Der Schabrackentapir, auch Asiatischer oder Malaysischer Tapir (Tapirus indicus) ist eine Säugetierart aus der Familie der Tapire (Tapiridae). Er ist der größte Vertreter der Tapire und die einzige in Südostasien lebende Tapirart. Der Name leitet sich von der farblich abgesetzten Rückenpartie ab, die an einen im Reitsport als Schabracke bezeichneten Überwurf erinnert. Der Schabrackentapir bewohnt die tropischen Regenwälder der Flachländer, kommt aber auch in Höhen bis über 2000 m vor. Er lebt als Einzelgänger und ernährt sich von weicher Pflanzennahrung. Sein Verbreitungsgebiet ist durch Lebensraumzerstörung stark zersplittert, die möglicherweise maximal 2000 Individuen umfassende Gesamtpopulation wird von der IUCN als stark gefährdet eingestuft.

Merkmale Habitus mini|Flehmender Schabrackentapir Der Schabrackentapir ist der größte heute lebende Vertreter der Tapire. Er erreicht eine Kopf-Rumpf-Länge von 250 bis 300 cm, eine Schulterhöhe von 100 bis 130 cm und ein Gewicht von 280 bis 400 kg. Große Individuen können auch bis zu 540 kg wiegen. Der Schwanz ist sehr kurz und wird nur rund 10 cm lang. Wie bei allen Tapiren ist der plumpe, schwerfällig wirkende Körper dieser Tiere an der Vorderseite zugespitzt und an der Hinterseite abgerundet, wodurch das Vorwärtskommen in dichten Wäldern erleichtert wird. Die Beine sind vergleichsweise kurz und schlank, an den Vorderbeinen sind jeweils vier Zehen ausgebildet, die Hinterfüße tragen drei Zehen. Wie bei allen Unpaarhufern verläuft die Hauptachse durch die dritte Zehe (Metapodium III), die auch die größte ist, während die seitlich ansetzenden Zehen etwas kleiner sind. Die vierte vordere Zehe ist deutlich reduziert. Das Gesicht des Schabrackentapirs wird durch den Rüssel charakterisiert, der aber kräftiger und länger ist als bei den amerikanischen Tapirarten. Die Augen sind klein, die Ohren oval, aufgerichtet und nicht sehr beweglich. Vor allem am Nacken und am Hinterteil ist die Haut sehr dick ausgebildet und kann hier 2 bis 3 cm messen.

Charakteristisch ist das Fellmuster des Schabrackentapirs, das deutlich von den vier anderen Tapirarten abweicht. Die vordere Hälfte des Körpers und die Hinterbeine sind schwarz, der hintere Rumpf ist weiß. Dieses Muster ist eine wirkungsvolle Tarnung, da der Tapir sich im Dunkel des Regenwaldes gegen seinen Hintergrund nur teilweise abhebt und potentielle Räuber die Tapirart nicht erkennen. Weiß sind außerdem die Spitzen der Ohren. Allerdings gibt es, wenn auch selten, völlig schwarz gefärbte Tiere, die als T. i. var. brevetianus bezeichnet werden.

Schädel- und Gebissmerkmale mini|Schädel des Schabrackentapirs (Sammlung Museum Wiesbaden) Der Schädel des Schabrackentapirs wird bis zu 41 cm lang und ist relativ schmal, allerdings weniger schmal als der des Mittelamerikanischen Tapirs (Tapirus bairdii). Er ist flach geformt und besitzt einige Anpassungen an die Größe des Tieres, wie etwa eine luftgefüllte, deutlich vergrößerte Stirnhöhle, welche die Oberfläche für Muskelansatzstellen erweitert und gleichzeitig das Gewicht reduziert. Ein Scheitelkamm wie bei den südamerikanischen Tapirarten Flachland- (Tapirus terrestris) und Bergtapir (Tapirus pinchaque) ist nicht ausgebildet. Vielmehr besitzt der Schabrackentapir, analog zum Mittelamerikanischen Tapir, seitlich ansetzende Knochenerhebungen (parasagittale Rücken), die eine schmale, aber flache Ebene auf dem Kopf formen. Das Hinterhauptsbein weist eine kurze und rechtwinklige Form auf, der Hinterhauptswulst ist in der Aufsicht deutlich eingesattelt. Das Nasenbein, welches wie bei den anderen Tapiren weit hinter dem Zwischenkieferknochen liegt, ist sehr kurz und verläuft gerade. Die Reduktion des Nasenbeins und einiger anderer Knochen des Gesichtes entstand aus der Entwicklung des charakteristischen Rüssels, der eine Bildung aus Nase und Oberlippe darstellt.

Der Unterkiefer erreicht eine Länge von 34 cm und weist einen relativ niedrigen Knochenkörper auf. Das wie bei den anderen Tapiren kaum reduzierte Gebiss besitzt bei erwachsenen Individuen folgende Zahnformel: . Im vorderen Gebiss sind die jeweils äußeren Schneidezähne des Oberkiefers (I3) vergrößert und konisch geformt, während alle anderen eine stark verminderte Größe besitzen. Dafür ist wiederum der Eckzahn des Unterkiefers deutlich größer und steht dem dritten Schneidezahn des Oberkiefers gegenüber, so dass beide ein effektives Beißwerkzeug darstellen. Der Oberkiefereckzahn dagegen ist verkleinert. Ein kleines Diastema trennt Schneide- und Eckzähne, ein größeres die Eckzähne vom hinteren Gebiss. Die Prämolaren und Molaren besitzen einen weitgehend übereinstimmenden Aufbau. Sie sind niederkronig (brachyodont) und weisen zwei Zahnschmelzfalten auf der Kaufläche (bilophodont) auf, die an den Enden durch Schmelzhöcker leicht erhöht sind.

Sinnesleistungen und Lautäußerungen Der Schabrackentapir besitzt wie alle Tapire einen wenig ausgebildeten Sehsinn, im Nahbereich stellt dieser aber dennoch eine wichtige Kommunikationshilfe dar. Dabei reagieren die Tiere auf bestimmte Schlüsselreize, wie die weißen Ohrspitzen, den Rüssel, aber auch auf die schwarze und weiße Fellzeichnung besonders deutlich und beginnen unmittelbar zu schnüffeln, zu flehmen oder auch durch Urin ihr Revier zu markieren. Besonders wichtig sind aber das Gehör und der Geruchssinn. Vor allem auf akustische Reize reagiert der Schabrackentapir schnell, wobei Artgenossen und mögliche Fressfeinde die größte Reizfunktion haben. Die Lautkommunikation erfolgt über bisher sechs bekannte Lautarten, die ausgestoßen werden. Dazu gehören Pfeif- und Jaulgeräusche, zwei verschiedene Quiektöne und zwei Laute, die an ein Rülpsen beziehungsweise Glucksen erinnern. Alle diese Geräusche weisen verschiedene Variationen und Zeitdauer auf und können auch kombiniert vorkommen. Häufig werden diese Töne vor der Nahrungsaufnahme abgegeben, zumindest das Jaulen steht möglicherweise direkt mit dem Fressen in Verbindung, während bei den anderen Geräuschen der Grund bisher unbekannt ist; möglicherweise dienen sie aber zur Kontaktaufnahme. Bedeutend sind dabei die disharmonischen Rülps- und Glucksgeräusche, die meist niederfrequente Wellenbereiche umfassen und im Lebensraum des tropischen Regenwaldes wesentlich weiter getragen werden als die höherfrequenten Quiek- und Jaultöne. Insgesamt ist die Lautkommunikation des Schabrackentapirs aber wenig erforscht.

Verbreitungsgebiet und Lebensraum mini|hochkant|Verbreitungskarte: Die heutige Verbreitung ist dunkelgrün und die frühere hellgrün dargestellt Der Schabrackentapir ist in Südostasien beheimatet, sein heutiges Verbreitungsgebiet, das in sehr viele, häufig getrennte Einzelhabitate zersplittert ist, erstreckt sich vom Süden Myanmars und dem westlichen Thailand über die Malaiische Halbinsel bis zur Insel Sumatra. Unbestätigte Sichtungen, die allerdings aus dem Ende des 19. Jahrhunderts stammen, gibt es unter anderem aus Kambodscha und von der Insel Borneo, noch Anfang des 20. Jahrhunderts gab es Hinweise aus Vietnam und Laos. Dies ist der Rest eines einst viel größeren Verbreitungsgebiets, das sich vom Süden Chinas über ganz Südostasien erstreckte und auch die Insel Borneo umfasste. Da der Schabrackentapir in diesen Ländern schon vor mehreren Jahrhunderten bis Jahrtausenden ausstarb, ist umstritten, ob menschliches Zutun für diesen Schwund des Verbreitungsgebiets mit verantwortlich ist.

Der eigentliche Lebensraum des Schabrackentapirs sind Wälder, vor allem tropische Regenwälder der Tiefländer. Er nutzt aber auch andere Waldtypen wie Trockenwälder oder teils laubwerfende Wälder, mitunter kommt er auch in sumpfigen oder buschbestandenen Landschaften und in Sekundärwäldern vor. Beobachtungen zufolge wechselt der Schabrackentapir während der Trockenzeit aufgrund des besseren Nahrungsangebotes in Regenwälder und kehrt zur feuchten Jahreszeit in trockenere Waldlandschaften zurück. In der Regel hält sich ein Tier in der Nähe von Gewässern auf. Gelegentlich ist die Tapirart auch auf Plantagen anzutreffen. In bergigen Gebieten wie im Wildschutzgebiet Huai Kha Khaeng in Thailand kommt der Schabrackentapir bis in eine Höhe von 1500 m vor, im Kerinchi-Seblat-Nationalpark auf Sumatra ist er beim Überqueren von Bergrücken bis in 2300 m Höhe beobachtet worden. Dort bewohnt er Bergnebelwälder. Dabei ist die Populationsdichte relativ gering und schwankt je nach untersuchter Region, im westlichen Sumatra liegt sie im Taratak Forest Reserve bei 0,08 bis 0,36 Individuen je Quadratkilometer, im nahe gelegenen Kerinchi-Seblat-Nationalpark bei etwa 0,15 Individuen je Quadratkilometer. Untersuchungen im südlichen Sumatra zeigten auf, dass die Tapirart in Flachländern durchschnittlich häufiger ist als in Hügelländern. Insgesamt kann sie als eher selten angesehen werden.

Lebensweise Territorialverhalten mini|Schabrackentapir Die Lebensweise des Schabrackentapirs ist nur wenig erforscht. Er ist wie alle Tapire dämmerungs- und nachtaktiv, seine Aktivitätsphasen liegen zwischen 18.00 und 04.00 Uhr. Tagsüber zieht sich ein Tier ins dichte Unterholz zurück und ist nur gelegentlich zu beobachten. Er kann ausgezeichnet schwimmen und tauchen und kommt auch in gebirgigem Gelände zurecht. Dabei lebt die Tapirart in der Regel einzelgängerisch; Gruppenbildungen finden nur während der Brunftzeit statt oder umfassen Muttertiere mit ihren Kälbern. Schabrackentapire unterhalten Reviere, sind aber nicht streng territorial. Die Reviere der männlichen Tiere sind möglicherweise etwas kleiner als die der weiblichen. Dabei kann sich das Gebiet eines Männchens mit mehreren von Weibchen gehaltenen überlappen. Im Taman-Negara-Nationalpark konnten Territorien einzelner Individuen mit bis zu 12,75 km² Größe festgestellt werden. Ein dort über 27 Tage hintereinander beobachtetes Männchen beanspruchte in dieser Zeit eine Fläche von 0,52 km². Während dieser Zeit legte es täglich durchschnittlich 320 m zurück, einmal kam es zu einem Treffen mit einem Weibchen mit Jungtier. Nach Untersuchungen im Krau Wildlife Reserve schwankte die Größe der Reviere dort zwischen 10 und 15 km². In den einzelnen Territorien legt der Schabrackentapir auf seinen Wanderungen zu den verschiedenen Aktivitätszonen, wie Fress-, Schwimm- oder Rastplätzen, Trampelpfade im Unterholz an und markiert diese mit Kot und Urin. Allerdings ist auch bekannt, dass der Schabrackentapir seine Fäkalien häufig in Gewässern entsorgt. Das Verspritzen von Urin, welches häufig mit einem charakteristischen Scharren der Füße einhergeht, gilt auch als wichtiges Kommunikationsmittel zwischen Artgenossen.

Ernährung mini|hochkant|Badende Schabrackentapire