Die 54. Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika fand am 7. November 2000 statt. Mit einem der knappsten Ergebnisse in der Geschichte der USA wurde George W. Bush zum 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt.
Die Stimmauszählung im Bundesstaat Florida, einem der besonders umkämpften Swing States, dauerte mehr als einen Monat. Am Ende lag Bush dort mit 537 Stimmen vor seinem demokratischen Konkurrenten Gore. Auch nach richterlich angeordneten Nachzählungen in einigen Wahlkreisen und der höchstrichterlichen Überprüfung durch den Supreme Court blieb der Wahlausgang umstritten.
Kandidaten Demokratische Partei Demokratische Kandidaten:
Nach den Regeln des 22. Zusatzartikels der Verfassung durfte Amtsinhaber Bill Clinton nach zwei Amtszeiten nicht erneut kandidieren. Im Rennen um die Nominierung trat daher der amtierende Vizepräsident Al Gore an. Einziger nennenswerter Gegenkandidat war der ehemalige Senator und Profi-Basketballspieler Bill Bradley, der für die New York Knicks gespielt hatte und 1978 in die Politik gegangen war. Vor allem im Bereich Gesundheitsvorsorge gingen die Meinungen Gores und Bradleys, der massive Reformen forderte, auseinander. Obwohl Gore schließlich alle Vorwahlen für sich entscheiden konnte, offenbarten die Debatten mit Bradley ein Image-Problem für ihn. Gores mitunter roboterhafte Körperhaltung und wahrgenommene überhebliche Ausstrahlung sowie seine intellektuelle Art kamen beim Wähler schlecht an. Diese negativen Aspekte des Kandidaten und potentiellen nächsten Präsidenten bereiteten ihm auch in den Fernsehdebatten gegen Bush große Probleme bei der Wählerschaft.
Als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten nominierte Gore später Senator Joseph Lieberman aus Connecticut. Der orthodoxe Jude Lieberman war der erste prominente Demokrat gewesen, der Clintons Affäre mit Monica Lewinsky als unmoralisch kritisiert hatte. Liebermans warmherzige Erscheinung sollte Gores vermeintliche Steifheit kompensieren.
Republikanische Partei Republikanische Kandidaten:
Nachdem Bob Dole bei den Wahlen vier Jahre zuvor deutlich unterlegen gewesen war, entschieden sich die Republikaner nun für den texanischen Gouverneur George W. Bush, den Sohn des früheren Präsidenten George Bush. Sein härtester Konkurrent in den Vorwahlen war Senator John McCain aus Arizona, der jedoch nach einer deutlichen Niederlage bei den Vorwahlen in South Carolina praktisch keine Chance mehr besaß. Der Wahlkampf zwischen Bush und McCain gilt als einer der schmutzigsten der US-Geschichte. Es wurde behauptet, McCain solle Vater eines unehelichen schwarzen Kindes sein, seine Frau Cindy sei drogenabhängig, McCain selbst schwul und psychisch instabil wegen seiner Gefangenschaft in Nordvietnam.Nicolas Richer: Stimmen der Unvernunft. In: Der Bund, 1. Februar 2016, S. 2. Alle übrigen Kandidaten hatten das Rennen bereits frühzeitig aufgegeben. Beim Nominierungskonvent in Philadelphia erhielt Bush 2038 von 2041 Stimmen.
Mit der Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die Vizepräsidentschaft wurde eine Findungskommission unter Vorsitz des früheren US-Verteidigungsministers Dick Cheney betraut. Diese kam zu dem Ergebnis, dass kein Parteimitglied besser als Cheney selbst für das Amt geeignet sei.
Grüne Partei
Verbraucheranwalt Ralph Nader trat zum zweiten Mal nach 1996, erstmals als offizieller Kandidat der Grünen Partei, als Präsidentschaftskandidat an.
Wahlergebnis Durch die juristischen Probleme der korrekten Stimmenauszählung in Florida dauerte es nach der Wahl mehr als einen Monat, bis ein Ergebnis feststand. Als der damalig mehrheitlich republikanisch besetzte Supreme Court letztinstanzlich eine erneute Nachzählung in bestimmten Wahlkreisen Floridas verbot (siehe Bush v. Gore), war der Wahlsieg des republikanischen Kandidaten offiziell. George W. Bush hatte die Präsidentschaftswahl mit einer bis heute umstrittenen Differenz von 537 Stimmen in Florida gewonnen.Wade Payson-Denney: So, Who Really Won? What the Bush v. Gore Studies Showed. In: CNN.com, 31. Oktober 2015 (englisch).
Von den entscheidenden insgesamt 538 Wahlmännerstimmen konnte George W. Bush mit 271 Stimmen die Mehrheit für sich gewinnen (eine Stimme mehr als die notwendigen 270).
Da die Mehrzahl der Richter am Supreme Court von republikanischen Präsidenten ernannt worden war (zum Zeitpunkt der Entscheidung sieben von neun), war bereits des Öfteren Kritik an der Objektivität der Entscheidung des Gerichts laut geworden.
Wahlmaschinen Wegen der öffentlichen Kritik an den Wahlmaschinen in Florida wurde der Help America Vote Act entworfen und am 29. Oktober 2002 verabschiedet. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit setzte sich Floridas Gouverneur Charlie Crist für die Abschaffung von Wahlcomputern in Florida ein.
Am 3. Mai 2007 ist Florida zum klassischen Wahlzettel auf Papier zurückgekehrt. Das Parlament verabschiedete einstimmig ein Gesetz, das den Einsatz von Papier-Stimmzetteln vorschreibt. Wie die 118 Abgeordneten in ihrem Entscheid begründeten, soll damit gegebenenfalls eine notwendig werdende Neuauszählung der Stimmen ermöglicht werden.
Gesamtergebnis Kandidat Partei Stimmen Wahlmänner Anzahl Prozent George Walker Bush Republikaner 50.456.002 47,9 % 271 Al Gore Demokraten 50.999.897 48,4 % 266 Ralph Nader Grüne 2.882.955 2,7 % — Pat Buchanan Reformpartei 448.895 0,4 % — Harry Browne Libertarian 384.431 0,4 % — Sonstige 232.920 0,2 % — Gesamt 105.421.423 100 % 538
Da in den USA bei Präsidentschaftswahlen nicht das Gesamtergebnis der Stimmen relevant ist, sondern die Anzahl der Wahlmännerstimmen, wurde Bush zum Präsidenten gewählt, obwohl Gore einen landesweiten Stimmenvorsprung von 532.994 Stimmen aufwies. Wahlfrau Barbara Lett-Simmons aus dem District of Columbia gab einen leeren Wahlzettel ab, anstatt nach Parteilinie für Gore zu stimmen, um dagegen zu protestieren, dass die Bürger der Hauptstadt im Senat nicht vertreten sind.Meldung auf Fairvote.org, 2004
Wahlergebnis nach Bundesstaaten WM: Anzahl der Wahlmännerstimmen Bundesstaat Rep.Wählerstimmen Rep.WM Dem.Wählerstimmen Dem.WM GrüneWählerstimmen GrüneWM Alabama 944.409 9 695.602 18.349 Alaska 167.398 3 79.004 28.747 Arizona 781.652 8 685.341 45.645 Arkansas 472.940 6 422.768 13.421 Colorado 883.745 8 738.227 91.434 Connecticut 561.094 816.015 8 64.452 Delaware 137.288 180.068 3 8.307 Florida 2.912.790 25 2.912.253 97.488 Georgia 1.419.720 13 1.116.230 13.432 Hawaii 137.845 205.286 4 21.623 Idaho 336.937 4 138.637 12.292 Illinois 2.019.421 2.589.026 22 103.759 Indiana 1.245.836 12 901.980 18.531 Iowa 634.373 638.517 7 29.374 Kalifornien 4.567.429 5.861.203 54 418.707 Kansas 622.332 6 399.276 36.086 Kentucky 872.492 8 638.898 23.192 Louisiana 927.871 9 792.344 20.473 Maine 286.616 319.951 4 37.127 Maryland 813.797 1.145.782 10 53.768 Massachusetts 878.502 1.616.487 12 173.564 Michigan 1.953.139 2.170.418 18 84.165 Minnesota 1.109.659 1.168.266 10 126.696 Mississippi 573.230 7 404.964 8.126 Missouri 1.189.924 11 1.111.138 38.515 Montana 240.178 3 137.126 24.437 Nebraska 433.862 5 231.780 24.540 Nevada 301.575 4 279.978 15.008 New Hampshire 273.559 4 266.348 22.198 New Jersey 1.284.173 1.788.850 15 94.554 New Mexico 286.417 286.783 5 21.251 New York 2.403.374 4.107.907 33 244.060 North Carolina 1.631.163 14 1.257.692 North Dakota 174.852 3 95.284 9.497 Ohio 2.351.209 21 2.186.190 117.857 Oklahoma 744.337 8 474.276 Oregon 713.577 720.348 7 77.357 Pennsylvania 2.281.127 2.485.967 23 103.392 Rhode Island 130.555 249.508 4 25.052 South Carolina 786.426 8 566.039 20.279 South Dakota 190.700 3 118.804 Tennessee 1.061.949 11 981.720 19.781 Texas 3.799.639 32 2.433.746 137.994 Utah 515.096 5 203.053 35.850 Vermont 119.775 149.022 3 20.374 Virginia 1.437.490 13 1.217.290 59.398 Washington 1.108.864 1.247.652 11 103.002 Washington, D.C. 18.073 171.923 3 10.576 West Virginia 336.475 5 295.497 10.680 Wisconsin 1.237.279 1.242.987 11 94.070 Wyoming 147.947 3 60.481 4.625 Summe 50.456.002 271 50.999.897 267 2.883.105 0
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Weblinks
amtliche Statistik der Wahl. (PDF; 355 kB) Wahlergebnisse pro US-Bundesstaat (englisch)
Einzelnachweise und Anmerkungen
#2000 Vereinigte Staaten Kategorie:George W. Bush Kategorie:Al Gore Kategorie:Geschichte der Vereinigten Staaten (seit 1988)