mini|Bütt und Freier Platz mini|Gasthaus Zum goldenen Stern

Steinbach (Taunus) ist eine Stadt im hessischen Hochtaunuskreis im Regierungsbezirk Darmstadt.

Geographie Geographische Lage Steinbach liegt auf einer Höhe von im Vordertaunus, am Fußrand des Naturparks Taunus, nordwestlich angrenzend an Frankfurt-Niederursel und siebeneinhalb Kilometer südwestlich der Kreisstadt Bad Homburg vor der Höhe. In Sichtweite befinden sich in Richtung Nordwesten der Altkönig und der Große Feldberg, im Südwesten ist bei klaren Sichtverhältnissen der Odenwald zu erkennen. Südlich erhebt sich die Frankfurter Skyline und bei klarem Wetter ist der Blick bis zum Staudinger-Kraftwerk in Großkrotzenburg hinter Hanau möglich.

Die Stadt ist umgeben von weiten Feldfluren. Im Südosten liegt das Tal des Steinbachs, der in Praunheim in die Nidda mündet, landschaftsprägend als geschützter Landschaftsbestandteil ausgewiesen. Heute schlängelt sich der Bach durch das Wiesental und bildet vor der Eisenbahnbrücke (Viadukt) ein Sumpfgebiet. Er hat dem Dorf seinen Namen gegeben und war wohl schon in vorgeschichtlicher Zeit eine der Voraussetzungen dafür, dass hier Menschen siedelten.

Die Stadt umfasst nur die Gemarkung Steinbach (Gmk.-Nr. 60840). Der westliche Gemarkungsteil mit verstreut liegenden Streuobstwiesen und Feldhecken ist Teil eines großflächigen Vorranggebietes für Natur und Landschaft. Richtung Nordwesten liegt der Steinbacher Heidewald.

In vorgeschichtlicher Zeit befand sich im Norden von Steinbach ein durch einen natürlichen Erdwall aufgestauter See. Er reichte zur heutigen „Bornhohl“ hinunter. Der See ist schon vor Jahrhunderten ausgetrocknet. Vorhanden sind nur noch die beiden eingefassten Steinbachquellen auf Privatgrundstücken und die Parkanlage „Am alten See“.

Dorfanlage Das älteste Dorf war ein Runddorf, dessen Häuser sich in einem Umkreis von 100 Metern um den alten Laufbrunnen am Freien Platz (früher im Volksmund „Dalles“ genannt) gruppierten. Der dortige Brunnen („Bütt“) lieferte den Einwohnern Trinkwasser. Wasserleitungen wurden, wie die Gasleitungen, erst 1954 gelegt, nachdem Steinbach Gemeinde im Obertaunuskreis geworden war. Vom Freien Platz aus führen noch heute Unter- und Kirchgasse sowie Bornhohl – in der Verlängerung die Obergasse – ab.

+ Heutige Flächennutzung des Stadtgebietes Steinbach (Taunus) Art der Nutzung Fläche (Hektar) Gemarkungsgebiet 440 Bebaut 146,5 Ackerland/Wiese 218,5 Waldgebiet 75

Nachbargemeinden Im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden, grenzt Steinbach an die Städte Oberursel (Taunus) mit dem Stadtteil Stierstadt, Frankfurt am Main (mit den Stadtteilen Niederursel, Praunheim und Rödelheim), Eschborn (mit dem Stadtteil Niederhöchstadt) und Kronberg im Taunus.

Geschichte Urgeschichte Das Wasser des Steinbachs und der fruchtbare Lössboden im Taunusvorland veranlassten Menschen im Neolithikum hier zu siedeln und Ackerbau und Viehzucht zu betreiben. Diese ersten Siedler wurden am nördlichen Ufer des angestauten Sees sesshaft (heutige „Rombergstraße“). Westlich der heutigen Waldstraße belegen Funde eine Siedlung der Bandkeramischen Kultur, in der 250 bis 300 Personen lebten. Weitere entsprechende archäologische Fundstellen in der Flur 7 am Viehweg auf dem Gelände der Gewerkschaftsschule belegen das ebenfalls. Eine Fundstelle der Hallstattzeit (800 bis 450 v. Chr.) kam bei Bauarbeiten am Wohngebiet Süd zum Vorschein.

Im September 1988 stieß eine archäologische Ausgrabung im Nordwesten Steinbachs bei auf mehrere römische Steinfundamente, zum Teil Reste von Gebäuden. Vermutlich wurde ein kleiner Ausschnitt eines Gebäudekomplexes ergraben.

Mittelalter Steinbachs älteste erhaltene Erwähnung stammt aus dem Jahr 789 in der Abschrift einer Urkunde im Lorscher Codex. Ein gewisser Alaholf beurkundet, dass er dem Kloster Lorsch am 14. September 789 dreißig Tagwerk Ackerland schenkte. Im Codex finden sich weitere Erwähnungen aus karolingischer Zeit.Steinbach (Frankfurt). In: Lorscher Codex. Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg.

Die evangelische Kirche St. Georg in Steinbach gehörte zum Erzbistum Mainz und wurde um 1270 errichtet, die älteste erhaltene urkundliche Erwähnung aber stammt aus dem Jahr 1371, als der Ritter Frank VIII. von Cronberg in seinem Testament 40 Gulden für deren Bauunterhalt vermacht.„Item saßte Hrhr Viertzig gld. die Kirchen zu Steinbach wieder zu machen“. Ab ca. 1367 gehörte Steinbach zur Pfarrei Eschborn. Kirchliche Mittelbehörde war das Archidiakonat des Propstes von St. Peter in Mainz.

Bis 1418 gehörte Steinbach zur Herrschaft der Grafen von Falkenstein, die es 1350 an die Herren von Cronberg verkaufen. Später gehörte es im ausgehenden Mittelalter zur Herrschaft der Herren von Eppstein.

Frühe Neuzeit Nach dem Aussterben der Herren von Eppstein gelangte Steinbach 1535 an die Grafen von Stolberg, die auch die Reformation nach lutherischer Konfession durchführten. 1578 wurde Steinbach von den Grafen von Stolberg mit drei weiteren Dörfern an Graf Philipp Ludwig I. von Hanau-Münzenberg verpfändet und schließlich 1595 ganz an Hanau verkauft. Der damals in der Grafschaft Hanau-Münzenberg regierende Graf Philipp Ludwig II. war streng reformiert und setzte nach dem Grundsatz „Cuius regio, eius religio“ in seiner gesamten Grafschaft die reformierte Konfession weitestgehend durch.

Die Grafschaft Hanau-Münzenberg – und damit Steinbach – fiel nach dem Tod des letzten Grafen von Hanau, Johann Reinhard III., 1736, aufgrund eines Erbvertrages an die Landgrafschaft Hessen-Kassel.

Schultheißen 1582: Johann Ruppel 1592: Philipp Michel 1594: Hans Bender 1600–1618: Jakob Ansbach 1669: Johann Sulzbacher 1681: Hans Michel 1710: Joh. Helwes Heinrich 1733: Kaspar Michel 1737–1796: Christoph Lorey 1764: Peter Bechtel 1773–1796: Adam Philipp Hill 1809: Straßheimer 1812: Kaspar Epp 1817: Heinrich Gissel

Neuzeit 1806 bis 1810 war Steinbach französisch besetzt, gehörte zum Fürstentum Hanau und wurde danach dem Großherzogtum Hessen zugeschlagen, bei dem es auch nach dem Wiener Kongress verblieb.Ernst J. Zimmermann: Hanau, Stadt und Land. Kulturgeschichte und Chronik einer fränkisch-wetterauischen Stadt und ehemal. Grafschaft. Mit besonderer Berücksichtigung der älteren Zeit. Vermehrte Auflage, Selbstverlag, Hanau 1919. (Unveränderter Nachdruck: Peters, Hanau 1978, ISBN 3-87627-243-2, S. 767, 772) Hier und bei den Rechtsnachfolgern des Großherzogtums gehörte es folgenden Verwaltungseinheiten an: ab 1820: Amt Vilbel, Provinz Oberhessen, ab 1821: Landratsbezirk Vilbel, ab 1823: Landratsbezirk Butzbach, ab 1832: Kreis Friedberg, ab 1848: Regierungsbezirk Friedberg, ab 1852: Kreis Vilbel, ab 1874: Kreis Offenbach, Provinz Starkenburg ab 1945/47: ObertaunuskreisGesetz betreffend die Änderung der Grenzen der Landkreise Offenbach und Ober-taunus vom 22. August 1947. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen Nr. 12 vom 11. September 1947, S. 74. Von 1866 bis 1945 bildete Steinbach eine hessische Exklave – gemeinsam mit dem Berg „Altkönig“ – im ansonsten preußischen Vordertaunus. Ab 1918 gehörte es zum Volksstaat Hessen.

Von 1823 bis 1853 gehörte Steinbach zum Bezirk des Landgerichts Rödelheim, der 1853 aufgelöst wurde, dann bis 1879 zu dem des Landgerichts Vilbel. 1879 wurde das Landgericht Offenbach zuständig, 1947 das Amtsgericht Frankfurt am Main und 1953 das Amtsgericht Bad Homburg.

1909 wird die Freiwillige Feuerwehr Steinbach gegründet.

Im Ersten Weltkrieg wurden 184 Steinbacher zum Wehrdienst einberufen, was einem Fünftel der Bevölkerung Steinbachs entsprach. 29 Steinbacher Soldaten starben in diesem Krieg. 1919 bis 1924 war Steinbach im Rahmen der Alliierten Rheinlandbesetzung durch französische Truppen besetzt. Eine versuchte Eingemeindung nach Frankfurt am Main scheiterte damals.

Zweiter Weltkrieg Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges kamen vor allem junge Polinnen und Sowjetbürgerinnen nach Steinbach, wo sie überwiegend im Haushalt beschäftigt waren. Dann folgten französische Kriegsgefangene, deren Arbeitskraft in landwirtschaftlichen Betrieben gebraucht wurde. 1944 schließlich wurden zwei Massenlager im Ort eingerichtet: ein italienisches Kommando in der Turnhalle und ein russisches Kommando auf dem alten Sportplatz im Steinbacher Wald in vier Baracken. Die Italiener zogen Mitte Januar 1944 zu Fuß vom Bahnhof frierend Richtung Obergasse, wo die dortige Turnhalle mit Strohsäcken notdürftig als Lager vorbereitet war. Einzelne Gruppen der Italiener wurden von der Deutschen Reichsbahn zum Arbeitseinsatz abgeholt. Die dagebliebenen wurden von den Einheimischen gelegentlich beschäftigt, hatten viel Freizeit und fühlten sich schon heimisch. Als am 29. März 1945 amerikanische Truppen in Steinbach einmarschierten, traten die Italiener die Heimreise an. Auch die „Russen“ wurden bei der Deutschen Reichsbahn eingesetzt.

Ein Munitionslager lag im Steinbacher Wald, auf dessen Betonfundamenten die heutige Oberhöchstädter „Waldsiedlung“ steht.

In der Nacht vom 24. auf den 25. August 1942 wurde Steinbach mit Spreng- und Brandbomben angegriffen. Zahlreiche Brände entstanden, die Schule in der Gartenstraße (heute das Rathaus) brannte nieder. Bei einem Bombenangriff 1944 gibt es 13 Tote.

Bei einem weiteren Angriff in der Nacht vom 27. auf den 28. August 1943 sprang ein britischer Oberst in Steinbachs Gemarkung ab, um die Flugabwehrkanonen, die immer wieder britische Bomber abschossen, auszuspionieren. Der britische Spion landete bei seinem Absprung so unglücklich in einem Apfelbaum, dass er sich seinen Fuß verstauchte und sein Vorhaben aufgeben musste. Während er die heutige Eschborner Straße Richtung Ortsmitte entlang humpelte, bildeten die Einwohner einen Lynchmob. Diese Szene beobachtete Heinrich Wäsch, ein Obergefreiter. Er stürmte mit entsicherter Pistole auf den Mob zu und schüchterte die Menschen ein. Der Colonel kam nach dem Krieg wohlbehalten nach Großbritannien zurück und übermittelte Grüße, als die Tochter seines Retters später in Steinbach heiratete.

Steinbach hatte im Zweiten Weltkrieg 58 vermisste und gefallene Soldaten zu beklagen.

Nachkriegszeit Die Verbindung mit der Kreisstadt Offenbach am Main war in den ersten Nachkriegswochen vollständig unterbrochen. Die Gemeindeverwaltung unterstellte sich deshalb der Verwaltung des Obertaunuskreises. Bald darauf wurde die Exklave Steinbach zunächst kommissarisch und von 1947 ab durch Gesetz dem Obertaunuskreis zugeordnet.

Kurz nach dem Amtsantritt von Walter Herbst als Bürgermeister 1962 zählte es 1900 Einwohner. Die gewachsene soziale Struktur hatte sich bis dahin wenig verändert.

Expansion

mini|Luftbild Steinbachs Das kleine Dörfchen Steinbach hatte aber nun große Ziele: Im Süden wie im Norden entstanden weitläufige Baugebiete, in denen Mehrfamilien- und Hochhäuser errichtet wurden. In einem 30 Hektar großen Siedlungsgebiet entstanden 628 Wohnungen. Das Projekt war mit 20 Millionen DM veranschlagt. Hauptsächlich junge Familien zogen damals nach Steinbach. 1960 betrug die Einwohnerzahl Steinbachs 1713, zehn Jahre später 7255 und 1980 lebten hier 10.550 Menschen. Steinbach entwickelte sich so vom Taunusdorf zur Satellitenstadt. Die Bevölkerung stieg von 1956 bis 1968 um fast 270 Prozent, während sie im gesamten Obertaunuskreis um „nur“ 32 Prozent anwuchs. Ein weiteres Resultat dieser Entwicklung war, dass Steinbach am 22. September 1972 die Stadtrechte verliehen bekam.

Zuvor war auch die Eingemeindung nach Frankfurt am Main im Rahmen der Gebietsreform 1972 erwogen worden. Am 10. April 1972 stellte der Frankfurter Magistrat unter Rudi Arndt (SPD) bei der Landesregierung den Antrag auf Eingemeindung. Auch der Gesetzesentwurf von Innenminister Hanns-Heinz Bielefeld (FDP) enthielt diese Überlegung. Erst die Abstimmung im zuständigen Landtagsausschuss führte zu einer Ablehnung des Frankfurter Antrags durch Stimmengleichheit.Michael Neumann: Der Kampf um die Freiheit. In: Taunus-Zeitung. 14. April 2012, S. 20.