Als Sunamitismus wird eine früher populäre „Therapieform“ gegen männliche Altersschwäche und nachlassende Potenz bezeichnet. Hierbei legt sich ein alternder, schwacher Mann zu einem jungen, aber bereits geschlechtsreifen Mädchen ins Bett, ohne Geschlechtsverkehr mit ihr zu haben. Deren körperliche „Ausdünstungen“ galten als verjüngend. Der Begriff geht auf die Bibel zurück.

Bis in die Renaissance war diese Praktik verbreitet und wurde von Medizinern empfohlen. In England soll der Philosoph Francis Bacon ein Anhänger dieser Methode gewesen sein, die aus heutiger Sicht als Aberglaube anzusehen ist. Der Sunamitismus ist heute fast völlig in Vergessenheit geraten.

Es gab angeblich eigene Häuser für Sunamitismus, die jedoch keine Bordelle waren. Im Gegenteil hatte der „Klient“ eine meist recht hohe Kaution zu hinterlegen, die verloren gegangen wäre, wenn die „Dienstleisterin“ die Jungfräulichkeit verloren hätte.

Jungfräulichkeit nämlich galt als Voraussetzung für die hohe therapeutische Wirksamkeit; nicht jungfräuliche Bettgenossinen galten als wenig wirksames Verjüngungsmittel.

Sunamitismus in der Bibel Der Sunamitismus geht auf die Bibel zurück. Der alt gewordene König David „erkennt“ (das heißt, beschläft) die Bettgenossin Abischag von Sunem nicht. Aus dem biblischen Text wird nicht klar, ob der Grund hierfür Impotenz ist oder der Verzicht auf sexuelle Beziehungen Teil der Therapie bildet. Der Text begründet den Einsatz Abischags hauptsächlich mit der gesundheitlich bedingten Hypothermie des Königs:

Literatur Daniel Schäfer: Alter und Krankheit in der Frühen Neuzeit. Der ärztliche Blick auf die letzte Lebensphase, 2004 Johann Heinrich Cohausen: Der wiederauflebende Hermippus oder curiose physicalisch-medicinische Abhandlung, 1750

Kategorie:1. Buch der Könige Kategorie:Überholte Theorie Kategorie:Medizin (Mittelalter) Kategorie:Medizin (Frühe Neuzeit) Kategorie:Sexualgeschichte