkularisiert. 1917 gab es in Aserbaidschan noch 3000 funktionierende Moscheen. Ab 1920 verstärkten sich die antireligiösen Kampagnen. Im Dezember 1928 übergab das Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Aserbaidschans viele Moscheen, Kirchen und Synagogen in Besitz der Bildungsvereine für weltliche Zwecke, so dass 1933 die Zahl aktiver Moscheen auf 17 gesunken war. Daher bezeichnen sich nur etwa 10 % als regelmäßig praktizierende Muslime. Die meisten Aserbaidschaner praktizieren den Islam nur an hohen Feiertagen wie dem Ramadan.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion erlebte der Islam aber eine Wiedergeburt. Immer mehr Menschen wandten sich dem Islam wieder zu.Vgl. Sattarov: Islam, State, and Society in Independent Azerbaijan. 2009, S. 285–286. Besonders im Süden des Landes entsteht seit einigen Jahren durch iranischen Einfluss eine orthodoxere Form des Islams. 1991 wurden erste politische Organisationen mit islamischem Charakter in Aserbaidschan gegründet. Hierzu gehören die Islamische Partei Aserbaidschans, die Aserbaidschanische Partei für islamischen Fortschritt und die Organisation Azad Ruhaniler.Vgl. Göyüşov/Äskärov: Islam and Islamic education in Soviet and independent Azerbaijan. 2010, S. 200. Anschließend wurden unter den aktualisierten laizistischen Gesetzen Aserbaidschans im Jahr 1995 die Islamische Partei Aserbaidschans, die Aserbaidschanische Partei für islamischen Fortschritt und andere islamische Parteien und Organisationen verboten. Auch die (Neu-)Gründung religiöser Parteien wurde gesetzlich verboten.

Judentum