Der Bahnhof Coburg ist die wichtigste Bahnstation der oberfränkischen Stadt Coburg. Er hat eine zentrale Funktion im öffentlichen Personennah- und -fernverkehr für Coburg und das Umland. Der Bahnhof wurde mit der Werrabahn, einer eingleisigen Hauptbahn von Eisenach über Meiningen nach Lichtenfels, in den Jahren 1857 bis 1858 durch die Werra-Eisenbahn-Gesellschaft erbaut.
Täglich halten etwa 75 Regionalzüge, es werden rund 5000 Ein- und Aussteiger gezählt. Ab Dezember 2017 hielten bis zu sechs ICE täglich in Coburg. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 sind es acht.
Lage
Das Empfangsgebäude des Coburger Personenbahnhofs, Lossaustraße 6, steht bei Streckenkilometer 130,125 der Werrabahn auf 295,38 Meter über NN westlich des Stadtkerns. Er wird im Westen von der parallel verlaufenden „Stadtautobahn“ (B 4) begrenzt. Der Bahnhof ist Ausgangspunkt für die Bahnstrecken nach Ernstthal am Rennsteig über Sonneberg und Bad Rodach.
Geschichte Der Bahnhof wurde im Überschwemmungsgebiet der Itz in erhöhter Lage errichtet. Mit der Inbetriebnahme des Streckenabschnittes von Coburg nach Lichtenfels im Jahr 1859 wurde er im Eisenbahnbetrieb Wechselstation der Werra-Eisenbahn-Gesellschaft und der Königlich Bayerischen Staatsbahnen. Für die Mitbenutzung der betrieblichen Anlagen musste die Bayerische Staatsbahn Miete bezahlen. In den folgenden 60 Jahren wurde der Bahnhof vor allem durch Kaiser, Zaren, Könige und Fürsten bekannt, die dort anlässlich des Besuchs bei ihren Verwandten aus dem Hause Sachsen-Coburg und Gotha eintrafen oder abreisten. Aufgrund des wachsenden Verkehrs, insbesondere durch die Integration in das Streckennetz der Preußischen Staatsbahn 1895 und die Nebenbahnen nach Bad Rodach und Weidhausen mussten die baulichen Anlagen Anfang des 20. Jahrhunderts vergrößert werden. Dazu wurde 1903 anderthalb Kilometer südlich des Bahnhofs ein Güterbahnhof als eigenständige Betriebsstelle eröffnet.
Personenbahnhof mini|Gleisplanschema im Jahr 2006 mini|Westseite von der Adamistraße gesehen (2006) mini|hochkant|Nördlicher Kopf des Personenbahnhofs mit ehemaligem Stellwerk Cn (2006) Nach dem Bau des neuen Güterbahnhofs war eine Erweiterung des Personenbahnhofs notwendig, die 1911 nach der Finanzierungsvereinbarung zwischen der preußischen Eisenbahnverwaltung und der Stadt in Angriff genommen wurde. Mit dem Bau des neuen Empfangsgebäudes, welches das erste Stationsgebäude ersetzen sollte und des separaten Fürstenbaus wurde erst Anfang 1914 nach dem Vorliegen verschiedener Entwürfe begonnen.
Ein Teil der Gebäude konnte noch bis Ende 1916 fertiggestellt werden, danach ruhten die Arbeiten wegen des Ersten Weltkriegs bis 1919. Die Einweihungsfeier des Empfangsgebäudes fand schließlich am 3. Dezember 1923 statt.Coburger Zeitung, 3. Dezember 1923 In der Zeit des Nationalsozialismus war der Bahnhof Ausgangspunkt von 37 Deportationen Coburger Juden mit der Eisenbahn durch das NS-Regime. 26 Personen kamen am 27. November 1941 mit einem Sammeltransport aus Franken über Nürnberg nach Riga, fünf folgten am 24. April 1942 nach Izbica und sechs am 9. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt.Hubert Fromm: Die Coburger Juden. Geduldet – Geächtet – Vernichtet. Evangelisches Bildungswerk Coburg e. V. und Initiative Stadtmuseum Coburg e. V. (Hrsg.), 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Coburg 2012, ISBN 978-3-938536-01-8, S. 133–137.
Durch die Grenzziehung nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auf der Werrabahn zwischen den Bahnhöfen Eisfeld und Görsdorf sowie auf der Strecke nach Ernstthal am Rennsteig zwischen Neustadt und Sonneberg der Bahnbetrieb eingestellt. Dadurch ging die Bedeutung des Knotenbahnhofes zurück. 1950 wurde der Bahnhof elektrifiziert. Es handelte sich um eine der ersten Elektrifizierungen nach dem Krieg, die die Verbundenheit zwischen dem Freistaat Bayern und dem 1920 mit ihm vereinigten Coburger Land demonstrieren sollte.
Als Vorleistung im Hinblick auf einen möglichen ICE-Anschluss wurde im Sommer 2007 die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes abgeschlossen, es folgten Arbeiten an einer neuen Straßenführung vor dem Bahnhofsgebäude. Im August 2009 wurde ein zentraler Omnibusbahnhof (ZOB) südlich des Fürstenbaus in Betrieb genommen. Die Stadt Coburg richtete 2017 im Zusammenhang mit der ICE-Anbindung 56 Stellplätze auf einer Parkanlage hinter dem Gebäude Lossaustraße 1 ein. Im Mai 2019 wurde ein Parkplatz mit 60 Stellplätzen und Anbindung an die Bahnsteigunterführung auf der Westseite des Bahnhofs eröffnet. Die Kosten von 1,45 Millionen Euro wurden von der Stadt Coburg finanziert.
2016 und Anfang 2019 wurde die Zahl der täglichen Ein- und Aussteiger mit etwa 4000 beziffert. Der Lückenschluss der Werrabahn zwischen Coburg und Eisfeld ist in dem im März 2016 vorgelegten Entwurf des Bundesverkehrswegeplans 2030 nicht enthalten. Im Mai 2019 wurde der zweite Gutachterentwurf des Deutschlandtakts vorgelegt, in welchem eine Reaktivierung der Verbindung jedoch aufgenommen wurde.
Bahnsteige mini|Blick vom Hausbahnsteig nach Süden mit ausfahrendem ICE Ende der 1970er Jahre wurden für den Bau der Stadtautobahn die westlichen Bahnhofsgleise und ein Bahnsteig abgebaut sowie das südliche Stellwerk Cs durch einen Neubau ersetzt. Fünfzehn Jahre später folgte ein weiterer Rückbau der Gleise und eine Vereinfachung des Spurplanes, insbesondere der südöstlichen Abstellgruppen. Danach gab es zwei ungefähr 250 Meter lange Inselbahnsteige und den Hausbahnsteig.
Im Herbst 2008 wurde der Bahnhof teilweise saniert. So erhielten die Bahnsteige neue Dächer und eine neue Bestuhlung, während im Fußgängertunnel eine Glaswand als Schutz vor Zugluft eingebaut wurde.
Am 21. November 2016 begannen Abbruch und Neubau der drei bestehenden Bahnsteige. Diese wurden grundhaft erneuert und von 38 cm auf 55 cm erhöht. Die Bahnsteige 1 und 3 (Gleis 1, 4 und 5) wurden für den Nahverkehr mit einer Länge von 210 m und der Bahnsteig 2 (Gleis 2 und 3) für die ICE-Züge mit einer Länge von 405 m hergestellt. Zusätzlich ließ die Deutsche Bahn drei Aufzüge einbauen. Die Maßnahme kostete 7,5 Millionen Euro. Die Bahnsteige 2 und 3 waren Ende 2017 und der Bahnsteig 1 Ende Juni 2018, knapp ein Jahr früher als geplant, in Betrieb genommen worden.
Am Gleis 6 wurde 2025 wieder ein Außenbahnsteig errichtet. Er ist 55 cm hoch, 2,75 m breit und 118 m lang. Er ist mit zwei Wartehäuschen, einem Zugzielanzeiger und einem Bodenleitsystem ausgestattet und wie die anderen Bahnsteige über einen Aufzug barrierefrei an die Unterführung angebunden werden. Damit sollen laut Bayerischer Eisenbahngesellschaft die „ICE- und Regionalexpressverkehre, die über die Schnellfahrstrecke nach Coburg gelangen (…) schnellere und zuverlässigere Anschlüsse zu den Regionalbahnen erhalten, die die Bahnlinien nach Lichtenfels, Sonneberg und Bad Rodach bedienen“. Die Planungen begannen bereits 2019. Insgesamt wurde mit Planungskosten von rund 300.000 Euro gerechnet. Für die Durchführung der Baumaßnahmen wird mit Kosten von etwa 3,8 Millionen Euro gerechnet. Die Bauarbeiten begannen Ende Juni 2025 und wurden im Frühjahr 2026 abgeschlossen. Der Bahnsteig galt im Februar 2026 als nutzbar. Er war Ende Mai 2026 noch gesperrt.
Güterbahnhof
Der Güterbahnhof bei Streckenkilometer 131,94 wurde 1903 in Betrieb genommen und 1997 geschlossen.
Für die Erweiterung der Bundesstraße 4 auf vier Fahrstreifen zwischen der Coburger Südzufahrt und der Frankenbrücke mit etwa 1,7 Kilometer Länge sollen im Bereich des Coburger Güterbahnhofs die Streckengleise nach Osten verschwenkt werden, um Eingriffe in die Grundstücke im nördlichen Teil des Weichengereuths zu vermeiden. Zusätzlich soll der Streckenabschnitt zwischen dem Coburger Bahnhof und der Itzbrücke wieder zweigleisig werden.Coburg.de: Fairer Kompromiss mit breiter Zustimmung, Mai 2025
Bahnbetriebswerk mini|Ehemaliges Bahnbetriebswerk Coburg, Lokschuppen und Drehscheibe (2008) Anfangs befand sich das Heizhaus am Empfangsgebäude. Zusammen mit dem Umbau des Personenbahnhofs wurde 1911 mit dem Bau eines Bahnbetriebswerks für beide Bahnhöfe nördlich vom Personenbahnhof an der Bahnstrecke nach Bad Rodach begonnen. Aufgrund schwieriger Baugrundverhältnisse und des Ersten Weltkriegs konnte der Lokschuppen erst 1921 mit 16 Ständen und einer 23 Meter-Drehscheibe in Betrieb genommen werden. Der Lokschuppen im Jugendstil erhielt ein Tonnendach und steht deshalb unter Denkmalschutz. Der Einsatz von Dampflokomotiven endete 1974, die letzten Diesellokomotiven wurden 1987 abgezogen. Seit Mitte der 1990er Jahre ist der Betrieb im Bahnbetriebswerk eingestellt, das Gelände ist verwaist. Die Gleise wurden teilweise demontiert, das Dach und große Teile der Stahlkonstruktion des Ringlokschuppens wurde Anfang 2012 abgebrochen, die äußeren Mauerwerkswände blieben stehen.
Die zweigleisige, rechteckige TriebwagenhalleWolfgang Bleiweis, Stefan Goldschmidt und Bernd Schmitt: Eisenbahn im Coburger Land. Resch Druck, Coburg 1996, ISBN 3-9802748-4-5, S. 92. brannte am späten Nachmittag des 20. April 2025 vollständig aus. Das Gebäude wurde in der Folge abgetragen. Am 5. Mai brannte ein Nebengebäude nieder.infranken.de, 6. Mai 2025
Zugverkehr mini|Erster planmäßiger ICE am 10. Dezember 2017 mini|Planmäßige Zugkreuzung der ICE 700 und ICE 1617 (2018) Personenverkehr Im Jahr 1933 fuhren an Werktagen 42 Züge in Coburg ab. 13 Verbindungen gab es nach Lichtenfels, zehn nach Sonneberg und acht nach Eisenach. Bis auf ein Eilzug- und ein Schnellzugpaar zwischen Lichtenfels und Eisenach waren dies alles Personenzüge. Das Coburger Land war durch sechs Züge nach Rossach, vier nach Rodach und einem Direktzug nach Hofsteinach mit Coburg verbunden.
1990 gab es werktäglich 17 Zugverbindungen nach Lichtenfels, 13 nach Neustadt und drei nach Bad Rodach. Erwähnenswert ist eine Schnellzug-Verbindung über Lichtenfels nach München.
Im Jahr 2006 fuhren in der Woche zwischen 6:00 und 20:00 Uhr alle zwei Stunden acht Züge von Gleis 5 nach Bad Rodach. Die Regionalbahn-Züge bestanden aus Dieseltriebwagen der Baureihe 628. Nach Sonneberg gab es 18 Zugverbindungen, davon sieben Regional-Express-Züge, die im Zwei-Stunden-Takt meist von Gleis 2 oder 3 abfuhren. Nach Lichtenfels gab es 28 Zugverbindungen, davon eine Regional-Express-Linie mit acht Zügen sowie zwei Regionalbahnlinien mit 20 Zügen. Die Linien verkehrten im Zwei-Stunden-Takt. Die Regional-Expresszüge bestanden aus Doppelstockwagen und Lokomotiven der Baureihe 146. Die Regionalbahnen waren in der Woche meist mit der Baureihe 143 oder der Baureihe 111 bespannt.
Seit dem 12. Juni 2011 wird die Strecke von Bad Rodach nach Coburg von der Eisenbahngesellschaft Agilis bedient. Diese Züge werden darüber hinaus über Lichtenfels nach Bayreuth Hauptbahnhof geführt.Fahrplan Agilis, abgerufen am 6. März 2016.
Zwischen Dezember 2012 und 2017 wurde der Bahnhof im Stundentakt vom Regional-Express der Relation Nürnberg–Sonneberg mit Triebwagen der Baureihe 442 bedient. Seit der Inbetriebnahme der Neubaustrecke zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 fahren diese Züge über Lichtenfels im Zweistundentakt.
Um eine Stunde versetzt verkehrten zunächst zusätzlich alle zwei Stunden insgesamt täglich acht Regionalexpress-Züge des Franken-Thüringen-Expresses, die südlich von Coburg über die Neubaustrecke geführt werden. Es soll damit eine Betriebsleistung von rund 500.000 Zugkilometern pro Jahr mit Doppelstockwagen erbracht werden. Die Züge konnten mehr als 530 Fahrgäste befördern. Die Züge wurden mit gemieteten Lokomotiven der Baureihe 193, die mit ETCS ausgerüstet waren, und fünf Doppelstockwagen gebildet. Im ersten Betriebsjahr nutzten mehr als 6000 Reisende pro Tag die Züge, darunter mehr als 1000 zwischen Bamberg und Coburg. Die Reisezeit von Coburg nach Nürnberg wurde um rund 30 Minuten auf rund 70 Minuten verkürzt.