mini|Fresko in der sixtinischen Kapelle von Michelangelo, 1510 mini|Gott hat auf Wunsch des Propheten Ezechiel die Toten auferweckt. Ezechiel, dargestellt mit einem Heiligenschein in Flammenform, steht in einer Wüste, in der Schädel und Knochen verstreut liegen. mini|Ezekiels Vision des Tals der trockenen Knochen von Quentin Massys der Jüngere, 1589

Ezechiel [] oder Hesekiel [], , heißt einer der großen Schriftpropheten und der ihm zugeschriebene Text bzw. das gleichnamige Buch des Tanach bzw. Alten Testaments. Es entstand im 6. Jahrhundert v. Chr. im babylonischen Exil und schildert Visionen und Symbolhandlungen des Propheten.

Name Etymologie Der Name bedeutet: „Gott stärkt“ bzw. „Gott möge stärken“.

Schreibung des Namens Das Griechische Alte Testament gibt den Namen unregelmäßig als wieder: Die Silbe entfällt, für das Schwa wird wohl in Anlehnung an ein Schwa Mobile, ein nach dem () eingeschoben und zwischen und ein ergänzt ().Clemens Könnecke: Die Behandlung der hebräischen Namen in der Septuaginta. in: Programm des Königlichen und Gröning’schen Gymnasiums zu Stargard in Pommern, Stargard 1885, S. 19 Mitte, Nr. 5. Online PDF (1863 kB) Nach den Transkriptionen anderer Namen wäre eher oder zu erwarten.

Das volkstümliche Lateinische Alte Testament des Mittelalters gibt den Namen des Propheten mit Hiezecihel wieder. Dabei scheinen die christlichen Übersetzer versucht zu haben, die entfallenen Kehllaute wieder einzufügen, taten dies jedoch an der falschen Stelle. Zu erwarten wäre die Transkription Ieheskel oder Ieheskiel.

Daraus entstanden die heute üblichen Umschriften Ezechiel und Hesekiel. Bei Ezechiel wird gegenüber auf das einleitende verzichtet. Bei Hesekiel wird auch kein rekonstruiert, jedoch das ursprüngliche hebräische als H restauriert. Die Schreibung von S statt Z für und K statt Ch für ist die phonetisch passendste im Deutschen. Diese Verwendung von H, S und K ist auch in den Loccumer Richtlinien so vorgesehen. Der Name Ezechiel bildet dabei eine Ausnahme.

Nutzung der Schreibweisen in den deutschen Bibelübersetzungen EzechielHesekielEinheitsübersetzung Zürcher Bibel Gute Nachricht Bibel BasisBibelLutherbibel Elberfelder Bibel Schlachter-Bibel Menge-Bibel Hoffnung für alle Neues Leben Bibel Neue evangelistische Übersetzung

Autor und Kontext Ezechiel, Sohn des Busi, war Kohen (Priester) ()Helmuth Egelkraut, William Sanford LaSor, David Allan Hubbard, F. W. Bush: Das Alte Testament. Entstehung-Geschichte-Botschaft. 5. völlig neu bearbeitete Auflage. Brunnen, Giessen/Basel 2012, ISBN 978-3-7655-9344-4, S. 970 und gehörte zur ersten Gruppe der 598 v. Chr. unter König Nebukadnezar II. nach Babylon verschleppten Israeliten. Er war Zeitgenosse des Propheten Jeremia. Er erhielt seinen Wohnsitz in Mesopotamien am Fluss Chabur,Nach einigen Auffassungen könnte es sich um den Fluss Chabur gehandelt haben dem heutigen Schatt-en-Nil bei Babylon. Dort begann er im Alter von 30 Jahren sein prophetisches Wirken. Insgesamt wirkte er 22 Jahre als Prophet im babylonischen Exil, vom fünften Jahr des Exils des Königs von Juda bis zum 27. Jahr des Exils. In Israel oder Juda selbst trat er nie auf. Indizien im Buch Ezechiel weisen auf seine herausragende Bedeutung in der Diasporagemeinde hin: Sitzungen des Ältestenrates vor ihm () oder Ortsgespräch über ihn (). Ezechiel bekräftigte den Monotheismus der JHWH-Religion und prägte die Vorstellung von der Heiligkeit des Gottesnamens. Er gilt als Vater der priesterlichen Theologie. Dies zeigt sich auch in seinen klassisch priesterlichen Themen wie Reinheit und Unschuld (). Die göttlichen Handlungen innerhalb dessen, was er als Prophetien von Jahwe von sich gab, sind häufig von Gewalt gegenüber jenen Nationen geprägt, die als Opposition zum Volk Israel verstanden werden können. (z. B. )

Das Grab des Propheten Hesekiel wird seit dem 10. Jahrhundert in Al-Kifl von Juden verehrt, dieses Dorf nahe der Stadt Hilla, liegt an der traditionellen Route der Haddsch-Karawanen aus den heutigen Irak und Iran. Seit dem 12. Jahrhundert lokalisieren Muslime hier das Grab des Dhu l-KiflAviva Schussman: The Prophet Ezekiel in Islamic Literature: Jewish Traces and Islamic Adaptions. In: Michael E. Stone, Theodore A. Bergren (Hrsg.): Biblical Figures Outside the Bible. Trinity Press International, Harrisburg 1998, S. 316–339, hier S. 330f., worauf auch das Dorf seinen Namen bezieht und ist Teil der heutigen Al-Nuchailah-Moschee. Der Name Dhu l-Kifl bedeutet „Besitzer des Doppelten“ oder „Besitzer der Falte“ (ذو dhū „Besitzer von, Eigentümer von“ und الكفل al-kifl „doppelt, gefaltet“). Einige islamische Gelehrte haben Ezechiels Mission mit der Beschreibung von Dhu al-Kifl verglichen. Während des Exils, nach dem Fall Jerusalems im Jahr 586 v. Chr., waren Monarchie und Staat vernichtet, und politisches und nationales Leben war nicht mehr möglich. In Ermangelung einer weltlichen Grundlage wurde es notwendig, eine spirituelle zu errichten, und Ezechiel erfüllte diese Mission. In Übereinstimmung mit den beiden Teilen seines Buches sind seine Persönlichkeit und seine Predigten gleichermaßen zweifach. Zu Zeiten Saddam Husseins wurde die Stätte geschützt.

Gliederung Das Buch gliedert sich in vier Teile.

Im ersten Abschnitt von Kapitel bis tadelt Ezechiel das Volk wegen „Götzenanbetung“ und zahlreicher anderer Sünden. Da sich die gesamte Nation von Gott abgekehrt und den Bund mit Gott verlassen habe, prophezeit er, dass Juda fallen, Jerusalem zerstört und die Menschen in Gefangenschaft geraten würden. Im zweiten Abschnitt von Kapitel bis prophezeit Ezechiel den Untergang der Feinde Judas: die Moabiter, Edomiter, Philister, Ammoniter, die phönizischen Städte Tyros und Sidon und die Ägypter. Das Wort geht aber nicht gegen die Babylonier. In diesem Teil wird die Allmacht und die Allgegenwart Gottes offenbart, der nicht bloß der Gott des Reiches Juda, sondern der Herr aller Nationen sei. Somit wird im zweiten Teil das im ersten Abschnitt entwickelte Thema wieder aufgegriffen und durch die Vision von Gottes Thronwagen weiter ausgeführt. mini|Die Auferweckungsvision des Propheten Ezechiel, Alabasterrelief von Leonhard Kern aus einem Epitaph, um 1645 Ezechiel spendet hingegen im dritten Abschnitt von Kapitel bis den Exilierten Trost. Er weissagt den Wiederaufbau Jerusalems und des Tempels und prophezeit die Rückkehr Gottes. Einer der berühmtesten Abschnitte des Alten Testaments ist Ezechiels Traum vom Tal der verdorrten Gebeine . Er veranschaulicht, dass die Gegenwart Gottes der entscheidende Unterschied zwischen den Lebenden und den Toten ist. Kapitel und enthalten Prophezeiungen gegen Gog und Magog. Der letzte Abschnitt von Kapitel bis enthält eine Ankündigung des Beginns der messianischen Zeit und eine detaillierte visionäre Beschreibung eines zukünftigen, überwiegend theokratischen Gemeinwesens der Juden. Dieser Abschnitt hat christlichen Exegeten oft Probleme bereitet, da er sich nur sehr schwer mit christlichen Zukunftsvisionen vereinbaren lässt (siehe auch: Neues Jerusalem). Er wird innerhalb der christlichen Theologie unterschiedlich interpretiert (Millenarismus, Amillennialismus).

Gottes Thronwagen

Das erste Kapitel beschreibt, wie dem Ezechiel die Herrlichkeit des Herrn auf seinem Thronwagen, der Merkaba mit den Cherubim, erscheint; dies ist bei weitem die ausführlichste derartige Beschreibung in der Bibel. Dieser Text spielt eine herausragende Rolle in der jüdischen Kabbala, in der mündlichen jüdischen Überlieferung und in der christlichen Mystik.

Gemäß der Mischna ist es nach jüdischer Überlieferung verboten, eine Person auch nur in der Einleitung des Buches Ezechiel zu unterrichten, sofern dieser Schüler nicht weise ist und fähig ist, den Stoff selbst zu verstehen.(Chagiga 2, 1)

Der Kirchenvater Hieronymus vergleicht in seinem Kommentar die augenbesetzten Räder aus Vers 18 mit der Figur des Argus Panoptes aus den griechischen Mythen.Vgl. Hier. in Ezech. 1,1,15-18

Es wird diskutiert, ob Ezechiel in diesem Kapitel die Beobachtungen von starken Polarlichtern beschreibt, die bei starken Sonnenwinden durchaus sogar in Äquatornähe gesehen werden können, wie zum Beispiel beim Carrington-Ereignis von 1859 belegt ist.Kristian Schlegel: 2 Polarlichter in der Geschichte, in: Polarlichter zwischen Wunder und Wirklichkeit – Kulturgeschichte und Physik einer Himmelserscheinung, Springer (2011), ISBN 978-3-8274-2880-6

mini|Schriftrolle des Propheten Hesekiel aus Russland, Anfang des 18. Jahrhunderts.

Religiöse Weiterentwicklung Während des Babylonischen Exils wurde die Religion weiterentwickelt und reformiert. Neu ist beispielsweise der ins Säkulare weisende Gedanke, dass Palast und Tempel, Politik und Religion nicht mehr eine strikte Einheit bilden sollen. Bemerkenswert ist auch, dass Ezechiel als Beispiel für Rechtschaffene allein auf Hiob, Noah und Daniel verweist.

Da der Tempelkult des Jerusalemer Tempels im Exil nicht mehr auszuüben ist, wird nunmehr gesagt, dass Gott seinem Volk in allen Ländern dient () und es heim führen wird:

Die Sippenhaftung, die JHWH im zweiten Gebot androhte, wird endgültig abgeschafft:

Die Heilsverkündung bekommt ein humanistisches Ziel:

Engen Vorstellungen kultischer Abstammungsreinheit der Israeliten hält Ezechiel entgegen:

Er warnt vor Arroganz und Selbstzufriedenheit:

Moral bei Ezechiel Gebote der Mitmenschlichkeit Der Schwerpunkt der Gebote und Verbote verschob sich bei Ezechiel weg von den Tempelsatzungen und Reinheitsvorschriften hin zu gelebter Mitmenschlichkeit. Die Gebote der Mitmenschlichkeit sind bei Ezechiel: Soziale Satzungen: Schonung von Frauen, Elenden und Armen; dem Hungrigen Brot geben; die Nackten bekleiden Wirtschaftliche Satzungen: Verzicht auf Zins und Zuschlag; Fairness im Handel, d. h. Nutzung fairer und anerkannter Maßeinheiten Allgemeine Regeln: Unrecht vermeiden, Gerechtigkeit suchen, Reue

Taten der Gottlosigkeit Die Taten der Gottlosigkeit, vor denen Ezechiel warnt, sind: Kultische Gottlosigkeiten: „Götzendienst“, z. B. das Essen von „Götzenfleisch“ oder Verwendung von Zauberbinden für die Handgelenke; Verkehr mit Frauen im Zustand der kultischen Unreinheit; starke Entweihungen des Sabbats, Ignorierung der Propheten (verstocktes Herz); Verunreinigung des Heiligtums mit Gräueln Soziale Gottlosigkeiten: Ehebruch und Inzest; Bedrückung von Elenden und Armen, Schutzlosen und Fremden; Gewalt; Blutvergießen und Vernichten von Leben; Missachten von Geboten, die den Menschen am Leben erhalten; Vertreibung; Kinderopfer Wirtschaftliche Gottlosigkeiten: Einbehaltung von Pfandsachen; Raub, Habgier und Profitgier Allgemeine Gottlosigkeiten: Vertragsbruch, Betrug und Bestechung; Schadenfreude und Rachsucht

Priesterkritik Modern wirkt Ezechiel darin, dass er die Priesterkaste im Kapitel 34,1–5 deutlich zu kritisieren wagt:

Damit erklärt Ezechiel die Ursachen der Diaspora.

Die Kritik Jesu an den religiösen Führern seiner Zeit, wie sie etwa in Matthäus wiedergegeben wird, wirkt von Ezechiel beeinflusst.

Landverheißung auch an Fremde Bemerkenswert am Buch Ezechiel ist neben den Gerechtigkeitsvorstellungen auch die von ihm aus der Tora abgeleiteten Vorstellungen des Gelobten Landes. Im Kapitel 47 steht:

Mit dem „Fremden“ ist hier der sogenannte Beisasse gemeint, ein nicht-jüdischer Einwohner, der sich im Herrschaftsbereich israelischer Stämme befindet und die sieben noachidischen Gebote beachtet. Das Losverfahren soll sicherstellen, dass niemand bevorzugt oder benachteiligt wird.

Gewalt bei Ezechiel Für Ezechiel steht das Verhältnis zwischen Gott und dem (israelitischen) Menschen im Mittelpunkt, so ist etwa das Ziel göttlicher Vergeltung oder Rache die Wiederherstellung der gestörten Glaubensordnung; es wird die Ausschließlichkeit der JHWH-Verehrung (Monolatrie bzw. Mono- oder Henotheismus) gefordert. Ezechiels literarischer Gott bedient sich zur Vermittlung häufig des Bildredens, von knappen Gleichnissen bis zu umfangreich entwickelten Allegorien.