mini|Agostino Marchetto (2016) mini|hochkant|Kardinalswappen (seit 2023) Agostino Kardinal Marchetto (* 28. August 1940 in Vicenza) ist ein italienischer Geistlicher und emeritierter Kurienerzbischof der römisch-katholischen Kirche.
Leben Agostino Marchetto besuchte die Schule des Patronato Leone XIII. in Vicenza. Anschließend studierte er Philosophie und Katholische Theologie am Priesterseminar in Vicenza. Am 28. Juni 1964 empfing er in der Kathedrale Santa Maria Annunziata in Vicenza durch den Bischof von Vicenza, Carlo Zinato, das Sakrament der Priesterweihe für das Bistum Vicenza. Nach weiterführenden Studien erwarb Marchetto ein Lizenziat im Fach Katholische Theologie und ein Diplom im Fach Pastoraltheologie. Zudem absolvierte er von 1964 bis 1968 eine Ausbildung an der Päpstlichen Diplomatenakademie in Rom.
Marchetto trat 1968 in den diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls ein. Er war an den Nuntiaturen in Sambia (1968–1971), in Kuba (1971–1975), in Algerien (1975–1978) und in Portugal (1978–1981) tätig. Daneben wurde er 1971 an der Päpstlichen Lateranuniversität in Rom bei Giuseppe D’Ercole mit der Arbeit Episcopato e Primato pontificio nelle decretali pseudo isidoriane. Ricerca storico-giuridica („Episkopat und päpstlicher Primat in den pseudoisidorischen Dekretalen. Geschichtlich-rechtliche Untersuchung“) im Fach Kanonisches Recht promoviert. Ab 1981 wirkte Marchetto als Nuntiaturrat an der Apostolischen Nuntiatur in Mosambik. Papst Paul VI. verlieh ihm am 27. August 1973 den Ehrentitel Päpstlicher EhrenkaplanAAS 65 (1973), S. 622. und Papst Johannes Paul II. am 29. Dezember 1983 den Ehrentitel Päpstlicher Ehrenprälat.AAS 76 (1984), S. 343.
Am 31. August 1985 ernannte ihn Papst Johannes Paul II. zum Titularerzbischof von Astigi und bestellte ihn zum Pro-Nuntius in Madagaskar und Mauritius. Der Präsident der Päpstlichen Kommission für den Staat der Vatikanstadt und Kardinalpatron des Malteserordens, Sebastiano Kardinal Baggio, spendete ihm am 1. November desselben Jahres in Vicenza die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren der Bischof von Vicenza, Arnoldo Onisto, und der Weihbischof in Vicenza, Carlo Fanton. Sein Wahlspruch stammt aus .
Papst Johannes Paul II. berief ihn am 7. Dezember 1990 zum Pro-Nuntius in Tansania. Am 18. Mai 1994 wurde Marchetto Apostolischer Nuntius in Belarus. Ab dem 16. April 1996 war er im Staatssekretariat des Heiligen Stuhls tätig, bevor ihn Johannes Paul II. am 8. Juli 1999 zum Ständigen Beobachter bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO), beim Internationalen Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD) und beim Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) bestellte. Daneben vermittelte Marchetto als päpstlicher Sondergesandter im Rahmen des Lotterieaufstands in Albanien im März 1997 zwischen den Konfliktparteien. 1998 nahm er als päpstlicher Sondergesandter in Sarajevo an den Feierlichkeiten zum Jahrestag des Besuchs von Papst Johannes Paul II. teil.
Am 6. November 2001 ernannte ihn Johannes Paul II. zum Sekretär des Päpstlichen Rates der Seelsorge für die Migranten und Menschen unterwegs. Papst Benedikt XVI. nahm am 25. August 2010 das von Agostino Marchetto vorgebrachte Rücktrittsgesuch an. Marchetto wollte sich fortan der wissenschaftlichen Forschung über das Zweite Vatikanische Konzil widmen. Am 13. September 2014 berief ihn Papst Franziskus zum Mitglied der Kongregation für die Evangelisierung der Völker.
Im Konsistorium vom 30. September 2023 nahm ihn Papst Franziskus als Kardinaldiakon mit der Titeldiakonie Santa Maria Goretti in das Kardinalskollegium auf. Aufgrund seines Alters von mehr als 80 Jahren ist er bei einem Konklave nicht wahlberechtigt. Die Besitzergreifung seiner Titeldiakonie fand am 22. Oktober desselben Jahres statt.
Marchetto gehört dem Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem an. Ferner erhielt er am 7. August 1981 den portugiesischen Orden des Infanten Dom Henrique (Komtur) sowie 1985 die Ehrenbürgerwürde und die Medaglia d’oro der Stadt Vicenza. 2014 wirkte er im Filmdrama Il mistero di Dante mit.
Wirken Agostino Marchetto galt in seinem Amt als „Einwanderungsminister“ der römischen Kurie als „unbequemer Mahner“. Er beklagte sowohl den Umgang der französischen Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy mit Roma aus Rumänien und Bulgarien, wie auch das Vorgehen der italienischen Regierung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi gegen illegale Einwanderung. Hingegen wurde er für sein Engagement durch den Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen gelobt.
Außerdem wird Marchetto als einer der wichtigsten Analytiker des Zweiten Vatikanischen Konzils angesehen. Er ist Vertreter jener Interpretationslinie, die Papst Benedikt XVI. als „Erneuerung in der Kontinuität der einzigen Kirche“ bezeichnete. So griff Marchetto immer wieder scharf die liberale theologische Schule von Bologna um Giuseppe Alberigo an. Am 7. Oktober 2013 schrieb Papst Franziskus ihm einen ausführlichen Brief. Darin bezeichnete er Marchetto als „den besten Hermeneutiker des Zweiten Vatikanischen Konzils“.
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