Ottbergen ist ein Ortsteil der Stadt Höxter in Nordrhein-Westfalen. Das Dorf mit 1.507 Einwohnern ohne Nebenwohnsitze (Stand 31. Dezember 2020) ist ein Eisenbahnknotenpunkt.

Räumliche Lage mini|Nethebrücke Ottbergen Ottbergen liegt im südlichen Weserbergland. Durch das Tal fließt die Nethe, die in etwa fünf Kilometern Entfernung nahe der Ortschaft Boffzen-Fürstenberg (Weser) in die Weser mündet. Die 1710 erbauteH.-D. Krus: Flüsse, Bäche, Auen im Kulturland Kreis Höxter. Kreis Höxter, Höxter 2007, ISBN 978-3-938013-02-1. S. 33–35. Nethebrücke auf der Straße nach Amelunxen zeugt von der damaligen Bedeutung dieser Verbindung.

Ottbergen liegt am Schnittpunkt mehrerer Radfernwege.

Nachbarorte sind im Süden und direkt verbunden Bruchhausen, im Osten Amelunxen (Stadt Beverungen) und Godelheim sowie westlich Hembsen und Bosseborn im Norden.

Geschichte mini|Lokbehandlungsanlagen im Bahnbetriebswerk Ottbergen (1976)

Der Wiemers-Meyer Hof weist Spuren aus dem 9. oder 10. Jahrhundert auf. Ottbergen gehörte bis 1803 zum Stift Corvey und anschließend bis 1807 zum Fürstentum Corvey. Von 1807 bis 1813 bildete Ottbergen eine Gemeinde im Kanton Höxter des Departements der Fulda im Königreich Westphalen und fiel dann an Preußen. 1816 kam die Gemeinde zum neuen Kreis Höxter, in dem sie zum Amt Höxter-Albaxen gehörte, aus dem im 20. Jahrhundert das Amt Höxter-Land wurde.

Schienenverkehr Die am 1. Oktober 1864 von der Königlich-Westfälischen Eisenbahn-Gesellschaft eröffnete Bahnlinie Altenbeken – Höxter (10. Oktober 1865 durchgängig bis Kreiensen) führte zunächst ohne planmäßigen Zughalt im Nethedorf 13 Jahre an Ottbergen vorbei. Zeitgleich mit Inbetriebnahme der Sollingbahn am 15. Januar 1878 wurde der erste Ottberger Bahnhof samt Lokstation eröffnet. Bereits Ende 1879 war der vierständige Ringlokschuppen zu klein und auf acht Stände erweitert worden. Dies ist ein Indiz für den regelrechten Aufschwung, der 1878 mit Eröffnung der Sollingbahn Ottbergen–Bodenfelde–Northeim und weiter über die Südharzstrecke nach Nordhausen begann. Die Zunahme des Eisenbahnverkehrs zwischen den Ballungsräumen an der Ruhr im Westen und Nordhausen/Halle/Leipzig im Osten in den 1930er Jahren erforderte eine stetige Erweiterung des Bahnbetriebswerks. Die Lokomotiven der Baureihe 44 – entwickelt und hergestellt von Henschel in Kassel für den schweren Güterzugdienst auf Mittelgebirgsstrecken – waren ab 1937 im Bahnbetriebswerk Ottbergen beheimatet. Am 29. Mai 1976 endete mit der Schließung des BW Ottbergen der Dampflokbetrieb.

20. Jahrhundert Im Zweiten Weltkrieg griffen Teile der 3. US-Panzerdivision den Ort an. Aufgrund starken Widerstandes u. a. durch einen Panzerkampfwagen VI Tiger am Bahnübergang wurde der Ort mit Artilleriefeuer belegt. Der Bürger Josef Knipping ging den US-Truppen in Richtung Hembsen entgegen und die US-Truppen konnten mit seiner Rückkehr den Ort am 6. April 1945 kampflos einnehmen.

Nach der Teilung Deutschlands verlagerten sich die Verkehrsströme mehr in Nord-Süd-Richtung, so dass die Bahnlinien im Laufe der Jahrzehnte an Bedeutung verloren. Die einst zweigleisige Hauptstrecke, heute als Egge-Bahn bezeichnet, wurde teilweise auf eingleisigen Betrieb zurückgebaut.

Am 1. Januar 1970 wurde Ottbergen durch das Höxter-Gesetz in die Kreisstadt Höxter eingegliedert.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Ottbergen von 1910 bis 2017

Jahr Einwohner Quellen 1821 477 1843 556 Geographisch-statistisch-topographische Übersicht des Regierungsbezirks Minden 1845 1864 583 Topographisch-statistisches Handbuch des Regierungs-Bezirks Minden 1866 1871 434 Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Westfalen 1871 1885 696 1895 813 Gemeindelexikon für die Provinz Westfalen: Volkszählung 1895 01.12.1910 1045 1925 1272 1933 1460 1939 1385 1946 1522 Volkszählung 1946 06.06.1961 2145 31.12.1969 2112 23.06.1998 1796 Stadt Höxter > Demografie Zur PDF "Zusammenfassung Ottbergen" 31.12.2003 1700 31.12.2005 1676 31.12.2006 1645 31.12.2007 1646 31.12.2009 1576 31.12.2010 1600 31.12.2011 1579 31.12.2012 1555 31.12.2015 1540 31.12.2016 1541 Zahlen & Fakten 31.12.2017 1547 31.12.2020 1507

Politik Wahlergebnisse Landtagswahl 2012 Parteien Stimmanteil CDU 34,5 % SPD 33,2 % GRÜNE 9,1 % FDP 8,8 % PIRATEN 5,4 % DIE LINKE 3,9 % PRO NRW 1,5 % FAMILIE 1,1 % NPD 0,8 % DIE PARTEI 0,8 % ÖDP 0,3 % TIERSCHUTZPARTEI 0,2 % FBI 0,2 % FREIE WÄHLER 0,2 %

1239 Wahlberechtigte / 624 Wähler / 614 gültige StimmenBundestagswahl 2009 Parteien Stimmanteil CDU 39,2 % SPD 22,9 % FDP 15,4 % DIE LINKE 9,2 % GRÜNE 8,2 % Sonstige 5,1 % 1271 Wahlberechtigte / 763 Wähler / 752 gültige StimmenGemeinderatswahl 2009 (Ostteil und Westteil) Ostteil: Parteien Stimmanteil CDU 40,03 % SPD 23,92 % UWG 12,48 % FDP 9,01 % DIE LINKE 7,28 % GRÜNE 7,28 % 938 Wahlberechtigte / 588 Wähler / 577 gültige StimmenWestteil: Parteien Stimmanteil SPD 48,09 % CDU 24,68 % UWG 9,36 % DIE LINKE 6,81 % FDP 6,38 % GRÜNE 4,68 % 361 Wahlberechtigte / 238 Wähler / 235 gültige Stimmen

Sehenswürdigkeiten mini|Pfarrkirche Heilig Kreuz

Die erste Kirche in Ottbergen wurde vermutlich frühestens im 14. Jahrhundert errichtet. Die heutige katholische Pfarrkirche Heilig Kreuz entstand im Lauf der Jahre durch mehrere Umbauten. 1693 wurde die Kirche auf Anweisung der Corveyer Äbte Christoph von Bellinghausen und des Fürstabtes Florenz von dem Felde eine erste Restaurierung vorgenommen. 1853 schlug ein Blitz in den Kirchturm ein, so dass von 1856 bis 1858 ein neuer Turm erbaut wurde.Pastoralverbund Heiligenberg:

Verkehr Die Bundesstraße 64 führt durch den Ort.

Schienenverkehr mini|Bahnhofsgebäude Ottbergen mit Dorfentwicklungsmuseum

Der Bahnhof Höxter-Ottbergen liegt an der Strecke Altenbeken–Kreiensen, von der hier die Sollingbahn abzweigt.

Er wird im Personennahverkehr von der RB 84 „Egge-Bahn“ Paderborn–Altenbeken–Ottbergen–Holzminden–Kreiensen, der RB 85 „Oberweserbahn“ nach Bodenfelde–Göttingen bedient.

Durchgeführt wird der Schienenpersonennahverkehr von der NordWestBahn, die auf der „Egge-Bahn“ und „Oberweserbahn“ Bombardier-Talent-Triebwagen der Baureihe 643 einsetzt, die im aktuellen Fahrplan von Paderborn gemeinsam geführt und erst im Ottbergener Bahnhof geflügelt werden, um nach Bodenfelde oder Göttingen sowie nach Holzminden oder Kreiensen weiter zu fahren. In der Gegenrichtung werden die Züge in Ottbergen gekoppelt und fahren dann gemeinsam nach Paderborn. mini|NordWestBahnen beim "Flügeln" im Bahnhof Ottbergen Für den gesamten öffentlichen Personennahverkehr galt der „Hochstift-Tarif“ des Nahverkehrsverbunds Paderborn-Höxter, seit August 2017 der Westfalentarif und tarifraumüberschreitend der NRW-Tarif. Für den Bahnverkehr in Richtung Niedersachsen gilt das Niedersachsenticket für beide Bahnlinien, während der Niedersachsentarif nur auf der RB 85 angewendet wird.

Bekannte Personen Dieter Zurwehme (1942–2020), Gewaltverbrecher, geboren in Bochum, aufgewachsen in Ottbergen Lena Göllner (* 1995), Fußballspielerin

Ottbergen im Maßstab 1:87 mini|Das Bahnbetriebswerk Ottbergen in der Modellbundesbahn in Brakel

Ottbergen ist der wohl einzige komplett im Maßstab 1:87 gezeigte Ort Deutschlands. Der Ort, der bis in die 1970er Jahre ein bedeutender Eisenbahnknoten war, wird im nahen Brakel in der Modellbundesbahn im Miniaturformat dargestellt.

Literatur Friedrich Wiesemann: Ottbergen – Mein Heimatdorf und seine Geschichte. Conze Druck, ISBN 3-00-008771-0 Huguenin, Bernard und Francois: BW Ottbergen. Dumjahn-Verlag, Mainz 1984. Huguenin, Bernard und Fischer, Karl: Ottbergen – Klassiker der Dampflokzeit. Band 1: Von den Anfängen bis 1960er. Band 2: 1970er bis heute. Eigenverlag Modellbundesbahn, 2011, ISBN 978-3-00-033745-1.

Weblinks

Website des Heimatschutzvereins Ottbergen mit Informationen über das Dorf und seine Geschichte

Einzelnachweise

Kategorie:Ortsteil von Höxter Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Kreis Höxter) Kategorie:Gemeindeauflösung 1970