mini|Eingang des Dokumentationszentrums von 2001 bis 2020 und wieder seit Februar 2025 mini|Die Kongresshalle am Dutzendteich. Der Eingang des Dokumentationszentrums befindet sich links im Bild; der Nürnberger Volksfestplatz grenzt unmittelbar an das Gebäude an (vorne). mini|Kartenausschnitt des Reichsparteitagsgeländes um 1940 mini|Der neue gestaltete Innenhof des Dokumentationszentrums am Tag der (Teil-)Wiederöffnung am 18. Februar 2025 mini|Die neue Architektur des Dokuzentrums durchschneidet die Kongresshalle diagonal vom Eingang aus Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände (kurz: Dokuzentrum) ist ein Museum in Nürnberg. Es gehört zum Verbund der Museen der Stadt Nürnberg und befindet sich im Nordflügel der von den Nationalsozialisten konzipierten, unvollendet gebliebenen Kongresshalle des ehemaligen Reichsparteitagsgeländes. Verschiedene Dauerausstellungen befassen sich mit den Ursachen, Zusammenhängen und Folgen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Themen, die einen direkten Bezug zu Nürnberg haben, werden dabei besonders berücksichtigt. Dem Museum ist ein Studienforum angeschlossen.
Entstehung 1994 beschloss der Stadtrat von Nürnberg die Einrichtung des Dokumentationszentrums. Der österreichische Architekt Günther Domenig gewann 1998 den internationalen Wettbewerb mit seinem Vorschlag, den nördlichen Kopfbau durch einen begehbaren „Pfahl“ aus Glas und Stahl diagonal zu durchbohren. Am 4. November 2001 wurde es durch den damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau eröffnet.
Ausstellung Zwischen 1985 und 2020 (bis 2001 im Goldenen Saal der Zeppelintribüne) befasste sich die Dauerausstellung Faszination und Gewalt mit den Ursachen, Zusammenhängen und Folgen des Nationalsozialismus. Aspekte, die einen deutlichen Bezug zu Nürnberg haben, wurden dabei hervorgehoben. Nürnberg war in der Zeit des Nationalsozialismus die Stadt der Reichsparteitage und wurde vielfach für Propagandazwecke genutzt. Zu den Themen mit lokalem Bezug gehörten die Geschichte der Reichsparteitage, die Bauten des Reichsparteitagsgeländes, die Nürnberger Gesetze, die Nürnberger Prozesse sowie der Umgang mit dem nationalsozialistischen Architekturerbe nach 1945.
Seit Mai 2006 wird die Ausstellung im Dokumentationszentrum durch ein zweisprachiges Informationssystem mit 23 Stelen im historischen Areal ergänzt, die einen individuellen Rundgang über das ehemalige Reichsparteitagsgelände ermöglichen. Außerdem bietet der Verein Geschichte Für Alle e. V. Führungen über das ehemalige Reichsparteitagsgelände an.
Seit 2020 ist das Dokumentationszentrum auch auf Google Arts & Culture vertreten. Es gibt zwei Ausstellungen zum Reichsparteitagsgelände und zur Entstehungsgeschichte der Einrichtung.
Seit 2021 wird das Dokumentationszentrum umgebaut, die bisherige Dauerausstellung ist geschlossen. Während der Zeit des mehrjährigen Umbaus erzählt jedoch die eigens konzipierte Interimsausstellung Nürnberg – Ort der Reichsparteitage. Inszenierung, Erlebnis und Gewalt in Deutsch und Englisch erstmals aus lokalgeschichtlicher Perspektive die Geschichte rund um das Reichsparteitagsgelände von 1918 bis 2020. Eine großflächige Medieninstallation gibt einen Überblick über das Areal. In vier Zeiträumen entwickeln sich die Ereignisse in der Stadt und auf dem Gelände. Eine Vielzahl von Objekten, zahlreiche Aufnahmen von Privatleuten sowie eindrückliche Biografien öffnen neue Blicke auf das Thema. Der neue Eingang zur Ausstellungshalle war ausgeschildert. Am 18. Februar 2025 wurde der Eingang wieder zum ursprünglichen Ort verlegt (zunächst jedoch nur im Erdgeschoss geöffnet) und das renovierte Foyer für die Öffentlichkeit freigegeben. Die offizielle Einweihung des Eingangsbereichs erfolgte am 19. Februar 2025.
Nach fünfjähriger Umbauphase öffnete das Zentrum am 22. Mai 2026 wieder vollständig, zunächst im Probebetrieb. In die neue Ausstellung sind interaktive Elemente und inklusive Vermittlungsformate integriert. Auch soll die Frage von KI-Fälschungen durch Herkunftsnachweise für jedes Exponat beantwortet werden.
Kuratorium Georg Eisenreich, Bayerischer Staatsminister der Justiz Peter Daniel Forster, Präsident des Bezirkstags von Mittelfranken Albert Füracker, Bayerischer Staatsminister der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat Herwig Gössl, Erzbischof von Bamberg Jo-Achim Hamburger, Israelitische Kultusgemeinde Nürnberg Elisabeth Hann von Weyhern, Regionalbischöfin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern Charlotte Knobloch, Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern Marcus König, Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg Ulrich Maly, Altoberbürgermeister der Stadt Nürnberg (Sprecher des Kuratoriums) Christoph Safferling, Direktor der Internationalen Akademie Nürnberger Prinzipien Sabine Schnell-Pleyer, Stiftung zur Unterstützung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände Anna Stolz, Bayerische Staatsministerin für Unterricht und Kultus Bundesminister a. D. Oscar Schneider († Dezember 2024), Ehrenvorsitzender des Kuratoriums Wolfram Weimer, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien
Stand: Juni 2025
Studienforum Das Studienforum befindet sich in dem modernen gläsernen Aufbau auf dem Dach des Kopfbaus. Ein Zusammenschluss von sieben Nürnberger Bildungseinrichtungen ermöglicht unter der Leitung der Museen der Stadt Nürnberg ein umfangreiches und zielgruppenorientiertes Programm. Das Angebot reicht von 90-minütigen moderierten Programmen über Rundgänge bis hin zu Studientagen und zielt auf Schulklassen, Jugend- und Erwachsenengruppen. Das inhaltliche Spektrum bedient historische Themen mit Bezug zum Gelände und den Reichsparteitagen sowie der Lagergeschichte im Krieg, widmet sich jedoch auch aktuellen Phänomen wie Rassismus und Rechtsextremismus. Während der Umbauphase wird das Bildungsangebot auf die Inhalte der Interimsausstellung zugeschnitten.
Die Partner im Studienforum sind (Stand 2026):
Geschichte Für Alle e. V. – Institut für Regionalgeschichte Akademie im Caritas-Pirckheimer-Haus Kreisjugendring Nürnberg-Stadt Kunst- und Kulturpädagogisches Zentrum der Museen in Nürnberg Menschenrechtsbüro der Stadt Nürnberg Nürnberger Menschenrechtszentrum e. V.
Auszeichnungen 2001: Innovationspreis der Region Nürnberg an die Partner im Studienforum des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände
2002: weltweit bestes Tourismusprojekt außerhalb Großbritanniens durch den Verband der Britischen Reiseschriftsteller
2003: Architekturpreis Beton für das Bauwerk und Preis der Europäischen Union für zeitgenössische Architektur.
2004: Architekturpreis der Stadt Nürnberg für Günther Domenig für seinen Entwurf des Gebäudes.
Andere Orte des Gedenkens an die Judenverfolgung in Nürnberg In der Stadt gibt es keinen würdigen Gedenkort an die von der NS-Partei als Juden verfolgten über 1500 Personen aus der Stadt und Hunderten aus dem Umland und an die dazu benutzten Deportationszüge vom ehemaligen Bahnhof Nürnberg-Langwasser / Bf N-Märzfeld. Im Herbst 1942 meldete der Parteileiter nach Berlin, dass Nürnberg „judenrein“ sei.
mini|120px|Blumenthalstraße 7, Frieda Brüll, 1875–1942 KZ Theresienstadt – KZ TreblinkaTheresienstadt-Kartei in: Arolsen Archives, Signatur 11422001 038, Transportnummer; mit Bild der Karteikarte. Stolpersteine bezeichnen die letzten Wohnorte der Verfolgten im Stadtgebiet, soweit bisher solche Kleindenkmale in den Straßen verlegt worden sind.
Das allgemeine Mahnmal zur Erinnerung an Kriegsopfer, Kriegsverbrechen und die Shoah/den Holocaust und die Verfolgung anderer Personengruppen befindet sich auf dem Nürnberger Südfriedhof. Dort wird auch der sowjetischen Kriegsgefangenen gedacht, die in Nürnberg um ihr Leben gebracht wurden.
Am Platz der Opfer des Faschismus in der Nähe der Universität mit einem übermannshohen Findling als Gedenkstein gab es bis zu einer Umgestaltung 2021 kaum etwas, das Bezüge zu den dahinter stehenden Verbrechen ausdrücken konnte und einlud, an dem Ort darüber nachzudenken. Damals wurde die Bodenbelagsfläche rund um den Gedenkstein vergrößert und eine Steinbank als Sitzgelegenheit installiert. Georg Neubauer sagte es so: Er kenne den Platz nunmehr seit fast 40 Jahren, „aber es ist jetzt das erste Mal, dass ich mir vorstellen kann, dass Menschen sich vielleicht auch mal hinsetzen und den Gedenkstein etwas bewusster wahrnehmen.“ Marco Puschner: Platz der Opfer des Faschismus umgestaltet – so sieht er nun aus. Verlag Nürnberger Presse vom 1. Juli 2021 (mit Foto). Hinter dem Gedenkstein sollen künftig weiße Rosen in Erinnerung an die gleichnamige Widerstandsgruppe blühen.
Das Zwangsarbeiter-Mahnmal „Transit“ befindet sich am Verkehrszentrum Plärrer.
Literatur Franz Sonnenberger (Hrsg.): Die Zukunft der Vergangenheit. The Future of the Past. Wie soll Geschichte des Nationalsozialismus in Museen und Gedenkstätten im 21. Jahrhundert vermittelt werden. Verlag Nürnberger Presse, Nürnberg 2000, ISBN 3-9807488-0-4 (Schriftenreihe des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände, Band 1). Faszination und Gewalt. Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Nürnberg. Museen der Stadt Nürnberg, Nürnberg 2006 (Ausstellungskatalog). Nürnberg – Ort der Reichsparteitage. Inszenierung, Erlebnis und Gewalt. Museen der Stadt Nürnberg, Petersberg 2021 (Ausstellungskatalog).
Weblinks
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände Geländeinformationssystem ehemaliges Reichsparteitagsgelände Das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände bei Google Arts & Culture Geschichte Für Alle e. V. – Institut für Regionalgeschichte
Einzelnachweise
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