mini|hochkant|Theodor Fischer, 1933 Theodor Fischer (* 28. Mai 1862 in Schweinfurt; † 25. Dezember 1938 in München) war ein deutscher Architekt, Stadtplaner und Hochschullehrer.

Leben Theodor Fischer wurde als sechstes Kind von Ferdinand und Friederike Fischer in Schweinfurt geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters 1869, der Großhändler für Indigo, Farbholz und Wolle war, besuchte er das humanistische Gymnasium in Schweinfurt. Dort schon zeigte sich seine Vorliebe zum Zeichnen und Karikieren. Von 1880 bis 1885 studierte er Architektur an der Technischen Hochschule München. Er war ein Schüler von Friedrich Thiersch sowie von dessen Assistenten Carl Hocheder, einem Meister der Architekturzeichnung, und wurde zugleich von Thierschs Bruder August in die antike Architektur und Proportionslehre eingeführt, die er bei seinen Bauten anwandte. Er setzte sich aber bald von dem von Friedrich Thiersch gelehrten Historismus ab und entwickelte einen eigenen, aus den regionalen und sozio-kulturellen Voraussetzungen der jeweiligen Umgebung begründeten Stil, wobei er die soziale Lage, wie das Leben der Bewohner und Nutzer in und mit den von ihm entworfenen häuslichen, kirchlichen, offiziellen und städtischen Räumen zum Ausgangspunkt machte. mini|Laimer Schlössl, Fischers Wohnhaus mini|Landhaus Theodor Fischer, Schlederloh 8

Theodor Fischer starb am 25. Dezember 1938 im Alter von 76 Jahren im Laimer Schlössl, seinem Wohnsitz in München, in dem er mit seiner Frau Therese dreißig Jahre lang und in nächster Nähe zu seinem Architekturbüro gelebt hatte. Er wurde – nur von wenigen Freunden geleitet – auf dem Waldfriedhof in München (Grabnr. 039-W-14)Franz Schiermeier: Waldfriedhof München, Übersichtsplan der Grabmäler, 2021, ISBN  978-3-948974-07-7 Titel auf Verlagsseite bestattet. mini|Fischers Staffelbauplan für Muenchen 1904

Beruflicher Werdegang Fischer arbeitete nach seinem Studium zunächst von 1886 bis 1889 im Baubüro des Reichstagsgebäudes unter Leitung von Paul Wallot in Berlin. Dort besuchte er auch Vorlesungen an der Universität und knüpfte wichtige Bekanntschaften, etwa mit Otto Rieth, der später sein Kollege an der Hochschule wurde, und Wilhelm Rettig, dem späteren Leiter des Münchner Stadtbauamts, der Fischer 1893 in das Stadterweiterungsbüro holte. Nach einer Bürogemeinschaft Reuter & Fischer mit dem Dresdner Architekten Richard Friedrich Reuter zwischen 1889 und 1892 arbeitete Fischer kurzzeitig mit Gabriel von Seidl in München zusammen. Als Vorstand des Stadterweiterungsreferats in der kommunalen Bauverwaltung der Stadt München von 1893 bis 1901 stellte Fischer einen Generalbebauungsplan. Er legte ein lokales Planungsrecht („Staffelbauordnung“) fest, das von 1904 bis 1979 rechtskräftig war und ohne das München heute anders aussehen würde. Mit über 400 individuellen Planungen prägte Fischer Straßen und Plätze vorwiegend von Schwabing-Nord, Bogenhausen, Nymphenburg-Gern, Pasing, Laim, Sendling, Thalkirchen und Harlaching. Seine Staffelbauordnung als frühe Form der Bauleitplanung wurde bis Anfang der 1990er Jahre akzeptiert.

1901 folgte er dem Ruf an die Technische Hochschule Stuttgart und war dort bis 1908 Professor für Bauentwürfe einschließlich Städteanlage. Mit der Berufung nach Stuttgart begann Fischers erfolgreichste und intensivste Schaffensperiode als Architekt; zugleich zog er mit seiner neuen, von Werkkunde und Städtebau geprägten Lehrmethode und der Offenheit gegenüber den Ideen seiner Schüler die junge Generation an. Er war, wie der Architekt Fritz Schumacher meinte, „der Erzieher einer ganzen Architektengeneration“, die in der Folge sowohl als Traditionalisten wie als Progressive das Bild der Städte bis nach dem Zweiten Weltkrieg prägten. Vertreter der in der Weimarer Republik bekannten „Stuttgarter Schule“ (z. B. Paul Schmitthenner, Heinz Wetzel) betrachteten Fischer als ihren „geistigen Vater“. In seinem Büro arbeiteten so gegensätzliche Charaktere wie Bruno Taut und Paul Bonatz, der sein Assistent und später Nachfolger auf dem Stuttgarter Lehrstuhl wurde und in den 1940er Jahren zu einem heftigen Kritiker Fischers, aus dessen Bannkreis als Übervater er sich erstmals mit dem Bau des Stuttgarter Bahnhofs gelöst habe. Er warf Fischer Unordnung, mangelnde Systematik und Klarheit in Architektur und im Städtebau vor und charakterisierte seine Bauten, wie etwa die Münchner Schulbauten oder die Jenaer Universität, als „fränkisch verknödelt“.

1908 kehrte Fischer als Professor für Baukunst an die Technische Hochschule München zurück, an der er schon 1901 als Lehrbeauftragter tätig gewesen war und u. a. René von Schöfer sein Assistent war. Im gleichen Jahr verlieh die Universität Jena ihm anlässlich der Fertigstellung des von ihm entworfenen Universitätsgebäudes die Ehrendoktorwürde. Seine Gedanken zu einer dringenden Studienreform veröffentlichte er 1917 in seinem „Manifest für die deutsche Baukunst“, in dem er sich vehement für eine neue Architektenausbildung einsetzte: Nach zwei Jahren Hochschule sollten drei Jahre Lehrwerkstatt unter Anleitung eines Meisters folgen. Bruno Taut griff diese Gedanken in seinem „Architektur-Programm“ auf, das Grundlage für das Bauhaus-Manifest wurde. Wiewohl skeptisch gegenüber der Radikalität des Neuen Bauens, das die Nationalsozialisten als „bolschewistische“ und gegen den deutschen Geist gerichtete Kunst verfolgten, verteidigte Fischer diese neue Schule sowohl 1932 in einem Appell zur Erhaltung des Bauhauses wie in seiner denkwürdigen Rede zur Feier des Kampfbundes für Deutsche Kultur im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses im Oktober 1933, zu der die gesammelte NS-Prominenz erschienen war. Damit war er – seit 1928 als Professor in München emeritiert – nach eigenen Aussagen „beiseite gestellt und mißliebig“ geworden. Der Architekt des Erweiterungsbaus der Universität München und des Deutschen Museums, German Bestelmeyer, lief ihm in dieser letzten Münchner Zeit den Rang ab. Theodor Fischer entwarf nach dem Ersten Weltkrieg für München eine Reihe von Hochhäusern mit 22 bis 27 Geschossen, die, wie entsprechende Projekte seines Kollegen Otho Orlando Kurz, alle nicht genehmigt wurden.

Nachwirkung 1946 gründeten Schüler Fischers, beeindruckt von der Zerstörung durch den Weltkrieg, das Theodor-Fischer-Institut und suchten in einer von Walter Gropius eröffneten Vortragsreihe Lösungen für den Wiederaufbau. Die Erben seiner Kinder Wilhelm Fischer (1894–1945) und Lore Wetzel (1896–1987) trugen mit dazu bei, dass Theodor Fischer zu seinem 50. Todestag in München und Stuttgart eine erste umfassende Gedächtnisausstellung mit einem kritischen Werkverzeichnis erhielt. Winfried Nerdinger würdigte darin sein Werk als das „des einflussreichsten und bedeutendsten Architekten vor dem Ersten Weltkrieg“, der über 100 ausgeführte Bauten hinterlassen hat; ganz zu schweigen von zahlreichen nicht ausgeführten Projekten für Bauten und städtische Räume, mit denen er an Wettbewerben teilnahm oder seine idealen Vorstellungen skizzierte. Seine reiche Vortragstätigkeit, Aufsätze und Beiträge für Fachzeitschriften bieten einen Einblick in seine Gedankenwelt, die sich fast dialektisch zwischen alt und neu, Tradition und Moderne, im Sinne eines neugierigen Fortschreitens bewegte.

Nach Fischer ist der sogenannte Fischerbogen benannt, eine besondere architektonische Bauform des Bogens, die er erfand.

Mitgliedschaften Fischer war 1907 Mitbegründer und in der Folge 1. Vorsitzender im Ausschuss des Deutschen Werkbunds, abgerufen am 22. Oktober 2014. sowie Mitglied der Deutschen Gartenstadt-Gesellschaft. Er war beratend und gestalterisch an der Entstehung der ersten deutschen Gartenstadt Hellerau beteiligt. Sein Schaffen ist geprägt von der Auseinandersetzung mit den Auswirkungen der Industrialisierung und der Überwindung des Historismus am Beginn der modernen Architektur.

Schüler und Mitarbeiter Schüler Fischers waren u. a.: Karl Barth, Dominikus Böhm, Paul Bonatz, Ella Briggs, Martin Elsaesser, Hugo Häring, Richard Kauffmann, Ferdinand Kramer, Johannes Ludwig, Ernst May, Erich Mendelsohn, Franz Mutzenbecher, Jacobus Johannes Pieter Oud, Oskar Pfennig, Richard Riemerschmid, Franz Roeckle, Hans Schlag, Heinz Schmeißner, René von Schöfer, Otto Ernst Schweizer, Bruno Taut, Lois Welzenbacher, Heinz Wetzel und Gustav Wolf. Paul Schmitthenner stieß als Architekt zu Fischer, betrachtete ihn aber als Vorbild für seine Lehre an der Technischen Hochschule Stuttgart. Die Architekten Sigurd Lewerentz, Herbert Rimpl, Willibald Braun und Siegmund von Suchodolski waren Mitarbeiter Fischers; der Münchner Architekt Oskar Pixis war von 1908 bis 1936 Chef des Architekturbüros von Fischer in München-Laim.

Auszeichnungen 1908: Komturkreuz des großherzoglich sächsischen Hausordens der Wachsamkeit oder vom weißen FalkenDeutsche Bauzeitung, 42. Jahrgang 1908, Beilage 35 zu Nr. 69 (vom 26. August 1908), S. 138. 1909: Ehrendoktorwürde der Universität Jena 1919: Mitglied der Preußischen Akademie der Künste 1922: Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Stuttgart (Dr.-Ing. E. h.) 1925: Bayerischer Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst im Bereich Kunst Ehrenmitglied der Bayerischen Obersten Baubehörde Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft Goldene Ehrenmünze der Landeshauptstadt München Das Zentralinstitut für Kunstgeschichte in München vergibt jährlich den Theodor-Fischer-Preis als internationalen Nachwuchsförderpreis für herausragende Forschungsarbeiten zur Architekturgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.Zentralinstitut: Theodor-Fischer-Preis

Theodor Fischer als Namensgeber Nach Theodor Fischer wurde 1947 im Münchener Stadtteil Allach (Stadtbezirk 23 – Allach-Untermenzing) die Theodor-Fischer-Straße benannt.LageplanWebseite zur Namensgebung der Theodor-Fischer-Straße auf Stadtgeschichte-Muenchen In Fischers Geburtsstadt Schweinfurt gibt es einen nach ihm benannten Theodor-Fischer-Platz.Lageplan Theodor-Fischer-Platz in SchweinfurtTheodor-Fischer-Straße in Schweinfurt auf Webseite stassen-in-deutschland.de Theodor-Fischer-Straße in ReutlingenLageplan Theodor-Fischer-Straße in ReutlingenTheodor-Fischer-Straße in Reutlingen auf Webseite stassen-in-deutschland.de Theodor-Fischer-Straße in PfullingenLageplan Theodor-Fischer-Straße in PfullingenTheodor-Fischer-Straße in Pfullingen auf Webseite stassen-in-deutschland.de Theodor-Fischer-Straße in HeilbronnLageplan Theodor-Fischer-Straße in HeilbronnTheodor-Fischer-Weg in Heilbronn auf Webseite onlinestreet.de Theodor-Fischer-Straße in AlteglofsheimLageplan Theodor-Fischer-Straße in AlteglofsheimTheodor-Fischer-Straße in Alteglofsheim auf Webseite stassen-in-deutschland.de Theodor-Fischer-Weg in Frankfurt am MainLageplan Theodor-Fischer-Weg in Frankfurt am MainTheodor-Fischer-Weg in Frankfurt am Main auf Webseite stassen-in-deutschland.de Der kleine Theodor-Fischer-Platz in Stuttgart liegt an der Ecke Heusteigstraße / Römerstraße, gegenüber der von Theodor Fischer erbauten Heusteigschule.Lageplan Theodor-Fischer-Platz in StuttgartWebseite zum Theodor-Fischer-Platz in Stuttgart auf neue-strassen.de

Werk Bauten und Entwürfe mini|Entwurfszeichnung der Schule an der Haimhauser Straße in München, 1897 mini|Volksschule an der Guldeinstraße in München, 1899 mini|Hauptgebäude der Universität Jena mini|hochkant|Bismarckturm am Starnberger See mini|Gebsattelbrücke in München mini|Ledigenheim in München

Die Liste nennt die ausgeführten Werke Fischers chronologisch nach dem Jahr der ersten Entwürfe. Die tatsächliche Bauausführung war teilweise später, einige Projekte wurden durch andere Architekten ausgeführt. Wohnhaus in München-Neuhausen, 1894 Bismarck-Denkmal in Leoni am Starnberger See, 1896–1899 Volksschule an der Haimhauserstraße in München, 1897 Baulinienplan des Dreimühlenviertels, 1898 Wohnhaus Wunderlich in Stuttgart, 1898 Wohnhaus Seifert in Würzburg, 1898 Volksschule an der Guldeinstraße in München, 1899 Gewerbeschule an der Luisenstraße in München, 1899