mini|hochkant=1.7|Vegetation Australiens (grundsätzlich nach Schmithüsen) mini|Spinifex (Triodia) bedeckt große Gebiete des ariden Zentralaustralien. mini|Eucalyptus sind mit rund 600 Arten die zweitgrößte Gattung und diese Arten dominieren einen großen Teil der Gehölzvegetation.

Die Flora Australiens ist vor allem durch einen hohen Anteil an endemischen Pflanzenarten und -gattungen gekennzeichnet, sodass Australien als eigenes Florenreich Australis geführt wird. Es umfasst das australische Festland und die Insel Tasmanien. Es sind rund 20.000 Arten von Samenpflanzen beschrieben worden. Die artenreichsten Gattungen sind dabei Eukalyptus und Akazien mit rund 600 und 1000 Arten. Diese beiden Gattungen prägen in weiten Teilen die Vegetation Australiens.

In den ariden Gebieten im Zentrum und im Westen des Kontinentes herrschen (zumeist edaphisch bedingte) azonale Vollwüsten und zonale grasdominierte Halbwüsten vor, die von den Gattungen Triodia (Spinifex) und Astrebla (Mitchell-Gras) beherrscht werden. Alle Wüsten zusammen bedecken etwa die Hälfte des Landes.J. Schmithüsen (Hrsg.): Karte Australien, Insulinde, Melanesien und Neuseeland, Vegetation im Maßstab 1:25.000.000 aus: Atlas zur Biogeographie. Meyers großer physischer Weltatlas, Bd. 3., Bibliographisches Institut, Mannheim, Wien, Zürich 1976. ISBN 3-411-00303-0, S. 34–35 einschließlich Flächen/Anteilsangaben aus Josef Schmithüsen: Allgemeine Vegetationsgeographie. 2. verbesserte Auflage, De Gruyter, Berlin 1961. S. 16, 26, 184, 190, 192,197, 198,202, 204, 205, 217 sowie Ableitungen aus Karte. In den semiariden Übergangsräumen in einem Bogen vom Nordwesten zum Osten liegen Trocken-, Dornstrauch- oder Feuchtsavannen, die etwa ein Fünftel der Landfläche ausmachen. Zur Nordküste und zum Gebirgssaum im Osten gehen sie vor allem in tropische Trockenwälder über. Sie sind noch weitgehend in einem intakten Zustand,Australian Government: , 2015. während die im semiariden Südosten und Südwesten anschließenden Hartlaubwälder- und Buschländer des Westseitenklimas durch intensive Landnutzung bereits zu rund 70 % anthropogen verändert wurden. Die verschiedenen Regen- und Feuchtwälder von den Tropen über die Subtropen bis zur kühlgemäßigten Zone am gesamten Ostrand der australischen Landmasse sowie auf einem Großteil Tasmaniens nehmen eine sehr geringe Fläche ein (maximal 5 %), sind aber sehr artenreich und beherbergen viele ursprüngliche Arten. Alle Waldgebiete zusammen bedeckten ursprünglich etwa ein Drittel des Kontinentes.

Aufgrund der im Folgenden beschriebenen Besonderheiten bei der Artenvielfalt – insbesondere bezüglich endemischer Arten – und einer großen Biodiversität auf relativ kleinem Raum, wird Australien zu den Megadiversitätsländern dieser Erde gerechnet.

Geographische Voraussetzungen Australien ist ein alter Kontinent und rund 7,7 Millionen km² groß. Zum Florenreich der Australis gehören nur das Festland und Tasmanien; Neuguinea ist zwar Teil des australischen Kontinents, nicht aber des australischen Florenreichs (je nach Autor wird Neuguinea der Paläotropis oder der Ozeanis zugeordnet). Die durchschnittliche Höhenlage beträgt nur 330 m, und lediglich 13 Prozent der Landesfläche liegen über 500 m.

Das Klima in Australien ist durch eine hohe Sonneneinstrahlung und geringe Niederschläge gekennzeichnet, die durch den subtropischen Hochdruckgürtel bedingt sind. Die hohe Sonneneinstrahlung bedingt eine hohe Verdunstung (Evaporation). Australien ist nach der Antarktis der trockenste Kontinent. Im Norden herrschen Sommerregen vor, die durch den Monsun von November bis März bedingt und sehr verlässlich sind. Für den Rest des Jahres herrscht im Norden Trockenheit. Ein schmaler Streifen im Nordosten erhält jedoch ganzjährig hohe Niederschläge. Viele Tropentiefs werden jedoch von den Gebirgen Neuguineas abgeblockt. Im Süden herrscht Winterregen vor. In der ariden Zone dazwischen – dem größten Teil der als Outback bekannten Wildnis, die noch fast drei Viertel des Landes einnimmt – kommen nur asaisonale Regen vor, die nicht jährlich eintreten. Zwei Drittel des Landes erhalten weniger als 250 mm Regen pro Jahr. In der Südost-Ecke überlappen sich beide Zonen. Die tropischen Zyklone treten an der Ostküste zwischen dem 10. und 25. Breitengrad auf. Australien ist von der El Niño-Southern Oscillation (ENSO) betroffen, wobei in El-Niño-Jahren Trockenheit herrscht.

mini|Topographie Australiens

Die Landformen Australiens sind von Plateaus, Hügelländern und Steinwüsten geprägt. Das Land wird in drei physiogeographische Regionen unterteilt: Eastern Uplands: Die Gebirgs- und Hügelländer im Osten sind geologisch jünger als der Rest. Sie fallen nach Westen hin sanft ab, während im Osten der Abfall zu den schmalen Küstenebenen relativ steil ist. Die Great Dividing Range ist mit einer maximalen Erhebung von 2228 m (Mount Kosciuszko) nicht besonders hoch und trägt nur kleine Gebiete alpiner Vegetation. Interior Lowlands: Die Tiefebenen im Inneren bestehen aus flachen Gebieten mit tief verwitterten, mesozoischen und känozoischen Sedimenten. Das Gebiet ist arid bis semi-arid und umfasst hauptsächlich das Große Artesische Becken mit dem Murray-Darling-System und den großen Salzseen. Western Plateau: Das Plateau im Westen ist der geologisch älteste Bereich und umfasst zwei Drittel Australiens. Es sind niedrige Tafelländer und Sandebenen. Außer im Südwesten und im Norden sind sie sehr arid. Die hier gelegenen großen Wüsten sind im Gegensatz zu den Wüsten anderer Kontinente von einer ausdauernden Vegetation (Hummock-Halbwüste) bedeckt.

Die Böden sind sehr alt und dadurch arm an Nährstoffen, besonders an Phosphor und Stickstoff, aber auch an Schwefel und Kalium, sowie den Mikronährstoffen Molybdän, Kupfer, Zink, Bor und Mangan. Die Hauptunterschiede zu den Böden der Nordhemisphäre sind ein sehr geringer Gehalt an organischem Material, die ärmere Oberflächenstruktur und das Überwiegen der Mykorrhiza. In der ariden Zone überwiegen tief verwitterte rote Silikatsande, erdige Sande und Lehme (Rudosole, Tenosole), in West- und Zentralaustralien auch Laterite. Im Süden gibt es auch flach verwitterte Kalkböden und Lehmböden (Vertosole), im Westen auch flachgründige, steinige Böden. Auch Salz- und Gips-Böden sind sehr weit verbreitet.

mini|hochkant|Kingia australis, eine Art der in Australien endemischen Familie Dasypogonaceae

Artenvielfalt Endemismus 80 bis 90 Prozent der Samenpflanzen-Arten in Australien sind endemisch. Dieser hohe Endemismusgrad ist auf die lange Isolation des Kontinents zurückzuführen. Australien wird daher als eigenes Florenreich Australis geführt. Innerhalb Australiens existieren zwei Endemismus-Zentren: die nördlichen Regenwälder und der südwestliche Teil mit mediterranem Klima und Hartlaubvegetation.

Der Endemismusgrad bei den Familien ist wesentlich geringer. Crisp et al. nennen folgende endemische Familien: Akaniaceae s. str., Anarthriaceae, Atherospermataceae, Austrobaileyaceae, Blandfordiaceae, Boryaceae, Cephalotaceae, Dasypogonaceae, Doryanthaceae, Ecdeiocoleaceae, Emblingiaceae, Gyrostemonaceae, Tetracarpaeaceae, Xanthorrhoeaceae. Diese Familien sind jedoch alle artenarm oder monotypisch. Etliche weitere Familien reichen in ihrem Areal nur wenig über Australien hinaus, sind also subendemisch: Casuarinaceae, Centrolepidaceae, Eupomatiaceae, Goodeniaceae, Hydatellaceae, Stylidiaceae und die frühere Familie der Epacridaceae, die heute als Unterfamilie, den Styphelioideae, innerhalb der Ericaceae geführt wird. Weitere für Australien charakteristische Familien sind die Chenopodiaceae, Proteaceae, Cunoniaceae, Myrtaceae und die Pittosporaceae.

Von den rund 2500 Gattungen Australiens sind rund 566 endemisch. Die beiden größten Gattungen, Akazien s. l. und Eukalyptus, kommen auch außerhalb Australiens vor. So gut wie alle Arten dieser Gattungen sind an ihren jeweiligen Wuchsorten jedoch endemisch.

Blütenpflanzen Es sind rund 17.600 Arten von Bedecktsamern bekannt, die Gesamtzahl wird auf 19.000 bis 21.000 geschätzt. Im Vergleich dazu beträgt die Gesamtzahl der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands rund 2800, die Österreichs rund 2950. Die Nacktsamer dürften mit 113 Arten vollständig bekannt sein. Sie sind zu 96 Prozent endemisch.

Die 10 artenreichsten PflanzenfamilienFamilieArtenzahlFabaceae (s. lat.) 2400Myrtaceae 1858Poaceae 1302Asteraceae 1221Proteaceae 1116Orchidaceae 650Cyperaceae 650Epacridaceae 424Euphorbiaceae 395Goodeniaceae 377

mini|Goldakazie (Acacia pycnantha) ist die Nationalpflanze Australiens und im Wappen Australiens abgebildet. mini|Blüten von Eucalyptus macrocarpa

Von den zehn artenreichsten Familien Australiens gehören lediglich drei nicht gleichzeitig zu den artenreichsten der Welt: Dies sind die Proteaceae, Epacridaceae und die Goodeniaceae.

In der artenreichsten Familie Fabaceae sticht die Gattung der Akazien (Acacia s. l.) mit rund 1000 Arten heraus. Die Gattung Acacia s. l. ist zwar auch in Afrika weit verbreitet, findet sich in Australien jedoch mit weitaus mehr unterschiedlichen Arten. Die Arten besitzen im Gegensatz zu ihren afrikanischen Verwandten keine Dornen, und ihre Blätter sind durch Phyllodien, umgewandelte Blattstiele, ersetzt. Die Akazien, die hier „wattles“ genannt werden, dominieren weite Teile des Landesinneren. Weitere artenreiche Gattungen sind Daviesia und Pultenaea.

Bei den Myrtaceae ist Eucalyptus die artenreichste Gattung. Auch nach der Trennung in zwei Gattungen besitzt die Gattung Eucalyptus noch rund 600 Arten, die größte ausgegliederte Gattung Corymbia rund 110. Weitere artenreiche Gattungen sind Melaleuca (250), Verticordia (100) und Leptospermum (80).

Die Süßgräser sind besonders in den Savannen und im trockenen Landesinneren reichlich vertreten, auch wenn es keine sehr artenreichen Gattungen gibt. Die für die Vegetation bedeutendsten Gattungen sind Triodia, Plechtrachne und Spinifex. Mit 310 Arten stellen die Gräser die größte Gruppe der eingeschleppten Neophyten.

Die Proteaceae sind mit 46 Gattungen vertreten, wovon 37 endemisch sind. Die wichtigsten Gattungen sind Grevillea (352), Hakea (150), Banksia (80), Persoonia (98), sowie Dryandra mit rund 95 Arten ausschließlich in Südwestaustralien. Zu den Proteaceae gehört die Macadamia, die einzige kommerzielle Nahrungspflanze aus Australien. Die Arten wachsen meist als Sträucher im Unterwuchs von Eukalyptus- und Akazien-Wäldern sowie in Heiden.

Von den Orchideen wächst rund ein Viertel als Epiphyt in den tropischen Regenwäldern, die anderen terrestrisch in den übrigen Landesteilen. Die artenreichsten Gattungen sind Caladenia und Pterostylis mit jeweils rund 100 Arten.

Weitere Gattungen mit über 100 Arten sind Eremophila (214, endemisch, Scrophulariaceae), Cyperus (150, Cyperaceae), Stylidium (150, Stylidiaceae), Goodenia (140, Goodeniaceae), Boronia (131, Rutaceae), und Olearia (130, Asteraceae). Die Zahlenangaben der Flora of Australia sind teilweise bereits überholt, so gibt es in der Gattung Stylidium in Australien bereits über 220 beschriebenen Arten.

Kryptogamen Die Gefäßsporenpflanzen (Farne und Bärlappe) sind mit rund 450 Arten in 150 Gattungen aufgrund des großteils trockenen Kontinents nicht besonders zahlreich. Der Endemismusgrad ist mit 40 Prozent ebenfalls nicht besonders hoch.

Die Anzahl der bekannten Moosarten beträgt rund 1850, wobei die Gesamtartenzahl auf rund 2200 geschätzt wird. Nur rund 25 Prozent davon sind endemisch.

Die Pilze Australiens sind bis jetzt kaum erforscht. Schätzungen gehen davon aus, dass erst fünf bis zehn Prozent der Arten beschrieben wurden, darunter der in Europa eingeschleppte Tintenfischpilz. Die Artenzahl wird auf rund 250.000 geschätzt. Die Flechten sind mit 3154 bekannten Taxa vertreten, von denen rund 35 Prozent endemisch sind.

Die Anzahl der Algenarten wird auf 22.000 geschätzt, wobei erst rund die Hälfte beschrieben ist.

Forschungsgeschichte