mini|hochkant|Imelda Marcos (2006) Imelda Romuáldez Marcos (* 2. Juli 1929 in Manila, Philippinen) ist die Witwe von Ferdinand Marcos, dem 10. Präsidenten der Philippinen. Während seiner Präsidentschaft von 1965 bis 1986 war sie die First Lady der Philippinen. Nachdem das diktatorische Marcos-Regime 1986 abgesetzt worden war, flohen Ferdinand und Imelda Marcos nach Hawaii. Transparency International zufolge war das Marcos-Regime nach 1970 (und nach den Suhartos) das zweitkorrupteste der Welt. Die ehemalige Schönheitskönigin Imelda Marcos fällt durch verschwenderische Extravaganz und ihre exorbitante Schuhsammlung auf. Als ausgesprochene Schuhfetischistin besaß sie die wohl größte private Schuhsammlung der Welt mit ungefähr 3000 Paar Schuhen.Imelda Marcos, die bizarre Schuh-Fetischistin Im Volksmund wurde sie „Schmetterling aus Stahl“ genannt.„Das unterdrückte Volk wird sich erheben“In Manila ist die Diktatorenwitwe dauerpräsentLA MARIPOSA DE ACERO

Nach dem Tod ihres Mannes (1989) kehrte sie 1991 auf die Philippinen zurück. Von 1995 bis 1998 hatte sie einen Sitz im Unterhaus. Im Juni 2010 wurde sie wieder in das Repräsentantenhaus gewählt und seither zweimal wiedergewählt. Imelda Marcos hat vier Kinder, drei eigene sowie eine adoptierte Tochter. Ihre Tochter Imee und ihr Sohn Ferdinand Jr. haben ebenfalls hohe politische Ämter inne.

Leben Herkunft mini|Imelda Marcos (1953) Imelda Romualdez stammt aus einem Nebenzweig der Romualdez-Familie, einer der führenden Oligarchenfamilien auf den Philippinen. Die in der Provinz Visaya beheimatete Familie stammt ursprünglich aus Manila und hat dort noch wichtige Verbindungen. Sie ist die Tochter des Professors Vicente Orestes Romualdez und der Modedesignerin Dona Remedios Trinidad. Ihr Großvater Daniel Z. Romualdez war damals Sprecher des Repräsentantenhauses. Ein anderes Familienmitglied, Noberto Romualdez, war damals Richter am Obersten Gerichtshof der Philippinen. Imelda Romualdez kam in Manila zur Welt und wuchs in der südlichen Provinz Leyte auf. Sie besuchte das St. Paul’s College und erlangte dort einen Bachelor-Abschluss in Pädagogik. Mit 18 gewann sie einen lokalen Schönheitswettbewerb und den Titel „Rose von Tacloban“. Sie nahm daraufhin an der Wahl zur Miss Manila teil. Nachdem sie dort nur den zweiten Platz gewonnen hatte, beschwerte sie sich derart eindrucksvoll beim damaligen Bürgermeister der Stadt, dass der sie zur „Muse von Manila“ ernannte.Ed Leibowitz: . TIME, 5. Juli 2004 (archivierte Webseite)

Heirat Ferdinand Marcos entdeckte sie im Mai 1955, als sie ihren jüngeren Cousin auf der Besuchergalerie des philippinischen Parlaments begleitete. Sie und der aufstrebende Politiker trafen sich dann in der Kantine des Parlaments.

Nach nur elf Tagen heirateten die beiden. Später folgte eine zweite Hochzeit, nachdem Ferdinand Marcos von der Unabhängigen Philippinischen Kirche zur einflussreicheren römisch-katholischen Kirche übergetreten war. Die Hochzeit vereinigte so zwei einflussreiche philippinische Clans, die Marcos selbst konnten in der Zeit ihrer Regierung besonders auf Unterstützung aus ihren Heimatprovinzen rechnen.Albert F. Celoza: Ferdinand Marcos and the Philippines. The Political Economy of Authoritarianism. Praeger, Westport, Connecticut, 1999, S. 23 f.

First Lady mini|hochkant|Imelda Marcos 1966

Ferdinand Marcos gewann 1965 die Präsidentschaftswahl als Kandidat der nationalistischen Partei.

Kriegsrecht 1972 verhängte Ferdinand Marcos das Kriegsrecht und errichtete eine Diktatur. Sein Versprechen für die Zukunft beruhte auf der Maxime „Sa ikauunlad ng bayan disciplina ang kailangan“ (Disziplin ist für die nationale Entwicklung notwendig).Celoza, S. 126. Ferdinand Marcos setzte seine „Disziplin“ durch, indem er die Medien kontrollierte, Oppositionelle ins Gefängnis werfen ließ, von denen Hunderte spurlos verschwanden, und selbst das „Verbreiten von Gerüchten“ als Straftat ahndete.

Imelda wurde kurz nach Verhängung des Kriegsrechts Gouverneurin von Groß-Manila, Ministerin für Human Settlement und Umwelt sowie „Ambassador Plenipotentiary and Extraordinary.“ Wenige Wochen nach Verhängung des Kriegsrechts versuchte ein Mann, Imelda bei einer öffentlichen Verhandlung niederzustechen, wobei eigener Aussage nach ihre größte Sorge das „hässliche Messer“ war, das er dafür verwendete.Imelda: down to her last billion Times on Sunday, 9. April 2006

Nach den beiden regulären Wahlen drohte Marcos 1973 sein Amt zu verlieren, da die damalige philippinische Verfassung die Amtszeit des Präsidenten auf eine Wiederwahl begrenzte. Die Familie Marcos plante daher unter anderem, Imelda zur neuen Präsidentin wählen zu lassen – eine Planung, die 163 der damals 311 Delegierten einer Konferenz zur Verfassungsänderung bewog, eine Petition zu unterzeichnen, die ehemalige Präsidenten, ihre Ehepartner und andere enge Verwandte von einer weiteren Kandidatur für das Präsidentschafts- oder Premierministeramt ausschloss; ein Standpunkt, der sich aber in der Diskussion nicht durchsetzen konnte.Celoza, S. 45. Nachdem die Konferenz ein Ergebnis erreicht hatte, sorgte der Delegierte Eduardo Quintero für einen Skandal. Der aus Leyte, Imelda Marcos’ Heimatprovinz, stammende ehemalige Botschafter gab an, im Verlauf der Verhandlungen zu achtzehn verschiedenen Anlässen im Malacañang-Palast von Imelda Marcos bestochen worden zu sein, um bei Abstimmungen über die Amtszeit des Präsidenten oder der zukünftigen Regierungsform zugunsten der Marcos zu entscheiden. Der sogenannte „Payola Scandal“ verlief im Sande, nicht zuletzt, da die Marcos selbst verschiedene Leute, darunter Primitivo Mijares, damit beauftragten, möglichst viel Belastendes über Quintero selbst zu sammeln.

Lebensstil Imelda Marcos spielte eine wichtige Rolle in der Marcos-Diktatur, indem sie in hohem Maß repräsentative Aufgaben wahrnahm. Sie selbst sagte zurückblickend ohne jede Ironie: „Ich wurde als Angeber geboren. Eines Tages wird mein Name im Wörterbuch stehen, dann steht imeldific für demonstrative Extravaganz.“„I was born ostentatious. They will list my name in the dictionary someday. They will use imeldific to mean ostentatious extravagance.“ Interview mit Associated Press 1998, zitiert nach In ihrer Rolle als außerordentliche Botschafterin traf sie in den folgenden Jahren fast jeden Regierungschef der Welt, oft ohne Ferdinand, der auf den Philippinen blieb. Die Führenden der Welt zeigten sich oft sehr angetan. Sie hatte ein gutes persönliches Verhältnis zu Mao Zedong, Andrei Gromyko und Muammar al-Gaddafi. Fidel Castro erzählte ihr ihrer eigenen Aussage nach, dass er nur zwei Frauen je persönlich chauffiert habe: seine Mutter und Imelda Marcos. Sie zählte Nancy und Ronald Reagan zu ihrem persönlichen Freundeskreis.

In dieser Zeit stilisierte sich Imelda als „Mutter der Nation“, die eine Ideologie von „Liebe und Schönheit“ verbreite.Eric Gamalinda: . Abgerufen am 13. Dezember 2009 (englisch). Sie selbst inszenierte sich exzessiv, ihrer Auffassung nach, um den Filipinos ein Vorbild zu setzen. 1980 bemerkte sie in einem Interview „Ich bin der Star und Sklave der kleinen Leute“ und wies darauf hin, dass es weit mehr Arbeit und Zeit koste, sich für einen Besuch in den Elendsvierteln zurechtzumachen als für einen Staatsbesuch. Denn „die Leute wollen jemanden, den sie lieben können, jemanden, der ein Beispiel setzt.“Interview in der Los Angeles Times, zitiert nach Gleichzeitig bemühte sie sich Manila mit internationalem Flair zu versehen, um so ihre Vision und die ihres Mannes darzustellen.

1974 holte sie den Miss-Universe-Wettbewerb nach Manila, damit fand er nach Griechenland 1973 erst das zweite Mal in einem anderen Land als den USA statt. Sie schuf mehrere Kunstmuseen und versuchte die Kunstszene der Philippinen unter ihre Kontrolle zu bringen. Berüchtigt für ihren Ansatz waren die „Liebesbusse“ – der Name inspiriert von der Fernsehserie Love Boat – klimatisierte Luxusbusse, die im Stadtverkehr von Manila eingesetzt wurden, mit vielfarbigen Herz-Logos versehen waren und ein Mehrfaches des regulären Fahrpreises verlangten. Zusammen bauten sie mehrere luxuriöse Gebäude wie das Philippine International Convention Center, die Philippine Heart, Lung, and Kidney Centers, das Manila Film Center, Museen und den Coconut Palace.

1975 gründete sie innerhalb weniger Wochen das Metropolitan Museum of Manila. Das in einem alten US-Militärgebäude untergebrachte und anfangs vor allem mit Leihgaben aus dem Brooklyn Museum, dem Los Angeles County Museum of Art und den Privatsammlungen von Armand Hammer und Nathan Cumming ausgestattete Museum eröffnete gerade rechtzeitig vor einer Tagung des internationalen Währungsfonds in Manila und war dazu gedacht, die angereisten Teilnehmer zu beeindrucken.Carol Duncan: Art museums and the ritual of citizenship in: Ivan Karp, Stephen D. Lavine (Hrsg.): Exhibiting Cultures: The Poetics and Politics of Museum Display. Washington, Smithsonian Institution Press, 1991, S. 88–103. Anlässlich des Treffens ordnete sie auch den Bau des Folks Arts Theaters, des Cultural Center of the Philippines sowie 18 neuer Luxushotels an.

1975 etablierte Ferdinand Marcos mit der Richtlinie 633 die National Commission on the Role of Filipino Women (NCRFW) als Reaktion auf das von der UNO ausgerufene „Jahrzehnt der Frau“. Imelda Marcos übernahm den Vorsitz und führte vor allem nationale Programme im Rahmen der UNO-Projekte durch. Die Versuche, Frauenorganisationen in die Arbeit einzubeziehen, scheiterten aber weitgehend, da viele von ihnen sich weigerten, mit der Marcos-Regierung assoziiert zu werden.Proserpina Domingo Tapales: (PDF) Ebenso war sie Schutzherrin der Commission on Population, die in den ausgeprägt katholischen Philippinen die Anti-Baby-Pille ausgeben ließ, um ein weiteres Bevölkerungswachstum zu verhindern.Barbara Supp: „Sex ist schwanger werden“ Der Spiegel, 20. September 1999

mini|Imelda Marcos (1984) Ab 1982 veranstaltete sie mehrere Filmfestivals in Manila mit dem Anspruch, ein „asiatisches Cannes“ zu schaffen. Dafür ließ sie auf einem Stück neu aus dem Meer gewonnenen Landes ein neues Film-Center bauen. Vor allem aufgrund ihrer stetig wechselnden Anforderungen verzögerte sich der Bau, die Bauarbeiten liefen schließlich Tag und Nacht. Im Zeitdruck stürzte ein Gerüst mit Bauarbeitern in eine Grube mit frischem Beton. 169 der Arbeiter sollen im Beton ums Leben gekommen sein. Um die Eröffnung des Festivals im neuen Kino-Center nicht zu gefährden, wurden die Leichen nie geborgen.Die Insel der blutigen Plantagen taz, 7. März 2007

Lange Haare bei Männern erklärte die Regierung als dekadent. Das Militär nahm Langhaarige auf der Straße fest und verpasste ihnen einen zwangsweisen Haarschnitt, ebenso wie Fotografien von Rockstars vor der Veröffentlichung so überarbeitet wurden, dass diese Kurzhaarschnitte trugen.

Imelda Marcos’ Freundes- und Bekanntenkreis umspannte die ganze Welt. Ihr Ko-Anwalt in mehreren Anklagen wegen Geldwäsche war der milliardenschwere Waffenhändler Adnan Kashoggi. Bereitwillig berichtet sie in Interviews immer wieder von Freundschaften mit Gaddafi, Saddam Hussein und zahlreichen Hollywoodstars der alten Zeit.

Wahlen 1978