miniatur|Mudschahid im Sowjetischen Afghanistankrieg, 1988

Der Ausdruck Mudschahid (laut Duden Mudschahed, Mudjahed oder Mujahed; , weiblich Mudschahida; Mehrzahl Nominativ Mudschāhidūn, im Deutschen Mudschahiddin oder Mudschaheddin, und Genitiv/Akkusativ Mudschāhidīn) ist von Hans Wehr: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart, vierte Auflage, Beirut und London 1976, Seite 128. abgeleitet und bedeutet ins Deutsche übersetzt „jemand, der Dschihad betreibt“. Er wird vor allem in Massenmedien oft irreführend als „Gotteskrieger“ übersetzt. Das Wort wird im Zusammenhang mit dem Islam verwendet und bezeichnet dann in der Regel islamistische Widerstandskämpfer oder Guerilla-Gruppierungen.

Der Begriff kann sich aber auch allgemeiner auf Personen beziehen, die sich um die Verbreitung oder Verteidigung des Islam bemühen oder individuell bestrebt sind, „Gottes Weg zu folgen“. In diesem Sinne kann jemand, der seinen Glauben (z. B. den Islam) studiert und diesen reinen Gewissens lebt, ebenfalls ein Mudschahid sein. Die Volksmudschahedin, die sich stark an marxistischen Theorien des Klassenkampfes orientierten, deuteten den Begriff in diesem Sinne um.

Betonung Der Plural ist Mudschahidin oder Mudschahedin, auch die Schreibweise Mudschaheddin wird verwendet.Die Form Mudschaheddin mit Doppel-d weicht von den üblichen Transkriptionsregeln ab. Die Redaktion des Dudens empfiehlt die Schreibweise „Mudschahedin“. Im Arabischen wird das Wort auf der zweiten Silbe betont, im Persischen auf der letzten. Im iranischen Persisch wird das kurze i der dritten Silbe zu e und das kurze u zum o abgeschliffen, nicht hingegen im afghanisch-tadschikischen Dari-Persischen. Da der Begriff im Verlauf des Krieges islamischer Kämpfer gegen die Sowjetunion in Afghanistan im Westen populär wurde, hat sich die Variante mit iranisch-persischer Aussprache weit verbreitet.

Mudschahidin in Afghanistan Als Mudschahidin bezeichneten sich die verschiedenen Guerilla-Gruppierungen, die von 1979 bis 1989 in Afghanistan gegen die sowjetischen Truppen und die von ihnen gestützte kommunistische Regierung (Sowjetische Intervention in Afghanistan) kämpften. Sie erhielten finanzielle und materielle Unterstützung vor allem von den Vereinigten Staaten, Pakistan und Saudi-Arabien. Die Waffenlieferungen und die Ausbildung vieler Kämpfer wurden vor allem vom US-amerikanischen Geheimdienst CIA und dem pakistanischen Geheimdienst ISI organisiert. Die CIA investierte im Rahmen der verdeckten Operation Cyclone mehrere Milliarden US-Dollar in die islamistischen Aufständischen. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen 1989 kam es zum Bürgerkrieg zwischen den verschiedenen Mudschahidin-Gruppierungen.

Um den Widerstand gegen die sowjetische Besatzung in Afghanistan anzuspornen, hatten die USA unter anderem mehrere Millionen Dollar in gewaltverherrlichende Lehrbücher investiert. Diese Bücher mit Gewaltdarstellungen und militanten islamistischen Lehren brachten den afghanischen Schulkindern die Lehre vom Dschihad im Sinne vom „Heiligen Krieg“ nahe.From U.S., the ABC’s of Jihad, in: Washington Post vom 23. März 2002, abgerufen via Global Issues am 30. September 2014 (englisch) Diese Bücher wurden ebenfalls in Lagern für afghanische Flüchtlinge in Pakistan im Unterricht eingesetzt. Auch die Taliban verwendeten die von den USA produzierten Bücher. Um die Bücher mit ihrer aus dem Koran abgeleiteten Ideologie des Bilderverbots in Einklang zu bringen, wurden die menschlichen Gesichter darin herausgeschnitten.

+ Übersicht der wichtigsten WiderstandsgruppenNameName in DeutschFührerAusrichtungBasis der ParteiführungMahaz-i Milli-yi Islami-yi AfghanistanNationale Islamische FrontPir SayyidSaid Ahmad GilaniTraditionell-nationalistisch, monarchistischPeschawarJabhah-i Nijat-i Milli-yi AfghanistanNationale Befreiungsfront AfghanistansSibghatullah ModschaddediTraditionell-nationalistischPeschawarHarakat-i Inqilab-i Islami-yi AfghanistanBewegung für die islamische RevolutionMawlawi MuhammadNabi MuhammadiTraditionell-islamistischPeschawarHizb-i Islami-yi Afghanistan, HekmatyārIslamische Partei AfghanistansGulbuddin HekmatyārRadikal-islamistischPeschawarHizb-i Islami-yi Afghanistan, ChalisIslamische Partei Afghanistans, ChalisJunis ChalisIslamistisch, Anti-SchiitischPeschawarJamʿiyyat-i Islami-yi AfghanistanIslamische Versammlung AfghanistansBurhānuddin RabbāniModerat-islamistischPeschawarIttihad-i Islami Bara-yi Azadi-yi AfghanistanIslamische Einheit für die Freiheit AfghanistansAbdul Rasul SayyafRadikal-islamistisch, Anti-Schiitisch, SalafistischPeschawarShura-yi Inqilab-i Ittifaq-i Islami-yi AfghanistanRat der islamischen VereinigungSayed Ali BehishtiSchiitisch, traditionell-nationalistischHazaradschatSazman-i Nasr-i Inqilab-i Islami-yi AfghanistanOrganisation für den Sieg der islamischen RevolutionMuhammad Hussain SadiqiSchiitisch, Pro-Chomeini-islamistischIranPasdaran-i Jihad-i Islami-yi AfghanistanWächter des islamischen DschihadsAli Jan ZahediSchiitisch, Pro-Chomeini-islamistischIranHizbullahPartei GottesSheikh WusuqiQari Ali Ahmed DarwaziSchiitisch, Pro-Chomeini-islamistischIran

Mudschahidin im Iran

Mudschahidin in den Jugoslawienkriegen

Auch im Bosnienkrieg kämpften ausländische Freiwillige, größtenteils ehemalige Afghanistankämpfer, als sogenannte Mudschahidin (mudžahedin) ab 1992 auf Seiten der bosnisch-muslimischen Streitkräfte.

Während des Bosnienkrieges kam es zu zahlreichen Gräueltaten von Mudschahidin, unter anderem unter der Führung des Oberbefehlshabers der bosnischen Armee, Rasim Delić, an Serben und Kroaten in Zentralbosnien und der Region von Ozren. Auf Befehl von Osama bin Laden kämpften die al-Qaida-Anhänger während des gesamten Krieges mit der bosnischen Armee an vorderster Front.Die Zeit: Schule des Hasses auf dem Balkan – Wie bin Ladens Al-Qaida in Bosnien Fuß fasste

Literatur Robert D. Kaplan: Soldiers of God. With Islamic Warriors in Afghanistan and Pakistan. Vintage Books, New York 2001, ISBN 978-1-4000-3025-5. Souad Mekhennet, Claudia Sautter, Michael Hanfeld: Die Kinder des Dschihad. Die neue Generation des islamistischen Terrors in Europa. Piper, München 2006, ISBN 3-492-04933-8; aktualisierte Taschenbuchausgabe ebenda (Juni) 2015, ISBN 978-3-492-30858-8, S. 151–160 (Der Irak-Konflikt: Die neue Generaton der Mudschaheddin) und öfter.

Weblinks

Anmerkungen

Kategorie:Guerilla Kategorie:Dschihad Kategorie:Bewaffnete islamistische Untergrundorganisation Kategorie:Afghanistankrieg (seit 1978)