mini|Dilschhausen von Südwesten Dilschhausen ist mit rund 170 Einwohnern der kleinste dörfliche Außenstadtteil der mittelhessischen Universitätsstadt Marburg.

Geografische Lage Dorf und Gemarkung Dilschhausen werden von den Bergen und Hügelkuppen namens Bernhard, Störner (Staatswald), Calderische Höhe, Koppe, Mittelberg, Stackelberg, Auersberg, Nesselberg und Rotlaub umgeben (ausgehend von Nordwest im Uhrzeigersinn).Ulrich Hussong, S. 409; Kapitel: Die Landschaft.

Das Tal wird von zwei Bächen durchflossen. Von Nordwest nach Osten fließt die Wältersbach, von Nord nach Süd den Calderbach. Der letztere, kleinere mündet zwischen Ortskern und Bubenmühle in den Wältersbach. Die Quelle des Hauptfließgewässers liegt auf dem bewaldeten Hügelland namens Störner.

Nach Osten grenzt Elnhausen, nach Süden Nesselbrunn, nach Südwesten Weitershausen, nach Westen Damshausen, gen Norden Caldern an das Dorf. Die Kernstadt Marburg ist laut einem Dokument aus 1747 gute zwei Stunden Fußweg entfernt.Ulrich Hussong, S. 409; Kapitel: Die Landschaft.

Geschichte Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Dilschhausen erfolgte unter dem Namen Tulheshusen im Codex Eberhardi des Reichsklosters Fulda und wird in die Zeit 780–802 datiert. Die nächste bekannte Erwähnung stammt aus dem Jahr 1259.Die Urkunde liegt als Depositum des Klosters Haina im Hessischen Staatsarchiv Marburg. Eigentumsrechtlich gehört sie laut den Recherchen des Marburger Stadtarchivars Ulrich Hussong dem Landeswohlfahrtsverband Hessen als Rechtsnachfolger des Klosters Haina. In Band 93 der Marburger Stadtschriften findet sich ein neunseitiger Text über diese Urkunde. Auf Grund alter Funde wird jedoch davon ausgegangen, dass bereits im 10. Jahrhundert Menschen im Gebiet des heutigen Ortes lebten.

Dilschhausen bestand jahrhundertelang als eine Doppelsiedlung aus Ober- und Unterdorf, die unterschiedliche Feudaleigentümer, Gerichtszuständigkeiten und Pfarrzugehörigkeiten aufwiesen. Erst mit der napoleonischen Besetzung im frühen 19. Jahrhundert ergab sich erstmals die verwaltungstechnische Einheit beider Ortsteile. Ab August 1821 war auch die unterschiedliche Gerichtsbarkeit beider Dorfteile, nämlich das Gerichte Weitershausen (auch Reizberg genannt) und Caldern, Vergangenheit.Stadtschriftband S. 3. Kirchenrechtlich war das Unterdorf der über eine Stunde Fußweg entfernten Pfarrei Michelbach zugeordnet, das Oberdorf gehörte zur Kirchgemeinde Weitershausen. Ab 15. Juli 1816 erreichten die Unterdilschhäuser Bürger eine Übertragung der Küster-Kirchamtspflichten an ihren Dorflehrer. Erst am 28. Mai 1856 erreichten die Dilschhäuser eine Vereinigung von Ober- und Unterdorf zu einer eigenständigen Filialgemeinde der Pfarrei Weitershausen.Stadtband S. 8.

Geografisch waren die beiden Häusergruppen des Dorfes getrennt durch den Wälterbach mit seinen sumpfigen Auen. Heute zieht sich anstelle der Bachaue die Trasse der Kreisstraße 72, die Teil der am 18. August 1979 eingeweihten Umgehungsstraße ist, als „trennendes Band“Stadtband, S. 9. durch das Dorf. Trotz geschwindigkeitsbegrenzender Beschilderung gab es sogar Schlagzeilen in der Lokalzeitung Oberhessische Presse vom 30. Juli 1987 über die als „Rennstrecke“ missbrauchte Straße.Stadtband, S. 1.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. Juli 1974 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Dilschhausen im Zuge der Gebietsreform in Hessen mit damals 134 Einwohnern sowie zwölf weitere Dorfgemeinden kraft Landesgesetz als Stadtteile nach Marburg eingemeindet. Für den Stadtteil Dilschhausen wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Dilschhausen angehört(e):

Oberdorf: vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Weitershausen auch genannt Reitzberg (Gericht Weitershausen bestand aus den Orten: Weitershausen, Nesselbrunn und der Hälfte von Dilschhausen) ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Gericht Weitershausen 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Marburg Unterdorf: vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Marburg, Gericht Kaldern (Das Gericht bestand aus den Orten Kaldern, Kernbach, Dagobertshauſen, Michelbach, Brüngershausen und Wehrshausen, sowie der Hälfte von Dilschhausen) ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Marburg Die Zugehörigkeit des Amtes Marburg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg bis 1648) ab 1648: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Marburg ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Kaldern und Reitzberg 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Kaldern ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Kaldern und Reitzberg ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis MarburgVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73 f.Trennung von Justiz (Landgericht Marburg) und Verwaltung ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Marburg ab 1867: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Marburg ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Marburg

Gerichte seit 1821 Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Dilschhausen zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen 1866 erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg.Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte () Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Dilschhausen 168 Einwohner. Darunter waren 3 (1,8 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 18 Einwohner unter 18 Jahren, 93 zwischen 18 und 49, 39 zwischen 50 und 64 und 18 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 99 Haushalten. Davon waren 51 Singlehaushalte, 21 Paare ohne Kinder und 15 Paare mit Kindern, sowie 6 Alleinerziehende und 6 Mehrpersonenhaushalte ohne Kernfamilie. In 12 Haushalten lebten ausschließlich Senioren (über 65-jährige) und in 87 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1577: 18 Hausgesesse • 1630: 12 Hausgesessene (2 dreispännige, 6 zweispännige, 1 einspännige Ackerleute, 3 Einläuftige) • 1681: 3 hausgesessene Mannschaften • 1838: Familien: 12 nutzungsberechtigte, 9 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 1 Beisasse

Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 152 evangelisch-lutherische, 3 evangelisch-reformierte Einwohner • 1885: 158 evangelische (= 98,14 %), keine römisch-katholischer, 3 andere Christen (= 1,86 %) • 1961: 130 evangelische (= 94,89 %), 7 katholische (= 5,11 %) Einwohner • 1987: 131 evangelische (= 85,1 %), 15 katholische (= 9,7 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1747: Erwerbspersonen: 1 Leineweber, 1 Schneider, 1 Wagner, 1 Mühlenarzt, 1 Müller, 2 Tagelöhner. • 1838: Familien: 11 Ackerbau, 3 Gewerbe, 7 Tagelöhner. • 1961: Erwerbspersonen: 64 Land- und Forstwirtschaft, 15 Produzierendes Gewerbe, 1 Handel und Verkehr, 25 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik Ortsbeirat

Für den Stadtteil Dilschhausen besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Er umfasst das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Dilschhausen. Für die Sitzverteilung siehe die nebenstehende Grafik.Ergebnis der Ortsbeiratswahlen 2021 in Dilschhausen In: votemanager-gi.ekom21cdn.de Der Ortsbeirat wählte Hermann Heck als Ortsvorsteher.

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Kirche mini|Ehemalige Kornmühle

Als besonders sehenswert gilt die etwa zeitgleich mit der Marburger Elisabethkirche im 13. Jahrhundert erbaute kleine spätromanische, heute evangelische Wehrkirche aus Bruchsteinmauerwerk.Vgl. Siegfried Beckers Forschungsbericht S. 19–80 des Stadtschriftenbands.

Neben der Kirche war seit 1747 das Gemeindebackhaus die „Dorfzentrale“.Prof. Siegfried Becker Die Abschaffung der Privatbacköfen auf fürstliche Verordnung hin diente der Brandverhütung und der Holzeinsparung.s. Ulrich Hussong S. 81–91, Kapitel: Das Gemeindebackhaus. Zum Backen wurde in früheren Zeiten das halb im Souterrain liegende Untergeschoss aus Mauerwerk genutzt. Diese Nutzung besteht seit Jahrzehnten nicht mehr; das Haus ist in Privatbesitz. Im Geschoss darüber gibt es eine kleine, über eine steile Freitreppe erreichbare Mietwohnung aus Fachwerk.s. Ulrich Hussong S. 252.

Das „Dorf in der Stadt“ Dilschhausen bestand 2009 aus vier Straßen mit 46 Hausnummern. Die Weitershäuser Straße umfasst mit 31 Häusern den Großteil. Sie verbindet das Unter- mit dem Oberdorf. Die Straße Bubenmühle im Unterdorf umfasst sechs Häuser und führt in Richtung Elnhausen zu der ehemaligen landgräflichen, um 1527 erbauten Kornmühle. Dieses etwa 700 Meter außerhalb des Kerndorfes liegende zweistöckige Fachwerkgebäude (Dorfname Millisch) wird seit Aufgabe des Mühlenbetriebs Ende der 1950er Jahre als Wohnhaus genutzt.

Vereine Vor allem in Anbetracht der geringen Einwohnerzahl des Ortes existiert in Dilschhausen ein reges Vereinsleben. Neben einer Freiwilligen Feuerwehr, von deren Mitgliedern jedes Frühjahr ein Theaterstück präsentiert wird, gibt es einen Kirchenchor, eine Dorf-Burschen- und Mädchenschaft sowie seit Januar 1991 einen Damengymnastikverein.

Im 1926 gegründeten Kirchenchor sowie im Gymnastikverein sammeln sich die älteren Bürger des Dorfes. Laut Angaben im Stadtschriftenband umfasste der Chor 2009 15 Sänger, die Gymnastik-Gruppe 27 aktive und passive Vereinsmitglieder.