mini|Gedenktafel am Haus, Caspar-Theyß-Straße 1, in Berlin-Grunewald

Das Walther-Rathenau-Gymnasium ist ein Gymnasium in der Herbertstraße 4 im Berliner Ortsteil Grunewald. Es wurde 1903 als Realgymnasium zu Grunewald bei Berlin als Knabenschule gegründet. Ab 1919 hieß es Grunewald-Gymnasium. Zum Gedenken an Walther Rathenau, der am 24. Juni 1922 unweit der Schule von antisemitischen und nationalistischen Tätern ermordet wurde, erhielt es 1946 seinen heutigen Namen. Fast zehn Jahre lang trug bereits vor 1933 ein bedeutendes liberales Neuköllner Reform-Realgymnasium den Namen Rathenaus.

Geschichte Das Schulgebäude wurde 1903 durch die damals selbstständige Landgemeinde Grunewald erbaut und seitdem mehrmals erweitert. 1928 wurde der Neubau in der Herbertstraße angefügt. Der während des Zweiten Weltkriegs zerstörte Trakt für Turnhalle und Aula wurde 1960 durch einen größeren Neubau ersetzt.

In den 1920er Jahren zeichnete sich die Schule durch ein breitgefächertes Unterrichtsangebot aus, das Begabungen und Neigungen der Schüler stärker berücksichtigen sollte. Diese „Bewegungsfreiheit“ kann als Vorläuferin der heutigen Kursphase angesehen werden. In dieser Zeit war rund ein Drittel der Schüler jüdischen Glaubens. Seit April 1933 wurde die Schule durch einen von den Nationalsozialisten eingesetzten kommissarischen Direktor geleitet. Er setzte mit Nachdruck durch, dass die jüdischen Lehrer, darunter Richard Samuel, und die meisten jüdischen Schüler die Schule verlassen mussten. Viele emigrierten nach Palästina, Großbritannien, Frankreich, in die Schweiz und die USA.

Das Rathenau-Gymnasium ist seit 1967 eine gemischte Schule für Mädchen und Jungen. Das ehemalige Lyceum – das Hildegard-Wegscheider-Gymnasium – ist die Partnerschule des Walther-Rathenau-Gymnasiums.

Profil Das Gymnasium beginnt wie in Berlin üblich mit der siebten Klasse. Die Sprachreihenfolge lautet wie folgt: Ab der siebten Klasse kann entweder Latein oder Französisch als zweite Fremdsprache neben Englisch gewählt werden. Im Rahmen des Wahlpflichtunterrichts ab der achten Klasse kann eine dritte Fremdsprache gewählt werden. Ab der neunten Klasse gibt es ein weiteres projektorientiertes Wahlpflichtfach. In der Qualifikationsphase besteht durch die langjährige Zusammenarbeit mit der Hildegard-Wegscheider-Oberschule eine große Wahlmöglichkeit von Kurskombinationen. Bekanntheit erlangt hat das Walther-Rathenau-Gymnasium auch durch seine mehrfach ausgezeichnete Schülerzeitung Shyft.

Ehemalige Schüler Georg Ahrens, Diplomat Reinhard Bendix, Soziologe Georg Benjamin, Kinderarzt und Widerstandskämpfer Wolfgang Berg, Physiker Christian Bienert, Hörfunkmoderator Dietrich Bonhoeffer, Theologe, Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 Ernst Bornemann, Sexualforscher Roger Cicero, Jazz- und Popmusiker Günther Dammann, Autor und Zauberkünstler Justus Delbrück, Verwaltungsjurist, Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 Heinrich Gustav Dittmar, Historiker, Emigrant Christine von Dohnanyi, Widerstandskämpferin des 20. Juli 1944 Hans von Dohnanyi, Jurist, Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 Tanja Dückers, Schriftstellerin und Journalistin Heinrich von Einsiedel, Politiker und Autor Tanja Geke, Synchronsprecherin Kurt von Gleichen-Rußwurm, Journalist Leonore Goldschmidt, Pädagogin Klaus Herlitz, Unternehmer Knut Hoffmeister, Experimentalfilmer Björn Jotzo, Politiker und Jurist Friedrich Karl Kaul, Jurist, Hochschullehrer und Schriftsteller Michael Kerr, Jurist, wegen politischer Emigration nur kurzzeitig Schüler Bernhard Klamroth, Offizier, Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 Ulrich Klug, Jura-Professor Jan Kobow, Opernsänger Ferdinand Kroh, Journalist und Sachbuchautor Horst Krüger, Schriftsteller Ursula von Mangoldt-Reiboldt, Schriftstellerin und Verlegerin, Nichte Walther Rathenaus Bettina Martin, geb. Girrbach, Politikerin und Ministerin in Mecklenburg-Vorpommern Christoph Meyer, Politiker und Jurist Jan Meyerowitz, als Hans-Hermann Meyerowitz, Komponist Werner Milch, Jurist Peer Mock-Stümer, Politiker Sina Rauschenbach, Religionswissenschaftlerin Otto Reuleaux, Ingenieur und Industriemanager Horst-Eberhard Richter, Psychoanalytiker Peter Salomon, Schriftsteller und Literaturhistoriker Rajah Scheepers, Theologin Jörg Schlegel, Volkswirt, Wirtschaftsfunktionär und Staatssekretär in Berlin Wolf Schneider, Journalist, Autor, Sprachkritiker Harry C. Schnur, Altphilologe Hans Schönfeld, Theologe Klaus-Peter Schulz, Bundestagsabgeordneter Cornelia Seibeld, Politikerin und Juristin Joachim Seyppel, Literaturwissenschaftler Nicolaus Sombart, Soziologe Konstantin Spies, Mediziner und Politiker Hasso Spode, Soziologe Alexander Stahlberg, Offizier, Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 Sylvia von Stieglitz, Politikerin und Unternehmerin Beate Stoffers, Politikerin und Politikwissenschaftlerin Fritz von Twardowski, Diplomat Joachim Wedekind, Schauspieler, Hörspielsprecher und Drehbuchautor Peter Weiss, Schriftsteller Michael Wolffsohn, Historiker Marion Gräfin Yorck von Wartenburg, Richterin und Widerstandskämpferin des 20. Juli 1944 Rudolf Zipkes, Jurist und Schriftsteller

Literatur Jahresbericht: über das Schuljahr ... Berlin-Halensee, 12.1914/15 (1915) () Jahresberichte der Schuljahre 1921/22, 1927/28, 1928/29, 1938/39 sowie 1939/40 in der Bibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung.

Gertrud Fischer-Sabrow: Das Grunewald-Gymnasium – eine konservative Reformschule im Berlin der 1920er- und 30er-Jahre. In: 1920: Aufbruch aus dem Chaos – Berlin wird Weltstadt, Hrsg.: Berliner Geschichtswerkstatt e. V., September 2021, S. 53–60.

Weblinks

Website des Walther-Rathenau-Gymnasiums

Einzelnachweise

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