mini|300px|Ergebnisse der Präsidentschaftswahl nach einzelnen Countys: Die 56. Wahl des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika fand am 4. November 2008 statt. Daraus ging Barack Obama, Senator aus Illinois und Kandidat der Demokratischen Partei, als Sieger und damit als der 44. Präsident der Vereinigten Staaten hervor. Zum Vizepräsidenten wurde Joe Biden, Senator aus Delaware, gewählt. Die republikanischen Gegenkandidaten, Senator John McCain aus Arizona und Gouverneurin Sarah Palin aus Alaska, unterlagen deutlich. Weitere Kandidaten spielten keine erhebliche Rolle.
Formal wurden am 4. November nur die Wahlmänner des Electoral College bestimmt, die am 15. Dezember ihre Stimmen für die Ämter des Präsidenten und des Vizepräsidenten abgaben. Am 8. Januar 2009 trat der Kongress zusammen und stellte das Wahlergebnis fest. Dem Wahlergebnis der allgemeinen Wahlen folgend, erhielt Barack Obama 365 und John McCain 173 Wahlmännerstimmen. Die Wahl des Vizepräsidenten ergab das gleiche Resultat: 365 für Joe Biden, 173 für Sarah Palin.Wahlergebnis 2008
Barack Obama wurde am 20. Januar 2009 als 44. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Bis zu diesem Tag wurde er als „President-Elect“ (gewählter Präsident) bezeichnet. Die Vereidigung des Vizepräsidenten fand am selben Tag statt.
Ausgangslage Amtsinhaber George W. Bush durfte nach zwei Amtsperioden laut Verfassung nicht mehr kandidieren. Vizepräsident Dick Cheney hatte im Vorfeld der Wahlen deutlich gemacht, sich nicht um das Amt des Präsidenten zu bewerben. Damit war die Wahl im November 2008 die erste Präsidentschaftswahl seit 1928, bei der sich weder der amtierende Präsident noch der amtierende Vizepräsident um die Nominierung zum Kandidaten ihrer Partei bewarben, und die erste Wahl seit 1952, bei der keiner von beiden als Kandidat seiner Partei aufgestellt wurde.
Die parteiinternen Vorwahlen der Demokraten und Republikaner begannen am 3. Januar 2008 im Bundesstaat Iowa. Der Termin des Super Tuesdays war bei beiden Parteien der 5. Februar 2008. auf nass.org
Die Parteitage zur Nominierung des jeweiligen Präsidentschaftskandidaten (Party-Conventions) fanden vom 25. bis 28. August 2008 in Denver, Colorado (Demokraten),Denver lands Democratic convention und vom 1. bis 4. September 2008 in St. Paul, Minnesota (Republikaner), statt. Bei diesen nationalen Parteitagen, die traditionell stets im Sommer stattfinden, stimmen die Delegierten der Bundesstaaten über den Präsidentschaftskandidaten der Partei und Running Mate (Vizepräsidentschaftskandidaten) ab. Der Kandidat zum Vizepräsidenten wird dem Parteitag allerdings vom feststehenden Präsidentschaftskandidaten vorgeschlagen.
Kandidaten Da es sich bei der Wahl um 51 Einzelwahlen handelt, die parallel stattfinden, gibt es auch kein gleichförmiges Wahlrecht. Jeder Staat bestimmt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, um kandidieren zu können.
Gemäß der Verfassung müssen Kandidaten zum Präsidentenamt seit Geburt US-Amerikaner sein, mindestens 35 Jahre alt sein und seit mindestens 14 Jahren im Land leben. Diese Einschränkung betrifft jedoch in erster Linie das Electoral College. In verschiedenen Staaten können dennoch Kandidaten antreten, die laut Verfassung nicht Präsident werden dürfen. So kandidierte Róger Calero von der Socialist Workers Party 2004 und 2008. Er stand in fünf US-Bundesstaaten auf dem Wahlzettel, obwohl er kein Bürger der Vereinigten Staaten ist.
Einige Parteien nominierten einen eigenen Kandidaten. Dies geschah auf Nominierungsparteitagen, bei denen aus den parteiinternen Bewerbern ein Kandidat gewählt wurde. Zur Auswahl der Parteitagsdelegierten hielten die großen Parteien allgemeine Vorwahlen ab, in denen die Bürger ihre Unterstützung für einen Bewerber zum Ausdruck bringen konnten.
Parteien und Kandidaten waren hierbei nicht fest aneinander gekoppelt. So wurde Barack Obama auch von lokalen Parteien in South Carolina und New York nominiert, während sein Kontrahent John McCain die Unterstützung von zwei regionalen Parteien in New York hatte. Ralph Nader, der eigentlich als unabhängiger Kandidat antrat, wurde auch von sieben regionalen Parteien nominiert. In vielen Bundesstaaten gab es sogenannte „Write-in“-Kandidaten. Diese sind nicht auf dem Wahlzettel vertreten, aber es gibt ein leeres Feld, in das man den Namen eines solchen Kandidaten hineinschreiben kann.
Die Zahl der Kandidaten war dementsprechend groß. Die meisten dieser Kandidaten standen in höchstens einem Staat auf dem Wahlzettel und waren somit chancenlos. 13 Kandidaten waren in mehreren Bundesstaaten vertreten, aber es gab insgesamt nur sechs Kandidaten, die in genügend Staaten antraten, um die Mehrheit der Wahlmänner erlangen zu können. Diese waren:
+ Kandidaten bei der Präsidentschaftswahl 2008 Partei Bild Präsidentschafts- kandidat Amt bzw. Tätigkeit Vizepräsidentschafts- kandidat Wahlkampf-Website (englisch) Demokratische Partei 200x75px|Barack Obama Barack Obama Senator aus Illinois Joe Biden barackobama.com Republikanische Partei 200x75px|John McCain John McCain Senator aus Arizona Sarah Palin johnmccain.com (Positionen zu Wahlkampfthemen) Libertarian Party 200x75px|Bob Barr Bob Barr ehemaliger republikanischer Abgeordneter aus Georgia, Rechtsanwalt Wayne Allyn Root unabhängig 200x75px|Ralph Nader Ralph Nader Verbraucheranwalt, mehrfacher Präsidentschaftskandidat (1996 und 2000 für die Grünen, 2004 unabhängig) Matt Gonzalez votenader.org Green Party 200x75px|Cynthia McKinney Cynthia McKinney ehemalige demokratische Abgeordnete aus Georgia Rosa Clemente Constitution Party 200x75px|Chuck Baldwin Chuck Baldwin Pastor, Radiomoderator und Vizepräsidentschaftskandidat der Partei im Jahr 2004 Darrell Castle
Obama und McCain waren die einzigen Kandidaten, die in allen Staaten sowie dem District of Columbia antraten. Von den anderen Kandidaten trat Nader in 46 Staaten an, Barr in 45, Baldwin in 37 und McKinney in 32. Rechnet man Write-in-Kandidaturen mit ein, so waren alle Kandidaten in mindestens 47 Staaten wählbar. Lediglich in Oklahoma trat keiner dieser vier Kandidaten an.
Alle weiteren Kandidaten waren selbst mit Write-in-Kandidaturen nur in maximal 30 Staaten wählbar und konnten somit keine Mehrheit im Electoral College erreichen.
Vorwahlen
Zwar handelt es sich bei der Präsidentschaftswahl prinzipiell um 51 einzelne Wahlen, aber ein Kandidat hat nur dann eine realistische Chance, wenn er in möglichst vielen Staaten antritt. Daher bestimmen die meisten Parteien landesweit antretende Kandidaten. Diese werden von Delegierten eines nationalen Parteitages bestimmt, dessen Delegierte bei Vorwahlen gewählt werden.
Demokratische Partei mini|300px|Ergebnis der Vorwahlen der Demokratischen Partei Die Vorwahlen der Demokratischen Partei zogen sich ungewöhnlich lange hin, da sich nicht wie sonst üblich bald ein Kandidat von den anderen absetzte, sondern bis in den Juni Hillary Clinton und Barack Obama ungefähr gleichauf lagen. Die Rivalität zwischen den beiden Lagern und die außergewöhnliche Situation, dass beide gesellschaftliche Gruppen repräsentierten – Frauen bzw. Afroamerikaner –, die bislang noch nie einen Präsidenten stellten, lösten national und international großes Aufsehen aus.
Die noch im Dezember 2007 nach Umfragen klar in Führung liegende Clinton kassierte bei der ersten Vorwahl in Iowa eine deutliche Niederlage gegen Obama, konnte aber schon in der zweiten Vorwahl in New Hampshire aufholen. Bis Ende Januar verabschiedeten sich alle ernstzunehmenden Kandidaten außer Clinton und Obama aus dem Rennen. Am 5. Februar war der Super Tuesday, an dem 22 Wahlen gleichzeitig stattfanden. Auch nach diesen Wahlen zeichnete sich noch kein klarer Sieger ab. Obama gelang es jedoch danach, elf Siege am Stück zu erringen, was Clinton in starke Bedrängnis brachte. Ihr gelang es in den folgenden Monaten aber mehrfach, aus solchen Situationen mit einem klaren Vorwahlsieg hervorzugehen. Gleichwohl lag Obama bei den gewählten Delegierten stets vorne.
Es gab auch eine große Anzahl von Superdelegierten, die wegen eines öffentlichen Amtes oder eines Amtes in der Partei eine Stimme am Parteitag haben. Diese sind nicht an die Vorwahlentscheidungen gebunden. Da absehbar wurde, dass keiner der beiden Kandidaten in den Vorwahlen so viele Delegierte würde erringen können, dass die Unterstützung von Superdelegierten nicht mehr notwendig gewesen wäre, blieb das Rennen lange Zeit offen. Erst als Barack Obama die Mehrheit der gewählten Delegierten erreicht hatte und immer mehr Superdelegierte ihm ihre Unterstützung zusicherten, wurde klar, dass Clinton verloren hatte. Sie zog ihre Kandidatur nach der letzten Vorwahl zurück.
Auf dem Parteitag der Demokraten wurde Barack Obama gewählt. Clinton sicherte ihm ihre Unterstützung zu. Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten wurde Joe Biden.
Republikanische Partei mini|300px|Ergebnis der Vorwahlen der Republikanischen Partei
Bei den Republikanern galt lange Zeit Rudy Giuliani, der ehemalige Bürgermeister von New York City, als Favorit. Dieser setzte aber auf eine riskante Strategie und verzichtete bei den ersten Vorwahlen auf aktiven Wahlkampf, um sich ganz auf die Vorwahlen in Florida zu konzentrieren, bei denen er mit dem dritten Platz jedoch scheiterte. Bei den ersten Vorwahlen zeigte sich, dass es keinen Kandidaten gab, der die ganze Bandbreite der Partei abdecken konnte. Mike Huckabee repräsentierte den konservativen Flügel, Mitt Romney eher den wirtschaftsliberalen. Jedoch konnte letzterer viele republikanische Wähler nicht überzeugen, unter anderem, weil er der Glaubensgemeinschaft der Mormonen angehört, was für die evangelikal geprägten konservativen Wähler der Republikaner eine wichtige Rolle spielte. Am 5. Februar, der auch bei den Republikanern ein Super Tuesday mit zahlreichen Vorwahlen war, konnte sich schließlich John McCain durchsetzen, der als Kriegsveteran weite Teile der republikanischen Wählerschaft ansprach, auch wenn er manchen konservativen Wählern als zu liberal galt.
Als Vizepräsidentschaftskandidatin benannte er Sarah Palin, die wiederum bei konservativen Wählern sehr populär war, auch wenn später im Wahlkampf einige Enthüllungen aus ihrem Privatleben und ihrem politischen Werdegang ihr Ansehen beeinträchtigten.Thomas Klau: Financial Times Deutschland, 4. September 2008.
McCain und Palin wurden am 3. September beim Parteitag der Republikaner nominiert.
Andere Parteien In den weiteren Parteien, denen generell nur minimale Chancen eingeräumt werden, gab es nur wenige nennenswerte Ereignisse.
Die Libertarian Party wählte mit Bob Barr einen ehemaligen republikanischen Kongressabgeordneten als Kandidaten. Die Kandidatur von Ex-Senator Mike Gravel aus Alaska, der sich zuvor erfolglos um die Nominierung der Demokraten beworben hatte, scheiterte. Barr galt konservativen Wählern als potenziell attraktive Alternative.
Bei der Green Party war mit Cynthia McKinney ebenfalls eine ehemalige Abgeordnete erfolgreich. Hier hatte Ralph Nader für Überraschungen gesorgt, der zwar als unabhängiger Kandidat antrat, aber dennoch in mehreren Vorwahlen zahlreiche Stimmen erhielt.
Diese Wahl war die erste seit 1988, bei der ehemalige Kongressabgeordnete für Drittparteien antraten.
Unabhängige Kandidaten Weiterhin sind auch einige unabhängige Kandidaturen im Vorfeld der Wahl im November diskutiert worden.
Der Bürgermeister von New York, Michael Bloomberg, betrieb eine Wähleranalyse in allen 50 US-Staaten und galt als potentieller parteiloser Kandidat, entschied sich Ende Februar 2008 aber gegen eine Kandidatur fürs Weiße Haus.Milliardär Bloomberg will nicht ins Weiße Haus. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Februar 2008.