Erkältung (unter anderem österreichisch auch Verkühlung) und grippaler Infekt sind medizinisch nicht scharf definierte Bezeichnungen für eine akute virale Infektionskrankheit der oberen Atemwege, die vor allem die Schleimhäute der Nase (einschließlich Nebenhöhlen), des Rachens und des Kehlkopfs betrifft.
Erste Symptome können weniger als zwei Tage nach dem Kontakt mit dem Virus auftreten. Zu den typischen Symptomen zählen Husten, Halsschmerzen, eine laufende Nase, Niesen, Kopfschmerzen und Fieber. Die Betroffenen erholen sich normalerweise in sieben bis zehn Tagen, einige Symptome können aber bis zu drei Wochen anhalten.
Weit über 200 Virusstämme sind an der Verursachung von Erkältungen beteiligt. Rhinoviren, Coronaviren, Adenoviren und Enteroviren sind die häufigsten.MSD Manual, Sophie Katz: Übersicht über Infektionen aufgrund von respiratorischen Viren. Auf: msdmanuals.com; Stand vom Mai 2024; zuletzt abgerufen am 27. Februar 2025. Die Viren verbreiten sich bei nahem Zusammenstehen über die Luft, oder indirekt durch den Kontakt mit Gegenständen in der Umgebung mit nachfolgender Übertragung auf Mund oder Nase.
Erkältungskrankheiten sind bei Kindern und Säuglingen sehr häufig, wobei die Häufigkeit mit dem Alter abnimmt. Erkrankt ein Säugling etwa sechs bis acht Mal pro Jahr, so tritt dies bei Neunjährigen drei bis fünf Mal und bei Erwachsenen ein bis zwei Mal auf.Gustav-Adolf von Harnack, Berthold Koletzko: Kinder- und Jugendmedizin (= Springer-Lehrbuch.). 13. Auflage. Springer-Medizin-Verlag, Heidelberg 2007, ISBN 978-3-540-48632-9, S. 374. Die Häufigkeit kann durch eine besondere Exposition (Geschwister, Kindergarten u. a.) zusätzlich ansteigen. Damit ist die Erkältung die häufigste Infektionskrankheit des Menschen.
Nicht zu verwechseln ist der grippale Infekt mit der „echten“ Grippe (Influenza), die bei etwa einem Drittel der Infizierten deutlich schwerer verläuft und besonders für immunschwache Personen, z. B. Säuglinge und alte Menschen, tödlich enden kann.
Möglicher Zusammenhang zur Kälte Nicht korrekt ist die traditionelle und immer noch weit verbreitete Annahme, Erkältungen würden regelmäßig allein durch Kälte – im wissenschaftlichen Sinne von Wärmeentzug als pathophysiologischem Mechanismus – oder Kälteverursacher oder -formen wie beispielsweise Zugluft, Nässe, Unterkühlung verursacht. Kälte allein kann keine Erkältung auslösen, daher ist der Faktor Kälte keine hinreichende Bedingung. Da man auch an Erkältung erkranken kann, ohne zuvor Kälte ausgesetzt gewesen zu sein, ist Kälte ebenfalls keine notwendige Bedingung. Grundsätzlich lässt sich aber sagen, dass übermäßige Kälteeinwirkung das Immunsystem schwächt und dass sich Erkältungsviren, insbesondere die als Hauptauslöser von Erkältungen geltenden Rhinoviren, in trockener Luft besser ausbreiten und bei niedrigen Temperaturen besser vermehren können. Ob die Kälte die Abwehrkräfte des Körpers allerdings so sehr schwächt, dass eine Infektion begünstigt wird, ist umstritten.
Das erste Symptom einer Erkältung ist oft das subjektive Empfinden zu frösteln. Das Immunsystem reagiert auf eine notwendigerweise vorangegangene Virusinfektion mit der Freisetzung von Botenstoffen, die die Thermoregulation im Hypothalamus zu einer Erhöhung der Körpertemperatur (Fieber) veranlassen. Diese Reaktion des Körpers, die Körperkerntemperatur zu erhöhen, beinhaltet Minderdurchblutung und daraus resultierende Abkühlung der Haut und der Extremitäten, Aufstellen der Körperbehaarung (Gänsehaut), Erhöhung des Muskeltonus bis zum Muskelzittern. Das Kältegefühl bei Erkrankungsbeginn ist demnach eine Folge der Virusinfektion und nicht deren Ursache.
Studien Die verbliebene Vermutung, Erkältungen würden durch Kälte begünstigt, konnte von Forschern seit den 1960er Jahren zunächst nicht zweifelsfrei bestätigt oder widerlegt werden. Da auch die Wissenschaft von Zeiterscheinungen beeinflusst wird, neigte man in der Folgezeit eher dazu, diesen Zusammenhang zu bezweifeln. In den USA werden daher oft auch andere Bezeichnungen als der von Behörden vorrangig benutzte Ausdruck common cold benutzt, z. B. [viral] upper respiratory [tract] infection (URI), acute viral nasopharyngitis, und acute coryza, um die Vorstellung eines Zusammenhangs zwischen Kälte und Infektion abzuschwächen.Common cold. In: Medical Encyclopedia der U.S. National Library of Medicine, nlm.nih.gov; letztes Update: 2. Februar 2016.Upper Respiratory Infections. dartmouth.edu, Dartmouth College, Hanover (New Hampshire), USA. Indirekt kann Kälte allerdings das Ansteckungsrisiko erhöhen, da sich Menschen bei kalter Witterung häufiger in Gebäuden, in schlechter gelüfteten Räumen und damit vermehrt in der Nähe infizierter Mitmenschen aufhalten. Unklar ist, ob feucht-kaltes Klima die Ansteckungsgefahr auch auf andere Weise beeinflusst, beispielsweise durch Veränderungen des Immunsystems, der Anzahl von ICAM-1-Rezeptoren (spezielle Rezeptoren für das Zelladhäsions-Molekül ICAM-1, ein Schlüsselprotein für die Leukozyten-Endothel-Interaktion im Körper) oder auch nur durch die erhöhte Menge an Nasensekret und Handkontakten mit dem Gesicht. Kälte hat zudem einen hemmenden Einfluss auf das respiratorische Flimmerepithel (mukoziliärer Apparat) und hemmt so seine Reinigungsfähigkeit, was zusammen mit einer Verengung der kleinen Bronchien Infekte fördern kann. Des Weiteren ist die Luft in Innenräumen im Winter trockener als im Sommer, weshalb die Schleimhaut der menschlichen Atemwege im Winter aufgrund der geringeren relativen Luftfeuchtigkeit der Atemluft trockener und somit anfälliger für Infektionen ist. Außerdem ist insbesondere für die zu 40 Prozent für Erkältungen verantwortliche große Gruppe der humanen Rhinoviren eine „Vorliebe“ für nass-kaltes Klima beschrieben.
Neuere, in Studien gewonnene Erkenntnisse bestätigen einen möglichen Zusammenhang zwischen Kälte und Erkältung insofern, als eine übermäßig lange oder intensive Kälteeinwirkung auf einen nicht ausreichend geschützten Körper zu einer Schwächung des Immunsystems und dadurch zu einer schlechteren Abwehr der Krankheitserreger führen kann.R. Eccles: Acute cooling of the body surface and the common cold. In: Rhinology. Band 40, Nummer 3, September 2002, S. 109–114. PMID 12357708 (Review).R. Eccles: An explanation for the seasonality of acute upper respiratory tract viral infections. In: Acta oto-laryngologica. Band 122, Nummer 2, März 2002, S. 183–191, PMID 11936911 (Review).
Eine Studie der Universität CardiffC. Johnson, R. Eccles: Acute cooling of the feet and the onset of common cold symptoms. In: Family practice. Band 22, Nummer 6, Dezember 2005, S. 608–613, doi:10.1093/fampra/cmi072, PMID 16286463. aus dem Jahr 2005 zeigte einen möglichen Zusammenhang zwischen Kälteeinwirkung und Erkältungssymptomen. Während 13 von 90 Studienteilnehmern, die ein kaltes Fußbad nehmen mussten, von Erkältungssymptomen berichteten, waren es in der Kontrollgruppe, die ihre Füße lediglich in eine leere Schüssel hielt, nur 5 von 90. Die insgesamt 18 Teilnehmer, die von Erkältungssymptomen berichteten, litten nach eigenen Angaben allerdings auch an mehr Erkältungen durchs Jahr hindurch als jene 162 Teilnehmer, die nach dem Versuch keine Erkältungssymptome meldeten. Es wird vermutet, dass die Kälte zu einer Verschlechterung der Durchblutung führt und so den Transport weißer Blutkörperchen zu einem allfälligen Infektionsherd (Eintrittspforte von Krankheitserregern) behindert. Kälte wäre demnach also lediglich eine Begleiteinflussgröße (Kofaktor), die den Ausbruch einer Erkrankung nach einer Virusinfektion begünstigen kann. Dies gilt auch besonders in tropischen Klimata, in denen die längere Einwirkung von Zugluft auf einen überhitzten oder feuchten Körper zu einer starken Auskühlung der Körperoberfläche führen kann. Es sollte daher darauf geachtet werden, den Körper nicht längere Zeit dem direkten Luftstrom eines Ventilators oder einer Klimaanlage auszusetzen, z. B. beim Schlafen. Daneben können auch Allergien, bakterielle Infekte der Atemwege und Wetterumschwünge erkältungsähnliche und über Tage anhaltende Symptome auslösen.
Neuere Theorien gehen davon aus, dass Mangel an Vitamin D zu einer Schwächung des Immunsystems führt. Vitamin D wird in der Haut durch Sonnenlicht gebildet, im Winter ist die Sonneneinstrahlung wegen der kurzen Tageslichtdauer besonders gering und Vitamin-D-Mangel mithin besonders wahrscheinlich. Dies könnte die Anfälligkeit gegen Krankheiten im Winter erhöhen. Es gäbe dann durchaus eine Korrelation zwischen Kälte und Erkältungskrankheiten, nicht jedoch eine Kausalität. Vielmehr wären winterliche Kälte und immunschwächender Vitamin-D-Mangel dann Folgen einer dritten Ursache, nämlich der kurzen Sonneneinstrahlungsdauer an Wintertagen.John H. White, Luz R. Tavera-Mendoza: Das unterschätzte Sonnenvitamin. In: Spektrum der Wissenschaft. Juli 2008, S. 40–47.L. E. Tavera-Mendoza, J. H. White: Cell defenses and the sunshine vitamin. In: Scientific American. Band 297, Nummer 5, November 2007, S. 62–5, 68, , PMID 17990825.
In einer Studie von 2015 konnten Wissenschaftler um Akiko Iwasaki von der Yale University School of Medicine an Schleimhautzellkulturen der Atemwege von Mäusen zeigen, dass sich Rhinoviren bei niedrigen Temperaturen schneller vermehren und dabei auch das Immunsystem der Epithelzellen infolge niedriger Temperatur geschwächt ist.
Krankheitserreger Als Krankheitsverursacher sind über 200 sehr verschiedene Viren aus unterschiedlichen Virusfamilien beschrieben. Sie alle sind an die Epithelien der leicht zugänglichen Atemwege angepasst und verursachen ähnliche Symptome. Da die Atemwege vom Rachenraum bis zu den Verzweigungen des Bronchialbaumes mehrere Barrieren von Abwehrzellen aufweisen, müssen die Erreger die Immunabwehr durch eine besonders schnelle Vermehrung (Replikation) und mittels vieler unterschiedlicher Varianten umgehen. Die Symptome der durch sie ausgelösten Erkältungskrankheit wie Husten, erhöhte Schleimproduktion und Niesen ermöglichen wiederum den Viren, sehr einfach zu einem neuen Wirt zu gelangen. Die Erreger sind im Einzelnen: aus der Familie der Picornaviridae beispielsweise das Humane Rhinovirus-1A (HRV-1A) oder 1 B mit mehr als 100 Subtypen, die Coxsackieviren B1 (CVB-1) bis B6, diverse Echoviren und Humane Enteroviren (etwa 40 Subtypen). Diese Viren gehören zu den unbehüllten Einzel(+)-Strang-RNA-Viren [ss(+)RNA]. aus der Familie der Coronaviridae das Humane Coronavirus 229E (HCoV-229E), das Humane Coronavirus OC43 (HCoV-OC43), das Humane Coronavirus NL63 (HCoV-NL63) und das Humane Coronavirus HKU1 (HCoV-HKU1). Diese Viren gehören zu den behüllten Einzel(+)-Strang-RNA-Viren [ss(+)RNA]. Coronaviren verursachen in Deutschland bis zu 30 Prozent der saisonalen Erkältungen.Nadja Podbregar: Corona: Können frühere Erkältungen schützen? scinexx.de, 30. Juli 2020.Nadja Podbregar: Covid-19: Schützt ein Vorkontakt mit Erkältungs-Coronaviren? wissenschaft.de, 30. Juli 2020. aus der Familie Paramyxoviridae die Humanen Parainfluenza-Viren 1–4, das Humane Metapneumo-Virus (HMPV) und das Humane Respiratorische Synzytial-Virus (HRSV oder auch RSV) Typ A und B (alles behüllte ss(-)RNA-Viren). aus der Familie der Adenoviridae, Genus Mastadenovirus diverse Serotypen der Arten Humane Adenoviren A–F. Diese Viren gehören zu den unbehüllten doppelsträngigen DNA-Viren (dsDNA). einzelne Spezies aus der Familie Reoviridae (dsRNA, unbehüllt).