Optionsstrategien sind Handelsstrategien mit derivativen Finanzinstrumenten. Optionsstrategien dienen zur Absicherung, Spekulation oder zum Versuch einer Arbitrage. Mit einer Optionsstrategie kann der Investor auf eine fallende, sich seitwärts bewegende oder steigende Entwicklung des Basiswerts ( underlying) spekulieren, oder darauf, dass die Volatilität des Basiswerts fällt oder steigt. Mit einer Optionsstrategie kann sich der Anleger gegen eine negative Entwicklung des Basiswerts absichern (gedeckte Optionsstrategie). Aber auch unabhängig vom Halten des Basiswerts können Optionsstrategien eingegangen werden.
mini|hochkant=2|Übersicht über Optionsstrategien
Grundpositionen
Grundpositionen sind ungedeckte Optionsstrategien, die entweder aus einer Kaufoption (Call) oder einer Verkaufsoption (Put), der jeweils gekauft (also long) und verkauft (also short) gegangen werden können. Eine ungedeckte Position ist etwa eine Short-Position in einer Kaufoption, die nicht mit einer Long-Position im Basiswert kombiniert ist. Optionen sind bedingte Finanztermingeschäfte, bei denen der Käufer einer Option nicht mehr als die bezahlte Optionsprämie verlieren kann, der Verkäufer einer Option allerdings ein theoretisch unbegrenztes Verlustpotential eingeht.J. Panda, R. K. Dash: Contemporary Issues on Financial Market. 1998.
Sicherungspositionen
Eine Sicherungsposition (auch: Hedge-Position) ist ein Portfolio aus Optionen und dem zugehörigen Basiswert (Gedeckte Optionsstrategie). Dabei werden entweder die Verluste aus der Aktie durch den Ausübungsgewinn bei den Optionen oder die Ausübungsverluste bei den Optionen durch Gewinne bei der Aktie ganz oder teilweise gedeckt, ohne die Risiken zu erhöhen:
Gedeckte Kaufoption
Bei einer gedeckten Kaufoption ( Covered Call) erwirbt oder hält man einen Basiswert und verkauft eine Kaufoption auf diesen Basiswert. Dadurch hat man Einkünfte aus dem Optionsverkauf, die man dadurch erwirtschaftet, dass das ganze Konstrukt keine Wertsteigerung erfährt, wenn der Wert des Basiswerts am Ausübungsdatum über dem Ausübungspreis liegt.R. Corwin Grube, Don B. Panton, J. Michael Terrell: Risks and rewards in covered call positions. In: The Journal of Portfolio Management, Winter 1979, Band 5, Nr. 2, S. 64–66. Eine gedeckte Kaufoption ist aber auch mit Risiken verbunden, insbesondere bei hoher Volatilität des Basiswertes. Eine gedeckte Kaufoption ist nur dann als Sicherungsposition einzuschätzen, wenn der Anleger von einem gleich bleibenden bis leicht steigenden Kurs des Basiswertes ausgeht. Wenn der Basiswert gleichzeitig zum Verkauf der Kaufoption erworben wird, bezeichnet man diese Strategie auch als buy-write-Strategie. Hält man den Basiswert bereits aus einem früheren Kauf und verkauft nun eine Kaufoption, wird diese Strategie auch als Overwrite bezeichnet. Normalerweise wird sowohl der Basiswert im gleichen Brokerage-Konto gehalten wie die geschriebenen Calls. Diese Strategie ist die einfachste und am weitesten verbreitete gedeckte Optionsstrategie.The Options Industry Council (OIC): Options Strategies: Covered Call, 2009.
Protective-Put-Strategie
Bei einer Protective-Put-Strategie erwirbt man den Basiswert und eine Verkaufsoption dazu. Der Sinn ist es, sich mit der Verkaufsoption gegen ein Kursverfallsrisiko zu versichern.S. Figlewski, N. K. Chidambaran, S. Kaplan: Evaluating the Performance of the Protective Put Strategy. In: Financial Analysts Journal, Band 49, Nr. 4 (Juli–August 1993), S. 46–56 + 69. Deswegen gilt er als ein wichtiges Mittel zur Umsetzung einer Wertsicherungsstrategie. Der Unterschied zwischen der Protective-Put-Strategie und der gedeckten Verkaufsoption besteht darin, dass der Anleger sich bei einer Protective-Put-Strategie einen Mindestverkaufspreis sichert und dafür einen Aufschlag zahlt und bei der gedeckten Verkaufsoption sich einen Höchstverkaufspreis garantiert und dafür einen Abschlag erhält. Ein Investor setzt eine Protective-Put-Strategie meist dann ein, wenn er nichtrealisierte Gewinne aus einer Wertsteigerung des Basiswerts und Bedenken über die zukünftige Kursentwicklung hat und sich gegen eine negative Kursentwicklung des Basiswerts absichern will. Die Protective-Put-Strategie ist eine bullish gerichtete Optionsstrategie.
Unabhängig davon wie viel der Basiswert während der Laufzeit des Puts an Wert verliert, garantiert der Put dem Anleger das Recht, seine Aktien zum Ausübungspreis des Puts zu verkaufen, bis die Option verfällt. Die Verkaufsoption garantiert dem Investor also nicht nur den Verkaufspreis zum Ausübungspreis der Option, sondern gibt ihm gleichzeitig die Kontrolle darüber, den Zeitpunkt des Verkaufs des Basiswerts innerhalb der Laufzeit der Option selbst zu wählen.
Reverse Hedge
Bei einem Reverse Hedge wird der Basiswert (Underlying) nicht erworben, sondern im Gegenteil ein Leerverkauf durchgeführt (short). Daher die Bezeichnung „reverse“ (umgedrehter) Hedge,Vgl. Nasser Saber: Speculative Capital Volume 3 – The Enigma of Options. 2006. S. 170.; dazu werden entweder Calls long oder Puts short eingesetzt. Die Reverse-Hedge-Strategie wird manchmal auch als Simulated Straddle bezeichnet. Idealerweise ist bei dieser Strategie, der zugrundeliegende leerverkaufte Basiswert sehr volatil. Sehr volatile Basiswerte wie z. B. volatile Aktien, haben den Vorteil, dass der Leerverkäufer nicht noch zusätzlich die Dividende an den Käufer zahlen muss. Unternehmen mit einem sehr volatilen Aktienkurs zahlen deutlich weniger Dividende an ihre Aktionäre.Lawrence G McMillan: Options as a Strategic Investment, NYIF, 4. Ausgabe, (5. Februar 2002), S. 123 ff., ISBN 0-7352-0197-8. Bei einem Net Reverse Hedge (auch 1:1 Reverse Hedge, d. h., die Höhe der Leerverkäufe entspricht der Höhe der gekauften oder verkauften Optionen) mit einem Call long spekuliert man auf steigende Aktienkurse. Bei einem Net Reverse Hedge mit Puts short spekuliert man auf gleichbleibende bis leicht sinkende Aktienkurse.
Collar-Strategie
Eine Collar-Strategie ist eine Kombination aus dem Kauf einer Verkaufsoption und dem Verkauf einer Kaufoption zur Absicherung einer bestehenden Aktienposition.John F. Marshall: Dictionary of Financial Engineering (Wiley Series in Financial Engineering). 2000, ISBN 0-471-24291-8, S. 38. Über den Kauf einer Verkaufsoption (mit einem unteren Preislimit) werden die Aktien gegen größere Abwärtsbewegungen abgesichert.E. Chevallier, H.H. Muller: Risk Allocation in Capital Markets: Portfolio Insurance, Tactical Asset Allocation and Collar Strategies. In: Insurance: Mathematics and Economics Band 16, Nr. 3, Juli 1995, Elsevier, S. 287–287 (1). Die Aufwendungen für den Kauf der Verkaufsoption können durch den gleichzeitigen Verkauf einer Kaufoption (mit einem höheren Ausübungspreis) gemindert werden. Sollten die Aufwendungen aus dem Kauf der Verkaufsoption und die Erlöse aus dem Verkauf der Kaufoption exakt ausgleichen, spricht man von einem „Zero-Cost-Collar“.
Spreadpositionen
Bei Spreadpositionen handelt es sich um ein Portfolio aus gekauften (long) und/oder verkauften (short) Optionen. Generell wird zwischen Preis-Spreads und Time-Spreads unterschieden.
Preis-Spreads
Bei Preis-Spreads werden Optionspositionen aufgrund der Optionskombinationen (Kauf und Verkauf) aus der gleichen oder aus unterschiedlichen Optionsklassen unterschieden.
Preis-Spread-Positionen derselben Klasse
Sowohl der Bull-Spread als auch der Bear-Spread können mit Kaufoptionen als auch mit Verkaufsoptionen gebildet werden. Dementsprechend spricht man dann von Bull-Call-Spread (Bildung mit Kaufoptionen) und Bull-Put-Spread (Bildung mit Verkaufsoptionen) sowie von Bear-Call-Spread (Bildung mit Calls) und Bear-Put-Spreads (Bildung mit Verkaufsoptionen).
Hausse-Spread mini|Vereinfachte Gewinn- und Verlustdarstellung eines Bull-Preis-Spread: Bull-Call-Spread bzw. Bull-Put-Spread
Ein Hausse-Spread besteht aus dem Kauf einer Kaufoption und dem gleichzeitigen Verkauf einer Kaufoption. Die Ausübungsdaten der beiden Optionen sind gleich, jedoch hat die Long-Position einen niedrigeren Ausübungspreis als die Short-Position.Zhongfeng Qin, Xiang Li: Expected Payoff of Trading Strategies Involving European Options for Fuzzy Financial Market. Department of Mathematical Sciences, Tsinghua University, Beijing 100084, China. Auf Grund der Put-Call-Parität kann ein Hausse-Spread sowohl mit Kaufoptionen (Calls) als auch mit Verkaufsoptionen (Puts) gebildet werden. Beispielposition:
Bull-Call-Spread Long 1. Januar 2008 – 500 Call Short 1. Januar 2008 – 600 Call Bull Put Spread Long 1. Januar 2008 – 500 Put Short 1. Januar 2008 – 600 Put
Baisse-Spread mini|Vereinfachte Gewinn- und Verlustdarstellung eines Bear Preis-Spread: Bear-Call-Spread bzw. Bear-Put-Spread
Ein Baisse-Spread besteht aus dem Kauf einer Kaufoption (long Call) und dem gleichzeitigen Verkauf einer Kaufoption (short Call). Die Ausübungszeitpunkte der beiden Optionen sind gleich, jedoch hat die Short-Position einen niedrigeren Ausübungspreis als die Long-Position.R. W. Kolb: Understanding Options, John Wiley & Sons (8. März 1995), ISBN 0-471-08554-5. Auf Grund der Put-Call-Parität kann ein Baisse-Spread sowohl mit Kaufoptionen als auch mit Verkaufsoptionen gebildet werden. Beispielposition:
Bear Call Spread Long 1. Januar 2008 – 600 Call Short 1. Januar 2008 – 500 Call Bear Put Spread Long 1. Januar 2008 – 600 Put Short 1. Januar 2008 – 500 Put
Preis-Spread-Positionen unterschiedlicher Klassen
Bei Preis-Spread-Positionen handelt es sich um Optionspositionen aus unterschiedlichen Optionsklassen (Kaufoption und Verkaufsoption).
Straddle
Beim Straddle wird auf sich stark ändernde Kurse (long straddle), bzw. auf gleich bleibende Kurse (short straddle) spekuliert, wobei die Richtung der Kursänderung irrelevant ist.
mini|Vereinfachte Gewinn- und Verlustdarstellung eines long Straddle
Long Straddle: (auch: bottom straddle oder bought straddle genannt): Bei einem long Straddle wird gleichzeitig eine Kaufoption und eine Verkaufsoption mit demselben Basiswert, zum selben Ausübungspreis und zum selben Verfallsdatum gekauft. Der Anleger spekuliert auf eine steigende Volatilität des Basiswerts. Die Markterwartung des Anlegers ist dementsprechend volatil, d. h., der Anleger erwartet kräftige Kursänderungen des Basiswertes. Das Gewinnpotenzial ist theoretisch unbegrenzt. Das Verlustpotenzial ist auf die Summe der gezahlten Optionsprämien begrenzt. Beispielposition:
Long Straddle Long 1. Januar 2008 – 200 Call Long 1. Januar 2008 – 200 Put
mini|Vereinfachte Gewinn- und Verlustdarstellung eines short Straddle
Short Straddle: (auch: top straddle oder written straddle genannt) Hierbei handelt es sich um die umgekehrte Position des long Straddle, also dem Verkauf einer Kaufoption und einer Verkaufsoption zum selben Basiswert, zum selben Ausübungspreis und zum selben Verfallsdatum. Der Anleger geht von einem sich seitswärts bewegenden Aktienkurs aus, d. h., er erwartet keine großen Kursänderungen des Basiswertes. Das Gewinnpotenzial ist begrenzt auf die Summe der erhaltenen Optionsprämien. Das Verlustpotenzial ist wegen des short Calls bei einem starken Kursantieg des Basiswerts theoretisch unbegrenzt. Bei einem starken Fall des Kurses ist das Verlustpotenzial aber wegen des short Puts auf den Ausübungspreis beschränkt. Beispielposition:
Short Straddle Short 1. Januar 2008 – 200 Call Short 1. Januar 2008 – 200 Put
Covered-written-Straddle: Kombination aus long Basiswert und ein short Put. Naked-written-Straddle: Eröffnung der Position ohne Deckung (ohne Basiswert)
Strangle
Die Optionsposition Strangle ist eine vergleichbare Optionsstrategie wie der Straddle. Sie wird ebenfalls mit einer Kaufoption und einer Verkaufsoption gebildet, aber mit unterschiedlichen Basispreisen und/oder unterschiedlichen Verfallsdaten.
mini|Vereinfachte Gewinn- und Verlustdarstellung eines long Strangle