mini|hochkant|Norbert Hofer (2019) Norbert Gerwald Hofer (* 2. März 1971 in Vorau, Steiermark) ist ein rechtsextremer österreichischer Politiker (FPÖ). Er war von 2019 bis 2021 Bundesparteiobmann seiner Partei.

Von März bis Oktober 2020 war er Landesparteiobmann der FPÖ Burgenland. Er war bis 5. Februar 2025 Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat. Von 2013 bis 2017 sowie von 2019 bis 2024 war er zudem dessen Dritter Präsident. Von 2017 bis 2019 war Hofer Bundesminister für Verkehr, Innovation und Technologie in der Bundesregierung Kurz I. Er war bei der Bundespräsidentenwahl 2016 Kandidat seiner Partei und bei der Nationalratswahl in Österreich 2019 Spitzenkandidat der FPÖ. Er war Spitzenkandidat der FPÖ für die Landtagswahl im Burgenland 2025 und ist seit dem 6. Februar 2025 Abgeordneter zum Burgenländischen Landtag.

Leben Herkunft Laut Familiengeschichte wurde sein Großvater als Sohn burgenländischer Auswanderer in Chicago (Illinois, USA) geborenDer dritte Mann. Norbert Hofer hat zwei Aufgaben: ÖVP-Wähler anlocken & Strache die Bühne bereiten. news.at, 13. Februar 2016. und war erfolgreicher Fabrikant. Die Vorfahren väterlicherseits stammten aus der Steiermark. Sein Vater Gerwald Julius Hofer war Direktor der E-Werke von Pinkafeld im BurgenlandJohann Kriegler: Politisches Handbuch des Burgenlandes. Teil 3: (1996–2001) mit Ergänzungen und Nachträgen zu Teil 1 und 2 (= Burgenländische Forschungen. Bd. 84). Amt der Burgenländischen Landesregierung, Abt. 7, Hauptreferat Landesarchiv und Landesbibliothek, Eisenstadt 2001, ISBN 3-901517-29-4, S. 76. und lange Zeit für die ÖVP aktiv, für die er im Gemeinderat von Pinkafeld saß. Norbert Hofer wuchs in bürgerlichen Verhältnissen mit drei Geschwistern in Pinkafeld auf. Nachdem Hofers Schwester mit sechzehn Jahren an Krebs gestorben war, zog sich der Vater zunächst aus der Politik zurück. Einige Jahre später kandidierte er jedoch entgegen dem Druck des Eigentümers der E-Werke als Parteifreier für die FPÖ. Aus Protest gegen dieses Verhalten wurde Norbert Hofer 1993 für die FPÖ aktiv.Nina Horaczek, Claudia Reiterer: HC Strache: sein Aufstieg, seine Hintermänner, seine Feinde. Verlag Ueberreuter, Wien 2009, ISBN 978-3-8000-7417-4, S. 124 f. Der Vater wurde schließlich FPÖ-Gemeinderat und Obmann des freiheitlichen Seniorenringes im Burgenland.

Ausbildung und Beruf Hofer besuchte die Volksschule Pinkafeld (1977–1981), das Bundesrealgymnasium Oberschützen (1981–1983) und die Hauptschule Pinkafeld (1983–1985). Nach der Matura an der Höheren Technischen Lehranstalt Eisenstadt (HTBLA) in der Fachabteilung Flugtechnik im Jahr 1990 und dem Präsenzdienst 1990/91 beim Bundesheer – er war im Rahmen des Assistenzeinsatzes Grenzraumüberwachung an der ungarischen Grenze stationiert – war er mehrere Monate als Einrichtungsberater und technischer Zeichner bei den Pinkafelder E-Werken beschäftigt, was eine Verkaufstätigkeit bei Messen mit einschloss.

Anschließend arbeitete Hofer von 1991 bis 1994 als Bord- und Systemingenieur für Triebwerke und Hilfsgasturbinen (Flugtechniker) sowie als Vertragsverhandler bei Lauda Air Engineering und erlangte zeitgleich den Luftfahrzeugwartschein zweiter und erster Klasse. Außerdem trat er dem Verband Österreichischer Ingenieure (VÖI) bei.

Von 1995 bis 1999 absolvierte er verhaltenstechnische Seminare und 1999 eine Ausbildung zum Kommunikations- und Verhaltenstrainer. Unterweisungen erhielt er beim Rhetoriktrainer Géza Molnár.Christa Zöchling, Jakob Winter: Der Volksempfänger: Was uns bei Norbert Hofer Angst macht. profil.at, 18. Mai 2016.

Im Jahr 2000 legte er an der Verwaltungsschule der Burgenländischen Landesregierung die Dienstprüfung für den Höheren Rechnungs- und Verwaltungsdienst für Beamte ab.FPÖ: Parlamentsklub: Ing. Norbert Hofer (abgerufen am 16. Mai 2016) Von 2010 bis 2015 war Hofer im Amt der Burgenländischen Landesregierung (Landesregierung Niessl III) im Sozialcontrolling beschäftigt; 2011 erfolgte die Karenzierung, er war somit 2012/13/14 außer Dienst gestellt.

Politische Laufbahn Partei Hofer wurde Organisationsreferent der durch Helmut Haigermoser geleiteten Interessensvertretung Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender (1994), Wahlkampfleiter und Organisationsreferent der FPÖ Burgenland (1994–1996) und Stadtparteiobmann in Eisenstadt (1994–2006) sowie Mitglied des Landesparteivorstandes (ab 1994). Von 1996 bis 2007 war er Landesparteisekretär der FPÖ Burgenland; er erlebte die Landesparteiobmänner Wolfgang Rauter, Stefan Salzl und Johann Tschürtz. Ebenfalls 1996 wurde er Mitglied des Landesparteipräsidiums. Nach der Landtagswahl im Burgenland 1996 war er bis 2000 Pressesprecher des FPÖ-Landesrates Wolfgang Rauter (Landesregierung Stix II). Im Zuge der Landtagswahl im Burgenland 2000 war er bis 2006 Klub­direktor des FPÖ-Landtagsklubs unter Stefan Salzl. Von 2004 bis 2009 war er Bezirksparteiobmann für den Bezirk Eisenstadt-Umgebung. 2006 wurde er Landesparteiobmann-Stellvertreter unter Johann Tschürtz und Finanzreferent der FPÖ Burgenland. Als sein „Protegé“ in Eisenstadt und im Burgenland gilt Géza Molnár, Sohn eines gleichnamigen Bekannten und Rhetoriktrainers.

Im Jahre 2005 gehörte Hofer zu denjenigen Parteifunktionären, die nicht zur Abspaltung Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) um Jörg Haider wechselten, stieg in der FPÖ daraufhin zum Mitglied des Bundesparteipräsidiums und des -vorstandes auf und wurde 2005 einer der Stellvertreter des neuen Bundesparteiobmannes Heinz-Christian Strache.

In der FPÖ ist er ferner seit 2007 Vorstandsmitglied des 2006 – anstelle der früheren durch Ewald Stadler geleiteten Parteiakademie (Freiheitliche Akademie) – neu gegründeten FPÖ-Bildungsinstituts unter der Präsidentschaft von Hilmar Kabas, für das er seit 1996 als Trainer und Vortragender tätig war. Außerdem war er Autor des von Andreas Mölzer,Nina Horaczek, Claudia Reiterer: H. C. Strache. Sein Aufstieg, seine Hintermänner, seine Feinde. Ueberreuter, Wien 2009, ISBN 978-3-8000-7417-4, S. 136. Abgeordneter zum Europäischen Parlament, korrigierten FPÖ-Parteiprogramms, das am 18. Juni 2011 im Rahmen des 30. Ordentlichen Bundesparteitages in Graz beschlossen wurde. Darin werde u. a. das Bekenntnis zur „deutschen Volksgemeinschaft“ bekundet.Andreas Peham: Die zwei Seiten des Gemeinschaftsdünkels. Zum antisemitischen Gehalt freiheitlicher Identitätspolitik im Wandel. In: Österreichische Zeitschrift für Politikwissenschaft, 39 (2010) 4, S. 467–481, hier: S. 467 [aufgrund des späteren Bundesparteitags hier nur Erwähnung des Handbuchs und noch ohne Verweis auf Parteiprogramm]; aktualisierte Version: S. 1; vgl. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes: Die FPÖ und das "freiheitliche Magazin". Neues von ganz rechts – Februar 2016, abgerufen am 24. Mai 2016; vgl. Joachim Riedl: Heimat an die Macht. In Graz rüsteten sich die Freiheitlichen für die Regierungsübernahme. In: Die Zeit, Nr. 26/2011, 22. Juni 2011. Überdies ist Hofer seit 1997 (damals noch unter dem Bundesparteiobmann Jörg Haider) hauptverantwortlich für das Handbuch freiheitlicher Politik,Nina Horaczek, Claudia Reiterer: H. C. Strache. Sein Aufstieg, seine Hintermänner, seine Feinde. Ueberreuter, Wien 2009, ISBN 978-3-8000-7417-4, S. 137. das zuletzt 2013 in seiner vierten Auflage beim FPÖ-Bildungsinstitut erschien. Wissenschafter attestieren dem Handbuch einen islamophoben Diskurs.Farid Hafez: Islamophober Populismus. Moschee- und Minarettbauverbote österreichischer Parlamentsparteien (= VS research). Mit einem Geleitwort von Anton Pelinka, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-17152-4, S. 108; vgl. Michal Krzyzanowski: From Anti-Immigration and Nationalist Revisionism to Islamophobia: Continuities and Shifts in Recent Discourses and Patterns of Political Communication of the Freedom Party of Austria (FPÖ). In: Ruth Wodak, Majid KhosraviNik, Brigitte Mral (Hrsg.): Right-Wing Populism in Europe: Politics and Discourse. Bloomsbury, London u. a. 2013, ISBN 978-1-78093-343-6, S. 135–148, hier: S. 142.

Abgeordneter und im Präsidium des Nationalrats mini|hochkant|Norbert Hofer im österreichischen Parlament anlässlich des Tags der offenen Tür am Nationalfeiertag 2016

Von 1997 bis 2007 war er Mitglied des Gemeinderates in Eisenstadt.

Nach der Nationalratswahl 2006 – er kandidierte hinter Manfred Kölly auf Listenplatz 2 – wurde Hofer Abgeordneter im österreichischen Nationalrat. Im Gegensatz zu anderen Kandidaten mit Behinderung „schaffte [er] den Einzug als Abgeordneter sofort“.Angelika Wegscheider: Politische Partizipation von Menschen mit Behinderungen. In: SWS-Rundschau 53 (2013) 2, S. 216–234, hier: S. 226, Fn. 20. Er wurde u. a. Obfraustellvertreter des Familienausschusses und Schriftführer des Umweltausschusses. 2008, diesmal als Spitzenkandidat der FPÖ-Liste im Burgenland, zog er erneut ein. Er war in dieser Periode u. a. Obmann des Ständigen Unterausschusses des Rechnungshofausschusses, Obmannstellvertreter des Umweltausschusses und Schriftführer des Familienausschusses. Von 2006 bis 2013 war er überdies Klubobmann-Stellvertreter unter Heinz-Christian Strache des Freiheitlichen Parlamentsklubs.

Seit der XXV. Gesetzgebungsperiode 2013 ist/war er u. a. Obfraustellvertreter des Ständigen Unterausschusses des Hauptausschusses und des Hauptausschusses sowie Obmannstellvertreter des Geschäftsordnungsausschusses, Vorsitzenden-Vertreter des Untersuchungsausschusses Hypo-Untersuchungsausschuss, Obfraustellvertreter der Enquete-Kommission betreffend Stärkung der Demokratie in Österreich,www.parlament.gv.at Schriftführer des Ausschusses für Arbeit und Soziales und des Umweltausschusses.

In der konstituierenden Sitzung des Nationalrates nach der Nationalratswahl 2013 wurde er am 29. Oktober 2013 als Nominierter der nach Mandaten drittstärksten Partei zum Dritten Nationalratspräsidenten gewählt. Alle FPÖ-Abgeordneten trugen seinerzeit eine blaue Kornblume am Revers. Sein Büroleiter war René Schimanek, FPÖ-Stadtrat in Langenlois.

Seit 2014 ist er Obmann-Stellvertreter der Österreichischen Parlamentarischen Gesellschaft.

Bei der konstituierenden Sitzung zur Eröffnung der 26. Gesetzgebungsperiode des österreichischen Nationalrats am 9. November 2017 wurde Hofer abermals zum Dritten Präsidenten des Nationalrats gewählt. Mit 132 von 158 gültigen Stimmen der Abgeordneten erhielt er mit 83,5 Prozent die meisten Stimmen aller Präsidenten, die in dieser Gesetzgebungsperiode gewählt wurden. Da er am 18. Dezember 2017 zum Infrastrukturminister in der Bundesregierung Kurz I ernannt wurde, trat er als Dritter Nationalratspräsident zurück.

Seit dem 24. Mai 2019 ist er wieder Nationalratsabgeordneter (XXVI. Gesetzgebungsperiode), er übernahm das Mandat von Christian Ries.Kurier: Christian Ries (FPÖ) muss Platz im Nationalrat wieder räumen. Artikel vom 24. Mai 2019, abgerufen am 24. Mai 2019. Bei der Gemeinderatswahl im Oktober 2022 wurde er in seinem Heimatort Pinkafeld zum Gemeinderat gewählt, die Vorzugsstimmen brachten ihn vom letzten Listenplatz auf den ersten.

Bundespräsidentenwahl 2016

mini|Norbert Hofer mit Alexander Van der Bellen (2016)

Von FPÖ-Bundesparteiobmann Heinz-Christian Strache im Vorfeld der Wahl zum österreichischen Bundespräsidenten 2016 mehrfach als möglicher Kandidat seiner Partei für das Bundespräsidentenamt genannt, wies Hofer das zunächst mit dem Hinweis, er fühle sich dafür zu jung und strebe das nicht an, noch von sich. Der FPÖ-Bundesparteivorstand konnte ihn letztlich von der Kandidatur überzeugen und präsentierte ihn am 28. Jänner 2016 als Kandidaten für die Wahl.