mini|Zecchino aus der Zeit des „Io Delphyno Dvx“, der Doge kniend vor dem Evangelisten Markus mini|Wappen des „Giovanni Delfino“, frühes 17. Jahrhundert Giovanni Dolfin (* um 1303 in Venedig; † 12. Juli 1361 ebenda) war nach der Zählung durch die vielfach widerlegte traditionelle Geschichtsschreibung der Republik Venedig ihr 57. Doge. Er führte das Amt von seiner Wahl am 13. August 1356 bis zu seinem Tod vier Jahre und fast elf Monate später.
Vor seiner Wahl zum Dogen war er, wie dies für einen Adligen in der Republik Venedig üblich war, sowohl in diplomatischen Missionen als auch als Militär- und Flottenführer tätig. Mit etwa 40 Jahren saß er im höchsten Gericht, das auch erhebliche politische Kompetenzen hatte. 1348 verhandelte er zum ersten Mal mit dem König von Ungarn, der Venedig die Herrschaft über Dalmatien streitig machte. Parallel zu diesen Kämpfen war Venedig von 1350 bis 1355 zum dritten Mal in einen umfassenden Krieg mit Genua verwickelt. Nachdem Dolfin zum Dogen gewählt worden war, gelang es ihm nur durch einen gewagten Ausfall aus dem von Ungarn belagerten Treviso durchzubrechen, um so nach Venedig zu gelangen.
Während seiner Amtszeit verlor Venedig Dalmatien an Ungarn und geriet zudem in eine Finanzkrise. Zwar hinterlegte eine Reihe von Signori des Festlandes, wie die Carrara, nach dem Kriegsende dort ihr Vermögen, weil Venedig als besonders verlässlich und sicher galt, doch bis weit in die 1360er Jahre versuchte eine Fraktion der Fernhändler die ausländische Konkurrenz aus Venedig hinauszuwerfen.
Familie Die Dolfin gehörten zu den bedeutendsten und ältesten, den apostolischen Familien Venedigs. Aus der Familie gingen vierzehn Prokuratoren und sechs Kardinäle hervor. Sie besaß Häuser in der Gemeinde Santi Apostoli (im östlichen Cannaregio), San Giacomo dall’Orio (in Santa Croce), dazu ein großes Haus in der Gemeinde San Canzian neben dem Fontego dei Turchi. Dieses Haus wurde an den Sohn Nicolò vererbt. Außerhalb Venedigs besaß die Familie Güter bei Torre delle Bebbe und auf der Halbinsel Istrien.
Giovanni Dolfins Vater war seit dem 16. Dezember 1300 Prokurator von San Marco (de supra). Er war insbesondere seit der Serrata, der Abriegelung des Großen Rates gegen Aufsteigerfamilien, politisch aktiv. Während dieses Prozesses der Abriegelung stiegen noch einmal zahlreiche Familien in dieses Hauptgremium der Republik auf. Seit der Verschwörung unter Führung des Marino Bocconio (1304, nach anderen Angaben 1299 oder 1300) hatte er sich den Ruf der Verlässlichkeit und der Tatkraft erworben.
Über Giovanni Dolfins erste Frau ist nichts bekannt, ebenso über seinen einzigen Bruder Daniele, der anscheinend keine staatlichen Ämter bekleidet hat. Später heiratete er in zweiter Ehe eine Caterina Giustinian, wobei der Name ihres Vaters gleichfalls nicht bekannt ist. Damit lässt sie sich auch keinem der Zweige der großen und höchst angesehenen Familie Giustinian zuordnen.
Giovanni Dolfin hatte drei Söhne, nämlich Benedetto, Pietro und Nicolò. Fälschlicherweise wurde auch ein Enrico zu seinen Söhnen gezählt, doch war er der Sohn des erstgeborenen Benedetto, der Lucia Contarini heiratete. Gemeinsam mit ihr wurde er in San Zanipolo beerdigt. Von den vier Töchtern wurde Cataruccia Nonne in San Zaccaria; Costanza und Lucia wurden in jungen Jahren mit Zanino Michiel und Marco Morosini da S. Giovanni Novo verheiratet. Franceschina heiratete mit zwölf Jahren Bertucci Contarini da S. Aponal (er stammte also aus der Linie der Contarinifamilie von Sant’Aponal).
Schon im Sterben vertraute Giovanni den Sohn Pietro der Schwiegermutter Agnesina an, vielleicht eine Bembo. Bei ihr sollte er bis zum 16. Lebensjahr bleiben; sein Präzeptor war bis dahin der Schulmeister Francesco da Trento gewesen.Andrea Da Mosto: I dogi di Venezia nella vita pubblica e privata, Venedig 1939, Nachdruck: Taylor & Francis, 1977; Giunti Martello, Florenz 1983, S. 129.
Leben Diplomatische, militärische und innerstädtische Aufgaben bis zur Dogenwahl (ab 1345) Einige Chroniken geben an, Giovanni Dolfin sei bereits bei den Elektoren, den Dogenwählern, von 1312 dabei gewesen. In diesem Jahr wurde Giovanni Soranzo zum Dogen gewählt. Wahrscheinlicher ist seine Teilnahme an der Wahl des Dogen Francesco Dandolo im Jahr 1329. Wegen einer Reihe von Männern gleichen Namens ist seine Teilnahme am politischen Leben der Stadt in den 1320er und 1330er Jahren vielfach nicht mit Sicherheit festzumachen.
Istrien, Flottenexpedition gegen Capodistria, Verhandlungen mit Ungarns König (1345–1348) Um 1345 zählte Dolfin zu den Häuptern, den Capi der Quarantia, einer Art obersten Gerichtshofs. Dort entschied man über Kriegsausgaben für Auseinandersetzungen auf Istrien. In einer umstrittenen Abstimmung wurde Dolfin 1345 zum Giudice di Petizion gewählt, doch erhielt diese Entscheidung am Ende höchste Zustimmung. Auf Istrien gab es eine Reihe von Städten, die eine Unterstellung unter die ungarische Krone der venezianischen Herrschaft vorgezogen hätten. An der Flottenexpedition gegen das seit dem 17. September 1348 aufständische Capodistria nahm Dolfin zwar teil, aber ob er mit dem möglicherweise nur namensgleichen Giovanni Dolfin zu identifizieren ist, der im März des Jahres als Conte di Valle fungierte, bleibt unsicher.
Im Herbst 1348 war Dolfin gemeinsam mit Stefano Morosini, Nicolò Venier, Almorò Gradenigo, Marino Soranzo und Pancrazio Zen beim ungarischen König, der auf dem Rückweg von Neapel die Poebene durchquerte. Ihre diplomatische Aufgabe, die Möglichkeiten eines Friedensschlusses zu eruieren, blieb erfolglos, so dass sich ihre Mission auf das bloße Beobachten des Heereszuges beschränkte.
Prokurator von San Marco (1350), Genuesenkrieg (ab 1350) Am 25. April 1350 wurde Dolfin zum Prokurator von San Marco (de supra) gewählt. Er lehnte die Teilnahme an einer Gesandtschaft im Oktober 1348 ab. Infolgedessen ging Paolo Loredan 1349 allein an den ungarischen Hof, auch wenn Marco Barbaro behauptet, gerade wegen dieser erfolgreichen Gesandtschaft sei Dolfin zum Prokurator gemacht worden. Im März erhielt Dolfin die Erlaubnis, aus den Wäldern von Segna in Dalmatien Holz zu schlagen, um es für den Schiffbau Richtung Konstantinopel zu bringen.
Im Juli 1350 erhielten die drei Savi Istriens Verstärkung durch weitere drei Kenner der Materie. Neben Dolfin waren dies der Prokurator Stefano Contarini und Stefano Gradenigo. Diese sollten die Bewegungen des Herzogs von Österreich im Friaul beobachten. Zu dieser Aufgabe kam für Dolfin hinzu, dass er als Provveditore in Treviso, ausdrücklich gemeinsam mit den Männern der Galeeren, Stadt und Territorium verteidigen sollte. Diese umfassende Aufgabe teilte er sich mit Alvise Vitale und wiederum mit Stefano Contarini. Letztlich führten Probleme des Herzogs mit seiner Armee dazu, dass die Beauftragten für neue Posten frei wurden.
Im Sommer 1350 erhielten alle diese Savi den Auftrag, nach Tenedos zu segeln. Diese Insel war von größter Bedeutung für die Überwachung der Dardanellen im Vorfeld des Krieges mit Genua. Auf Dolfin warteten dort sowohl diplomatische als auch militärische Aufgaben. Eine Sonderkommission aus 25 Savi sollte sich mit dem gesamten Komplex „super factis et provisiones contra Januenses“ befassen. Im Arsenal wurden etwa 20 Galeeren unter dem Kommando von Nicolò Pisani ausgestattet, eine Flotte, die von Venedig im März 1351 aufbrach. Nach Rafaino de’ Caresini befand sich auch Giovanni Dolfin als Gesandter an Bord. Der Auftrag zur Fahrt nach Konstantinopel stammt vom 16. März 1351. Der byzantinische Kaiser, der den Vorschlag annahm, ein Bündnis mit Aragon gegen Genua zu schließen, erlaubte es ihm acht Galeeren auszustatten. Diese wurden von Venedig finanziert.
Im Februar 1352 war Dolfin einer der Teilnehmer an der Schlacht am Bosporus, in der beide Seiten, Venezianer wie Genuesen schwere Verluste erlitten. An den Verletzungen starb auch Pancrazio Giustinian, der Capitano generale da Mar, der Admiral. An seine Stelle trat Nicolò Pisani.
Rückkehr nach Venedig (1352), Kreta, Belagerung von Pera, Oberitalien Immer noch als Gesandter beim kaiserlichen Hof kehrte Dolfin nach Venedig zurück, um Einzelheiten zu berichten, aber auch, um die Ausrüstung der katalanischen Schiffe zu finanzieren. Der angebliche Schlachtensieg, von dem Dolfin berichtete, stieß auf Misstrauen im Senat. Dennoch wurde Dolfin, zusammen mit Marco Falier (nach Caroldo, Marino Falier, der zukünftige Doge) und Marco Corner (Doge von 1365–1368) sowie Marino Grimani. Ihre Wahl fand am 1. Mai statt, sie brachen mit den Geldmitteln für die besagte Flotte am 13. Mai auf. Währenddessen fuhr die Flotte Genuas heimwärts. Die vier Proveditoren und Pisani fuhren nach Candia, der Hauptstadt des venezianischen Kreta. Die Flotte, um die acht katalanischen Schiffe reduziert, fuhr wiederum nach Konstantinopel, scheiterte jedoch bei dem Versuch, die Genuesen aus Pera zu vertreiben. Diese waren wiederum vom omanischen Herrscher Orhan I. unterstützt worden.
Nun beschloss man eine Dreiteilung der Flotte. Während Pisani mit zwei Proveditoren die Belagerung von Pera fortsetzte, versuchten Falier und Dolfin in Einzelaktionen und durch Sabotage, aber auch durch die Jagd auf einzelne Schiffe, die Genuesen zu schwächen. Nun folgten weitere antigenuesische Aktivitäten, für Dolfin allerdings eher diplomatischer Natur. So reiste er im Januar 1353 nach Padua, im Januar des nächsten Jahres nach Mantua (gemeinsam mit dem Prokurator Paolo Loredan und wieder Marino Grimani. Anfang 1354 streckte er Fühler für Friedensverhandlungen mit Ungarn aus, auch reiste er mit Marino Grimani zu Cangrande (II.) Della Scala als Redner. Danach wurde er Führer einer Truppe, die den Bau einer Brücke über den Po durch Venedigs Feinde unterbinden sollte.
Aufgaben in Venedig (1355), Kampf gegen Ungarn Unter Marino Falier, der im Amt des Dogen dem verstorbenen Dandolo 1354 folgte, erhielt Dolfin wohl kein Amt. Nach einer Inschrift in der Kapelle des hl. Isidor in der Markuskirche, war Dolfin am 10. Juli 1355 einer der Proveditoren, die den Bau dieser Kapelle leiteten.
Die ungarische Armee, vor allem Berittene, zog Richtung Treviso, mehr oder minder offen unterstützt durch den Patriarchen von Aquileia, den Herzog von Österreich und die Carrara. Die Quellen geben an, König Ludwig habe über 40.000 bis 60.000 Mann verfügt. So erhielt auch Dolfin ab Februar 1356 militärische Aufgaben. Als Prokurator von San Marco hielt sich Paolo Loredan, dann Marco Giustiniani und Dolfin selbst in der belagerten Stadt auf. In Giovanni Dolfins Begleitung waren seine beiden Söhne Benedetto und Nicolò. Dabei litt Dolfin während der Belagerung unter Erkrankung seines rechten Auges.
Das Dogenamt Wahl, Ausbruch aus dem von Ungarn belagerten Treviso, Einzug in Venedig Giovanni Gradenigo, der Doge, starb am 8. August 1356. Giovanni Dolfin wurde am 13. August 1356 in Abwesenheit zum Dogen gewählt, wenn auch Bedenken bestanden, ob der auf einem Auge Blinde für das Amt geeignet wäre. Zum Zeitpunkt seiner Wahl befand sich Dolfin in der von ungarischen Truppen belagerten Stadt Treviso. Die unterlegenen Gegenkandidaten bei der Wahl waren der Prokurator Andrea Contarini und Paolo Loredan, zu dieser Zeit, wie Dolfin auch, Provveditore in campo.
Gesandte, namentlich Andrea Contarini, Michele Falier und der Großkanzler Benintendi de’ Ravegnani, wurden zum Ungarnkönig geschickt, um freies Geleit für den neu gewählten Dogen zu erlangen. Doch diese Gesandtschaft war genauso erfolglos, wie der als neutral geltende Bischof von Fermo und der Notar Stefano, die als Unterhändler gleichfalls nichts erreichen konnten. Dolfin saß in Treviso fest, wo man entschlossen war, den Belagerern standzuhalten.