mini|alt=Porträtfoto des Politikers Robert Habeck auf der Bundesdelegiertenkonferenz (BDK) der Partei Bündnis 90/Die Grünen, 2024 in Wiesbaden |Robert Habeck (2024) rahmenlos|zentriert|klasse=notpageimage skin-invert-image|150px|Unterschrift von Robert Habeck Robert Habeck (* 2. September 1969 in Lübeck) ist ein deutscher Schriftsteller und ehemaliger Politiker (Bündnis 90/Die Grünen). Von 2021 bis 2025 war er Vizekanzler sowie Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz im Kabinett Scholz. Gemeinsam mit Annalena Baerbock war er von Januar 2018 bis Februar 2022 Bundesvorsitzender der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Für die Bundestagswahl 2021 waren Baerbock und er das Spitzenduo der Grünen, wobei Baerbock Kanzlerkandidatin war. Bei der Bundestagswahl 2025 trat er selbst für seine Partei als Kanzlerkandidat an.

Habeck zog 2009 erstmals in den Schleswig-Holsteinischen Landtag ein und wurde dort Fraktionsvorsitzender. Bei der vorgezogenen Neuwahl 2012 und bei der Landtagswahl 2017 trat er als Zweiter auf der Landesliste seiner Partei an. Von 2012 bis 2018 amtierte er als stellvertretender Ministerpräsident und Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und Natur (ab 2017 auch für Digitalisierung) im Kabinett Albig sowie im Kabinett Günther I. Von 2021 bis 2025 war er Mitglied des Deutschen Bundestages.

Schulbildung und Studium Habeck wurde als Sohn von Hermann Habeck und Hildegard, geb. Granzow, in Lübeck geboren und wuchs in Heikendorf bei Kiel auf, wo seine Eltern eine Apotheke betrieben. Er spielte bis zu seinem 16. Lebensjahr Fußball beim Heikendorfer SV. Er legte sein Abitur 1989 an der Heinrich-Heine-Schule in Heikendorf ab.Einser-Abitur erfragt von Anke Plättner bei 10:40 in: Robert Habeck im Gespräch mit Joschka Fischer: 40 Jahre Die Grünen. am 16. September 2019. Nach eigenen Angaben litt Habeck als Schüler unter Rechtschreibschwäche mit Tendenz zur Legasthenie. Nach dem Zivildienst beim damaligen Hamburger Spastikerverein (heute Leben mit Behinderung Hamburg Elternverein) begann er zum Sommersemester 1991 ein Magisterstudium mit der Fächerkombination Germanistik, Philosophie und Philologie an der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau und besuchte nach der Zwischenprüfung im Wintersemester 1992/93 die Universität Roskilde in Dänemark. Nach Habecks Angaben war das Hochschulsystem dort, verglichen mit seinem Studium in Deutschland, durch selbstständigere Zeiteinteilung, ausgeprägtere Gruppenarbeit und eigenständigere Wissenssuche geprägt, was ihn bei der Entwicklung seines „pragmatischen Idealismus“ beeinflusst habe. Auch politisch habe ihn die Zeit in Roskilde geprägt. Übersetzung: Deutschlands Vizekanzler spricht Dänisch und hat vier Söhne in Dänemark: „Das kann sehr wichtig sein“. In: sh-ugeavisen, 19. Dezember 2021.

Im Jahre 1996 erwarb Robert Habeck an der Universität Hamburg seinen Magisterabschluss mit einer Abhandlung zu den Gedichten von Casimir Ulrich Boehlendorff (1775–1825), über die er ein Jahr später im Verlag Königshausen & Neumann eine stilkritische Untersuchung veröffentlichte.Robert Habeck: Casimir Ulrich Boehlendorffs Gedichte. Eine stilkritische Untersuchung. Königshausen & Neumann, Würzburg 1997, ISBN 978-3-8260-1280-8. Von 1996 bis 1998 absolvierte er an der Universität Hamburg ein Promotionsstudium. Im Jahre 2000 wurde er mit einer literaturwissenschaftlichen Arbeit über die unterschiedlichen Darstellungsformen in Literatur und digitalen Medien zum Dr. phil. promoviert. Betreuer waren Ulrich Wergin und Gunter Martens. Diese Arbeit ist unter dem Titel Die Natur der Literatur. Zur gattungstheoretischen Begründung literarischer Ästhetizität ebenfalls im Verlag Königshausen & Neumann erschienen. Die Dissertation wurde nach dem Hamburger Gesetz zur Förderung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses von Oktober 1996 bis September 1998 mit einem Stipendium gefördert.Robert Habeck: Die Natur der Literatur. Zur gattungstheoretischen Begründung literarischer Ästhetizität. Dissertation Universität Hamburg 2000. Königshausen & Neumann, Würzburg 2001, ISBN 3-8260-2066-9, S. 6.

Literarische Tätigkeit mini|hochkant|Roman (2001) Seit 1999 arbeiten Robert Habeck und seine Ehefrau Andrea Paluch als freie Schriftsteller und veröffentlichen gemeinsam. In Interviews betonen sie, dass ihre doppelte Autorenschaft eine bewusste Entscheidung für einen gemeinsamen Lebensentwurf sei. Neben Kinderbüchern und Übersetzungen englischer Lyrik unter anderem von Ted Hughes veröffentlichte Robert Habeck (mit Andrea Paluch) die Romane Hauke Haiens Tod (2001, eine literarische Adaption von Storms Novelle Der Schimmelreiter, die 2023 mit Die Flut – Tod am Deich von Andreas Prochaska verfilmt wurde), Der Schrei der Hyänen (2004), Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf (2005), Zwei Wege in den Sommer (2006), Unter dem Gully liegt das Meer (2007) und SommerGIG (2009). Im Dezember 2008 wurde im Theater Kiel das erste Theaterstück der beiden uraufgeführt. Es hat den Titel Neunzehnachtzehn und handelt vom Kieler Matrosenaufstand im November 1918. Der Roman Der Tag, an dem ich meinen toten Mann traf wurde 2008 verfilmt. 2021 schrieb Habeck das Nachwort zur Neuausgabe des Buchs Das Prinzip Verantwortung von Hans Jonas.

Politische Tätigkeit mini|alt=Frontale Farbfotografie von Habeck an einem Rednerpult von Bündnis 90/Die Grünen. Er spricht in das Tischmikrofon und blickt nach rechts. Seine braunen Haare sind schulterlang und er trägt ein schwarzes Hemd, dessen obere Knöpfe offen sind. Auf der Vorderseite des Pultes ist ein Ausschnitt von einer Sonnenblume. Im Hintergrund ist ein Plakat von Bündnis 90/Die Grünen mit der Aufschrift „Du bist am Zug!“ und zwei Spielfiguren aus Mensch ärgere dich nicht.|Robert Habeck, 2005

Anfänge in der Kommunal- und Landespolitik 2002 wurde Habeck Mitglied von Bündnis 90/Die Grünen. Anlass war nach seinem Bekunden ein fehlender Radweg in seinem damaligen Wohnumfeld. Von 2002 bis 2004 war er Kreisvorsitzender in Schleswig-Flensburg, 2004 wurde er Vorsitzender des Landesverbandes Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein und bekleidete dieses Amt bis 2009. 2006 kandidierte Habeck als Beisitzer für den Bundesvorstand, unterlag aber Malte Spitz. Bei den Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein 2008 war er Spitzenkandidat für die Grünen im Kreis Schleswig-Flensburg und wurde im August Fraktionsvorsitzender im Kreistag Schleswig-Flensburg.

Spitzenkandidat bei den Landtagswahlen 2009 und 2012 Habeck und Monika Heinold waren die Spitzenkandidaten der Grünen bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2009. Nach der Wahl wurde Habeck Fraktionsvorsitzender im Landtag. Die Landtagsfraktionen der Grünen und des SSW erhoben eine Normenkontrollklage gegen die Auslegung des Wahlgesetzes bezüglich der dort verankerten Begrenzung der Ausgleichsmandate vor dem Landesverfassungsgericht und bekamen im August 2010 schließlich Recht. Bei der dadurch um zwei Jahre vorgezogenen Landtagswahl 2012 wurde Habeck erneut als Spitzenkandidat aufgestellt.

Landesminister in Schleswig-Holstein (2012–2018) Nach der Wahl 2012 wurde Habeck zum stellvertretenden Ministerpräsidenten und zum Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume ernannt. Ein Hauptaugenmerk legte er auf die Energiewende: Die im Land installierte Leistung an erneuerbaren Energien steigerte sich in seiner ersten Amtszeit von 5,3 Gigawatt im Jahr 2012 auf 10,1 GW 2016. Außerdem wurde wegen der Ablehnung durch die Landesregierung der Bau des Kohlekraftwerks Brunsbüttel gestoppt. Im Mai 2015 nahm die Europäische Kommission das Landesprogramm ländlicher Raum 2014 bis 2020 an, das unter Habeck erarbeitet wurde. Es sieht Fördermittel für Landwirte vor, die ökologische Landwirtschaft betreiben oder auf diese umstellen wollen. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Schleswig-Holstein wuchs von 2014 bis 2017 um 50 Prozent. Ein weiterer politischer Erfolg war im Juli 2015 der sogenannte „Muschelfrieden“, eine Vereinbarung für eine naturverträgliche Miesmuschelkulturwirtschaft.

Nach Bildung einer Jamaika-Koalition von CDU, FDP und Grünen nach der Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2017 wurde Robert Habeck am 28. Juni 2017 im Kabinett Günther I zum Minister für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung ernannt. Auch in seiner zweiten Amtszeit setzte er sich für den Ausbau der erneuerbaren Energien ein.

Urwahl für die Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl 2017 Im Mai 2015 erklärte Habeck, bei einer Urwahl der Grünen für die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl zu kandidieren. Eine Bewerbungsrede für die Kandidatur um einen Sitz in der Doppelspitze des Bundesvorstands hielt er auf dem Landesparteitag der Grünen in Neumünster im April 2016. Bei der Wahl galt er zunächst in den Medien als Außenseiter, erhielt jedoch 35,74 % der Stimmen und unterlag damit nur knapp Cem Özdemir, der sich mit 35,96 % als männlicher Teil der Doppelspitze durchsetzte; an dritter Stelle lag Anton Hofreiter mit 26,19 % – weil eine Stichwahl nicht vorgesehen war, reichte die relative Mehrheit. Habeck kandidierte dann bei der Bundestagswahl nicht. Nach der Bundestagswahl 2017 fungierte er als einer der grünen Unterhändler während der Sondierungsgespräche für eine Jamaika-Koalition, die nach der Ablehnung durch die FDP beendet wurden.

Bundesvorsitzender der Grünen (2018–2022)

Am 27. Januar 2018 wurden Habeck und Annalena Baerbock zu den Bundesvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen gewählt. Im Mai 2018 reichte Habeck seinen Rücktritt vom Ministeramt in Schleswig-Holstein ein, da nach den Parteistatuten von Bündnis 90/Die Grünen eine Mitgliedschaft im Bundesvorstand unvereinbar ist mit einem Ministeramt.§ 16 Abs. 5 der Satzung des Bundesverbands der Partei Bündnis 90/Die Grünen. Dieser Punkt der Satzung wurde auf einem Parteitag der Grünen im Januar 2018 entschärft, um Habeck eine Übergangszeit von bis zu acht Monaten zu ermöglichen. Am 31. August 2018 schied Habeck aus dem Kabinett in Schleswig-Holstein aus, sein Nachfolger wurde Jan Philipp Albrecht. Aus dem Landtag schied er ebenfalls aus. Am 16. November 2019 wurden Habeck und Baerbock für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt.Baerbock und Habeck als Grünen-Spitzenduo wiedergewählt – mit starken Ergebnissen. Spiegel Online, 16. November 2019, abgerufen am 18. November 2019.

Bundestagswahl 2021 Im Juli 2020 kündigte Habeck an, bei der Bundestagswahl 2021 als Direktkandidat für den Wahlkreis Flensburg – Schleswig anzutreten. Von den Grünen im Wahlkreis wurde er im April 2021 für diese Kandidatur gewählt. Im März wurde er zudem hinter Luise Amtsberg auf Platz 2 der Landesliste der Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein gewählt. Bei der Bundestagswahl gewann er den Wahlkreis Flensburg – Schleswig mit 28,1 % der Wählerstimmen.

Auf Vorschlag von ihm und Annalena Baerbock beschloss der Bundesvorstand der Grünen im April 2021, dass Baerbock die Kanzlerkandidatin der Grünen zur Bundestagswahl 2021 sein soll. Habeck verzichtete damit auf eine Kanzlerkandidatur. Er bildete aber zusammen mit Baerbock das Spitzenduo für den Wahlkampf, was der Parteitag am 12. Juni 2021 bestätigte. Die Kampagne stand unter dem Motto „Bereit, weil ihr es seid“.

Vizekanzler und Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz

Ab dem 8. Dezember 2021 war er im Rahmen der ersten Ampel-Koalition auf Bundesebene der Stellvertreter des Bundeskanzlers sowie Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz im Kabinett Scholz.

Eine seiner ersten Amtshandlungen nach Amtsantritt war der Stopp der Zertifizierung für die Gas-Pipeline Nord Stream 2. Im Aktenstudium über Weihnachten waren Habecks Zweifel gewachsen, dass die Inbetriebnahme der Röhre sich positiv auf Deutschlands Versorgungssicherheit auswirken werde.