mini|Fördermitglieder des Vereines betrachten die Lokomotive während des Jahrestreffens im Jahr 2004. Der Vereinsvorsitzende Mark Allatt erklärt die aktuellen Arbeiten. mini|Ein Großteil des aktuellen Vereinsvorstandes vor dem gerade angelieferten Kessel in der Nähe des Lokomotivwerks in Darlington (Darlington Locomotive Works) im Juli 2006.

Der A1 Steam Locomotive Trust ist ein britischer Verein, der aus Spendenmitteln eine Dampflokomotive vom Typ LNER-Klasse A1 Peppercorn baute und betreibt.

Geschichte Im Jahr 1990 traf sich eine Gruppe Geschäftsleute, die gleichzeitig Eisenbahnfans waren. Sie entschieden sich dazu, eine Dampflokomotive der LNER-Klasse A1 Peppercorn von Grund auf neu zu bauen. Die Lokomotive, das fünfzigste Exemplar ihrer Baureihe, sollte die Nummer 60163 und den Namen Tornado bekommen. Das Projekt wurde im November 1990 bei einem Treffen im Eisenbahninstitut in York öffentlich gestartet. Es folgten weitere Präsentationen in London und Edinburgh.

Ein landesweites Managementteam wurde zusammengestellt, bestehend aus Ingenieuren, Steuerberatern, Juristen, Bankmitarbeitern, Marketingspezialisten und Angehörigen anderer geeigneter Berufe. Diese stellen ehrenamtlich Zeit und Sachverstand zur Verfügung. Der Verein schuf sich den Ruf einer professionellen Organisation. Unterstützung erhielt er von Spezialisten, Experten und Eisenbahnfans aus allen Bereichen des Lebens.

Der Verein wird von einem aus sechs Personen bestehenden Team technischer Berater unterstützt, das aus aktuellen und ehemaligen Eisenbahnmitarbeitern besteht.

Zu den Ehrenmitgliedern des Vereins gehören die Präsidentin Dorothy Mather (Witwe des Konstrukteurs der LNER-Klasse A1 Peppercorn, Mr. Arthur H. Peppercorn) und der Vizepräsident Peter Townend, ehemaliger Leiter des Bahnbetriebswerkes des Bahnhofs London King’s Cross. Seine Arbeit brachte ihn während der Einsatzzeit der LNER-Klasse A1 Peppercorn in ständigen Kontakt zu den Lokomotiven.

Die 60163 Tornado wurde im Jahr 2008 fertiggestellt und bewegte sich am 31. Juli 2008 erstmals aus eigener Kraft.

Nach dem erfolgreichen Nachbau der „Tornado“ entschloss sich der A1 Steam Locomotive Trust als nächstes Projekt für einen Nachbau der LNER-Klasse P2, der stärksten je gebauten britischen Schnellzugdampflokomotive. Als Tochtergesellschaft wurde hierfür die P2 Steam Locomotive Company (P2SLC) gegründet. Die Kosten werden auf ca. 5 Mio. Pfund Sterling geschätzt.P2SLC: Mission / Introduction, abgerufen am 12. April 2015 Etwa 70 % der Bauteile der P2 sind mit der A1 identisch, so dass auf die dort gemachten Erfahrungen zurückgegriffen werden kann.

Im Mai 2014 begann der Rahmenbau bei Tata Steel Works in Scunthorpe. Die Bauzeit wird auf ca. sieben Jahre geschätzt.BBC News: Prince of Wales P2 steam locomotive construction starts, 21. Mai 2014, abgerufen am 12. April 2015 Im März 2015 waren bereits ein Drittel der erforderlichen Finanzmittel eingegangen.The Northern Echo: Third of funds raised for multi-million pound steam engine project. 21. März 2015, abgerufen am 12. April 2015 Zu Ehren von Charles, Prince of Wales, der den Bau der A1 „Tornado“ unterstützt hat, soll die P2 2007 den Namen „Prince of Wales“ erhalten.

Lokomotive 60163 Tornado Der Name Tornado für die 60163 wurde wegen einer Partnerschaft mit der britischen Luftwaffe (Royal Air Force) gewählt, die Kampfflugzeuge vom Typ Panavia Tornado betreibt. Der Name wurde von einem Sponsor gewählt, der die Summe von 50.000 £ gespendet hatte.The Railway Magazine, The Tornado Story Part 1, April 2008, page 16 Die 60163 Tornado wurde auf historischem Boden in den Hopetown Carriage Works, einer ehemaligen Waggonfabrik der Stockton and Darlington Railway, in Darlington gebaut. Das ehemalige Ausbesserungswerk der LNER in Darlington ist nur wenige hundert Meter davon entfernt.

Die 60163 Tornado ist die erste normalspurige Dampflokomotive, die seit 1960 in Großbritannien gebaut wurde. Abweichend von der ursprünglichen Serie ist die 60163 Tornado fähig, leichtere Züge mit zehn bis elf Reisezugwagen bei höheren Geschwindigkeiten zu befördern. Dadurch kann sich die Lokomotive besser in das moderne Verkehrsgeschehen einfügen. Die Lokomotive kann auf den Hauptstrecken von Network Rail und auf Museumseisenbahnen eingesetzt werden. Das Fahrzeug weist viele Unterschiede zu den Original-Lokomotiven auf. Ursache sind die veränderten Produktionsverfahren und die Berücksichtigung von Verbesserungen, die nach Auffassung des Vereines wahrscheinlich an der relativ neuen Baureihe vorgenommen worden wären. Die 60163 Tornado wurde von der Locomotive Construction Co Ltd. erbaut, einem Tochterunternehmen des A1 Steam Locomotive Trust.The Railway Magazine, The Tornado Story Part 1, April 2008, page 17 Die Lokomotive wird seit 2009 eingesetzt. Vorher führte sie auf der zweigleisigen Strecke der privaten Museumsbahngesellschaft Great Central Railway (GCR) ihre Abnahmefahrten, Testfahrten mit hoher Geschwindigkeit und Passagierdienste durch.

Die 60163 Tornado bewegte sich im Juli 2008 erstmals mit eigener Kraft und wurde am 19. August 2008 auf der Straße zu der Strecke der Museumsbahngesellschaft Great Central Railway (GCR) in Loughborough transportiert. Seit der Zulassung für Hauptstrecken und einem weiteren Transport auf der Straße wird die Lokomotive seit 2009 vor Sonderzügen auf der Hauptstrecke eingesetzt. Dort soll sie die verbliebenen Verbindlichkeiten des Projekts in Höhe von 800.000 £ wieder hereinholen. Insgesamt kostete das Projekt 3.000.000 £.

Meilensteine des Tornado-Projektes mini|Seitenansicht der Tornado mini|Namensschild der Tornado 1990 – Formale Gründung des A1 Steam Locomotive Trust (11. November) 1994 – Vorstellung der ersten und letzten Bauteile der Tornado (ein Zapfen des Laufdrehgestells und eine Mutter des Reglers) 1994 – Beginn der Bauphase (Walzen der Rahmenbleche in Scunthorpe) am 22. April 1995 – Präsentation der Namensschilder der Tornado durch Offiziere der RAF in den Tyseley Locomotive Works während des Festaktes anlässlich der Rahmenlegung (Januar) 1995 – Erster Guss eines Rades 1996 – Die drei Zylinder der Tornado werden in Tyseley enthüllt (25. Mai) 1997 – Der Rahmen von Tornado wird in der Großen Halle des National Railway Museums in York ausgestellt (März) 1997 – Enthüllung der Tornado in Hopetown. 1999 – Fertigstellung der Rauchkammertür, das symbolische Gesicht der Tornado. 2000 – Tornado ist zu mehr als 50 % fertiggestellt (Sommer) 2000 – Der Radsatz wird montiert (Herbst) 2004 – Der Buchwert der Tornado-Bauteile erreicht 1 Million Pfund. 2004 – erste synchrone laufruhige Bewegung der Räder (25. August) 2007 – Kessel und Feuerbüchse werden in den Rahmen eingepasst (Juni) 2008 – Tornado ist erstmals unter Dampf (Januar) 2008 – Fertigstellung des Tenders (Februar) 2008 – Tornado bewegt sich erstmals aus eigener Kraft (Juli) 2008 – Transport zu der Great Central Railway für Testfahrten mit 60 mph 2017 – Rekordfahrt mit 160 km/h 2022 – Außerbetriebnahme für Modernisierung, unter anderem Einbau von ETCS 2025 – Fahrt mit ETCS

Konstruktion Zeichnungen mini|Aufbau des Tenders, 2007 Die ungefähren Abmessungen für die Konstruktion der Tornado wurden durch die Vermessung der LNER Peppercorn Class A2 Blue Peter im National Railway Museum (NRM) festgestellt. Da keine Zeichnungen des generellen Aufbaus einer A1 mehr existierten, wurde eine Zeichnung einer A2 verwendet.

Viele der Originalzeichnungen, die in den Doncaster Works für die A1 Peppercorn Class verwendet wurden, sind im NRM erhalten. Ein Team ehrenamtlicher Mitarbeiter verbrachte im Herbst 1991 drei Tage damit, diese zu sammeln. Die Originale auf Leinen wurden in CAD eingescannt, da die Kopien auf Mikrofilm des NRM nicht für Konstruktionszwecke verwendbar waren. Ungefähr 95 % der Originalzeichnungen wurden gefunden. Bis 1993 waren 1.100 davon eingescannt, bis 2001 weitere 140. Wenige Originale in schlechtem Zustand mussten neu gezeichnet werden.

Ein aktualisiertes Lastenheft wurde benötigt, um die Anforderungen für inzwischen veraltetes Material sowie Anmerkungen zu Zeichnungen, deren Bedeutung nicht festgestellt werden konnte, festzuhalten. Andere Details der Konstruktion wurden durch Gespräche mit Arthur Peppercorns früherem Assistenten J.F. Harrison ermittelt.

Technische Besonderheiten des Nachbaus Die Konstruktion wurde – wo nötig – überarbeitet, um modernere Produktionsmethoden verwenden und auf heutigen Hauptstrecken verkehren zu können. Es wurde jedoch darauf geachtet, den größten Teil der Originalkonstruktion umzusetzen.The Railway Magazine, The Tornado Story Part 1, April 2008, page 15 Der Neubau 60163 Tornado ist zum Betrieb auf modernen Hauptstrecken mit Druckluftbremsen für die Lokomotive selbst ausgerüstet. Die historischen Loks der Klasse A1 Peppercorn waren mit Dampfbremsen ausgerüstet. Um mit Zügen auf Museumsbahnstrecken verkehren zu können, wurde die 60163 Tornado außerdem mit einer Saugluftbremse ausgerüstet. Die Originallokomotiven waren mit dem zu den Saugluftbremsen der British Rail passenden Automatic Warning System (AWS) ausgerüstet. Die 60163 Tornado benötigt zusätzlich das neue Train Protection and Warning System (TPWS). Außerdem ist die Lok für den Betrieb auf dem Streckennetz von Network Rail (der aktuelle Eigentümer und Betreiber des Schienennetzes in Großbritannien) mit einem Datenrekorder und Bahnfunk ausgerüstet. Die elektrische Anlage der Lokomotive ist wegen der größeren Anzahl der elektrischen Verbraucher leistungsfähiger als die der historischen Vorgänger. Die 60163 Tornado ist etwas niedriger als die historischen Lokomotiven. Das Führerhausdach, die Sicherheitsventile, der Dampfdom und der Schornstein mussten dem heute geltenden Lichtraumprofil angepasst werden. Die Höhe wurde um 1 Inch (= 2,54 cm) verringert, um den Erfordernissen der Oberleitungsbestimmungen von Network Rail zu entsprechen. Der Dampfdom und die Befestigungen der Sicherheitsventile wurden neu entworfenThe Railway Magazine, The Tornado Story Part 2, May 2008, page 31 und das Profil des Führerhauses und des Schornsteines neu festgelegt.

Der Schlepptender der Tornado wurde im Inneren neu konstruiert, um auf die Wasseraufnahme während der Fahrt verzichten zu können. Die Wasserschöpfeinrichtung wurde entfernt, die Wasserkapazität von 5.000 Gallonen (= 22.700 Liter) auf 6.000 Gallonen (= 27.240 Liter) erhöht und die Kohlekapazität von 9 auf 7,3 Tonnen verringert.The Railway Magazine, The Tornado Story Part 2, May 2008, page 34

Der neue Tender wurde komplett im Schweißverfahren in der Werkstatt von Ian Howitt in Crofton, Yorkshire hergestellt. Dort wurde er mit Speichenrädern ausgerüstet. Diese waren auch an den Tendern von drei historischen A1 Peppercorn vorhanden. Die Achsen, Räder und Radreifen des Tenders wurden zwischen März und Mai 2007 fertiggestellt.

Der Kessel wurde in Deutschland im Dampflokwerk Meiningen der Deutschen Bahn AG (DB) gebaut und am 16. Juli 2006 nach Darlington geliefert. Die Sicherheitsventile des Kessels wurden in der LNER-Klasse A4 Union of South Africa auf der Strecke der Severn Valley Railway erprobt. Beide Pumpen für die Druckluftbremse wurden ebenfalls im Dampflokwerk Meiningen hergestellt und zusammen mit dem Kessel nach Darlington geliefert. Die Kesselverkleidung wurde im Januar 2007 angebracht. Alle Teile des Lokrahmens, die nach der Montage des Kessels nicht mehr zugänglich sind, wurden im Mai 2007 lackiert. Bis Ende Oktober 2006 existierten bereits 80 % der mechanischen Bauteile einschließlich des Materials, das bereits fertiggestellt, aber noch nicht montiert war. Das Auswuchten der Radsätze wurde ab Mai 2007 durchgeführt.

mini|Elektrik im Führerstand Aus Kosten- und betrieblichen Gründen wurden folgende Änderungen an der Konstruktion vorgenommen: Komplett geschweißter Tender (d. h. nicht genietet) Feuerbüchse aus Stahl (nicht aus Kupfer) Einteiliger Rahmen Rollenlager Verbessertes vorderes Laufdrehgestell Verbesserte Dampfleitung